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Geschichte · Klasse 13

Ideen für aktives Lernen

Entstehung und Ideologie der RAF

Aktives Lernen eignet sich besonders für dieses Thema, weil es die Distanz der Schülerinnen und Schüler zu den oft emotionsgeladenen Debatten über die RAF verringert. Durch konkrete Handlungen wie Quellenanalyse oder Rollenspiele wird die abstrakte Ideologie greifbar und lädt zur kritischen Auseinandersetzung ein.

KMK BildungsstandardsLehrplanPLUS Bayern G 13.1: Deutschland nach 1945, Gesellschaftlicher Wandel in der Bundesrepublik. LinksterrorismusKernlehrplan NRW S II: Inhaltsfeld 7, Umbrüche seit den 1970er-Jahren. Terrorismus als Herausforderung für den demokratischen Rechtsstaat
20–45 Min.Partnerarbeit → Ganze Klasse4 Aktivitäten

Aktivität 01

Fallstudienanalyse30 Min. · Partnerarbeit

Quellenanalyse: RAF-Gründungstexte

Schülerinnen und Schüler lesen RAF-Kommuniqués und vergleichen sie mit 68er-Manifesten. Sie identifizieren ideologische Gemeinsamkeiten und Abweichungen. Ergebnisse werden in einer Mindmap festgehalten.

Analysieren Sie die gesellschaftlichen und politischen Wurzeln des Linksterrorismus.

ModerationstippFordern Sie die Schülerinnen und Schüler während der Quellenanalyse auf, zunächst nur die Fakten aus den RAF-Gründungstexten zu benennen, bevor sie Interpretationen vornehmen.

Worauf zu achten istBeginnen Sie eine Unterrichtsdiskussion mit der Frage: 'Welche gesellschaftlichen Bedingungen in den 1960er Jahren könnten junge Menschen dazu bewogen haben, Gewalt als Mittel des politischen Kampfes in Betracht zu ziehen?' Sammeln Sie die Antworten der Schülerinnen und Schüler an der Tafel und ordnen Sie sie später den ideologischen Argumenten der RAF zu.

AnalysierenBewertenErschaffenEntscheidungsfähigkeitSelbststeuerung
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Aktivität 02

Rollenspiel45 Min. · Kleingruppen

Rollenspiel: Debatte über Gewaltbereitschaft

Gruppen übernehmen Rollen von RAF-Mitgliedern und 68ern. Sie diskutieren die Rechtfertigung von Gewalt. Eine Moderation fasst Positionen zusammen.

Erklären Sie die ideologischen Rechtfertigungen der RAF für ihre Gewalt.

ModerationstippAchten Sie beim Rollenspiel darauf, dass beide Seiten – Befürworter und Gegner von Gewalt – gleich viel Raum für Argumente erhalten, um eine ausgewogene Debatte zu ermöglichen.

Worauf zu achten istBitten Sie die Schülerinnen und Schüler, auf einer Karteikarte zwei Sätze zu schreiben: Der erste Satz soll eine ideologische Begründung der RAF für Gewalt nennen. Der zweite Satz soll erklären, wie sich diese Begründung von den Zielen der breiteren 68er-Bewegung unterscheidet.

AnwendenAnalysierenBewertenSozialbewusstseinSelbstwahrnehmung
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Aktivität 03

Fallstudienanalyse20 Min. · Einzelarbeit

Zeitstrahl-Erstellung: Ursachen der Radikalisierung

Individuell erstellen Schülerinnen und Schüler einen Zeitstrahl mit Schlüsseldaten. Im Plenum werden Verbindungen zur RAF diskutiert.

Bewerten Sie die Verbindung zwischen der 68er-Bewegung und der Entstehung der RAF.

ModerationstippGeben Sie beim Erstellen des Zeitstrahls klare Vorgaben für die Auswahl der Daten und Ereignisse, um Oberflächlichkeit zu vermeiden.

Worauf zu achten istStellen Sie den Schülerinnen und Schülern drei kurze Aussagen zur RAF vor (z.B. 'Die RAF sah sich als Avantgarde der Revolution', 'Die RAF kämpfte gegen den amerikanischen Imperialismus', 'Die RAF lehnte jegliche Form von Staatlichkeit ab'). Lassen Sie die Schülerinnen und Schüler entscheiden, ob die Aussagen zutreffen und kurz begründen, warum.

