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Philosophie · Klasse 13 · Sonderstellung und exzentrische Positionalität: Scheler und Plessner · 1. Halbjahr

Mensch als Mängelwesen: Scheler und Plessner

Die Schülerinnen und Schüler analysieren die Konzepte des Menschen als 'Mängelwesen' bei Scheler und Plessner und vergleichen ihre anthropologischen Ansätze.

Über dieses Thema

Dieses Thema bildet den Kern der philosophischen Anthropologie und untersucht die fundamentale Frage nach dem Wesen des Menschen im Vergleich zum Tier. Im Zentrum stehen die klassischen Positionen von Max Scheler, Helmuth Plessner und Arnold Gehlen. Die Schüler setzen sich mit Begriffen wie der Weltoffenheit, der exzentrischen Positionalität und dem Menschen als Mängelwesen auseinander. Diese Theorien sind entscheidend, um ein tiefes Verständnis für die Sonderstellung des Menschen in der Natur zu entwickeln, wie es die KMK-Standards für die gymnasiale Oberstufe fordern.

Die Auseinandersetzung mit diesen Texten fýrdert die Fähigkeit zur Abstraktion und zur kritischen Reflexion des eigenen Selbstbildes. In der 13. Klasse dient dieses Wissen als Basis für ethische und politische Diskussionen, da das Menschenbild jede weitere philosophische Urteilsbildung beeinflusst. Dieses Thema gewinnt an Tiefe, wenn Schüler die abstrakten Kategorien durch Vergleiche mit modernen biologischen Erkenntnissen in strukturierten Diskussionen selbst prüfen.

Leitfragen

  1. Differenzieren Sie die Kernideen von Schelers 'Sonderstellung des Menschen' und Plessners 'exzentrischer Positionalität' als philosophische Antworten auf die Frage nach dem Wesen des Menschen.
  2. Erklären Sie, wie Schelers Begriff des 'Geistes' die Weltoffenheit des Menschen begründet und wie Plessners Konzept der exzentrischen Positionalität die Notwendigkeit von Kultur und Gesellschaft erklärt.
  3. Beurteilen Sie die Relevanz der Positionen Schelers und Plessners für das moderne Verständnis des Menschen im Vergleich zu anderen philosophisch-anthropologischen Ansätzen.

Lernziele

  • Analysieren Sie die Kernunterschiede zwischen Max Schelers Konzept der 'Sonderstellung des Menschen' und Helmuth Plessners 'exzentrischer Positionalität' hinsichtlich ihrer anthropologischen Grundannahmen.
  • Erklären Sie, wie Schelers Idee des 'Geistes' die menschliche Weltoffenheit begründet und wie Plessners Konzept die Notwendigkeit von Kultur und Gesellschaft ableitet.
  • Vergleichen Sie die Relevanz von Schelers und Plessners Ansätzen für das moderne Menschenbild mit anderen philosophischen Anthropologien, wie z.B. der von Arnold Gehlen.
  • Bewerten Sie die Stärken und Schwächen der Konzepte des 'Mängelwesens' bei Scheler und Plessner im Hinblick auf die Erklärung menschlicher Handlungsfähigkeit und Kreativität.

Bevor es losgeht

Grundlagen der philosophischen Anthropologie

Warum: Ein grundlegendes Verständnis der Fragestellungen und Methoden der philosophischen Anthropologie ist notwendig, um die spezifischen Ansätze von Scheler und Plessner einordnen zu können.

Menschenbild im Vergleich: Tier und Mensch

Warum: Die Schülerinnen und Schüler sollten bereits die grundlegenden Unterschiede zwischen Mensch und Tier aus philosophischer Sicht erarbeitet haben, um die Konzepte von Mängelwesen und Sonderstellung nachvollziehen zu können.

Schlüsselvokabular

MängelwesenEin philosophischer Begriff, der den Menschen als ein Wesen beschreibt, dem im Vergleich zu Tieren grundlegende Instinkte und körperliche Anpassungen fehlen, was zu einer Offenheit für die Welt führt.
Sonderstellung des MenschenMax Schelers Begriff für die Einzigartigkeit des Menschen, begründet durch seinen 'Geist', der ihm ermöglicht, die Welt objektiv zu erfassen und sich selbst zum Gegenstand seiner Erkenntnis zu machen.
Exzentrische PositionalitätHelmuth Plessners Konzept, das die menschliche Fähigkeit beschreibt, sich selbst von seinem direkten Standpunkt zu distanzieren, sich selbst zu objektivieren und eine Beziehung zu seiner eigenen Position zu haben.
WeltoffenheitDie Eigenschaft des Menschen, nicht auf eine spezifische Umwelt festgelegt zu sein, sondern eine offene Beziehung zur gesamten Welt zu haben, die durch Erkenntnis und Gestaltung geprägt ist.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungGehlens Begriff des Mängelwesens bedeutet, dass der Mensch dem Tier unterlegen ist.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Gehlen meint biologische Spezialisierungsmängel, die durch Kultur und Technik kompensiert werden, was den Menschen erst handlungsfähig macht. Durch den Vergleich von Tierinstinkten und menschlicher Institutionenbildung in Kleingruppen wird dieser funktionale Aspekt klarer.

