Zum Inhalt springen
Philosophie · Klasse 13 · Sinn des Lebens und Metaphysik · 2. Halbjahr

Sartre: Existenz geht der Essenz voraus

Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit Jean-Paul Sartres Existentialismus, dem Konzept der 'Geworfenheit' und der absoluten Freiheit des Menschen auseinander.

Über dieses Thema

Jean-Paul Sartres zentrale These 'Existenz geht der Essenz voraus' kehrt das traditionelle Denken um: Der Mensch existiert zuerst ohne vorgegebene Natur und formt sich durch freie Entscheidungen selbst. In der gymnasialen Oberstufe setzen sich Schülerinnen und Schüler mit diesem Existentialismus auseinander, erkunden 'Geworfenheit' in eine sinnlose Welt und Konzepte wie Angst vor der Freiheit, Verlassenheit durch Gottlosigkeit sowie Verzweiflung angesichts der Endlichkeit. Die Implikationen für moralische Verantwortung werden klar: Jede Wahl definiert nicht nur das eigene Leben, sondern die gesamte Menschheit.

Dieses Thema knüpft an KMK-Standards für Philosophie an, fördert kritisches Denken, Argumentation und ethische Reflexion. Schüler lernen, Sartres Ideen mit Alltagserfahrungen zu verknüpfen, etwa bei der Frage nach Sinnstiftung in einer pluralen Gesellschaft. Die Analyse von 'Das Sein und das Nichts' oder 'Der Existentialismus ist ein Humanismus' vertieft das Verständnis für die Konsequenzen absoluter Freiheit.

Aktives Lernen passt hervorragend, weil abstrakte Begriffe durch Rollenspiele, Debatten und persönliche Reflexionen lebendig werden. Wenn Schüler Entscheidungsszenarien nachstellen oder Texte gemeinsam dechiffrieren, erleben sie Freiheit und Verantwortung hautnah und behalten die Konzepte langfristig.

Leitfragen

  1. Erklären Sie Sartres These 'Die Existenz geht der Essenz voraus' und ihre Implikationen für die menschliche Natur.
  2. Analysieren Sie die Konzepte von 'Angst', 'Verlassenheit' und 'Verzweiflung' bei Sartre.
  3. Beurteilen Sie, welche Konsequenzen die absolute Freiheit für die moralische Verantwortung des Einzelnen hat.

Lernziele

  • Erklären Sie Sartres Kernargument 'Die Existenz geht der Essenz voraus' und leiten Sie daraus die Implikationen für die menschliche Natur ab.
  • Analysieren Sie Sartres Konzepte von 'Angst', 'Verlassenheit' und 'Verzweiflung' im Kontext der menschlichen Freiheit.
  • Bewerten Sie die Konsequenzen der absoluten Freiheit für die moralische Verantwortung des Individuums.
  • Entwerfen Sie ein kurzes Szenario, das die Sartre'sche Vorstellung von 'Geworfenheit' und freier Wahl illustriert.

Bevor es losgeht

Grundlagen der Ethik: Normative Theorien

Warum: Ein Verständnis grundlegender ethischer Konzepte ist notwendig, um Sartres Ideen zur moralischen Verantwortung nachvollziehen zu können.

Grundbegriffe der Metaphysik: Was ist Sein?

Warum: Die Auseinandersetzung mit dem Sein und der menschlichen Existenz bildet die Grundlage für Sartres These, dass die Existenz der Essenz vorausgeht.

Schlüsselvokabular

ExistenzialismusEine philosophische Strömung, die betont, dass der Mensch zuerst existiert und sich dann durch seine Entscheidungen selbst definiert. Die Existenz geht der Essenz voraus.
GeworfenheitDas Bewusstsein, ohne eigenen Willen in eine bestimmte Situation, Zeit und Welt 'geworfen' zu sein, aus der heraus Freiheit und Verantwortung erwachsen.
AngstDas Gefühl, das aus der Erkenntnis der eigenen absoluten Freiheit und der damit verbundenen Verantwortung für alle eigenen Entscheidungen entsteht.
VerlassenheitDie Erfahrung, dass es keinen Gott oder keine vorgegebenen Werte gibt, die menschliches Handeln leiten könnten, was die Last der freien Wahl verstärkt.
VerzweiflungDie Erkenntnis, dass man nur auf das angewiesen ist, was in der eigenen Macht steht, und dass die eigenen Handlungen keine äußere Garantie für Erfolg oder Sinn haben.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungExistentialismus rechtfertigt beliebige Handlungen ohne Moral.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Sartre betont, dass Freiheit Verantwortung schafft: Jede Wahl definiert die Menschheit. Aktive Debatten helfen, da Schüler eigene Szenarien durchspielen und die Last der Entscheidung spüren, was den Humanismus-Aspekt verdeutlicht.