AnalysierenBewertenErschaffenEntscheidungsfähigkeitSelbststeuerung
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Aktivität 04

Fallstudienanalyse40 Min. · Kleingruppen

Expertinnenrunden: Gesellschaftliche Wurzeln

Jede Gruppe recherchiert einen Aspekt (z.B. Vietnamkrieg). Sie präsentieren und beantworten Fragen der Klasse.

Analysieren Sie die gesellschaftlichen und politischen Wurzeln des Linksterrorismus.

ModerationstippModerieren Sie die Expertinnenrunden so, dass die gesellschaftlichen Wurzeln systematisch mit den individuellen Motiven der RAF-Mitglieder verknüpft werden.

Worauf zu achten istBeginnen Sie eine Unterrichtsdiskussion mit der Frage: 'Welche gesellschaftlichen Bedingungen in den 1960er Jahren könnten junge Menschen dazu bewogen haben, Gewalt als Mittel des politischen Kampfes in Betracht zu ziehen?' Sammeln Sie die Antworten der Schülerinnen und Schüler an der Tafel und ordnen Sie sie später den ideologischen Argumenten der RAF zu.

AnalysierenBewertenErschaffenEntscheidungsfähigkeitSelbststeuerung
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Vorlagen

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Einige Hinweise zum Unterrichten dieser Einheit

Erfahrungsgemäß gelingt die Behandlung dieses Themas am besten, wenn Lehrerinnen und Lehrer eine neutrale Haltung einnehmen und Raum für unterschiedliche Perspektiven lassen. Wichtig ist, die RAF nicht als bloße Terrororganisation darzustellen, sondern ihre Entstehung als Ergebnis gesellschaftlicher Konflikte zu begreifen. Vermeiden Sie dabei eine Verharmlosung der Gewalt oder eine pauschale Dämonisierung der Akteure.

Erfolgreiches Lernen zeigt sich darin, dass die Schülerinnen und Schüler die Entstehung der RAF nicht nur als historische Fakten abrufen, sondern die ideologischen Wurzeln analysieren und in den gesellschaftlichen Kontext einordnen können. Sie erkennen dabei die Komplexität der Radikalisierung und vermeiden pauschale Schuldzuweisungen.


Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

  • Während der Quellenanalyse zu RAF-Gründungstexten achten Sie darauf, dass Schülerinnen und Schüler erkennen, dass die RAF nur einen kleinen Teil der 68er-Bewegung ausmachte. Lenken Sie ihre Aufmerksamkeit auf die Zitate aus der Studentenbewegung, die Gewalt ablehnten.

    Besonders die Analyse der Studentenbewegung von 1968 zeigt, dass die Mehrheit der Proteste auf Reformen setzte. Fordern Sie die Schülerinnen und Schüler auf, in den Materialien nach Belegen für gewaltfreie Forderungen zu suchen und diese von den RAF-Texten abzugrenzen.

  • Während der Expertinnenrunden zu den gesellschaftlichen Wurzeln der RAF hören Sie sich die Aussagen der Schülerinnen und Schüler an und greifen gezielt die vereinfachte Darstellung der RAF-Ideologie als rein marxistisch auf.

    Nutzen Sie die Diskussion über die Ideologie der RAF, um die Verbindung von Marxismus mit Antiimperialismus und anarchistischen Elementen herauszuarbeiten. Fragen Sie konkret nach, warum die RAF den BRD-Staat als faschistisch bezeichnete und welche historischen Bezüge sie dazu herstellte.

  • Während der Erstellung des Zeitstrahls zu den Ursachen der Radikalisierung beobachten Sie, ob Schülerinnen und Schüler den Vietnamkrieg als alleinigen Auslöser darstellen und korrigieren Sie diese Vereinfachung direkt.

    Fordern Sie die Schülerinnen und Schüler auf, im Zeitstrahl mindestens zwei weitere Faktoren neben dem Vietnamkrieg zu benennen. Fragen Sie gezielt nach den Notstandsgesetzen und der Rolle der Persilscheine, um die Komplexität der Radikalisierung zu verdeutlichen.


In dieser Übersicht verwendete Methoden