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Geschichte · Klasse 12 · Die Weimarer Republik: Krisen und Aufbruch · 1. Halbjahr

Die Ära Stresemann: Außenpolitik und Stabilisierung

Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die außenpolitische Verständigung und wirtschaftliche Stabilisierung unter Gustav Stresemann.

Über dieses Thema

Die Kultur der Weimarer Republik war geprägt von einem beispiellosen Aufbruch in die Moderne und einer tiefen gesellschaftlichen Zerrissenheit. Schüler untersuchen das Bauhaus in der Architektur, die 'Neue Sachlichkeit' in der Malerei und den Aufstieg Berlins zur Weltstadt des Vergnügens und der Avantgarde. Das Thema beleuchtet auch die Rolle der neuen Massenmedien wie Radio und Film, die die Kultur demokratisierten, aber auch politisch instrumentalisiert wurden.

Im Sinne der KMK-Standards zur Methodenkompetenz analysieren die Lernenden Kunstwerke und Filme (z.B. 'Metropolis'), um die Ängste und Hoffnungen der Menschen jener Zeit zu deuten. Die Emanzipation der 'Neuen Frau' wird kritisch hinterfragt: War sie Realität oder ein mediales Konstrukt? Durch die Gegenüberstellung von moderner Großstadtkultur und konservativer Ablehnung in der Provinz begreifen Schüler die kulturellen Spannungen, die die Republik spalteten.

Leitfragen

  1. Analysieren Sie Stresemanns Rolle als "Vernunftrepublikaner" in der Außenpolitik.
  2. Erklären Sie die Bedeutung des Dawes-Plans für die Reparationsfrage.
  3. Beurteilen Sie, ob die Verträge von Locarno das Ende der Isolation Deutschlands bedeuteten.

Lernziele

  • Analysieren Sie die außenpolitischen Ziele Gustav Stresemanns anhand seiner Reden und Verträge.
  • Erklären Sie die wirtschaftlichen Auswirkungen des Dawes-Plans auf die deutsche Reparationszahlung.
  • Bewerten Sie die diplomatische Bedeutung der Verträge von Locarno für die internationale Stellung Deutschlands.
  • Vergleichen Sie die innenpolitischen Herausforderungen der Regierung Stresemann mit denen früherer Kabinette der Weimarer Republik.

Bevor es losgeht

Die Folgen des Ersten Weltkriegs und die Gründung der Weimarer Republik

Warum: Grundlegende Kenntnisse über die Entstehung der Republik und die Belastungen durch den Versailler Vertrag sind notwendig, um die Herausforderungen der Stresemann-Ära zu verstehen.

Politische und wirtschaftliche Krisen der frühen Weimarer Republik (1919-1923)

Warum: Das Verständnis der Hyperinflation und der politischen Instabilität bildet die Basis, um die Bedeutung der Stabilisierungsbemühungen Stresemanns einordnen zu können.

Schlüsselvokabular

Dawes-PlanEin Abkommen von 1924 zur Regelung der deutschen Reparationszahlungen nach dem Ersten Weltkrieg, das eine Neuordnung der Zahlungsmodalitäten und eine internationale Kreditvergabe vorsah.
Verträge von LocarnoEine Reihe von Verträgen aus dem Jahr 1925, in denen Deutschland, Frankreich, Belgien, Großbritannien und Italien die westlichen Grenzen Deutschlands garantierten und eine friedliche Lösung von Konflikten vereinbarten.
Young-PlanEin Nachfolgeabkommen des Dawes-Plans von 1929, das die Gesamthöhe der Reparationsschulden neu festlegte und deren Tilgung über einen längeren Zeitraum vorsah.
Rapallo-VertragEin bilateraler Vertrag zwischen Deutschland und Sowjetrussland aus dem Jahr 1922, der die diplomatischen Beziehungen normalisierte und auf gegenseitige wirtschaftliche Zusammenarbeit abzielte.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungDie moderne Kultur wurde von der gesamten Bevölkerung gefeiert.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Große Teile der konservativen und ländlichen Bevölkerung lehnten die moderne Kunst als 'entartet' oder 'unsittlich' ab. Ein Vergleich von Stadt- und Landzeitungen verdeutlicht diesen kulturellen Graben.

Häufige FehlvorstellungFrauen waren in der Weimarer Republik völlig gleichberechtigt.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Trotz Wahlrecht und neuer Moden blieben Frauen in Beruf und Familie oft benachteiligt; das Ideal der 'Neuen Frau' war primär ein urbanes Phänomen. Die Analyse von Arbeitsmarktstatistiken korrigiert das Bild der totalen Emanzipation.

Ideen für aktives Lernen

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Bezüge zur Lebenswelt

  • Internationale Finanzexperten und Diplomaten analysieren heute noch die Mechanismen von Umschuldungsabkommen und deren Einfluss auf die wirtschaftliche Stabilität von Staaten, ähnlich wie bei der Aushandlung des Dawes-Plans.
  • Die Arbeit von Historikern in Archiven wie dem Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde ermöglicht die Rekonstruktion der politischen Verhandlungen und Entscheidungen der Ära Stresemann, um heutige diplomatische Herausforderungen besser zu verstehen.

Ideen zur Lernstandserhebung

Lernstandskontrolle

Die Schülerinnen und Schüler erhalten eine Karte mit einer der drei Kernfragen. Sie sollen darauf in maximal drei Sätzen ihre Antwort formulieren und dabei mindestens einen Fachbegriff aus der Vokabelliste verwenden.

Diskussionsfrage

Lehrerfrage: 'Inwieweit war Gustav Stresemann ein 'Vernunftrepublikaner', der die Weimarer Republik stabilisierte, und wo lagen die Grenzen seines Handelns?' Die Schüler diskutieren in Kleingruppen und fassen ihre wichtigsten Argumente zusammen.

Kurze Überprüfung

Lehrer stellt eine Reihe von Aussagen zum Dawes-Plan und den Locarno-Verträgen vor. Die Schüler entscheiden, ob die Aussage 'wahr' oder 'falsch' ist und begründen ihre Wahl kurz mündlich oder schriftlich.

Häufig gestellte Fragen

Was war das Besondere am Bauhaus?
Das Bauhaus revolutionierte Design und Architektur, indem es Kunst und Handwerk vereinte. Das Motto 'Form follows function' zielte darauf ab, ästhetische und funktionale Alltagsgegenstände und Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten zu schaffen.
Welche Rolle spielten Massenmedien in den 1920er Jahren?
Radio und Film wurden zu den ersten echten Massenmedien. Sie ermöglichten eine schnelle Verbreitung von Informationen und Unterhaltung, trugen zur kulturellen Vereinheitlichung bei und wurden gleichzeitig zu wichtigen Instrumenten der politischen Propaganda.
Was kennzeichnet die 'Neue Sachlichkeit'?
Diese Kunstrichtung reagierte auf den Expressionismus mit einer nüchternen, oft sozialkritischen Darstellung der Realität. Künstler wie Otto Dix zeigten ungeschönt die Schattenseiten der Gesellschaft, wie Kriegskrüppel und soziale Not.
Wie kann man Kulturgeschichte im Unterricht aktiv gestalten?
Indem Schüler selbst zu Kuratoren einer virtuellen Ausstellung werden oder Werbekampagnen der 20er Jahre dekonstruieren. Aktive Methoden fördern das Verständnis dafür, dass Kultur kein isoliertes Phänomen ist, sondern immer im Austausch mit politischen und sozialen Entwicklungen steht.

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