Die 68er-Revolte
Ursachen, Ziele und Folgen des studentischen Protests und der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit.
Brauchen Sie einen Unterrichtsplan für Vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Gegenwart: Brüche und Kontinuitäten?
Leitfragen
- Was waren die Hauptkritikpunkte der Jugend an der Elterngeneration?
- Inwieweit hat die 68er-Bewegung die Demokratisierung der Gesellschaft vorangebracht?
- Welche Verbindung besteht zwischen dem Protest und dem Aufkommen des Linksterrorismus (RAF)?
KMK Bildungsstandards
Über dieses Thema
Die Anwerbung von 'Gastarbeitern' ab Mitte der 1950er Jahre veränderte die Bundesrepublik grundlegend. Was als temporäre Lösung für den Arbeitskräftemangel gedacht war, führte zur dauerhaften Einwanderung und zur Entstehung einer multikulturellen Gesellschaft. Schüler untersuchen hier die Motive der Anwerbeabkommen (z.B. mit Italien, der Türkei, Griechenland) und die Lebensrealität der Menschen, die oft unter schwierigen Bedingungen arbeiteten und lebten.
Das Thema ist hochaktuell, da es die Wurzeln heutiger Integrationsdebatten aufzeigt. Lange Zeit wurde ignoriert, dass Deutschland ein Einwanderungsland geworden war ('Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen'). Die Analyse der politischen Versäumnisse und der kulturellen Bereicherung schult die Orientierungskompetenz der Lernenden.
Durch die Arbeit mit biografischen Quellen und Statistiken können Schüler die Entwicklung von der 'Gastarbeit' zur Einwanderungsgesellschaft nachvollziehen und die heutige Vielfalt als historisches Ergebnis verstehen.
Lernziele
- Analysieren Sie die Hauptkritikpunkte der 68er-Bewegung an der Elterngeneration und der bestehenden Gesellschaftsordnung.
- Bewerten Sie den Beitrag der 68er-Bewegung zur Demokratisierung der bundesdeutschen Gesellschaft.
- Erklären Sie die Zusammenhänge zwischen der 68er-Revolte und dem Aufkommen des Linksterrorismus (RAF).
- Vergleichen Sie die Ziele der studentischen Proteste mit den tatsächlichen politischen und gesellschaftlichen Veränderungen nach 1968.
Bevor es losgeht
Warum: Grundlegendes Verständnis der politischen und gesellschaftlichen Situation der frühen Bundesrepublik ist notwendig, um die Kritik der 68er nachvollziehen zu können.
Warum: Kenntnisse über die globalen Spannungen und die spezifische Situation Deutschlands im Kalten Krieg helfen, die politischen Hintergründe der Proteste zu verstehen.
Schlüsselvokabular
| Apo | Abkürzung für 'Außerparlamentarische Opposition'. Sie bezeichnet die politischen Strömungen und Protestbewegungen, die außerhalb der etablierten Parteien agierten. |
| Autoritäre Erziehung | Eine Erziehungsform, die auf Gehorsam, Disziplin und bedingungslosem Respekt vor Autoritäten basiert, welche von den 68ern kritisiert wurde. |
| Vergangenheitsbewältigung | Die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, insbesondere mit der Rolle der Elterngeneration und der NS-Täter, die ein zentrales Thema der 68er war. |
| Kommune | Eine alternative Lebensform, die auf gemeinschaftlichem Wohnen, Arbeiten und Leben basierte und als Gegenentwurf zur bürgerlichen Kleinfamilie propagiert wurde. |
| Neue Linke | Ein Sammelbegriff für verschiedene linksgerichtete politische und soziale Bewegungen, die in den 1960er Jahren entstanden und sich von der traditionellen Linken abgrenzten. |
Ideen für aktives Lernen
Alle Aktivitäten ansehenLernen an Stationen: Koffer voller Geschichten
An Stationen untersuchen Schüler Gegenstände und Dokumente fiktiver Gastarbeiter (z.B. Arbeitsvertrag, Fotos, Briefe in die Heimat). Sie rekonstruieren die Lebenswege und die Herausforderungen der ersten Generation in der Fremde.
