Umgang mit der NS-Vergangenheit in BRD und DDR
Die Schülerinnen und Schüler vergleichen die unterschiedlichen Ansätze beider deutscher Staaten bei der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit.
Über dieses Thema
In diesem Thema vergleichen Schülerinnen und Schüler die unterschiedlichen Ansätze der BRD und DDR zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit. In der BRD führten Prozesse wie die Auschwitz-Prozesse zu einer breiten gesellschaftlichen Auseinandersetzung, die Justiz, Bildung und Öffentlichkeit einbezog. Die DDR hingegen stützte sich auf die Antifaschismus-Doktrin, die viele ehemalige Nazis als Antifaschisten umdeutete und die eigene Schuld minimierte.
Die Key Questions laden zu einem nuancierten Vergleich der Erinnerungskulturen ein, zur Bewertung der Auschwitz-Prozesse und zur Kritik der DDR-Doktrin. Quellen wie Gerichtsprotokolle, SED-Propaganda und Zeitzeugenberichte machen die Kontroversen greifbar. Lehrer können so Schüler zu kritischer Quellenanalyse anleiten.
Aktives Lernen nutzt hier den Vorteil, dass Schüler durch Diskussionen und Rollenspiele emotionale und ethische Dimensionen erleben, was ihr Verständnis für komplexe historische Prozesse vertieft und demokratische Werte stärkt.
Leitfragen
- Vergleichen Sie die Erinnerungskulturen der BRD und der DDR an den Nationalsozialismus.
- Erklären Sie die Bedeutung der Auschwitz-Prozesse für die westdeutsche Gesellschaft.
- Bewerten Sie die Rolle der Antifaschismus-Doktrin in der DDR.
Lernziele
- Vergleichen Sie die unterschiedlichen Strategien der BRD und DDR zur juristischen und gesellschaftlichen Aufarbeitung von NS-Verbrechen.
- Analysieren Sie die Rolle der Auschwitz-Prozesse als Katalysator für die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in der westdeutschen Öffentlichkeit.
- Bewerten Sie die Funktion der Antifaschismus-Doktrin in der DDR hinsichtlich ihrer propagandistischen und identitätsstiftenden Wirkung.
- Erklären Sie die Unterschiede in der Erinnerungskultur beider deutscher Staaten anhand konkreter Beispiele (z.B. Gedenkstätten, Schulbücher).
- Kritisieren Sie die selektive Darstellung der NS-Vergangenheit in der DDR im Kontext der staatlichen Ideologie.
Bevor es losgeht
Warum: Ein grundlegendes Verständnis der NS-Ideologie, der Verbrechen und des Verlaufs des Zweiten Weltkriegs ist notwendig, um die Aufarbeitungsprozesse in BRD und DDR einordnen zu können.
Warum: Die Schüler müssen die politische und gesellschaftliche Situation beider deutscher Staaten während des Kalten Krieges kennen, um die unterschiedlichen Erinnerungspolitiken zu verstehen.
Schlüsselvokabular
| Auschwitz-Prozesse | Die Frankfurter Auschwitzprozesse (1963-1965) waren eine Reihe von Gerichtsverhandlungen gegen ehemalige SS-Mitglieder, die im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz tätig waren. Sie trugen maßgeblich zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in der BRD bei. |
| Antifaschismus-Doktrin | Ein zentrales Element der Staatsdoktrin der DDR, das den antifaschistischen Kampf als Gründungsmythos und Legitimation des Staates betonte. Dies führte oft zu einer Verharmlosung der individuellen Schuld und einer Umdeutung von Tätern zu Opfern oder Widerstandskämpfern. |
| Erinnerungskultur | Die Art und Weise, wie eine Gesellschaft oder ein Staat sich an historische Ereignisse, insbesondere an die NS-Zeit, erinnert und diese Erinnerung gestaltet. Dies umfasst Gedenken, Bildung, Medien und öffentliche Diskurse. |
| NS-Täter | Personen, die während der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen oder andere Verbrechen im Auftrag des NS-Regimes begangen haben. |
| Opfer des Nationalsozialismus | Personen, die aufgrund ihrer politischen, rassischen, religiösen oder weltanschaulichen Zugehörigkeit oder ihrer sexuellen Orientierung vom NS-Regime verfolgt, diskriminiert oder ermordet wurden. |
Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen
Häufige FehlvorstellungDie DDR hat die NS-Vergangenheit konsequent aufgearbeitet.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Die Antifaschismus-Doktrin diente der Legitimation des Staates und entlastete viele Täter, während systematisches Schuldbekenntnis fehlte.
