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Geschichte · Klasse 13 · Deutschland im Kalten Krieg: Teilung und doppelte Staatsgründung · 1. Halbjahr

Umgang mit der NS-Vergangenheit in BRD und DDR

Die Schülerinnen und Schüler vergleichen die unterschiedlichen Ansätze beider deutscher Staaten bei der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit.

Über dieses Thema

In diesem Thema vergleichen Schülerinnen und Schüler die unterschiedlichen Ansätze der BRD und DDR zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit. In der BRD führten Prozesse wie die Auschwitz-Prozesse zu einer breiten gesellschaftlichen Auseinandersetzung, die Justiz, Bildung und Öffentlichkeit einbezog. Die DDR hingegen stützte sich auf die Antifaschismus-Doktrin, die viele ehemalige Nazis als Antifaschisten umdeutete und die eigene Schuld minimierte.

Die Key Questions laden zu einem nuancierten Vergleich der Erinnerungskulturen ein, zur Bewertung der Auschwitz-Prozesse und zur Kritik der DDR-Doktrin. Quellen wie Gerichtsprotokolle, SED-Propaganda und Zeitzeugenberichte machen die Kontroversen greifbar. Lehrer können so Schüler zu kritischer Quellenanalyse anleiten.

Aktives Lernen nutzt hier den Vorteil, dass Schüler durch Diskussionen und Rollenspiele emotionale und ethische Dimensionen erleben, was ihr Verständnis für komplexe historische Prozesse vertieft und demokratische Werte stärkt.

Leitfragen

  1. Vergleichen Sie die Erinnerungskulturen der BRD und der DDR an den Nationalsozialismus.
  2. Erklären Sie die Bedeutung der Auschwitz-Prozesse für die westdeutsche Gesellschaft.
  3. Bewerten Sie die Rolle der Antifaschismus-Doktrin in der DDR.

Lernziele

  • Vergleichen Sie die unterschiedlichen Strategien der BRD und DDR zur juristischen und gesellschaftlichen Aufarbeitung von NS-Verbrechen.
  • Analysieren Sie die Rolle der Auschwitz-Prozesse als Katalysator für die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in der westdeutschen Öffentlichkeit.
  • Bewerten Sie die Funktion der Antifaschismus-Doktrin in der DDR hinsichtlich ihrer propagandistischen und identitätsstiftenden Wirkung.
  • Erklären Sie die Unterschiede in der Erinnerungskultur beider deutscher Staaten anhand konkreter Beispiele (z.B. Gedenkstätten, Schulbücher).
  • Kritisieren Sie die selektive Darstellung der NS-Vergangenheit in der DDR im Kontext der staatlichen Ideologie.

Bevor es losgeht

Grundlagen des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs

Warum: Ein grundlegendes Verständnis der NS-Ideologie, der Verbrechen und des Verlaufs des Zweiten Weltkriegs ist notwendig, um die Aufarbeitungsprozesse in BRD und DDR einordnen zu können.

Die Teilung Deutschlands und der Kalte Krieg

Warum: Die Schüler müssen die politische und gesellschaftliche Situation beider deutscher Staaten während des Kalten Krieges kennen, um die unterschiedlichen Erinnerungspolitiken zu verstehen.

Schlüsselvokabular

Auschwitz-ProzesseDie Frankfurter Auschwitzprozesse (1963-1965) waren eine Reihe von Gerichtsverhandlungen gegen ehemalige SS-Mitglieder, die im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz tätig waren. Sie trugen maßgeblich zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in der BRD bei.
Antifaschismus-DoktrinEin zentrales Element der Staatsdoktrin der DDR, das den antifaschistischen Kampf als Gründungsmythos und Legitimation des Staates betonte. Dies führte oft zu einer Verharmlosung der individuellen Schuld und einer Umdeutung von Tätern zu Opfern oder Widerstandskämpfern.
ErinnerungskulturDie Art und Weise, wie eine Gesellschaft oder ein Staat sich an historische Ereignisse, insbesondere an die NS-Zeit, erinnert und diese Erinnerung gestaltet. Dies umfasst Gedenken, Bildung, Medien und öffentliche Diskurse.
NS-TäterPersonen, die während der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen oder andere Verbrechen im Auftrag des NS-Regimes begangen haben.
Opfer des NationalsozialismusPersonen, die aufgrund ihrer politischen, rassischen, religiösen oder weltanschaulichen Zugehörigkeit oder ihrer sexuellen Orientierung vom NS-Regime verfolgt, diskriminiert oder ermordet wurden.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungDie DDR hat die NS-Vergangenheit konsequent aufgearbeitet.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Die Antifaschismus-Doktrin diente der Legitimation des Staates und entlastete viele Täter, während systematisches Schuldbekenntnis fehlte.

Häufige FehlvorstellungAuschwitz-Prozesse änderten nichts in der BRD.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Sie sensibilisierten die Gesellschaft und führten zu Reformen in Justiz und Bildung, obwohl nicht alle Täter verurteilt wurden.

