Zum Inhalt springen
Geschichte · Klasse 12 · Wandel in Ost und West: 1960er bis 1980er Jahre · 2. Halbjahr

Auswirkungen der 68er auf Gesellschaft und Politik

Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die langfristigen Folgen der 68er-Bewegung auf die deutsche Gesellschaft.

Über dieses Thema

Die 68er-Bewegung veränderte die deutsche Gesellschaft nachhaltig und hinterließ Spuren in Politik, Bildung und Alltag. Schülerinnen und Schüler der Klasse 12 untersuchen, wie Proteste gegen autoritäre Strukturen zu Fortschritten bei den Rechten von Frauen und Minderheiten führten, etwa durch die Entkriminalisierung der Homosexualität oder die Förderung der Pille. Sie analysieren Reformen in der Erziehung, wie den Übergang zu antiautoritären Schulmodellen, und bewerten den Einfluss auf die politische Kultur der BRD, die offener und partizipativer wurde.

Im Rahmen der KMK-Standards und der Unit 'Wandel in Ost und West' schärft dieses Thema Fähigkeiten in Quellenkritik, Kausalanalyse und Bewertung historischer Entwicklungen. Es verbindet die 1960er- bis 1980er-Jahre mit Gegenwartsfragen wie Demokratieverständnis und gesellschaftlichen Normen. Schüler lernen Kontinuitäten erkennen, etwa in aktuellen Bewegungen für Gleichberechtigung.

Aktives Lernen eignet sich hervorragend für dieses Thema, da es kontroverse Perspektiven durch Rollenspiele und Debatten erlebbar macht. Schüler konstruieren Zeitstrahlen aus Primärquellen oder moderieren Diskussionen, was abstrakte Umbrüche greifbar werden lässt und kritisches Denken vertieft.

Leitfragen

  1. Analysieren Sie den Einfluss der Proteste auf die Rechte von Frauen und Minderheiten.
  2. Erklären Sie die Veränderungen in Bildung und Erziehung durch die 68er.
  3. Beurteilen Sie die langfristige Bedeutung der 68er-Bewegung für die politische Kultur der BRD.

Lernziele

  • Analysieren Sie die Ursachen und Auslöser der Proteste von 1968 in der BRD.
  • Erklären Sie die Auswirkungen der 68er-Bewegung auf die Gesetzgebung bezüglich Frauenrechten und Minderheiten.
  • Bewerten Sie die Veränderungen in der deutschen Bildungslandschaft, die durch die Reformbewegungen der 1960er und 1970er Jahre initiiert wurden.
  • Vergleichen Sie die politischen Diskussionskulturen vor und nach der 68er-Bewegung in Bezug auf Partizipation und Meinungsfreiheit.

Bevor es losgeht

Die Bundesrepublik Deutschland nach 1945: Wiederaufbau und Westintegration

Warum: Ein Verständnis der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse der frühen Bundesrepublik ist notwendig, um die Umbrüche durch die 68er-Bewegung einordnen zu können.

Sozialisation und Erziehung im 20. Jahrhundert

Warum: Grundkenntnisse über traditionelle Erziehungsmodelle und die Rolle von Bildungseinrichtungen sind erforderlich, um die Reformansätze der 68er nachvollziehen zu können.

Schlüsselvokabular

Außerparlamentarische Opposition (APO)Eine politische Bewegung, die außerhalb der etablierten Parteien agierte und sich gegen die Regierungspolitik der Großen Koalition richtete.
Antiautoritäre ErziehungEin pädagogischer Ansatz, der auf die Abschaffung von Hierarchien und Zwang in der Erziehung abzielte und die Selbstbestimmung des Kindes betonte.
Neue FrauenbewegungEine feministische Bewegung, die ab den späten 1960er Jahren für die Gleichstellung der Frau in allen Lebensbereichen kämpfte und traditionelle Rollenbilder hinterfragte.
PluralismusDie Anerkennung und Förderung einer Vielfalt von Meinungen, Lebensstilen und Interessen in einer Gesellschaft, die durch die 68er-Bewegung gestärkt wurde.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungDie 68er waren nur eine kurzfristige Studentenrevolte ohne bleibende Folgen.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Tatsächlich führten sie zu dauerhaften Reformen wie der Liberalisierung des §218 und antiautoritären Bildungsmodellen. Aktive Debatten helfen Schülern, Quellen zu konfrontieren und Kausalitäten zu erkennen, statt oberflächliche Klischees zu übernehmen.