Häufige Fehlvorstellung'Geworfenheit' bedeutet totale Hilflosigkeit.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Geworfenheit ist Startpunkt der Freiheit, keine Entschuldigung. Rollenspiele zeigen, wie Schüler aus Situationen aussteigen, und fördern Verständnis durch emotionale Einbindung.

Häufige FehlvorstellungSartres Welt ist rein pessimistisch.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Optimismus liegt in der schöpferischen Freiheit. Gruppenanalysen von Texten enthüllen Nuancen und helfen Schülern, durch Diskussion positive Implikationen zu entdecken.

Ideen für aktives Lernen

Alle Aktivitäten ansehen

Bezüge zur Lebenswelt

  • Ein junger Erwachsener, der sich nach dem Abitur zwischen einer sicheren Ausbildung und einem unsicheren, aber leidenschaftlichen Kunststudium entscheiden muss, erlebt die Sartre'sche Freiheit und die damit verbundene Angst vor der falschen Wahl.
  • Ein Entwicklungshelfer, der in einem Krisengebiet arbeitet, muss Entscheidungen treffen, die Leben und Tod beeinflussen, und trägt die volle moralische Verantwortung, da es keine übergeordneten Richtlinien gibt, die ihm die Last abnehmen.

Ideen zur Lernstandserhebung

Diskussionsfrage

Stellen Sie die Frage: 'Wenn der Mensch absolut frei ist, was bedeutet das für die Idee von Schuld und Strafe?' Bitten Sie die Schüler, ihre Antworten mit Bezug auf Sartres Konzepte von Angst, Verlassenheit und Verantwortung zu begründen.

Lernstandskontrolle

Geben Sie jedem Schüler eine Karte mit einem der folgenden Begriffe: 'Geworfenheit', 'Angst', 'Verlassenheit', 'Verzweiflung'. Die Schüler sollen eine kurze Erklärung (2-3 Sätze) schreiben, wie dieser Begriff Sartres Philosophie der Freiheit verdeutlicht.

Kurze Überprüfung

Präsentieren Sie ein kurzes Zitat von Sartre (z.B. 'Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt.'). Bitten Sie die Schüler, in Partnerarbeit eine Minute lang darüber zu diskutieren, was dieses Zitat im Lichte von 'Existenz geht der Essenz voraus' bedeutet, und fassen Sie die wichtigsten Punkte im Plenum zusammen.

Häufig gestellte Fragen

Wie erkläre ich Sartres These 'Existenz geht der Essenz voraus' einfach?
Vergleichen Sie mit einem Hammer: Er hat eine feste Essenz (zum Nägeln). Der Mensch existiert erst, dann entscheidet er, wer er ist, z. B. durch Berufswahl oder Werte. Das macht Freiheit und Verantwortung zentral. Beispiele aus dem Schüleralltag wie Hobbys illustrieren es greifbar und laden zu eigener Reflexion ein.
Was bedeutet 'Angst' bei Sartre?
Angst entsteht durch Bewusstsein der totalen Freiheit: Keine vorgegebene Natur zwingt uns, alles ist möglich. Das löst Übelkeit aus, da Entscheidungen irreversibel sind. Schüler verknüpfen es mit Alltag, z. B. Prüfungsdruck, um die existentielle Dimension zu verstehen und moralische Konsequenzen abzuleiten.
Wie wirkt sich Sartres Freiheit auf Moral aus?
Absolute Freiheit impliziert, dass es keine göttlichen Gebote gibt; Moral entsteht durch Handlungen, die universell gut sein sollen. Der Einzelne trägt volle Verantwortung. Das fordert Schüler zur ethischen Begründung auf und verbindet Philosophie mit aktuellen Debatten wie Klimaschutz.
Wie fördert aktives Lernen Sartres Existentialismus?
Aktive Methoden wie Rollenspiele lassen Schüler Freiheit erleben: Sie simulieren Entscheidungen unter 'Geworfenheit' und diskutieren Folgen, was abstrakte Konzepte emotional verankert. Debatten schärfen Argumentation, Reflexionsrunden personalisieren Inhalte. So entsteht tieferes Verständnis für Verantwortung, das reines Lesen nicht erreicht (ca. 70 Wörter).