Häufige FehlvorstellungAuschwitz-Prozesse änderten nichts in der BRD.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Sie sensibilisierten die Gesellschaft und führten zu Reformen in Justiz und Bildung, obwohl nicht alle Täter verurteilt wurden.
Häufige FehlvorstellungBeide Staaten hatten identische Erinnerungskulturen.
Was Sie stattdessen lehren sollten
BRD betonte individuelle Verantwortung, DDR kollektive Antifaschismus-Ideologie.
Ideen für aktives Lernen
Alle Aktivitäten ansehenPaararbeit: Quellenvergleich
Schüler vergleichen Originalquellen aus BRD und DDR zur NS-Aufarbeitung. Sie notieren Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Abschließend präsentieren sie ihre Erkenntnisse.
Kleingruppen: Rollenspiel
Gruppen übernehmen Rollen von Politikern, Opfern oder Tätern und debattieren Aufarbeitungsstrategien. So entsteht Verständnis für Motivationen. Die Klasse bewertet die Argumente.
Whole Class: Zeitstrahl
Gemeinsam erstellen Schüler einen Zeitstrahl mit Meilensteinen der Aufarbeitung in beiden Staaten. Jeder trägt ein Ereignis bei und erklärt seine Bedeutung.
Individual: Bewertungssatz
Jeder Schüler schreibt einen bewertenden Satz zu einer Key Question. Diese werden gesammelt und diskutiert.
Bezüge zur Lebenswelt
- Die Arbeit von Historikerinnen und Historikern in Gedenkstätten wie dem ehemaligen KZ Dachau oder dem Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide ist direkt mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit verbunden. Sie erforschen und vermitteln die Geschichte für die Öffentlichkeit.
- Juristinnen und Juristen, die sich mit der Verfolgung von NS-Verbrechen befassen, setzen die Arbeit der Staatsanwaltschaften der Nachkriegszeit fort. Beispiele hierfür sind die Ermittlungen des Landesamtes zur Verfolgung von NS-Gewalttätern in Ludwigsburg.
- Journalistinnen und Journalisten, die sich in Dokumentationen oder Artikeln mit der NS-Zeit auseinandersetzen, tragen zur öffentlichen Erinnerung bei. Sie greifen dabei oft auf Archivmaterial und Zeitzeugeninterviews zurück, ähnlich wie es bei der Berichterstattung über die Auschwitz-Prozesse geschah.
Ideen zur Lernstandserhebung
Teilen Sie die Klasse in zwei Gruppen auf, eine repräsentiert die BRD, die andere die DDR. Geben Sie jeder Gruppe eine kurze Darstellung der offiziellen Erinnerungspolitik ihres Staates. Lassen Sie die Gruppen dann die jeweils andere Perspektive kritisch hinterfragen, indem sie sich auf die Key Questions beziehen: 'Wie unterscheidet sich Ihre Erinnerung von unserer?' oder 'Warum ist Ihre Darstellung aus unserer Sicht problematisch?'
Geben Sie jedem Schüler eine Karte mit einer der folgenden Fragen: 'Nennen Sie einen Unterschied in der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit zwischen BRD und DDR und begründen Sie kurz, warum dieser Unterschied besteht.' oder 'Erklären Sie in einem Satz, warum die Auschwitz-Prozesse für die BRD wichtig waren.' Sammeln Sie die Antworten zur Überprüfung des Verständnisses.
Stellen Sie eine Liste mit Begriffen wie 'Auschwitz-Prozesse', 'Antifaschismus-Doktrin', 'Opfer des Nationalsozialismus', 'NS-Täter' bereit. Bitten Sie die Schüler, jedem Begriff eine kurze, eigene Definition zuzuordnen und anzugeben, welchem deutschen Staat (BRD oder DDR) die jeweilige Praxis oder der Begriff stärker zugeordnet werden kann. Besprechen Sie die Zuordnungen im Plenum.
Häufig gestellte Fragen
Warum ist aktives Lernen in diesem Thema besonders wirksam?
Wie integriere ich die Key Questions?
Welche Quellen eignen sich?
Wie bewältige ich emotionale Belastung?
Planungsvorlagen für Geschichte
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