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Geschichte · Klasse 13 · Aufbruch und Umbruch: Die 1960er Jahre und die neue Ostpolitik · 2. Halbjahr

Entstehung und Ideologie der RAF

Die Schülerinnen und Schüler analysieren die Ursprünge des Linksterrorismus in Deutschland und die ideologischen Grundlagen der Roten Armee Fraktion.

Über dieses Thema

Das Thema beleuchtet die Entstehung der Roten Armee Fraktion (RAF) als Ausdruck des Linksterrorismus in der Bundesrepublik Deutschland. Schülerinnen und Schüler erforschen die gesellschaftlichen und politischen Wurzeln in den 1960er Jahren, einschließlich der Studentenbewegung von 1968 und der Wahrnehmung des Staates als faschistisch. Sie analysieren, wie Frustration über Vietnamkrieg, Notstandsgesetze und Persilscheine zu radikalen Gruppen wie der Tupamaros West-Berlin führte.

Die ideologischen Grundlagen der RAF basieren auf einer Mischung aus Marxismus-Leninismus, Maoismus und Antiimperialismus. Andreas Baader, Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin rechtfertigten Gewalt als revolutionäre Notwendigkeit gegen den 'imperialistischen Staatsapparat'. Die Verbindung zur 68er-Bewegung zeigt Kontinuitäten, doch die RAF radikalisierte sich durch bewaffneten Kampf. Primärquellen wie RAF-Kommuniqués ermöglichen eine differenzierte Bewertung.

Aktives Lernen nutzt Quellenanalysen und Debatten, um Schülerinnen und Schüler zur eigenständigen Bewertung historischer Komplexität anzuregen. Es fördert kritisches Denken und verhindert Vereinfachungen, da sie Perspektiven einnehmen und argumentieren müssen.

Leitfragen

  1. Analysieren Sie die gesellschaftlichen und politischen Wurzeln des Linksterrorismus.
  2. Erklären Sie die ideologischen Rechtfertigungen der RAF für ihre Gewalt.
  3. Bewerten Sie die Verbindung zwischen der 68er-Bewegung und der Entstehung der RAF.

Lernziele

  • Analysieren Sie die gesellschaftlichen und politischen Missstände in der Bundesrepublik der 1960er Jahre, die zur Radikalisierung beitrugen.
  • Erklären Sie die Kernpunkte der marxistisch-leninistischen und antiimperialistischen Ideologie, die die RAF zur Rechtfertigung ihrer Gewalt nutzte.
  • Bewerten Sie die ideologischen Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der 68er-Bewegung und der Roten Armee Fraktion.
  • Identifizieren Sie zentrale Akteure und ihre Rollen bei der Gründung und frühen Phase der RAF.

Bevor es losgeht

Die Bundesrepublik Deutschland nach 1945

Warum: Ein grundlegendes Verständnis der politischen und gesellschaftlichen Nachkriegsentwicklung in Westdeutschland ist notwendig, um die Entstehung der RAF im historischen Kontext zu verorten.

Die Studentenbewegung der 1960er Jahre

Warum: Die Kenntnis der Ziele, Protestformen und der allgemeinen Atmosphäre der 68er-Bewegung bildet die Grundlage, um die Radikalisierung einzelner Gruppen und die Entstehung der RAF nachvollziehen zu können.

Grundzüge des Kalten Krieges

Warum: Das Verständnis der globalen Konfliktlinien und der Ideologien des Kalten Krieges ist wichtig, um die antiimperialistische Ausrichtung der RAF und ihre Feindbilder zu verstehen.

Schlüsselvokabular

LinksterrorismusEine Form des Terrorismus, die von extremistischen Gruppen mit linksgerichteten politischen Zielen ausgeht, oft mit dem Ziel, den bestehenden Staat zu stürzen.
AntiimperialismusEine politische Haltung, die sich gegen die Herrschaft und den Einfluss mächtiger Staaten auf schwächere Länder richtet, oft im Kontext des Kalten Krieges.
Marxismus-LeninismusEine politische Ideologie, die auf den Schriften von Karl Marx und Wladimir Lenin basiert und eine revolutionäre Überwindung des Kapitalismus durch eine Diktatur des Proletariats anstrebt.
NotstandsgesetzeGesetze, die der Regierung im Falle einer Krise oder Bedrohung erweiterte Befugnisse einräumen, welche die Grundrechte einschränken können.
RAF-KommuniquésOffizielle Erklärungen und Bekanntmachungen der Roten Armee Fraktion, die ihre Taten begründeten und ihre politischen Ziele darlegten.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungDie RAF war eine direkte Fortsetzung der gesamten 68er-Bewegung.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Die RAF entstand aus einem radikalen Flügel der 68er, doch die Mehrheit der Studentenbewegung lehnte Gewalt ab und setzte auf Reformen.

