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Geschichte · Klasse 9 · Imperialismus und der Weg in den Ersten Weltkrieg · 1. Halbjahr

Die Rolle der Kirchen im Nationalsozialismus

Die Schülerinnen und Schüler untersuchen das Verhalten der evangelischen und katholischen Kirche gegenüber dem NS-Regime.

KMK BildungsstandardsKMK-SachkompetenzKMK-Urteilskompetenz

Über dieses Thema

Das Thema 'Die Rolle der Kirchen im Nationalsozialismus' untersucht das Verhalten der evangelischen und katholischen Kirche gegenüber dem NS-Regime. Schülerinnen und Schüler analysieren Quellen zum Reichskonkordat von 1933, das eine Anpassung der katholischen Kirche signalisiert, und zum Aufstieg der Bekennenden Kirche unter Martin Niemöller, die theologischen Widerstand leistete. Sie bewerten Gründe für Anpassung, wie Angst vor Verfolgung und nationaler Zusammenhalt, sowie für Widerstand, wie biblische Prinzipien. Dies stärkt Sachkompetenz durch Faktenkenntnisse und Urteilskompetenz durch ethische Bewertung nach KMK-Standards.

Im Rahmen der Einheit 'Vom Imperialismus bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs' beleuchtet das Thema Kontinuitäten wie antijüdische Traditionen in der Kirche und Brüche durch NS-Druck. Schüler lernen, institutionelle Verantwortung zu differenzieren und moralische Grauzonen zu erkennen, was historisches Urteilsvermögen schult.

Aktives Lernen ist hier ideal, weil sensible Quellen durch Gruppendiskussionen und Rollenspiele emotional greifbar werden. Schüler üben Argumentation und Perspektivenwechsel, was abstrakte Konflikte konkret macht und tiefes Verständnis fördert. (178 Wörter)

Leitfragen

  1. Analysiere die unterschiedlichen Reaktionen der Kirchen auf die NS-Diktatur.
  2. Erkläre die Gründe für Anpassung und Widerstand innerhalb der kirchlichen Institutionen.
  3. Beurteile die Verantwortung der Kirchen im Kontext der NS-Verbrechen.

Lernziele

  • Analysiere die unterschiedlichen Reaktionen der evangelischen und katholischen Kirche auf das NS-Regime anhand von Primärquellen.
  • Erkläre die theologischen und politischen Argumente, die sowohl für die Anpassung als auch für den Widerstand innerhalb der Kirchen angeführt wurden.
  • Bewerte die moralische und institutionelle Verantwortung der Kirchen im Hinblick auf die Verfolgung von Juden und anderen Minderheiten während der NS-Zeit.
  • Vergleiche die Strategien der Bekennenden Kirche und des Reichskonkordats im Umgang mit der NS-Diktatur.

Bevor es losgeht

Grundlagen des Nationalsozialismus

Warum: Ein grundlegendes Verständnis der NS-Ideologie, der Herrschaftsstrukturen und der Verfolgungspolitik ist notwendig, um die Reaktionen der Kirchen einordnen zu können.

Die Weimarer Republik und ihre Krisen

Warum: Das Wissen um die politische Instabilität der Weimarer Republik und die Rolle der Kirchen in dieser Zeit hilft, die Entscheidungsprozesse der Kirchen im Angesicht der NS-Machtübernahme zu verstehen.

Schlüsselvokabular

ReichskonkordatEin Staatsvertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich, der die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und dem NS-Staat regelte und von vielen als Anpassung verstanden wurde.
Bekennende KircheEine reformatorische Bewegung innerhalb der evangelischen Kirchen, die sich gegen die Vereinnahmung durch die nationalsozialistische Ideologie und die 'Deutschen Christen' stellte und theologischen Widerstand leistete.
ArierparagraphEine diskriminierende Maßnahme im NS-Staat, die auch auf kirchliche Amtsträger angewendet wurde und die Ausgrenzung von Personen jüdischer Herkunft oder Abstammung vorsah.
KirchenkampfDer Begriff beschreibt die Auseinandersetzungen zwischen kirchlichen Gruppen und dem NS-Regime, die von Anpassungsversuchen bis hin zu offenem Widerstand reichten.
AntisemitismusEine feindselige Haltung gegenüber Juden, die in der NS-Zeit eine zentrale Rolle spielte und auch im kirchlichen Diskurs auf unterschiedliche Weise thematisiert wurde.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungDie Kirchen leisteten durchgängig Widerstand gegen die NS-Diktatur.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Viele Kirchenführer passten sich an, etwa durch das Reichskonkordat oder 'Deutschen Christen'. Aktive Quellenanalysen in Gruppen helfen Schülerinnen und Schülern, Nuancen zu erkennen und Schwarz-Weiß-Bilder zu vermeiden.