Häufige FehlvorstellungBeide Staaten hatten identische Erinnerungskulturen.

Was Sie stattdessen lehren sollten

BRD betonte individuelle Verantwortung, DDR kollektive Antifaschismus-Ideologie.

Ideen für aktives Lernen

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Bezüge zur Lebenswelt

  • Die Arbeit von Historikerinnen und Historikern in Gedenkstätten wie dem ehemaligen KZ Dachau oder dem Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide ist direkt mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit verbunden. Sie erforschen und vermitteln die Geschichte für die Öffentlichkeit.
  • Juristinnen und Juristen, die sich mit der Verfolgung von NS-Verbrechen befassen, setzen die Arbeit der Staatsanwaltschaften der Nachkriegszeit fort. Beispiele hierfür sind die Ermittlungen des Landesamtes zur Verfolgung von NS-Gewalttätern in Ludwigsburg.
  • Journalistinnen und Journalisten, die sich in Dokumentationen oder Artikeln mit der NS-Zeit auseinandersetzen, tragen zur öffentlichen Erinnerung bei. Sie greifen dabei oft auf Archivmaterial und Zeitzeugeninterviews zurück, ähnlich wie es bei der Berichterstattung über die Auschwitz-Prozesse geschah.

Ideen zur Lernstandserhebung

Diskussionsfrage

Teilen Sie die Klasse in zwei Gruppen auf, eine repräsentiert die BRD, die andere die DDR. Geben Sie jeder Gruppe eine kurze Darstellung der offiziellen Erinnerungspolitik ihres Staates. Lassen Sie die Gruppen dann die jeweils andere Perspektive kritisch hinterfragen, indem sie sich auf die Key Questions beziehen: 'Wie unterscheidet sich Ihre Erinnerung von unserer?' oder 'Warum ist Ihre Darstellung aus unserer Sicht problematisch?'

Lernstandskontrolle

Geben Sie jedem Schüler eine Karte mit einer der folgenden Fragen: 'Nennen Sie einen Unterschied in der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit zwischen BRD und DDR und begründen Sie kurz, warum dieser Unterschied besteht.' oder 'Erklären Sie in einem Satz, warum die Auschwitz-Prozesse für die BRD wichtig waren.' Sammeln Sie die Antworten zur Überprüfung des Verständnisses.

Kurze Überprüfung

Stellen Sie eine Liste mit Begriffen wie 'Auschwitz-Prozesse', 'Antifaschismus-Doktrin', 'Opfer des Nationalsozialismus', 'NS-Täter' bereit. Bitten Sie die Schüler, jedem Begriff eine kurze, eigene Definition zuzuordnen und anzugeben, welchem deutschen Staat (BRD oder DDR) die jeweilige Praxis oder der Begriff stärker zugeordnet werden kann. Besprechen Sie die Zuordnungen im Plenum.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist aktives Lernen in diesem Thema besonders wirksam?
Aktives Lernen fördert bei sensiblen Themen wie der NS-Aufarbeitung kritisches Denken und Empathie. Durch Rollenspiele und Quellenanalysen in Gruppen erarbeiten Schüler Nuancen selbst, was Vorurteile abbaut und emotionale Distanz zu historischen Fehlern schafft. Es stärkt demokratische Kompetenzen, da Schüler Perspektiven wechseln und argumentieren lernen. In 45 Minuten entsteht tiefes Verständnis, das reines Auswendiglernen übertrifft. (68 Wörter)
Wie integriere ich die Key Questions?
Verknüpfen Sie Key Questions mit Aktivitäten: Vergleich der Erinnerungskulturen per Quellenarbeit, Auschwitz-Prozesse durch Gerichtsprotokolle, Antifaschismus-Doktrin in Debatten. Schüler beantworten sie schrittweise, was analytisches Denken trainiert. Bewertungen erfolgen in Plenums, um Argumentation zu üben. So entspricht der Unterricht den Standards. (62 Wörter)
Welche Quellen eignen sich?
Nutzen Sie Auschwitz-Prozessakten, SED-Resolutionen, Bitburg-Reden und DDR-Lehrbücher. Primärquellen wie Zeitzeugeninterviews von Yad Vashem oder Bundesarchiv machen greifbar. Digitalisierte Materialien erleichtern den Zugang. Achten Sie auf Ausgewogenheit, um Bias zu vermeiden. (54 Wörter)
Wie bewältige ich emotionale Belastung?
Schaffen Sie sichere Räume durch Vor- und Nachgespräche. Bieten Sie Ausstiegsoptionen und Ressourcen wie Beratungsstellen. Fokussieren Sie auf historische Analyse, nicht Sensationalismus. Pausen und Reflexion helfen, Belastung zu managen und Lernprozesse zu sichern. (52 Wörter)

Planungsvorlagen für Geschichte