Ostverträge und das Verhältnis zur DDR
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die Ostverträge und deren Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen BRD und DDR.
Über dieses Thema
Der Alltag in der DDR unter Erich Honecker war geprägt von der Ambivalenz zwischen dem Versprechen von sozialer Sicherheit ('Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik') und der Realität einer umfassenden Überwachung. Schüler untersuchen das Leben in der 'Nischengesellschaft', in der sich Menschen ins Private zurückzogen, um dem staatlichen Zugriff zu entgehen. Das Thema beleuchtet die Rolle der Stasi als 'Schild und Schwert der Partei'.
Im Rahmen der KMK-Standards zur Sach- und Methodenkompetenz analysieren die Lernenden Stasi-Akten und Berichte über den 'Konsumsozialismus'. Die Frage, wie der Staat durch Sportserfolge und kulturelle Angebote Loyalität zu erzeugen versuchte, ist zentral. Durch die Arbeit mit Alltagsgegenständen und Biografien begreifen Schüler, wie die SED versuchte, alle Lebensbereiche zu durchdringen, und wo die Bürger Freiräume suchten und fanden.
Leitfragen
- Analysieren Sie die Inhalte und die Bedeutung der Ostverträge.
- Erklären Sie, wie die Ostverträge das Verhältnis zur DDR veränderten.
- Beurteilen Sie die Kritik an der Ostpolitik aus konservativen Kreisen.
Lernziele
- Analysieren Sie die Kerninhalte und die vertraglichen Verpflichtungen der Ostverträge (z.B. Grundlagenvertrag, Moskauer Vertrag).
- Erklären Sie die unmittelbaren und langfristigen Auswirkungen der Ostverträge auf die politische und wirtschaftliche Beziehung zwischen der BRD und der DDR.
- Bewerten Sie die innenpolitischen Reaktionen und die Kritik an der Ostpolitik aus verschiedenen politischen Lagern der BRD.
- Vergleichen Sie die Ziele der Ostverträge mit den tatsächlichen Entwicklungen im deutsch-deutschen Verhältnis nach ihrer Unterzeichnung.
Bevor es losgeht
Warum: Grundlegendes Verständnis der Nachkriegspolitik der BRD und der Ablehnung der DDR ist notwendig, um die Abkehr durch die Ostpolitik nachvollziehen zu können.
Warum: Die politischen Strömungen der 1960er Jahre, einschließlich der kritischen Haltung gegenüber der bisherigen Deutschlandpolitik, sind wichtig für das Verständnis der Entstehung der Ostpolitik.
Schlüsselvokabular
| Ostverträge | Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und osteuropäischen Staaten (wie der Sowjetunion und Polen) in den frühen 1970er Jahren, die auf Entspannung und Normalisierung abzielten. |
| Grundlagenvertrag | Ein zentraler Ostvertrag von 1972 zwischen der BRD und der DDR, der die Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten auf eine neue Basis stellte und gegenseitige Anerkennung beinhaltete. |
| Neue Ostpolitik | Die von Bundeskanzler Willy Brandt initiierte Politik der Entspannung und des Dialogs mit den osteuropäischen Staaten und der DDR, die auf einer Abkehr von der bisherigen Hallstein-Doktrin basierte. |
| Hallstein-Doktrin | Die frühere außenpolitische Doktrin der BRD, die die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur DDR durch Drittstaaten als unfreundlichen Akt wertete und Sanktionen androhte. |
| KSZE-Prozess | Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, deren Ergebnisse (z.B. die Akte von Helsinki) auch das Verhältnis zwischen BRD und DDR beeinflussten und auf Entspannung und Kooperation abzielten. |
Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen
Häufige FehlvorstellungJeder DDR-Bürger wurde rund um die Uhr von der Stasi beobachtet.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Die Überwachung war flächendeckend möglich, konzentrierte sich aber auf 'verdächtige' Personen; die Angst davor war jedoch allgegenwärtig. Die Analyse der Anzahl der Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) im Verhältnis zur Bevölkerung zeigt die Dimension.