Häufige FehlvorstellungWeltoffenheit bei Scheler ist dasselbe wie Reisefreiheit oder Neugier.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Weltoffenheit beschreibt die ontologische Fähigkeit, sich von Umweltreizen zu distanzieren, nicht bloßes Verhalten. Rollenspiele zur Distanzierung von Triebimpulsen helfen, diesen Unterschied zwischen Umweltgebundenheit und Weltoffenheit zu verdeutlichen.

Ideen für aktives Lernen

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Bezüge zur Lebenswelt

  • Die Entwicklung von künstlicher Intelligenz (KI) stellt die Frage nach dem Wesen des Menschen neu. Forscher und Ethiker diskutieren, ob KI jemals 'geistig' sein kann oder ob sie lediglich ein komplexes 'Mängelwesen'-Produkt darstellt, das menschliche Fähigkeiten simuliert.
  • In der Psychologie und Pädagogik wird das Konzept des 'Mängelwesens' genutzt, um die Bedeutung von Bildung und sozialer Interaktion für die menschliche Entwicklung zu erklären. Ohne diese externen Faktoren bliebe der Mensch in seiner Entwicklung unvollständig.

Ideen zur Lernstandserhebung

Diskussionsfrage

Stellen Sie den Schülerinnen und Schülern folgende Frage: 'Inwiefern ist die Idee des Menschen als Mängelwesen heute noch relevant, angesichts technologischer Fortschritte, die scheinbar menschliche Fähigkeiten erweitern oder ersetzen?' Bitten Sie sie, ihre Antworten mit Bezug auf Scheler und Plessner zu begründen.

Lernstandskontrolle

Lassen Sie die Schülerinnen und Schüler auf einer Karteikarte zwei Kernunterschiede zwischen Schelers 'Sonderstellung' und Plessners 'exzentrischer Positionalität' in eigenen Worten formulieren. Fordern Sie sie auf, ein Beispiel zu nennen, wie sich diese Unterschiede im menschlichen Verhalten zeigen.

Kurze Überprüfung

Geben Sie den Schülerinnen und Schülern kurze Textauszüge von Scheler und Plessner. Bitten Sie sie, die zentralen Begriffe (z.B. Geist, exzentrische Positionalität) zu identifizieren und kurz zu erklären, wie diese Begriffe die jeweilige anthropologische Position charakterisieren.

Häufig gestellte Fragen

Was sind die Kernunterschiede zwischen Scheler, Plessner und Gehlen?
Scheler betont den Geist als Metaphysik, Plessner die exzentrische Positionalität (das Bewusstsein des eigenen Körpers) und Gehlen die biologische Kompensation durch Kultur. Während Scheler eher dualistisch denkt, fokussieren sich Plessner und Gehlen stärker auf die Leiblichkeit und Biologie des Menschen.
Wie aktuell ist die philosophische Anthropologie in der 13. Klasse?
Sie ist hochaktuell, da sie die Grundlage für Debatten über KI, Transhumanismus und Tierethik bildet. Ohne ein klares Konzept dessen, was den Menschen ausmacht, lassen sich moderne Grenzfragen kaum fundiert beantworten.
Wie hilft aktives Lernen beim Verständnis der Anthropologie?
Aktive Methoden wie Simulationen oder Gedankenexperimente zwingen Schüler dazu, die Perspektive des 'Mängelwesens' oder des 'exzentrischen Wesens' einzunehmen. Statt nur Definitionen auswendig zu lernen, erfahren sie durch Rollenspiele oder Debatten, wie diese Konzepte menschliches Handeln und Kulturproduktion erklären.
Welche Rolle spielt die Evolutionstheorie in diesem Thema?
Die Evolutionstheorie dient oft als kritischer Gegenpol. Schüler müssen lernen, wie die Philosophie biologische Fakten (wie von Darwin) interpretiert und in ein umfassendes Deutungsschema des Menschen integriert, ohne die Naturwissenschaft zu ignorieren.