Ende des Parlamentarismus: Präsidialkabinette
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen den Übergang von parlamentarischen zu präsidialen Regierungen und das Ende der Demokratie.
Über dieses Thema
In diesem Thema untersuchen Schüler den Übergang von parlamentarischen zu präsidialen Regierungen in der Weimarer Republik. Die Präsidialkabinette unter Heinrich Brüning, Franz von Papen und Kurt von Schleicher markieren das Ende des Parlamentarismus. Sie regierten per Notverordnungen nach Artikel 48 der Verfassung, was das Parlament aushöhlte. Die konservativen Eliten unterstützten diese Entwicklung, um die Demokratie zu schwächen und eine autoritäre Ordnung zu etablieren. Die Selbstauflösung des Reichstags unter Brüning erschien vielen unvermeidlich angesichts wirtschaftlicher Krisen und politischer Lähmung.
Die Analyse der Rolle der Notverordnungen zeigt, wie formale Legalität missbraucht wurde, um demokratische Strukturen zu umgehen. Schüler bewerten die Verantwortung der Eliten und verstehen Kontinuitäten zu späteren Diktaturen. Aktives Lernen nutzt Quellenanalysen und Debatten, um Schüler zu eigenständigem Urteilen zu führen. Es vertieft das Verständnis komplexer Prozesse und schult historisch-kritisches Denken, da Schüler aktiv Zusammenhänge erarbeiten.
(178 Wörter)
Leitfragen
- Analysieren Sie die Rolle der Notverordnungen bei der Aushöhlung des Parlaments.
- Erklären Sie, warum die Selbstauflösung des Parlaments unter Brüning unvermeidlich schien.
- Beurteilen Sie die Verantwortung der konservativen Eliten für das Ende des Parlamentarismus.
Lernziele
- Analysieren Sie die Auswirkungen von Artikel 48 auf die parlamentarische Macht während der Weimarer Republik.
- Erklären Sie die Gründe für die zunehmende Abhängigkeit von Präsidialkabinett und Notverordnungen.
- Bewerten Sie die Rolle der konservativen Eliten bei der Erosion demokratischer Prozesse.
- Vergleichen Sie die Legitimität von Regieren per Gesetz und Regieren per Notverordnung im Kontext der Weimarer Verfassung.
Bevor es losgeht
Warum: Schüler müssen die Struktur und die grundlegenden Prinzipien der Weimarer Verfassung kennen, um die Bedeutung von Artikel 48 und die damit verbundenen Probleme zu verstehen.
Warum: Ein Verständnis der Parteienlandschaft und der politischen Strömungen ist notwendig, um die Motive der konservativen Eliten und die politische Lähmung des Parlaments nachvollziehen zu können.
Schlüsselvokabular
| Präsidialkabinett | Eine Regierung, die vom Reichspräsidenten ernannt wird und nicht auf das Vertrauen des Parlaments angewiesen ist. Diese Kabinette regierten oft per Notverordnung. |
| Notverordnung (Artikel 48) | Ein Artikel der Weimarer Verfassung, der dem Reichspräsidenten erlaubte, in Notfällen Grundrechte außer Kraft zu setzen und per Dekret zu regieren, was das Parlament umging. |
| Aushöhlung des Parlaments | Der Prozess, bei dem die Bedeutung und Macht des Parlaments durch die Nutzung von Notverordnungen und die Einschränkung seiner Befugnisse systematisch verringert wurde. |
| Konservative Eliten | Einflussreiche Gruppen aus Wirtschaft, Militär und Bürokratie, die oft antidemokratische Ansichten vertraten und die parlamentarische Demokratie ablehnten. |
Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen
Häufige FehlvorstellungBrüning war ein Diktator wie Hitler.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Brüning regierte legal per Notverordnungen, zielte auf Stabilisierung ab, nicht auf totalitäre Herrschaft.
Häufige FehlvorstellungDas Parlament löste sich freiwillig auf.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Die Selbstauflösung erfolgte unter Druck wirtschaftlicher Krisen und Blockade, unterstützt von Eliten.
Häufige FehlvorstellungNur Linke trugen Schuld am Ende.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Konservative Eliten spielten entscheidende Rolle durch Unterstützung präsidialer Regierungen.
Ideen für aktives Lernen
Alle Aktivitäten ansehenQuellenanalyse: Notverordnungen
Schüler analysieren Originaltexte von Art. 48 und Brünings Reden. Sie identifizieren Argumente für die Notwendigkeit und Risiken. Im Plenum präsentieren sie Ergebnisse.