Häufige FehlvorstellungIn der DDR gab es keine sozialen Unterschiede.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Es gab Privilegien für Parteifunktionäre, Sportler und Künstler (z.B. Zugang zu Westwaren, bessere Wohnungen). Die Untersuchung des Systems der 'Sonderversorgung' korrigiert das Bild der klassenlosen Gesellschaft.
Ideen für aktives Lernen
Alle Aktivitäten ansehenForschungskreis: Die Arbeit der Stasi
Schüler untersuchen anonymisierte Aktenauszüge und Methoden der 'Zersetzung', um die psychologischen Folgen der Überwachung zu verstehen.
Museumsgang: Alltagskultur in der DDR
Analyse von Produkten (z.B. Intershop vs. Delikat), Wohnformen (Plattenbau) und Freizeitangeboten (FDGB-Ferien).
Ich-Du-Wir (Denken-Austauschen-Vorstellen): Die 'Nischengesellschaft'
Diskussion über den Begriff: War der Rückzug ins Private ein Akt des Widerstands oder eine Form der Anpassung, die das System stabilisierte?
Bezüge zur Lebenswelt
- Die Arbeit von Historikern in Archiven wie dem Bundesarchiv oder dem Archiv des Auswärtigen Amtes, die sich mit der Entstehung und den Folgen der Ostverträge beschäftigen, um die deutsche Teilung und Wiedervereinigung zu verstehen.
- Die diplomatischen Verhandlungen und die politische Debatte im Deutschen Bundestag in den frühen 1970er Jahren, die die Grundlage für die heutige deutsche Außenpolitik und die Beziehungen zu osteuropäischen Nachbarn legten.
- Die Auswirkungen der Ostverträge auf die Reisefreiheit und die familiären Kontakte zwischen Ost und West, die durch die Verträge erleichtert wurden und bis heute in den Erinnerungen vieler Menschen präsent sind.
Ideen zur Lernstandserhebung
Leiten Sie eine Diskussion mit der Frage: 'Inwiefern waren die Ostverträge ein Erfolg, und welche Kritikpunkte aus der damaligen Zeit sind heute noch relevant?' Bitten Sie die Schüler, konkrete Beispiele aus den Verträgen und der Kritik zu nennen.
Geben Sie jedem Schüler eine Karte mit einer der folgenden Fragen: 'Nennen Sie zwei Kerninhalte des Grundlagenvertrags.' oder 'Erklären Sie kurz die Hauptkritik der CSU an der Ostpolitik.' Die Schüler schreiben ihre Antwort auf die Karte und geben sie ab.
Stellen Sie eine kurze Multiple-Choice-Frage zur Bedeutung eines der Ostverträge, z.B. 'Welches Ziel verfolgte die BRD primär mit dem Moskauer Vertrag von 1970? a) Anerkennung der Oder-Neiße-Linie, b) Militärische Bündnisbildung, c) Kultureller Austausch.' Lassen Sie die Schüler die Antwort auf einem Zettel notieren.
Häufig gestellte Fragen
Was war die 'Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik'?
Wie funktionierte die Überwachung durch die Stasi?
Warum war der Sport für die DDR so wichtig?
Wie kann man DDR-Alltag im Unterricht lebendig vermitteln?
Planungsvorlagen für Geschichte
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Eine Vorlage für Gesellschaftswissenschaften, die auf Quellenanalyse und historischem Denken basiert. Sie umfasst dokumentenbasierte Aufgaben, Diskussionen und den Wechsel der Perspektiven.
EinheitenplanerGesellschaftswissenschaftliche Einheit
Planen Sie eine Einheit für Gesellschaftswissenschaften, die auf Quellenstudium, historischem Denken und politischer Urteilsbildung beruht. Lernende analysieren Belege und entwickeln begründete Positionen zu historischen und aktuellen Fragen.
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