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Geschichte · Klasse 13 · Aufbruch und Umbruch: Die 1960er Jahre und die neue Ostpolitik · 2. Halbjahr

Der Deutsche Herbst 1977

Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die Ereignisse des Deutschen Herbstes 1977, einschließlich der Entführung Schleyers und der Landshut-Entführung.

Über dieses Thema

Der Deutsche Herbst 1977 stellt den Höhepunkt der RAF-Terrorwelle dar. Schülerinnen und Schüler rekonstruieren die zentralen Ereignisse: die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer am 5. September, die Flugzeugentführung der Landshut durch die Palästinensergruppe PFLP am 13. Oktober und den Tod der RAF-Mitglieder Baader, Ensslin und Raspe in Stammheim in der Nacht zum 18. Oktober. Sie analysieren die Eskalation der Gewalt, die Entscheidungen der Bundesregierung unter Schmidt und die gesellschaftlichen Spaltungen.

Dieses Thema verknüpft sich eng mit den KMK-Standards für Geschichte in der Qualifikationsphase, indem es Kompetenzen in der Quellenkritik, der Bewertung demokratischer Prozesse und der Analyse von Kontinuitäten in der Bundesrepublik fördert. Es beleuchtet Herausforderungen für den Rechtsstaat, wie den Umgang mit Terrorismus inmitten der neuen Ostpolitik und der Nachwirkungen der 68er-Bewegung. Schüler lernen, staatliche Reaktionen wie die Bildung der GSG 9 kritisch zu bewerten und gesellschaftliche Debatten über Sicherheit und Freiheit zu kontextualisieren.

Aktives Lernen eignet sich hervorragend für diesen Stoff, da sensible Themen durch Rollenspiele, Quellenstationen und strukturierte Debatten emotional greifbar werden. Schüler konfrontieren sich direkt mit Primärquellen und Perspektiven, was abstrakte Konflikte konkretisiert und tiefes Verständnis für demokratische Resilienz schafft.

Leitfragen

  1. Analysieren Sie die Eskalation der Gewalt im Deutschen Herbst.
  2. Erklären Sie die Reaktionen des Staates und der Gesellschaft auf die Terrorakte.
  3. Bewerten Sie die Herausforderungen für den Rechtsstaat im Umgang mit Terrorismus.

Lernziele

  • Analysieren Sie die Kausalketten, die zur Eskalation der Gewalt im Deutschen Herbst führten, indem Sie die Aktionen der RAF und die Reaktionen des Staates vergleichen.
  • Erklären Sie die innenpolitischen und internationalen Kontexte, die die Entscheidungen der Bundesregierung unter Helmut Schmidt beeinflussten.
  • Bewerten Sie die langfristigen Auswirkungen des Deutschen Herbstes auf das Verhältnis zwischen Staat und Bürger in der Bundesrepublik Deutschland.
  • Kritisieren Sie die unterschiedlichen medialen Darstellungen der Ereignisse und ihrer Akteure im Jahr 1977.

Bevor es losgeht

Die Bundesrepublik Deutschland in den 1950er und 1960er Jahren

Warum: Grundkenntnisse über die politische und gesellschaftliche Entwicklung der frühen Bundesrepublik sind notwendig, um die Entstehung und Radikalisierung von Gruppen wie der RAF im historischen Kontext zu verstehen.

Die 68er-Bewegung und ihre Folgen

Warum: Das Verständnis der gesellschaftlichen Umbrüche und Protestbewegungen der späten 1960er Jahre bildet die Basis, um die ideologischen Hintergründe und die Radikalisierung einzelner Akteure zu begreifen.

Grundlagen des Rechtsstaates

Warum: Ein grundlegendes Verständnis von Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und den Prinzipien des deutschen Grundgesetzes ist essenziell, um die Herausforderungen des Terrorismus für diese Prinzipien analysieren zu können.

Schlüsselvokabular

Deutscher HerbstBezeichnung für die dramatische Zuspitzung des Terrorismus durch die Rote Armee Fraktion (RAF) im Herbst 1977, geprägt von Entführungen und Geiselnahmen.
RAF (Rote Armee Fraktion)Eine linksextremistische terroristische Organisation in Westdeutschland, die von den späten 1960er bis in die 1990er Jahre aktiv war und politische Ziele mit Gewalt zu erreichen suchte.
GSG 9Eine Spezialeinheit der deutschen Bundespolizei zur Bekämpfung von Terrorismus und schwerer organisierter Kriminalität, gegründet als Reaktion auf die Ereignisse des Deutschen Herbstes.
StammheimDie Justizvollzugsanstalt Stuttgart, in der führende RAF-Mitglieder inhaftiert waren und in der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 1977 die sogenannten 'Todesnacht von Stammheim' stattfand.
Entführung Hanns Martin SchleyerDie am 5. September 1977 erfolgte Entführung des Arbeitgeberpräsidenten durch die RAF, die als zentrale Forderung die Freilassung inhaftierter RAF-Mitglieder hatte.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungDie RAF handelte rein aus idealistischen Motiven ohne Gewaltbereitschaft.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Die RAF verfolgte bewusste Strategie der Eskalation durch Mord und Entführung, um den Staat zu destabilisieren. Aktive Rollenspiele lassen Schüler die Opferperspektive einnehmen und erkennen, dass Idealismus mit Terrorismus unvereinbar ist. Diskussionen klären den Kontext der 68er-Radikalität.

