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Philosophie · Klasse 13

Ideen für aktives Lernen

Mensch als Mängelwesen: Scheler und Plessner

Aktives Lernen eignet sich besonders für dieses Thema, weil die abstrakten Konzepte der philosophischen Anthropologie durch praktische Anwendung greifbar werden. Die Schülerinnen und Schüler müssen Schelers Geistbegriff oder Plessners exzentrische Positionalität nicht nur verstehen, sondern in konkreten Denk- und Diskussionssituationen anwenden.

KMK BildungsstandardsNRW Kernlehrplan Philosophie: Inhaltsfeld 2, Anthropologische GrundbestimmungenBayern LehrplanPLUS Philosophie 12: Ph 12.2, Die Sonderstellung des MenschenKMK Bildungsstandards Philosophie: Inhaltsfeld 2, Anthropologische Grundpositionen
20–60 Min.Partnerarbeit → Ganze Klasse3 Aktivitäten

Aktivität 01

Lernen an Stationen60 Min. · Kleingruppen

Lernen an Stationen: Die drei Anthropologen

An drei Stationen erarbeiten Kleingruppen die Kernbegriffe von Scheler (Geist), Plessner (Exzentrizität) und Gehlen (Mängelwesen) anhand von Primärtexten und erstellen jeweils ein Concept-Map.

Differenzieren Sie die Kernideen von Schelers 'Sonderstellung des Menschen' und Plessners 'exzentrischer Positionalität' als philosophische Antworten auf die Frage nach dem Wesen des Menschen.

ModerationstippLegen Sie beim Stationenlernen zu Scheler, Plessner und Gehlen klare Zeitlimits fest, damit die Gruppen zielgerichtet arbeiten und nicht in Diskussionen verlieren.

Worauf zu achten istStellen Sie den Schülerinnen und Schülern folgende Frage: 'Inwiefern ist die Idee des Menschen als Mängelwesen heute noch relevant, angesichts technologischer Fortschritte, die scheinbar menschliche Fähigkeiten erweitern oder ersetzen?' Bitten Sie sie, ihre Antworten mit Bezug auf Scheler und Plessner zu begründen.

ErinnernVerstehenAnwendenAnalysierenSelbststeuerungBeziehungsfähigkeit
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Aktivität 02

Debatte45 Min. · Ganze Klasse

Debatte: Tier vs. Mensch

Schüler verteidigen in einer Pro-Contra-Debatte die These, ob der Mensch tatsächlich eine Sonderstellung einnimmt oder lediglich ein höherentwickeltes Tier ohne kategorialen Unterschied ist.

Erklären Sie, wie Schelers Begriff des 'Geistes' die Weltoffenheit des Menschen begründet und wie Plessners Konzept der exzentrischen Positionalität die Notwendigkeit von Kultur und Gesellschaft erklärt.

ModerationstippSteuern Sie die Debatte zu Tier vs. Mensch durch gezielte Impulsfragen, um sicherzustellen, dass die Argumente auf den anthropologischen Theorien basieren und nicht auf Alltagswissen.

Worauf zu achten istLassen Sie die Schülerinnen und Schüler auf einer Karteikarte zwei Kernunterschiede zwischen Schelers 'Sonderstellung' und Plessners 'exzentrischer Positionalität' in eigenen Worten formulieren. Fordern Sie sie auf, ein Beispiel zu nennen, wie sich diese Unterschiede im menschlichen Verhalten zeigen.

AnalysierenBewertenErschaffenSelbststeuerungEntscheidungsfähigkeit
Komplette Unterrichtsstunde erstellen

Aktivität 03

Ich-Du-Wir (Denken-Austauschen-Vorstellen): Der Mensch als Mängelwesen heute

Einzelarbeit zur Frage, ob Technik heute Gehlens Mängeltheorie bestätigt, gefolgt von Partneraustausch und einer Sammlung von Beispielen im Plenum.

Beurteilen Sie die Relevanz der Positionen Schelers und Plessners für das moderne Verständnis des Menschen im Vergleich zu anderen philosophisch-anthropologischen Ansätzen.

ModerationstippAchten Sie beim Think-Pair-Share darauf, dass die Schülerinnen und Schüler zunächst allein reflektieren, bevor sie sich mit einer Partnerin oder einem Partner austauschen, um Tiefgang zu fördern.

Worauf zu achten istGeben Sie den Schülerinnen und Schülern kurze Textauszüge von Scheler und Plessner. Bitten Sie sie, die zentralen Begriffe (z.B. Geist, exzentrische Positionalität) zu identifizieren und kurz zu erklären, wie diese Begriffe die jeweilige anthropologische Position charakterisieren.

VerstehenAnwendenAnalysierenSelbstwahrnehmungBeziehungsfähigkeit
Komplette Unterrichtsstunde erstellen

Einige Hinweise zum Unterrichten dieser Einheit

Dieses Thema erfordert einen phasenweisen Aufbau: Zuerst vermitteln Sie die Grundlagen der drei Positionen, bevor die Schülerinnen und Schüler in die Anwendung gehen. Vermeiden Sie es, zu früh in abstrakte Diskussionen zu verfallen. Nutzen Sie stattdessen die Aktivitäten als Brücke zwischen Theorie und Praxis. Forschung zeigt, dass Schülerinnen und Schüler philosophische Konzepte besser verinnerlichen, wenn sie sie zunächst in konkreten Kontexten erproben, bevor sie sie verallgemeinern.

Am Ende der Einheit sollten die Schülerinnen und Schüler in der Lage sein, die Kernthesen der drei Anthropologen mit eigenen Worten zu erklären und ihre Unterschiede argumentativ darzulegen. Erfolg zeigt sich darin, dass sie Begriffe wie Weltoffenheit oder Institutionenbildung auf reale Beispiele beziehen können.


Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

  • Während des Stationenlernens zu den drei Anthropologen wird oft angenommen, dass Gehlens Begriff des Mängelwesens eine Abwertung des Menschen bedeutet.

    Nutzen Sie die Materialien der Gehlen-Station, um gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern zu erarbeiten, wie Gehlen Mängel als Chance für kulturelle Kompensation und Institutionenbildung versteht. Zeigen Sie ihnen, wie diese Sichtweise den Menschen erst handlungsfähig macht.

  • Während der Debatte zu Tier vs. Mensch wird Weltoffenheit bei Scheler mit Neugier oder Reisefreiheit gleichgesetzt.

    Greifen Sie in der Debatte auf Rollenspiele zurück, in denen die Schülerinnen und Schüler Situationen nachspielen, in denen der Mensch sich von Triebimpulsen distanziert. So wird deutlich, dass Weltoffenheit nicht Aktivität, sondern die Fähigkeit zur Distanz ist.


In dieser Übersicht verwendete Methoden