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Geschichte · Klasse 9 · Imperialismus und der Weg in den Ersten Weltkrieg · 1. Halbjahr

Das Deutsche Kaiserreich als Kolonialmacht

Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die deutschen Kolonialbestrebungen und deren Besonderheiten.

KMK BildungsstandardsKMK-SachkompetenzKMK-Orientierungskompetenz

Über dieses Thema

Das Deutsche Kaiserreich als Kolonialmacht beleuchtet die expansiven Bestrebungen Deutschlands ab den 1880er Jahren. Schülerinnen und Schüler erforschen Motive wie wirtschaftliche Absatzmärkte, Rohstoffe, Prestigegedanken und rassistische Überlegenheitsvorstellungen. Sie analysieren Besonderheiten der deutschen Politik, etwa die späte und kompakte Erwerbung von Kolonien in Afrika und Ozeanien im Vergleich zu Großbritannien oder Frankreich. Zentral steht der Herero- und Nama-Aufstand von 1904 bis 1907, der mit der Vernichtungsbefehlen von General von Trotha endete und heute als erster Völkermord der deutschen Geschichte gilt.

Dieses Thema verankert sich im KMK-Standard für Sachkompetenz durch faktenbasiertes Wissen und Orientierungskompetenz durch ethische Bewertung kolonialer Gewalt. Es verbindet Imperialismus mit Kontinuitäten wie Rassismus bis in die NS-Zeit und schult das Urteilsvermögen zu historischen Brüchen.

Aktives Lernen eignet sich hervorragend, da Quellenanalysen, Rollenspiele und Gruppendebatten abstrakte Motive und Konsequenzen erfahrbar machen. Schülerinnen und Schüler konstruieren eigenständig Vergleiche und bewerten Ereignisse, was tiefes Verständnis und kritisches Denken fördert. Solche Methoden machen den Stoff lebendig und relevant für aktuelle Debatten um Kolonialfolgen.

Leitfragen

  1. Erkläre die Motive des Deutschen Reiches für den Erwerb von Kolonien.
  2. Analysiere die Besonderheiten der deutschen Kolonialpolitik im Vergleich zu anderen europäischen Mächten.
  3. Beurteile die Rolle des Herero- und Nama-Aufstands im Kontext der deutschen Kolonialgeschichte.

Lernziele

  • Erkläre die wirtschaftlichen, politischen und ideologischen Motive des Deutschen Kaiserreichs für den Erwerb von Kolonien.
  • Vergleiche die Struktur und Verwaltung der deutschen Kolonien mit denen Frankreichs und Großbritanniens.
  • Analysiere die Ursachen und Folgen des Herero- und Nama-Aufstands unter besonderer Berücksichtigung der deutschen Kolonialverwaltung.
  • Bewerte die langfristigen Auswirkungen der deutschen Kolonialpolitik auf die betroffenen Regionen und die kolonisierten Völker.

Bevor es losgeht

Das Zeitalter des Imperialismus

Warum: Grundlegendes Verständnis der allgemeinen Ursachen und Merkmale des europäischen Imperialismus ist notwendig, um die spezifisch deutschen Bestrebungen einordnen zu können.

Die Gründung des Deutschen Kaiserreichs

Warum: Kenntnisse über die politische Struktur und die nationalen Ambitionen des Deutschen Kaiserreichs bilden die Basis für das Verständnis seiner kolonialen Expansion.

Schlüsselvokabular

SchutzgebieteGebiete, die das Deutsche Kaiserreich unter seinen Schutz stellte und verwaltete, um eigene Interessen durchzusetzen.
Deutsches KolonialrechtDie spezifischen Gesetze und Verordnungen, die in den Kolonien galten und die Herrschaft der Kolonialmacht sicherten.
Herero- und Nama-AufstandEin bewaffneter Widerstand der Herero und Nama gegen die deutsche Kolonialherrschaft in Deutsch-Südwestafrika, der zu Massakern führte.
VernichtungsbefehlDer Befehl von General Lothar von Trotha, der zur systematischen Tötung der Herero führte und als Völkermord gilt.
KolonialgesellschaftenPrivate oder halbstaatliche Organisationen, die wirtschaftliche und administrative Aufgaben in den Kolonien übernahmen.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungDeutschland besaß ein riesiges Kolonialreich wie Großbritannien.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Tatsächlich erwarb Deutschland nur wenige Kolonien spät und kompakt. Aktive Kartenvergleiche in Gruppen helfen Schülerinnen und Schülern, Flächen und Zeitpunkte visuell zu erfassen und Fehlbilder durch Daten zu korrigieren.

