Deutschland · KMK Bildungsstandards
Klasse 13 Grenzfragen des Menschseins: Philosophie in der gymnasialen Oberstufe
Max Scheler und Helmuth Plessner begründen als Hauptvertreter der Philosophischen Anthropologie grundlegende Positionen zur Frage nach dem Wesen des Menschen. Scheler bestimmt die 'Sonderstellung des Menschen' durch den 'Geist' als Prinzip der Weltoffenheit, das den Menschen von allen anderen Lebewesen unterscheidet. Plessner entwirft die 'exzentrische Positionalität' als strukturelles Merkmal menschlicher Existenz: Der Mensch kann sich zu sich selbst verhalten und ist dadurch auf Kultur und Gesellschaft angewiesen.

01Sonderstellung und exzentrische Positionalität: Scheler und Plessner
Untersuchung des menschlichen Selbstverständnisses zwischen biologischer Determination und kultureller Freiheit.
Die Schülerinnen und Schüler analysieren die Konzepte des Menschen als 'Mängelwesen' bei Scheler und Plessner und vergleichen ihre anthropologischen Ansätze.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen Arnold Gehlens Theorie des Menschen als 'weltoffenes' und 'handlungsorientiertes' Wesen und seine Begründung von Institutionen.
Die Schülerinnen und Schüler rekonstruieren Descartes' dualistische Position zum Leib-Seele-Problem und diskutieren dessen historische und systematische Bedeutung.
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit materialistischen Ansätzen zum Leib-Seele-Problem auseinander, insbesondere der Identitätstheorie und ihrer Implikationen.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen emergentistische und funktionalistische Theorien als alternative Lösungsansätze für das Leib-Seele-Problem.
Die Schülerinnen und Schüler analysieren die Debatte um Willensfreiheit im Kontext von Determinismus und Indeterminismus und die Positionen des Kompatibilismus und Inkompatibilismus.
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich kritisch mit den neurowissenschaftlichen Experimenten (z.B. Libet) und deren Interpretation für die Frage der Willensfreiheit auseinander.
Die Schülerinnen und Schüler diskutieren die philosophischen Grundlagen von Verantwortung und Zurechenbarkeit im Kontext der Debatte um Willensfreiheit.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen philosophische Ansätze zur Abgrenzung des Menschen vom Tier und die Implikationen für die Tierethik.
Die Schülerinnen und Schüler diskutieren, wie die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz unser Verständnis von menschlicher Intelligenz, Kreativität und Bewusstsein herausfordert.

02Begründungen der Moral: Vertiefung der Ethik
Kritische Auseinandersetzung mit deontologischen, utilitaristischen und tugendethischen Begründungsmodellen.
Die Schülerinnen und Schüler rekonstruieren Kants kategorischen Imperativ in seinen verschiedenen Formulierungen und wenden ihn auf konkrete moralische Dilemmata an.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen Kants Konzept der menschlichen Würde und Autonomie als zentrale Pfeiler seiner Ethik.
Die Schülerinnen und Schüler vergleichen die quantitativen und qualitativen Utilitarismus-Ansätze von Bentham und Mill und diskutieren deren Konsequenzen.
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit Peter Singers Präferenz-Utilitarismus und seinen Implikationen für die Tierethik auseinander.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen Aristoteles' Tugendethik, das Konzept der Eudaimonia und die Rolle des Charakters für ein gelingendes Leben.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die metaethische Frage nach der Natur moralischer Urteile und der Möglichkeit objektiver moralischer Erkenntnis.
Die Schülerinnen und Schüler diskutieren die Herausforderungen des moralischen Relativismus und die Argumente für einen moralischen Universalismus.
Die Schülerinnen und Schüler wenden ethische Theorien auf konkrete Probleme der Medizinethik an (z.B. Sterbehilfe, Gentechnik).
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen Jürgen Habermas' Diskursethik als Verfahren zur Begründung moralischer Normen durch rationale Verständigung.
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit Max Webers Konzept der Verantwortungsethik im Gegensatz zur Gesinnungsethik auseinander und diskutieren deren Relevanz für politisches Handeln.

03Staat und Gerechtigkeit: Politische Philosophie
Analyse von Vertragstheorien und modernen Konzepten der Gerechtigkeit und Herrschaftslegitimation.
Die Schülerinnen und Schüler analysieren Hobbes' Theorie des Naturzustands als 'Krieg aller gegen alle' und die Notwendigkeit des Leviathan.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen Lockes Konzeption von Naturrechten, Eigentum und der Begrenzung staatlicher Macht durch Gewaltenteilung.
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit Rousseaus Idee des Gemeinwillens, der Volkssouveränität und der Kritik an der repräsentativen Demokratie auseinander.
Die Schülerinnen und Schüler analysieren John Rawls' Theorie der Gerechtigkeit, insbesondere den Schleier des Nichtwissens und die zwei Gerechtigkeitsprinzipien.
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit Robert Nozicks libertärer Kritik an Rawls' Verteilungsgerechtigkeit und seiner Konzeption des Minimalstaats auseinander.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen Michel Foucaults Analyse von Macht als produktive Kraft und das Konzept der Disziplinargesellschaft.
Die Schülerinnen und Schüler diskutieren aktuelle Herausforderungen der Demokratie, wie Populismus, Digitalisierung und die Krise der Repräsentation.
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit feministischen Kritiken an traditionellen politischen Theorien und Konzepten von Gerechtigkeit und Macht auseinander.
Die Schülerinnen und Schüler diskutieren philosophische Konzepte von Globalisierung, globaler Gerechtigkeit und der Idee eines Weltbürgertums.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die Beziehung zwischen Recht und Moral, die Legitimation von Gesetzen und die Frage des zivilen Ungehorsams.

