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Geschichte · Klasse 13

Ideen für aktives Lernen

Der Deutsche Herbst 1977

Aktives Lernen eignet sich besonders für dieses Thema, weil es komplexe historische Zusammenhänge durch konkrete Handlungen greifbar macht. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich nicht nur mit Fakten auseinander, sondern erleben die moralischen Dilemmata und politischen Entscheidungsprozesse selbst, was nachhaltiges Verständnis fördert.

KMK BildungsstandardsLehrplanPLUS Bayern G 13.1: Deutschland nach 1945, Gesellschaftlicher Wandel in der Bundesrepublik. LinksterrorismusKernlehrplan NRW S II: Inhaltsfeld 7, Umbrüche seit den 1970er-Jahren. Terrorismus als Herausforderung für den demokratischen Rechtsstaat
35–50 Min.Partnerarbeit → Ganze Klasse4 Aktivitäten

Aktivität 01

Lernen an Stationen50 Min. · Kleingruppen

Lernen an Stationen: Ereignischronologie

Richten Sie vier Stationen ein: Schleyer-Entführung (Zeitungsartikel analysieren), Landshut-Entführung (Karten und Protokolle), Stammheim-Nacht (Zeugenaussagen) und staatliche Reaktionen (Reden Schmidts). Gruppen rotieren alle 10 Minuten, notieren Fakten und bewerten Entscheidungen. Abschließende Plenumdiskussion.

Analysieren Sie die Eskalation der Gewalt im Deutschen Herbst.

ModerationstippBeim Stationenlernen sollten Sie darauf achten, dass jede Station klare Arbeitsaufträge und Materialien enthält, die zur Selbstständigkeit anregen, damit die Schülerinnen und Schüler die Ereigniskette aktiv nachvollziehen.

Worauf zu achten istLehrer: 'Stellen Sie sich vor, Sie sind Teil einer Krisenstabssitzung der Bundesregierung im Oktober 1977. Welche Argumente würden Sie für eine Verhandlungsbereitschaft mit den Terroristen vorbringen, und welche für ein kompromissloses Vorgehen? Diskutieren Sie die potenziellen Konsequenzen beider Strategien für die Legitimität des Staates.'

ErinnernVerstehenAnwendenAnalysierenSelbststeuerungBeziehungsfähigkeit
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Aktivität 02

Rollenspiel45 Min. · Kleingruppen

Rollenspiel: Krisenstab-Simulation

Teilen Sie Rollen zu: RAF-Vertreter, Regierung, Öffentlichkeit, Medien. Gruppen verhandeln Szenarien wie Lösegeld oder Sturm auf die Landshut. Jede Runde dauert 10 Minuten, gefolgt von Reflexion über Rechtsstaatlichkeit.

Erklären Sie die Reaktionen des Staates und der Gesellschaft auf die Terrorakte.

ModerationstippIm Rollenspiel zum Krisenstab ist es wichtig, die Schülerinnen und Schüler durch gezielte Fragen dazu zu bringen, ihre Argumente zu begründen und die Konsequenzen ihrer Entscheidungen zu reflektieren.

Worauf zu achten istDie Schülerinnen und Schüler erhalten die Aufgabe, auf einem Zettel zwei Sätze zu formulieren: Der erste Satz soll die wichtigste staatliche Reaktion auf die Terrorakte des Deutschen Herbstes benennen. Der zweite Satz soll eine historische Kontinuität zwischen den Herausforderungen des Jahres 1977 und aktuellen Debatten über Terrorismus aufzeigen.

AnwendenAnalysierenBewertenSozialbewusstseinSelbstwahrnehmung
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Aktivität 03

Fallstudienanalyse35 Min. · Partnerarbeit

Quellenkonfrontation: Perspektivenvergleich

Paare erhalten gegensätzliche Quellen (z.B. RAF-Manifeste vs. Regierungsstatements). Sie markieren Bias, diskutieren Motive und präsentieren einen neutralen Bericht. Ergänzen Sie mit Zeitstrahl-Visualisierung.

Bewerten Sie die Herausforderungen für den Rechtsstaat im Umgang mit Terrorismus.

ModerationstippBei der Quellenkonfrontation können Sie durch gezielte Impulsfragen die Schülerinnen und Schüler dazu anregen, die Perspektiven der verschiedenen Akteure zu vergleichen und Widersprüche zu erkennen.