Häufige FehlvorstellungDer Kolonialismus war rein wirtschaftlich motiviert.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Prestige und Rassismus spielten große Rollen. Rollenspiele lassen Schülerinnen und Schüler Motive aus Sicht verschiedener Akteure erleben und komplexe Ursachen diskutieren.

Häufige FehlvorstellungDer Herero-Aufstand war ein lokaler Zwischenfall ohne Bedeutung.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Er markiert den ersten Völkermord. Quellenanalysen in Stationen ermöglichen emotionale Auseinandersetzung und ethische Bewertung, was Orientierungskompetenz stärkt.

Ideen für aktives Lernen

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Bezüge zur Lebenswelt

  • Museen wie das Ethnologische Museum in Berlin bewahren Objekte aus der Kolonialzeit und setzen sich kritisch mit deren Herkunft und Darstellung auseinander, was zu Debatten über Restitution führt.
  • Historiker und Politikwissenschaftler untersuchen heute die Nachwirkungen des Kolonialismus in ehemaligen Kolonialgebieten wie Namibia und Deutschland, um aktuelle globale Ungleichheiten und Identitätsfragen zu verstehen.
  • Die Debatte um die Anerkennung des Völkermords an den Herero und Nama durch Deutschland zeigt die fortwährende Relevanz der kolonialen Vergangenheit für die deutsch-afrikanischen Beziehungen.

Ideen zur Lernstandserhebung

Diskussionsfrage

Stellen Sie die Frage: 'Welche Motive waren für das Deutsche Kaiserreich am wichtigsten, um Kolonien zu erwerben?'. Lassen Sie die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen Argumente sammeln und diese dann im Plenum vorstellen und diskutieren.

Lernstandskontrolle

Bitten Sie die Schülerinnen und Schüler, auf einer Karteikarte kurz zu erklären, warum der Herero- und Nama-Aufstand als Wendepunkt in der deutschen Kolonialgeschichte betrachtet werden kann. Fordern Sie sie auf, mindestens einen spezifischen Aspekt zu nennen.

Kurze Überprüfung

Geben Sie den Schülerinnen und Schülern kurze Textauszüge, die unterschiedliche Perspektiven auf die deutsche Kolonialpolitik darstellen (z.B. eine Petition aus einer Kolonie, einen Auszug aus einer Reichstagsrede). Lassen Sie sie die Hauptaussage jedes Textes in einem Satz zusammenfassen.

Häufig gestellte Fragen

Was waren die Motive des Deutschen Kaiserreichs für Kolonien?
Wirtschaftliche Gründe wie Absatzmärkte und Rohstoffe dominierten, ergänzt durch Prestigemotivik im Wettstreit mit anderen Mächten und rassistische Ideologien. Bismarck zögerte zunächst, doch ab 1884 erwarb Deutschland Gebiete in Afrika (z.B. Deutsch-Südwestafrika) und Pazifik. Schülerinnen und Schüler lernen dies durch Primärquellen zu analysieren, was Sachkompetenz vertieft.
Welche Besonderheiten hatte die deutsche Kolonialpolitik?
Spätstarter mit wenigen, aber intensiv verwalteten Kolonien, harte Unterdrückung (z.B. Maji-Maji-Aufstand) und Plantagenwirtschaft. Im Vergleich zu Briten fehlte Kontinuität. Gruppendiskussionen fördern Vergleiche und zeigen Unterschiede klar auf, was kritisches Denken schult.
Was ist der Herero- und Nama-Aufstand?
1904-1907 in Deutsch-Südwestafrika: Aufstand gegen Landraub und Zwangsarbeit, niedergeschlagen mit Vernichtungsbefehl. Bis zu 100.000 Tote, Konzentrationslager. Als Völkermord anerkannt. Zeitzeugenanalysen machen die Grausamkeit greifbar und verbinden mit NS-Kontinuitäten.
Wie hilft aktives Lernen beim Thema Deutsche Kolonialmacht?
Methoden wie Stationenlernen oder Rollenspiele machen Motive und Gewalt erfahrbar. Schülerinnen und Schüler debattieren aktiv, vergleichen Quellen und bewerten Ereignisse selbst, statt passiv zuzuhören. Das stärkt KMK-Kompetenzen, fördert Empathie und bleibendes Wissen durch emotionale Beteiligung (ca. 65 Wörter).

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