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Geschichte · Klasse 6 · Was ist Geschichte? Werkzeuge der Historiker · 1. Halbjahr

Vergangenheit und Geschichte: Ein Unterschied?

Die Schülerinnen und Schüler differenzieren zwischen der objektiv geschehenen Vergangenheit und der durch Quellen rekonstruierten Geschichte.

KMK BildungsstandardsOrientierungskompetenzUrteilskompetenz

Über dieses Thema

In diesem Einstiegsthema lernen Schülerinnen und Schüler die grundlegenden Werkzeuge der Geschichtswissenschaft kennen. Es geht darum, Geschichte nicht als fertige Erzählung zu begreifen, sondern als einen Prozess der Rekonstruktion. Die Unterscheidung zwischen Sachquellen (wie Münzen oder Tonscherben), Bildquellen und schriftlichen Zeugnissen bildet das Fundament für das historische Arbeiten in der gesamten Sekundarstufe I. Gemäß den KMK-Bildungsstandards entwickeln die Lernenden hier erste Methodenkompetenzen, indem sie lernen, Spuren der Vergangenheit gezielt zu befragen und zwischen Überresten und bewussten Traditionen zu unterscheiden.

Das Thema ist entscheidend, um ein kritisches Bewusstsein gegenüber Informationen zu entwickeln. Die Kinder verstehen, dass Historiker wie Detektive arbeiten, die Puzzleteile zusammensetzen müssen. Dabei wird deutlich, dass Quellen oft lückenhaft sind oder eine bestimmte Absicht verfolgen. Dieser Prozess der Erkenntnisgewinnung gelingt besonders gut, wenn Schüler selbst in die Rolle von Forschern schlüpfen und reale oder nachgebildete Objekte untersuchen.

Leitfragen

  1. Wie differenziert man zwischen der Vergangenheit als Ereignis und der Geschichte als Erzählung?
  2. Analysieren Sie, warum die Interpretation von Vergangenheit zu unterschiedlichen Geschichtsbildern führt.
  3. Beurteilen Sie die Bedeutung der Perspektive für die Konstruktion historischer Narrative.

Lernziele

  • Die Schülerinnen und Schüler klassifizieren verschiedene Artefakte (z.B. Tonscherben, Münzen, Werkzeuge) als Sachquellen oder Zeugnisse bewusster Tradition.
  • Die Schülerinnen und Schüler erklären, warum unterschiedliche Quellen zu verschiedenen Interpretationen der Vergangenheit führen können.
  • Die Schülerinnen und Schüler vergleichen zwei unterschiedliche historische Darstellungen desselben Ereignisses und identifizieren die jeweiligen Perspektiven.
  • Die Schülerinnen und Schüler beurteilen die Aussagekraft einer einfachen historischen Quelle (z.B. ein Bild, ein kurzer Textauszug) hinsichtlich ihrer Zuverlässigkeit und möglichen Absicht.

Bevor es losgeht

Zeitliche Einordnung von Ereignissen

Warum: Schülerinnen und Schüler müssen grundlegend verstehen, dass Ereignisse nacheinander stattfinden, um die Unterscheidung zwischen Vergangenheit und Geschichte zu erfassen.

Grundbegriffe der Sachanalyse

Warum: Ein erstes Verständnis dafür, wie man einfache Gegenstände beschreibt und ihre Funktion erkennt, ist eine Basis für die spätere Quellenanalyse.

Schlüsselvokabular

VergangenheitAlles, was vor dem jetzigen Moment geschehen ist. Sie existiert objektiv, unabhängig von unserer Wahrnehmung.
GeschichteDie erzählte und interpretierte Vergangenheit, die auf der Grundlage von Quellen rekonstruiert wird. Sie ist immer eine Form der Darstellung.
QuelleEin Überrest aus der Vergangenheit, der uns Informationen über diese Zeit liefert. Quellen können materiell, schriftlich oder bildlich sein.
RekonstruktionDer Prozess, bei dem Historiker aus den vorhandenen Spuren und Quellen versuchen, ein Bild der Vergangenheit zu erstellen.
PerspektiveDer Blickwinkel oder Standpunkt, aus dem eine Person oder Gruppe die Vergangenheit betrachtet und interpretiert.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungQuellen sagen immer die absolute Wahrheit über die Vergangenheit.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Schüler halten schriftliche Berichte oft für objektive Fakten. Durch den Vergleich zweier widersprüchlicher Berichte über dasselbe Ereignis erkennen sie schneller, dass Quellen immer eine Perspektive haben.

