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Geschichte · Klasse 10 · Gesellschaftlicher Wandel in der BRD · 1. Halbjahr

Terrorismus in der BRD: RAF

Analyse der Ursachen, Ziele und Auswirkungen des Linksterrorismus der Rote Armee Fraktion.

KMK BildungsstandardsSachkompetenzOrientierungskompetenz

Über dieses Thema

Das Thema ‚Terrorismus in der BRD: RAF‘ führt Schüler in die Ursachen, Ziele und Auswirkungen des Linksterrorismus der Roten Armee Fraktion ein. Sie analysieren die ideologischen Wurzeln in der antiautoritären Studentenbewegung der 1960er Jahre, die Radikalisierung durch Vietnamkrieg und Pershing-Raketen sowie die Eskalation zu Anschlägen wie dem ‚Deutschen Herbst‘ 1977. Schüler untersuchen RAF-Manifeste, die den westdeutschen Staat als faschistisch diffamierten, und bewerten die Strategie des ‚urbanen Guerillakampfs‘.

Im Rahmen der KMK-Standards stärkt dieses Thema Sachkompetenz durch Quellenanalyse und Orientierungskompetenz durch die Beurteilung staatlicher und gesellschaftlicher Reaktionen. Es verbindet Brüche wie den RAF-Terror mit Kontinuitäten in der Sicherheits- und Demokratiepolitik bis heute. Schüler lernen, wie der Terror die Radikalenerlass-Debatte und die Entstehung der Grünen beeinflusste.

Aktives Lernen ist hier besonders wirksam, weil sensible Themen durch strukturierte Diskussionen und Rollenspiele emotional greifbar werden. Schüler entwickeln Urteilsfähigkeit, indem sie Perspektiven einnehmen und Quellen kritisch prüfen, was abstrakte Konflikte konkret und nachhaltig macht.

Leitfragen

  1. Erklären Sie die ideologischen Wurzeln und die Entwicklung der RAF.
  2. Analysieren Sie die Reaktionen des Staates und der Gesellschaft auf den Terrorismus.
  3. Beurteilen Sie die langfristigen Auswirkungen des RAF-Terrors auf die politische Kultur der BRD.

Lernziele

  • Erklären Sie die ideologischen Ursprünge der RAF, indem Sie Verbindungen zur Studentenbewegung der 1960er Jahre und zur globalen politischen Situation herstellen.
  • Analysieren Sie die Entwicklung der RAF von der ersten Generation zur dritten Generation anhand von ausgewählten Manifesten und Bekennerschreiben.
  • Bewerten Sie die staatlichen Reaktionen auf den RAF-Terror, einschließlich rechtlicher Maßnahmen und polizeilicher Strategien, auf ihre Verhältnismäßigkeit und Wirksamkeit hin.
  • Beurteilen Sie die gesellschaftlichen Auswirkungen des RAF-Terrors auf die politische Kultur der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere im Hinblick auf Grundrechte und Sicherheitsdebatten.

Bevor es losgeht

Die Studentenbewegung der 1960er Jahre

Warum: Grundkenntnisse über die Proteste, die antiautoritäre Haltung und die Kritik am Establishment sind notwendig, um die ideologischen Wurzeln der RAF zu verstehen.

Der Kalte Krieg und die Teilung Deutschlands

Warum: Das Verständnis der politischen Spannungen zwischen Ost und West sowie der spezifischen Situation der BRD ist essenziell für die Einordnung der RAF im globalen Kontext.

Schlüsselvokabular

LinksterrorismusEine Form des Terrorismus, die von extremistischen linken Gruppen ausgeht und oft auf die Umstürzung kapitalistischer oder staatlicher Strukturen abzielt.
AutonomeEine politisch linke Strömung, die sich durch antiautoritäre Haltungen und oft durch eine Ablehnung staatlicher Institutionen auszeichnet.
GeneralstreikEin Streik, an dem ein Großteil der Arbeitnehmer eines Landes oder einer Region teilnimmt, oft als politisches Druckmittel.
RadikalenerlassEine Regelung aus den 1970er Jahren, die Berufsverbote für politisch extremistische Bewerber im öffentlichen Dienst vorsah.
Staatliche RepressionMaßnahmen des Staates zur Unterdrückung von Opposition oder abweichendem Verhalten, die oft die Grenzen von Recht und Gesetz überschreiten können.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungDie RAF war nur eine kriminelle Bande ohne politische Ideologie.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Die RAF sah sich als antikapitalistische Avantgarde gegen einen ‚faschistischen‘ Staat. Aktive Quellenanalysen in Gruppen helfen Schülern, Manifeste zu dechiffrieren und ideologische Wurzeln in der Apo zu erkennen.