04Was können wir wissen? Erkenntnistheorie
Untersuchung der Grundlagen, Möglichkeiten und Grenzen menschlicher Erkenntnis.
Die Schülerinnen und Schüler rekonstruieren Descartes' methodischen Zweifel und seine Begründung der Erkenntnis durch die Vernunft ('Cogito ergo sum').
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen Lockes empiristische Erkenntnistheorie, das Konzept der 'tabula rasa' und die Rolle der Sinneserfahrung.
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit Humes radikalem Empirismus, seiner Kritik an der Kausalität und den Grenzen der menschlichen Erkenntnis auseinander.
Die Schülerinnen und Schüler analysieren Kants 'kopernikanische Wende' und seine transzendentale Erkenntnistheorie als Synthese von Rationalismus und Empirismus.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen Kants Konzept des 'Dings an sich' und die damit verbundenen Grenzen der menschlichen Erkenntnis.
Die Schülerinnen und Schüler vergleichen verschiedene Wahrheitstheorien (Korrespondenz, Kohärenz, Konsens) und diskutieren ihre Anwendungsbereiche.
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit konstruktivistischen Ansätzen auseinander, die Wahrheit und Realität als soziale oder individuelle Konstrukte verstehen.
Die Schülerinnen und Schüler vergleichen Karl Poppers Falsifikationismus mit Thomas Kuhns Paradigmenwechsel-Theorie als Modelle wissenschaftlichen Fortschritts.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen verschiedene Formen des Skeptizismus von der Antike bis zur Gegenwart und deren Herausforderung für die Erkenntnistheorie.
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit Ludwig Wittgensteins Sprachphilosophie auseinander und deren Bedeutung für die Grenzen der Erkenntnis und die Möglichkeit philosophischer Probleme.

05Logik und Argumentation
Einführung in die formale Logik und die Analyse philosophischer Argumentationsstrukturen.
Die Schülerinnen und Schüler erlernen die Grundlagen der Aussagenlogik, die Verwendung logischer Konnektoren und die Erstellung von Wahrheitstabellen.
Die Schülerinnen und Schüler identifizieren gültige Schlussformen (z.B. Modus Ponens, Modus Tollens) und unterscheiden sie von ungültigen Schlüssen.
Die Schülerinnen und Schüler erkennen und analysieren gängige Fehlschlüsse (z.B. ad hominem, Zirkelschluss, Strohmann-Argument) in philosophischen und alltäglichen Diskursen.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die Rolle der Rhetorik in der philosophischen Argumentation und die Unterscheidung zwischen rationaler Überzeugung und Manipulation.
Die Schülerinnen und Schüler praktizieren das Sokratische Gespräch als Methode der gemeinsamen Wahrheitsfindung durch Fragen und kritische Prüfung von Annahmen.
Die Schülerinnen und Schüler wenden Methoden der Argumentationsanalyse auf komplexe philosophische Texte an, um deren Struktur und Schlüssigkeit zu erfassen.
Die Schülerinnen und Schüler erlernen die Grundlagen der Prädikatenlogik, die Verwendung von Quantoren und die Darstellung von Relationen.
Die Schülerinnen und Schüler unterscheiden zwischen induktiven und deduktiven Argumenten und bewerten deren jeweilige Stärken und Schwächen.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die Rolle von Logik und Argumentation in der wissenschaftlichen Forschung und Theoriebildung.
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit grundlegenden Fragen der Sprachphilosophie auseinander, wie der Beziehung zwischen Sprache, Denken und Realität.

06Sinn des Lebens und Metaphysik
Abschlussreflexion über existenzielle Fragen und die Stellung des Menschen im Kosmos.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen Kierkegaards Existenzphilosophie, die Bedeutung von Wahl, Angst und Glauben für die Sinnstiftung.
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit Jean-Paul Sartres Existentialismus, dem Konzept der 'Geworfenheit' und der absoluten Freiheit des Menschen auseinander.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen Albert Camus' Philosophie der Absurdität und seine Antwort auf die Sinnlosigkeit des menschlichen Daseins.
Die Schülerinnen und Schüler diskutieren klassische Gottesbeweise (ontologisch, kosmologisch, teleologisch) und die philosophische Kritik daran.
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit dem Theodizee-Problem auseinander: der Frage nach der Vereinbarkeit eines allmächtigen, allgütigen Gottes mit dem Leid in der Welt.
Die Schülerinnen und Schüler diskutieren die gesellschaftliche und individuelle Funktion von Religion sowie die philosophischen Begründungen des Atheismus.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen Hans Jonas' 'Prinzip Verantwortung' und die ethischen Pflichten gegenüber zukünftigen Generationen im Zeitalter der Technik.
Die Schülerinnen und Schüler diskutieren ethische Fragen im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz, wie Autonomie, Verantwortung und das Konzept des Personseins.
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit Friedrich Nietzsches Philosophie des Willens zur Macht, seiner Kritik an der Moral und dem Konzept der 'Umwertung aller Werte' auseinander.
Die Schülerinnen und Schüler reflektieren über philosophische Fragen zur Kosmologie, der Entstehung des Universums und der Stellung des Menschen im Kosmos.