Ich-Du-Wir (Denken-Austauschen-Vorstellen): 'Gastarbeiter' – Ein Begriff im Wandel
Lernende reflektieren über die Bedeutung des Begriffs 'Gastarbeiter' und warum er heute als problematisch gilt. In Paaren diskutieren sie alternative Begriffe und deren Auswirkungen auf das Selbstverständnis einer Gesellschaft.
Analyse von Quellen: Werbefilme vs. Realität
Schüler vergleichen offizielle Werbefilme der Bundesregierung zur Anwerbung mit Berichten über die Unterbringung in Baracken. Sie arbeiten die Diskrepanz zwischen politischem Anspruch und sozialer Wirklichkeit heraus.
Bezüge zur Lebenswelt
Die heutige Hochschullandschaft mit ihren Freiräumen für Forschung und Lehre, wie sie sich in Seminaren und Diskussionsrunden zeigt, ist ein direktes Erbe der Reformen, die aus der 68er-Bewegung hervorgingen.
Die kritische Auseinandersetzung mit historischen Ereignissen in Gedenkstätten wie dem Deutschen Historischen Museum in Berlin oder durch Dokumentationen im öffentlichen Fernsehen (z.B. ARD, ZDF) spiegelt die von den 68ern geforderte Aufarbeitung der NS-Vergangenheit wider.
Die Arbeit von Journalisten und Historikern, die sich mit der Aufarbeitung von Diktaturen und der Rolle von gesellschaftlichen Protestbewegungen beschäftigen, knüpft an die Fragestellungen der 68er-Bewegung an.
Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen
Häufige FehlvorstellungDie Gastarbeiter kamen alle freiwillig und wollten für immer bleiben.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Viele kamen aus wirtschaftlicher Not und planten ursprünglich, nach ein paar Jahren mit Ersparnissen zurückzukehren (Rotationsprinzip). Dass sie blieben, lag oft an der wirtschaftlichen Entwicklung und dem Nachzug der Familien. Biografische Arbeit verdeutlicht diese ungeplanten Lebensläufe.
Häufige FehlvorstellungIntegration wurde von Anfang an staatlich gefördert.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Im Gegenteil: Es gab kaum Sprachkurse oder Integrationsangebote, da man von einer baldigen Rückkehr ausging. Erst viel zu spät erkannte man den Bedarf an politischer Gestaltung. Eine Analyse der Gesetzgebung zeigt diesen zeitlichen Verzug.
Ideen zur Lernstandserhebung
Die Schüler erhalten eine Karteikarte mit einer der drei Leitfragen. Sie sollen darauf stichpunktartig die wichtigsten Argumente für ihre Antwort formulieren und ein Beispiel nennen, das ihre These stützt.
Lehrerfrage: 'Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Student im Jahr 1968. Welche drei Hauptkritikpunkte würden Sie an der Gesellschaft und der Politik Ihrer Zeit formulieren und warum?' Die Schüler diskutieren in Kleingruppen und präsentieren ihre Top 3 Kritikpunkte.
Anhand von kurzen Textauszügen (z.B. Flugblätter, Zeitungsartikel aus der Zeit) sollen die Schüler die zentralen Forderungen der 68er identifizieren und einer der Leitfragen zuordnen. Dies kann als Partnerarbeit erfolgen.
Vorgeschlagene Methoden
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Eigene Mission generierenHäufig gestellte Fragen
Warum schloss Deutschland Anwerbeabkommen ab?
Was bedeutete das 'Rotationsprinzip'?
Wie veränderte die Migration den Alltag in Deutschland?
Warum ist das Thema Migration für Schüler heute so wichtig?
Planungsvorlagen für Vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Gegenwart: Brüche und Kontinuitäten
GeWi
Eine Vorlage für Gesellschaftswissenschaften, die auf Quellenanalyse und historischem Denken basiert. Sie umfasst dokumentenbasierte Aufgaben, Diskussionen und den Wechsel der Perspektiven.
unit plannerGesellschaftswissenschaftliche Einheit
Planen Sie eine Einheit für Gesellschaftswissenschaften, die auf Quellenstudium, historischem Denken und politischer Urteilsbildung beruht. Lernende analysieren Belege und entwickeln begründete Positionen zu historischen und aktuellen Fragen.
rubricGeWi Bewertungsraster
Erstellen Sie ein Raster für quellenbasierte Aufgaben, historische Argumentationen, Referate oder Diskussionen, das historisches Denken, Quellenarbeit und Multiperspektivität bewertet.
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