Häufige FehlvorstellungDie Kirchen waren neutral und mischten sich nicht in Politik ein.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Kirchen nahmen aktiv Position, sei es durch Unterstützung oder Kritik. Rollenspiele fördern Perspektivenwechsel und zeigen, wie institutionelle Entscheidungen politische Folgen haben.

Häufige FehlvorstellungWiderstand kam nur von einzelnen Personen, nicht von Institutionen.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Bewegungen wie die Bekennende Kirche waren institutionell. Gruppendiskussionen klären Hierarchien und machen kollektive Verantwortung greifbar.

Ideen für aktives Lernen

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Bezüge zur Lebenswelt

  • Historikerinnen und Historiker, die in Archiven wie dem Bistumsarchiv Rottenburg oder dem Landeskirchenarchiv der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz forschen, analysieren heute die Handlungsspielräume und Entscheidungen der Kirchenführer von damals.
  • In Gedenkstätten wie der Gedenkstätte Deutscher Widerstand oder dem Haus der Wannsee-Konferenz werden die Verstrickungen und Verweigerungen von Institutionen, einschließlich der Kirchen, im Kontext der NS-Verbrechen kritisch beleuchtet.

Ideen zur Lernstandserhebung

Lernstandskontrolle

Die Schülerinnen und Schüler erhalten eine Karte mit einer der beiden Kirchen (evangelisch oder katholisch). Sie sollen auf der Rückseite zwei Sätze notieren: einen, der eine Form der Anpassung beschreibt, und einen, der eine Form des Widerstands erläutert.

Diskussionsfrage

Stellen Sie die Frage: 'Inwieweit können wir heute von einer 'Schuld' der Kirchen im Nationalsozialismus sprechen?' Lassen Sie die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen Argumente sammeln und diese dann im Plenum vorstellen und diskutieren.

Kurze Überprüfung

Zeigen Sie kurze Zitate von Kirchenvertretern aus der Zeit (z.B. von Niemöller, von Galen oder aus der Bekennenden Kirche). Die Schülerinnen und Schüler sollen kurz aufschreiben, ob das Zitat eher eine Haltung der Anpassung oder des Widerstands ausdrückt und warum.

Häufig gestellte Fragen

Wie reagierten die evangelischen und katholischen Kirchen auf das NS-Regime?
Die katholische Kirche schloss 1933 das Reichskonkordat, um Rechte zu sichern, brach es aber später teilweise. Evangelische Kirchen spalteten sich in 'Deutsche Christen' (anpassungsbereit) und Bekennende Kirche (widerständig). Beide zeigten Anpassung aus Angst und Opportunismus, vereinzelten Widerstand aus Glaubensgründen. Quellenarbeit hilft, dies differenziert zu verstehen. (68 Wörter)
Was war die Bekennende Kirche?
Die Bekennende Kirche entstand 1934 als Widerstandsbewegung evangelischer Theologen gegen die NS-Gleichschaltung. Führer wie Niemöller und Bonhoeffer lehnten 'arische Paragraphen' ab. Sie blieb minoritär, beeinflusste aber international die Sicht auf Kirchen im Dritten Reich. Analysen ihrer Barmen-Erklärung fördern Urteilsbildung. (62 Wörter)
Wie kann ich die Verantwortung der Kirchen im Unterricht vermitteln?
Nutzen Sie Primärquellen wie Predigten und Verträge für Stationenlernen. Lassen Sie Schüler Motive bewerten und debattieren. So entsteht nuanciertes Verständnis von Anpassung und Versagen, verbunden mit heutiger Verantwortung. Ergänzen Sie durch Zeitzeugenvideos. (58 Wörter)
Wie hilft aktives Lernen beim Thema Kirchen im Nationalsozialismus?
Aktives Lernen macht abstrakte Konflikte erfahrbar: Rollenspiele lassen Schüler Kirchenpositionen einnehmen, Quellenstationen fördern Recherche und Diskussion. Das trainiert Urteilskompetenz, da Perspektivenwechsel moralische Grauzonen aufzeigt. Gruppenarbeit reduziert Vorurteile und verbindet Fakten mit Ethik, was passives Lesen nicht leistet. Ergebnis: nachhaltiges, kritisches Verständnis. (72 Wörter)

Planungsvorlagen für Geschichte