Häufige FehlvorstellungDie RAF-Ideologie war rein marxistisch.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Sie verband Marxismus mit Antiimperialismus, Maoismus und anarchistischen Elementen, um den BRD-Staat als faschistisch zu diffamieren.

Häufige FehlvorstellungLinksterrorismus war nur eine Reaktion auf den Vietnamkrieg.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Mehrere Faktoren wie Notstandsgesetze, Persilscheine und generationaler Konflikt trieben die Radikalisierung voran.

Ideen für aktives Lernen

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Bezüge zur Lebenswelt

  • Historiker und Politikwissenschaftler analysieren heute noch die Ursachen und Folgen des Linksterrorismus, um ähnliche Phänomene in anderen Gesellschaften besser zu verstehen. Sie nutzen dabei auch die Dokumente und Aufrufe von Organisationen wie der RAF.
  • Journalisten und Ermittler, die sich mit der Aufarbeitung von Terrorismus beschäftigen, müssen die ideologischen Hintergründe und die historische Entwicklung von Gruppen wie der RAF verstehen, um die Motive und Strukturen nachvollziehen zu können. Dies ist relevant für die Berichterstattung über aktuelle Extremismusdebatten.

Ideen zur Lernstandserhebung

Diskussionsfrage

Beginnen Sie eine Unterrichtsdiskussion mit der Frage: 'Welche gesellschaftlichen Bedingungen in den 1960er Jahren könnten junge Menschen dazu bewogen haben, Gewalt als Mittel des politischen Kampfes in Betracht zu ziehen?' Sammeln Sie die Antworten der Schülerinnen und Schüler an der Tafel und ordnen Sie sie später den ideologischen Argumenten der RAF zu.

Lernstandskontrolle

Bitten Sie die Schülerinnen und Schüler, auf einer Karteikarte zwei Sätze zu schreiben: Der erste Satz soll eine ideologische Begründung der RAF für Gewalt nennen. Der zweite Satz soll erklären, wie sich diese Begründung von den Zielen der breiteren 68er-Bewegung unterscheidet.

Kurze Überprüfung

Stellen Sie den Schülerinnen und Schülern drei kurze Aussagen zur RAF vor (z.B. 'Die RAF sah sich als Avantgarde der Revolution', 'Die RAF kämpfte gegen den amerikanischen Imperialismus', 'Die RAF lehnte jegliche Form von Staatlichkeit ab'). Lassen Sie die Schülerinnen und Schüler entscheiden, ob die Aussagen zutreffen und kurz begründen, warum.

Häufig gestellte Fragen

Wie analysieren Schülerinnen und Schüler die ideologischen Rechtfertigungen der RAF?
Durch Primärquellen wie RAF-Texte und Meinhofs Schriften lernen sie die Logik des 'bewaffneten Kampfes' kennen. Sie bewerten, wie antiimperialistische Rhetorik Gewalt legitimierte. Vergleiche mit 68er-Texten zeigen Radikalisierungsprozesse. So verstehen sie, dass Ideologie nicht isoliert, sondern kontextuell entstand. (62 Wörter)
Welche Rolle spielte die 68er-Bewegung bei der RAF-Entstehung?
Die 68er-Bewegung schuf ein Milieu kritischer Intellektueller, doch RAF-Mitglieder radikalisierten sich darüber hinaus. Frustration über Reformversagen führte zur Gewaltstrategie. Schülerinnen und Schüler bewerten Kontinuitäten in der Antikapitalismuskritik, erkennen aber den Bruch durch Terror. (58 Wörter)
Wie fördert aktives Lernen das Verständnis dieses Themas?
Aktives Lernen aktiviert Schülerinnen und Schüler durch Rollenspiele und Quellenarbeit, sodass sie RAF-Perspektiven nachvollziehen, ohne sie zu rechtfertigen. Es schult Urteilsbildung, indem sie Argumente gegeneinander abwägen. So entsteht nuanciertes Wissen über Radikalisierung, das reines Auswendiglernen übertrifft. (64 Wörter)
Welche gesellschaftlichen Wurzeln hatte der Linksterrorismus?
Wurzeln liegen in der Nachkriegszeit: generationaler Protest gegen Obrigkeitsstaat, Vietnamtrauma und Misstrauen gegenüber Institutionen. Schülerinnen und Schüler kartieren diese Faktoren und bewerten ihren Beitrag zur RAF. (52 Wörter)

Planungsvorlagen für Geschichte