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Geschichte · Klasse 9 · Imperialismus und der Weg in den Ersten Weltkrieg · 1. Halbjahr

Wirtschaft und Gesellschaft im NS-Staat

Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die Wirtschafts- und Sozialpolitik des NS-Regimes.

KMK BildungsstandardsKMK-SachkompetenzKMK-Urteilskompetenz

Über dieses Thema

Das Thema Wirtschaft und Gesellschaft im NS-Staat beleuchtet die zentralen Elemente der NS-Wirtschafts- und Sozialpolitik. Schülerinnen und Schüler analysieren, wie das Regime durch massive Aufrüstung und Autarkiebestrebungen die Arbeitslosigkeit von sechs Millionen auf unter eine Million senkte. Sie untersuchen das Konzept der 'Volksgemeinschaft', das soziale und Klassenunterschiede durch Propaganda und Zwang überdecken sollte, sowie die dominante Rolle der Rüstungsindustrie, die die gesamte Wirtschaft prägte und auf Krieg ausgerichtet war.

Im Rahmen der KMK-Standards fördert dieses Thema Sachkompetenz durch Quellenanalyse und Urteilskompetenz durch Bewertung von Kontinuitäten und Brüchen. Es verbindet wirtschaftliche Prozesse mit gesellschaftlichen Auswirkungen und bereitet auf die Analyse totalitärer Systeme vor. Schüler lernen, Propaganda von Realität zu unterscheiden und die Interdependenz von Politik und Wirtschaft zu erkennen.

Aktives Lernen eignet sich hervorragend, da abstrakte Politiken durch Rollenspiele, Quellenstationen und Gruppendiskussionen konkret werden. Schüler konstruieren Zeitlinien oder simulieren Entscheidungsprozesse, was kritische Denkfähigkeiten schult und emotionale Distanz zu sensiblen Inhalten ermöglicht. So entsteht nachhaltiges Verständnis für die Mechanismen des NS-Regimes.

Leitfragen

  1. Analysiere die Ziele der NS-Wirtschaftspolitik und ihre Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit.
  2. Erkläre, wie die 'Volksgemeinschaft' soziale Unterschiede überdecken sollte.
  3. Beurteile die Rolle der Rüstungsindustrie für die NS-Wirtschaft.

Lernziele

  • Analysiere die Hauptziele der NS-Wirtschaftspolitik, insbesondere im Hinblick auf Aufrüstung und Autarkie.
  • Erkläre die Funktion der 'Volksgemeinschaft' als Instrument zur Verschleierung sozialer Ungleichheiten und zur Schaffung von Akzeptanz für die NS-Politik.
  • Bewerte die Rolle der Rüstungsindustrie als zentralen Motor der NS-Wirtschaft und ihre Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaftsstruktur.
  • Identifiziere konkrete Maßnahmen zur Senkung der Arbeitslosigkeit im NS-Staat und bewerte deren Wirksamkeit und ethische Implikationen.

Bevor es losgeht

Weimarer Republik: Politische und wirtschaftliche Instabilität

Warum: Grundkenntnisse über die Krisen der Weimarer Republik sind notwendig, um die Anziehungskraft der NS-Versprechungen zur Überwindung von Arbeitslosigkeit und sozialer Not zu verstehen.

Grundlagen der Propaganda

Warum: Ein Verständnis der Funktionsweise von Propaganda ist essenziell, um die Rolle der 'Volksgemeinschaft' und die Darstellung der NS-Wirtschaftspolitik einordnen zu können.

Schlüsselvokabular

AutarkieDas Streben eines Staates nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit von anderen Ländern, insbesondere durch eigene Produktion und Ressourcennutzung.
VolksgemeinschaftEin ideologisches Konzept der Nationalsozialisten, das eine klassenlose, rassisch homogene Gesellschaft propagierte, um soziale Spannungen zu überdecken und Loyalität zum Regime zu sichern.
RüstungsindustrieDer Sektor der Wirtschaft, der für die Herstellung von Waffen, Munition und militärischer Ausrüstung zuständig ist und im NS-Staat eine dominante Rolle spielte.
ArbeitsbeschaffungsmaßnahmenMaßnahmen, die von der Regierung ergriffen werden, um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren, im NS-Staat oft durch Rüstungsprojekte und öffentliche Bauvorhaben.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungDie NS-Wirtschaft löste die Arbeitslosigkeit rein durch Aufrüstung.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Tatsächlich trugen auch Frauen aus dem Arbeitsmarkt gedrängte Maßnahmen und Zwangsarbeit bei. Aktive Ansätze wie Grafikvergleiche helfen Schülern, multiple Faktoren zu differenzieren und Ursache-Wirkungs-Ketten zu modellieren.