Häufige FehlvorstellungDie 68er-Bewegung schwächte die Demokratie in der BRD.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Im Gegenteil stärkte sie die partizipative Kultur durch Bürgerrechte und Offenheit. Rollenspiele ermöglichen es Schülern, Perspektiven auszutauschen und zu verstehen, wie Proteste Stabilität förderten.

Häufige FehlvorstellungNur der Westen war betroffen, Ostdeutschland blieb unbeeinflusst.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Beide Teile Deutschlands erlebten Wandel, etwa durch Dissidentenbewegungen. Quellenanalysen in Gruppen verdeutlichen Parallelen und helfen, Vereinfachungen zu vermeiden.

Ideen für aktives Lernen

Alle Aktivitäten ansehen

Bezüge zur Lebenswelt

  • Die Arbeit von Frauenberatungsstellen und autonomen Frauenzentren, die in den 1970er Jahren entstanden, basiert auf den Forderungen der 68er nach Selbstbestimmung und Gleichberechtigung.
  • Die heutige Debatte über die Rolle von Minderheiten in der Gesellschaft und die Notwendigkeit von Antidiskriminierungsgesetzen hat ihre Wurzeln in den von den 68ern angestoßenen Diskussionen über soziale Gerechtigkeit und Gleichheit.
  • Die Gestaltung von Schul- und Universitätsbauten, die auf offene Lernlandschaften und flexible Nutzung setzen, spiegelt die antiautoritären pädagogischen Ideale der 68er wider.

Ideen zur Lernstandserhebung

Diskussionsfrage

Teilen Sie die Klasse in Kleingruppen auf. Geben Sie jeder Gruppe eine der Kernfragen als Diskussionsgrundlage. Fordern Sie die Schüler auf, mindestens zwei konkrete Beispiele aus der Zeit zu nennen, die ihre Antwort stützen, und diese dann der Klasse vorzustellen.

Lernstandskontrolle

Bitten Sie die Schüler, auf einer Karteikarte drei Stichpunkte zu notieren: 1. Eine wichtige Veränderung, die durch die 68er angestoßen wurde. 2. Eine Person oder Gruppe, die maßgeblich an diesen Veränderungen beteiligt war. 3. Eine Frage, die sie zu diesem Thema noch beschäftigt.

Kurze Überprüfung

Erstellen Sie eine Liste mit 5-7 Aussagen über die Auswirkungen der 68er-Bewegung (z.B. 'Die 68er führten zur Einführung des § 175 StGB.'). Lassen Sie die Schüler jede Aussage als 'wahr' oder 'falsch' einstufen und eine kurze Begründung für zwei ausgewählte Aussagen geben.

Häufig gestellte Fragen

Wie wirkten sich die 68er auf Frauenrechte aus?
Die 68er-Bewegung forderte sexuelle Selbstbestimmung und trug zur Reform des §218 bei, der Abtreibung unter Bedingungen erlaubte. Frauen gründeten Kollektive wie den 'Berliner Frauennotruf' und beeinflussten die Pille als Standard. Schüler analysieren Plakate und Gesetze, um den Übergang von Tabus zu Rechten zu verstehen. Dies formt Bewusstsein für geschlechtsspezifische Ungleichheiten.
Welche Veränderungen brachten die 68er in Bildung und Erziehung?
Antiautoritäre Erziehung ersetzte Drillmethoden durch Mitbestimmung, z.B. Filmerziehung statt Auswendiglernen. Schulversuche wie die 'Frankfurter Schulreform' betonten Demokratie. Schüler bewerten Erfolge und Kritik, etwa an Permissivität, und verknüpfen es mit KMK-Zielen zu kompetenzorientiertem Lernen.
Wie kann aktives Lernen die 68er-Thematik vertiefen?
Durch Rollenspiele und Debatten erleben Schüler Konflikte hautnah, analysieren Quellen in Stationen und bauen Zeitstrahlen kollaborativ. Solche Methoden machen abstrakte Umbrüche konkret, fördern Quellenkritik und Perspektivenwechsel. Gruppenarbeit enthüllt Nuancen, die Frontalunterricht übersieht, und stärkt Urteilsbildung nach KMK-Standards.
Welche langfristige Bedeutung haben die 68er für die politische Kultur der BRD?
Sie etablierten eine offene, protestfreundliche Kultur, die Grüne und Bürgerrechtsbewegungen prägte. Themen wie Ökologie und Antirassismus wurzeln hier. Schüler beurteilen, ob Kontinuitäten zu heutigen Debatten wie #MeToo bestehen, und üben differenzierte Historikerblicke.

Planungsvorlagen für Geschichte