Häufige FehlvorstellungNur alte Texte sind wichtige historische Quellen.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Viele Kinder ignorieren Sachquellen oder mündliche Überlieferungen. Praktische Übungen mit Alltagsgegenständen zeigen ihnen, dass auch ein alter Schuh oder ein Lied wertvolle Informationen liefern kann.

Ideen für aktives Lernen

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Bezüge zur Lebenswelt

  • Museumskuratoren im Deutschen Historischen Museum in Berlin sammeln, bewahren und interpretieren historische Objekte, um Ausstellungen zu gestalten, die uns die Vergangenheit verständlich machen.
  • Archäologen bei Ausgrabungen in Pompeji arbeiten wie Detektive, indem sie Funde wie Alltagsgegenstände oder Wandmalereien analysieren, um das Leben der Menschen vor fast 2000 Jahren zu rekonstruieren.
  • Journalisten, die historische Dokumentationen erstellen, wählen gezielt Ausschnitte aus Archiven und Interviews aus, um eine bestimmte Sichtweise auf ein historisches Ereignis zu vermitteln.

Ideen zur Lernstandserhebung

Lernstandskontrolle

Geben Sie den Schülerinnen und Schülern zwei kurze Texte, die dasselbe historische Ereignis unterschiedlich darstellen. Bitten Sie sie, auf einer Karteikarte zu notieren: 1. Was ist der Hauptunterschied in der Darstellung? 2. Welche Quelle (falls genannt) könnte die jeweilige Darstellung beeinflusst haben?

Kurze Überprüfung

Zeigen Sie ein Bild einer historischen Stätte (z.B. ein römisches Aquädukt). Fragen Sie: 'Was erfahren wir durch diesen Gegenstand über die Vergangenheit? Ist dies die Vergangenheit selbst oder eine Geschichte darüber? Begründet eure Antwort.'

Diskussionsfrage

Stellen Sie die Frage: 'Warum ist es wichtig, dass Historiker nicht einfach alles glauben, was sie in alten Büchern lesen? Diskutieren Sie in Kleingruppen und nennen Sie mindestens zwei Gründe, warum Quellen kritisch betrachtet werden müssen.'

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einer Quelle und einer Darstellung?
Eine Quelle stammt direkt aus der untersuchten Zeit, wie ein Brief von 1800. Eine Darstellung ist ein späterer Text darüber, etwa ein Schulbuchkapitel. Schüler müssen lernen, dass Darstellungen die Quellen interpretieren.
Wie kann ich Quellenarbeit für 6. Klässler spannend gestalten?
Nutzen Sie das Detektiv-Narrativ. Anstatt Texte nur zu lesen, lassen Sie die Kinder physische Objekte untersuchen oder Rätsel lösen, bei denen die Lösung nur durch die Kombination verschiedener Quellentypen gefunden werden kann.
Welche Quellenarten sind für den Anfang am besten geeignet?
Sachquellen wie Münzen oder Werkzeuge sind haptisch greifbar und motivieren stärker. Bildquellen eignen sich hervorragend für die erste Analyse, da sie weniger Sprachbarrieren aufweisen als komplexe antike Texte.
Wie hilft aktives Lernen beim Verständnis von Quellen?
Durch Methoden wie das Stationenlernen oder Rollenspiele nehmen Schüler eine aktive Forscherhaltung ein. Anstatt passiv Definitionen zu lernen, wenden sie Analysekriterien direkt an. Das fördert die Methodenkompetenz nachhaltig, da sie die Logik der Beweisführung selbst erleben.

Planungsvorlagen für Geschichte