Häufige FehlvorstellungDie Volksgemeinschaft schuf echte soziale Gleichheit.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Sie kaschierte Klassen- und Rassenungleichheiten durch Propaganda. Gruppendiskussionen zu Quellen fördern kritisches Abwägen und verhindern Vereinfachungen.

Häufige FehlvorstellungDie Rüstungsindustrie war nur ein Nebenaspekt der NS-Wirtschaft.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Sie dominierte mit über 50 Prozent der Investitionen. Simulationsspiele verdeutlichen diese Priorisierung und schärfen das Urteilsvermögen.

Ideen für aktives Lernen

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Bezüge zur Lebenswelt

  • Die heutige Automobilindustrie, wie z.B. Volkswagen, hat ihre Wurzeln in den 1930er Jahren, als das NS-Regime mit dem 'KdF-Wagen' (später Käfer) die Massenmotorisierung propagierte, was auch die Rüstungsfähigkeit stärken sollte.
  • Die staatliche Lenkung von Wirtschaftssektoren zur Erreichung politischer Ziele, wie sie im NS-Staat durch die Rüstungsindustrie geschah, findet sich heute in Ansätzen bei der Förderung strategisch wichtiger Industrien oder bei der Reaktion auf Krisen, z.B. in der Medizintechnik während einer Pandemie.

Ideen zur Lernstandserhebung

Lernstandskontrolle

Die Schülerinnen und Schüler erhalten eine Karte mit einer der drei Schlüsselbegriffe: 'Autarkie', 'Volksgemeinschaft', 'Rüstungsindustrie'. Sie sollen eine kurze Definition in eigenen Worten schreiben und ein Beispiel nennen, wie dieses Konzept im NS-Staat angewendet wurde.

Diskussionsfrage

Stellen Sie die Frage: 'Inwiefern war die Senkung der Arbeitslosigkeit im NS-Staat ein Erfolg der Wirtschaftspolitik und inwiefern ein Ergebnis von Propaganda und Kriegsvorbereitung?' Leiten Sie eine Diskussion, die verschiedene Perspektiven beleuchtet.

Kurze Überprüfung

Zeigen Sie ein Propagandaplakat oder einen kurzen Filmausschnitt aus der NS-Zeit, der die 'Volksgemeinschaft' thematisiert. Bitten Sie die Schüler, zwei Merkmale dieser Darstellung zu identifizieren und zu erklären, welche sozialen Gruppen damit angesprochen oder ausgeschlossen werden sollten.

Häufig gestellte Fragen

Wie reduzierte das NS-Regime die Arbeitslosigkeit?
Durch den massiven Ausbau der Aufrüstung, den Vierjahresplan für Autarkie und Maßnahmen wie die Deregulierung des Arbeitsmarkts. Frauen wurden aus Berufen gedrängt, und Zwangsarbeit integriert. Schüler lernen dies durch Diagramme und Quellen, um den Übergang zur Kriegswirtschaft zu verstehen. Dies schult die Analyse wirtschaftlicher Politiken in Diktaturen.
Was war die Idee der Volksgemeinschaft?
Die 'Volksgemeinschaft' sollte Klassenkonflikte durch nationalen Zusammenhalt ersetzen, real aber soziale Unterschiede durch Ausschluss von Juden, Sinti und anderen überdecken. Propaganda idealisierte Gleichheit, während Hierarchien bestanden. Quellenarbeit hilft Schülern, Fassade und Wirklichkeit zu trennen.
Wie kann aktives Lernen das Thema Wirtschaft im NS-Staat vertiefen?
Aktive Methoden wie Stationenrotations oder Rollenspiele machen abstrakte Politiken erfahrbar. Schüler analysieren Quellen in Gruppen, simulieren Entscheidungen und debattieren Auswirkungen, was Sach- und Urteilskompetenz stärkt. Solche Ansätze fördern emotionale Distanz zu sensiblen Inhalten und nachhaltiges Verständnis totalitärer Mechanismen.
Welche Rolle spielte die Rüstungsindustrie?
Die Rüstungsindustrie wurde zentral, mit Konzernen wie Krupp und IG Farben, die durch Staatsaufträge boomten. Sie finanzierte den Krieg und schuf Abhängigkeit von Aggression. Schüler bewerten dies durch Bilanzanalysen und verknüpfen es mit dem Weg in den Zweiten Weltkrieg.

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