Worauf zu achten istLehrer präsentiert eine kurze Primärquelle (z.B. einen Auszug aus einer Rede Helmut Schmidts oder einen Zeitungsartikel von 1977) und stellt folgende Frage: 'Welche Haltung des Staates gegenüber dem Terrorismus wird hier deutlich, und welche Kompetenz der Schülerinnen und Schüler zur Quellenanalyse wird hier gefördert?'

AnalysierenBewertenErschaffenEntscheidungsfähigkeitSelbststeuerung
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Aktivität 04

Debatte40 Min. · Ganze Klasse

Debatte: Rechtsstaat vs. Sicherheit

Ganze Klasse bildet zwei Kreise: Innere debattieren pro Staatshandeln, äußere konterkarieren. Nach 20 Minuten wechseln Positionen und Reflexion über Grauzonen.

Analysieren Sie die Eskalation der Gewalt im Deutschen Herbst.

ModerationstippIn der Fischaugen-Debatte sollten Sie darauf achten, dass alle Schülerinnen und Schüler aktiv einbezogen werden und dass die Diskussion strukturiert verläuft, um eine vertiefte Reflexion zu ermöglichen.

Worauf zu achten istLehrer: 'Stellen Sie sich vor, Sie sind Teil einer Krisenstabssitzung der Bundesregierung im Oktober 1977. Welche Argumente würden Sie für eine Verhandlungsbereitschaft mit den Terroristen vorbringen, und welche für ein kompromissloses Vorgehen? Diskutieren Sie die potenziellen Konsequenzen beider Strategien für die Legitimität des Staates.'

AnalysierenBewertenErschaffenSelbststeuerungEntscheidungsfähigkeit
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Einige Hinweise zum Unterrichten dieser Einheit

Erfahrene Lehrkräfte setzen bei diesem Thema auf eine Balance zwischen Faktenvermittlung und emotionaler Auseinandersetzung. Sie vermeiden eine einseitige Darstellung, sondern fördern die kritische Reflexion unterschiedlicher Perspektiven. Wichtig ist es, die historischen Ereignisse in den Kontext der 1970er-Jahre einzubetten und auf aktuelle Bezüge hinzuweisen, ohne die Komplexität zu vereinfachen. Gleichzeitig sollten sie darauf achten, dass die Schülerinnen und Schüler die moralischen Dilemmata erkennen, ohne in eine einfache Schwarz-Weiß-Malerei zu verfallen.

Erfolgreiches Lernen zeigt sich darin, dass die Schülerinnen und Schüler die Ereignisse des Deutschen Herbstes 1977 in ihrer Chronologie und Bedeutung rekonstruieren können. Sie sind in der Lage, die unterschiedlichen Perspektiven zu benennen, staatliche Maßnahmen zu bewerten und die gesellschaftlichen Spaltungen zu analysieren. Zudem erkennen sie die Verbindung zu übergeordneten Themen wie dem Kalten Krieg oder der Terrorismusbekämpfung.


Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

  • Während des Stationenlernens zur Ereignischronologie beobachten Sie, dass Schülerinnen und Schüler die Motive der RAF als rein idealistisch darstellen.

    Nutzen Sie die Stationen, um gezielt Materialien bereitzustellen, die die Gewaltbereitschaft der RAF und ihre Strategie der Eskalation aufzeigen. Fragen Sie die Schülerinnen und Schüler, welche konkreten Handlungen der RAF als terroristische Akte zu bewerten sind und wie diese mit idealistischen Zielen vereinbar sind.

  • Im Rollenspiel des Krisenstabs argumentieren Schülerinnen und Schüler, der Staat habe mit überzogenen Maßnahmen den Rechtsstaat verletzt.

    Fordern Sie die Schülerinnen und Schüler auf, während der Simulation die rechtlichen Grundlagen der staatlichen Maßnahmen zu prüfen. Nutzen Sie die Quellen aus dem Spiel, um gemeinsam zu diskutieren, inwiefern die Maßnahmen verhältnismäßig waren und welche Alternativen es gegeben hätte.

  • Bei der Quellenkonfrontation zur Perspektivenanalyse wird der Deutsche Herbst als isoliertes Ereignis ohne Bezug zur Ostpolitik dargestellt.

    Lenken Sie die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler im Quellenvergleich auf Hinweise zur internationalen Einbettung, insbesondere zu den Verbindungen zwischen der RAF und anderen terroristischen Gruppen. Regen Sie an, die Rolle des Kalten Krieges in der Eskalation zu diskutieren.


In dieser Übersicht verwendete Methoden