Häufige FehlvorstellungDer Staat reagierte überhart und verletzte den Rechtsstaat.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Die Maßnahmen wie Kontaktverbot waren verhältnismäßig angesichts der Bedrohung, bewährt durch Gerichte. Quellenstationen helfen Schülern, proportionale Reaktionen zu bewerten und Parallelen zur Gegenwart zu ziehen. Peer-Feedback fördert nuanciertes Denken.

Häufige FehlvorstellungDer Deutsche Herbst war ein isoliertes Ereignis ohne Bezug zur Ostpolitik.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Er spiegelt Kalter-Krieg-Dynamiken wider, mit internationaler Kooperation (z.B. Somalia). Debatten machen Verbindungen sichtbar und zeigen Kontinuitäten in Terrorbekämpfung.

Ideen für aktives Lernen

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Bezüge zur Lebenswelt

  • Die Arbeit von Sicherheitsbehörden wie dem Bundeskriminalamt (BKA) und der Bundespolizei (insbesondere der GSG 9) ist direkt von den Erfahrungen und Lehren aus der Terrorismusbekämpfung der 1970er Jahre geprägt.
  • Die Debatten über staatliche Überwachung, Datenschutz und die Balance zwischen Sicherheit und Freiheit, die im Deutschen Herbst intensiv geführt wurden, sind bis heute in der politischen Diskussion präsent, beispielsweise bei der Einführung neuer Überwachungstechnologien.
  • Journalisten und Historiker, die sich mit der Aufarbeitung extremistischer Gewalt und ihrer gesellschaftlichen Folgen beschäftigen, nutzen Primärquellen aus dieser Zeit, um die Ereignisse und ihre Ursachen zu analysieren.

Ideen zur Lernstandserhebung

Diskussionsfrage

Lehrer: 'Stellen Sie sich vor, Sie sind Teil einer Krisenstabssitzung der Bundesregierung im Oktober 1977. Welche Argumente würden Sie für eine Verhandlungsbereitschaft mit den Terroristen vorbringen, und welche für ein kompromissloses Vorgehen? Diskutieren Sie die potenziellen Konsequenzen beider Strategien für die Legitimität des Staates.'

Lernstandskontrolle

Die Schülerinnen und Schüler erhalten die Aufgabe, auf einem Zettel zwei Sätze zu formulieren: Der erste Satz soll die wichtigste staatliche Reaktion auf die Terrorakte des Deutschen Herbstes benennen. Der zweite Satz soll eine historische Kontinuität zwischen den Herausforderungen des Jahres 1977 und aktuellen Debatten über Terrorismus aufzeigen.

Kurze Überprüfung

Lehrer präsentiert eine kurze Primärquelle (z.B. einen Auszug aus einer Rede Helmut Schmidts oder einen Zeitungsartikel von 1977) und stellt folgende Frage: 'Welche Haltung des Staates gegenüber dem Terrorismus wird hier deutlich, und welche Kompetenz der Schülerinnen und Schüler zur Quellenanalyse wird hier gefördert?'

Häufig gestellte Fragen

Was war der Deutsche Herbst 1977?
Der Deutsche Herbst umfasst die RAF-Terrorwelle vom September bis Oktober 1977: Entführung Schleyers, Landshut-Entführung und Stammheim-Tode. Er kulminierte in einer nationalen Krise, die den Rechtsstaat auf die Probe stellte. Schüler analysieren Chronologie und Entscheidungen, um Eskalationsdynamiken zu verstehen. Dies fördert Kompetenzen in historischer Kausalität und Demokratiebewertung (ca. 65 Wörter).
Wie reagierte der Staat auf die RAF-Terrorakte?
Unter Kanzler Schmidt bildete sich ein Krisenstab, der Verhandlungen ablehnte und die GSG 9 einsetzte, um die Landshut zu stürmen. Kontaktverbot zu Gefangenen verhinderte Manipulation. Diese harten Maßnahmen retteten Schleyer nicht, stärkten aber die Demokratie. Schüler bewerten sie anhand von Quellen auf Verhältnismäßigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz (ca. 70 Wörter).
Wie kann aktives Lernen den Deutschen Herbst verständlich machen?
Aktives Lernen aktiviert Schüler durch Rollenspiele als Entscheidungsträger oder Quellenstationen mit Originaldokumenten. Sie simulieren Krisenverhandlungen, konfrontieren Perspektiven und debattieren in Fischaugen-Runden. Solche Methoden machen emotionale und ethische Dimensionen greifbar, fördern Quellenkritik und eigenständige Bewertung des Rechtsstaats. Kooperation vertieft das Verständnis für gesellschaftliche Spaltungen (ca. 75 Wörter).
Welche Herausforderungen stellte der Terrorismus für den Rechtsstaat dar?
Der RAF-Terror forderte Abwägung von Sicherheit und Freiheit: Kontaktverbote, Spezialeinheiten und Medienkontrolle wurden kontrovers diskutiert. Schüler analysieren, ob diese den Grundrechten widersprachen. Verbindungen zur Ostpolitik zeigen internationale Dimensionen. Aktuelle Bezüge zu Terrorbekämpfung machen das Thema relevant und regen zu Reflexion über Demokratie-Resilienz an (ca. 72 Wörter).

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