Häufige FehlvorstellungDer Staat reagierte immer angemessen und verhinderte den Terror effektiv.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Überreaktionen wie der Radikalenerlass schürten Radikalisierung. Rollenspiele fördern Empathie für Betroffene und lassen Schüler staatliche Maßnahmen kritisch bewerten.

Häufige FehlvorstellungDer RAF-Terror hatte keine bleibenden Auswirkungen auf die BRD.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Er prägte die politische Kultur durch Sicherheitsgesetze und Antiterror-Debatten. Diskussionen zu Kontinuitäten bis heute machen Langzeitwirkungen spürbar.

Ideen für aktives Lernen

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Bezüge zur Lebenswelt

  • Die Debatten um den Radikalenerlass in den 1970er und 80er Jahren beeinflussten die Einstellungschancen von Lehrern und Beamten und sind bis heute ein Beispiel für die Spannung zwischen innerer Sicherheit und bürgerlichen Freiheiten.
  • Die Arbeit von Journalisten, die über die RAF berichteten, wie beispielsweise Stefan Aust, erforderte oft eine sorgfältige Abwägung zwischen Informationspflicht und der Gefahr, Terroristen eine Plattform zu bieten.
  • Die Sicherheitsarchitektur deutscher Flughäfen und Bahnhöfe, einschließlich verstärkter Kontrollen und Überwachung, ist auch eine Reaktion auf die Bedrohungen durch terroristische Gruppierungen wie die RAF.

Ideen zur Lernstandserhebung

Diskussionsfrage

Teilen Sie die Klasse in Kleingruppen auf. Geben Sie jeder Gruppe ein Zitat aus einem RAF-Manifest oder eine Aussage eines Politikers aus der Zeit. Die Gruppen diskutieren: Welche Ziele verfolgt die RAF laut diesem Zitat? Welche gesellschaftliche Kritik wird geübt? Welche staatliche Reaktion wird provoziert? Jede Gruppe präsentiert ihre Ergebnisse kurz.

Lernstandskontrolle

Bitten Sie die Schüler, auf einer Karteikarte zwei Sätze zu schreiben: Der erste Satz erklärt eine ideologische Wurzel der RAF. Der zweite Satz beschreibt eine langfristige Auswirkung des RAF-Terrors auf die heutige deutsche Gesellschaft.

Kurze Überprüfung

Stellen Sie drei kurze Multiple-Choice-Fragen zu den Kernzielen der RAF und den wichtigsten staatlichen Gegenmaßnahmen. Beispiel: 'Welches Ziel verfolgte die RAF primär? a) Einführung des Kommunismus, b) Sturz des westdeutschen Staates, c) Abschaffung der NATO.' Die Schüler kreuzen die richtige Antwort an.

Häufig gestellte Fragen

Was waren die ideologischen Wurzeln der RAF?
Die RAF entstand aus der antiautoritären Studentenbewegung (Apo), beeinflusst von Marxismus-Leninismus und Antiimperialismus. Gründer wie Ulrike Meinhof kritisierten den ‚faschistischen‘ BRD-Staat, Notstandsgesetze und US-Raketen. Quellenarbeit zeigt, wie Protest gegen Springer-Presse und Vietnam eskalierte.
Wie reagierte die Gesellschaft auf den RAF-Terror?
Die Mehrheit verurteilte die Gewalt, doch Teile der Linken sympathisierten anfangs. ‚Deutscher Herbst‘ führte zu Massenmobilisierung und RAF-Sympathisanten-Jagd. Medienberichte und Umfragen illustrieren Spaltung und Konsolidierung der Demokratie.
Welche langfristigen Auswirkungen hatte die RAF?
Der Terror verstärkte Sicherheitsmaßnahmen, Radikalenerlass und G-10-Gesetz, beeinflusste Gründung der Grünen. Bis heute prägt er Debatten zu Innerer Sicherheit und Linksextremismus. Er lehrt Resilienz der Demokratie gegenüber Gewalt.
Wie kann aktives Lernen beim RAF-Thema helfen?
Aktive Methoden wie Stationenlernen und Debatten machen abstrakte Konflikte erfahrbar. Schüler nehmen Perspektiven ein, analysieren Quellen kollaborativ und entwickeln Orientierungskompetenz. So entsteht nuanciertes Verständnis statt Schwarz-Weiß-Denken, was bei sensiblen Themen Motivation steigert.

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