Rollenspiel: Kabinettssitzung
Gruppen übernehmen Rollen von Politikern und debattieren Alternativen zum Parlamentarismus. Sie bewerten Verantwortung der Eliten. Abschluss: Klassendiskussion.
Timeline-Erstellung
Individuell erstellen Schüler eine Zeitstrahl mit Schlüsseldaten. Sie notieren Ursachen und Folgen. Gemeinsam ergänzen.
Debatte: Unvermeidlich?
Paare argumentieren für und gegen die Unvermeidbarkeit der Selbstauflösung. Whole class votet und reflektiert.
Bezüge zur Lebenswelt
- Historiker wie Hagen Schulze analysieren in ihren Werken über die Weimarer Republik die Mechanismen, die zum Scheitern der Demokratie führten, und ziehen Parallelen zu aktuellen politischen Krisen.
- Politikwissenschaftler untersuchen die Anwendung von Notstandsgesetzen in verschiedenen Ländern, um zu verstehen, wie die Balance zwischen Sicherheit und bürgerlichen Freiheiten gewahrt werden kann, ein Thema, das auch heute noch relevant ist.
Ideen zur Lernstandserhebung
Lehrerfrage: 'Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Reichstagsabgeordneter im Jahr 1932. Diskutieren Sie mit Ihrem Sitznachbarn, ob die fortgesetzte Anwendung von Artikel 48 durch die Präsidialkabinette eine notwendige Reaktion auf die Krisen der Zeit oder ein Verrat an der Verfassung ist. Begründen Sie Ihre Position mit Verweis auf die damalige politische und wirtschaftliche Lage.'
Die Schüler erhalten eine Karte mit der Frage: 'Nennen Sie zwei spezifische Maßnahmen, die von den Präsidialkabinetten ergriffen wurden und die parlamentarische Arbeit beeinträchtigten. Erklären Sie kurz, warum diese Maßnahmen als problematisch für die Demokratie angesehen werden können.'
Lehrer präsentiert eine kurze Quelle (z.B. ein Zitat eines Politikers oder einen Auszug aus einer Notverordnung). Die Schüler sollen in Einzelarbeit identifizieren, welche der im Unterricht besprochenen Schlüsselbegriffe (Präsidialkabinett, Notverordnung, Aushöhlung des Parlaments) am besten zur Beschreibung der Quelle passen und dies kurz begründen.
Häufig gestellte Fragen
Wie analysieren Schüler die Rolle der Notverordnungen?
Warum schienen konservative Eliten unverantwortlich?
Wie fördert aktives Lernen dieses Thema?
Was bewertet man bei der Selbstauflösung?
Planungsvorlagen für Geschichte
GeWi
Eine Vorlage für Gesellschaftswissenschaften, die auf Quellenanalyse und historischem Denken basiert. Sie umfasst dokumentenbasierte Aufgaben, Diskussionen und den Wechsel der Perspektiven.
EinheitenplanerGesellschaftswissenschaftliche Einheit
Planen Sie eine Einheit für Gesellschaftswissenschaften, die auf Quellenstudium, historischem Denken und politischer Urteilsbildung beruht. Lernende analysieren Belege und entwickeln begründete Positionen zu historischen und aktuellen Fragen.
BewertungsrasterGeWi Bewertungsraster
Erstellen Sie ein Raster für quellenbasierte Aufgaben, historische Argumentationen, Referate oder Diskussionen, das historisches Denken, Quellenarbeit und Multiperspektivität bewertet.
Mehr in Die Weimarer Republik: Krisen und Aufbruch
Gründung und Weimarer Verfassung
Die Schülerinnen und Schüler analysieren die Gründung der Weimarer Republik und die Stärken und Schwächen ihrer Verfassung.
2 methodologies
Politische Krisen und Putschversuche
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die frühen politischen Krisen der Republik, wie den Kapp-Putsch und den Hitlerputsch.
2 methodologies
Hyperinflation und Ruhrbesetzung 1923
Die Schülerinnen und Schüler analysieren die Ursachen und Folgen der Hyperinflation und der Ruhrbesetzung.
2 methodologies
Die Ära Stresemann: Außenpolitik und Stabilisierung
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die außenpolitische Verständigung und wirtschaftliche Stabilisierung unter Gustav Stresemann.
2 methodologies
Kultur der Moderne: Bauhaus und Neue Sachlichkeit
Die Schülerinnen und Schüler erforschen die kulturellen Entwicklungen der Weimarer Republik, wie Bauhaus und Neue Sachlichkeit.
2 methodologies
Massenmedien und politische Kultur
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen den Einfluss von Massenmedien auf die politische Kultur der Weimarer Republik.
2 methodologies