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Geschichte · Klasse 12 · Deutschland und die Welt im 21. Jahrhundert · 2. Halbjahr

Migration und Integration in Deutschland

Die Schülerinnen und Schüler untersuchen Deutschland als Einwanderungsland und die Herausforderungen der Integration.

Über dieses Thema

Das Thema Migration und Integration in Deutschland zeigt, wie das Land seit dem 19. Jahrhundert zu einem Einwanderungsland wurde. Schülerinnen und Schüler analysieren die Anwerbung von Gastarbeitern in den 1960er Jahren, die Zuwanderung von Spätaussiedlern nach 1990 und die Aufnahme von Geflüchteten ab 2015. Sie untersuchen wirtschaftliche Beiträge, kulturelle Veränderungen und demografische Auswirkungen auf die Gesellschaft. Dabei lernen sie, Schlüsselbegriffe wie 'Leitkultur' in einer pluralistischen Demokratie zu bewerten und Herausforderungen für den sozialen Zusammenhalt zu identifizieren.

Im Rahmen der KMK-Standards für Geschichte in der Qualifikationsphase verbindet das Thema Umbrüche des 20. und 21. Jahrhunderts mit aktuellen gesellschaftlichen Debatten. Es schult Kompetenzen in Quellenanalyse, Argumentation und ethischer Reflexion. Schüler lernen, Primärquellen wie Anwerbeverträge oder Integrationsberichte zu interpretieren und Positionen in Debatten wie der Leitkultur-Diskussion einzuordnen.

Aktives Lernen ist hier besonders wirksam, weil es Schülerinnen und Schüler in Rollenspiele und kontroverse Diskussionen einbindet. Solche Methoden machen abstrakte Prozesse greifbar, fördern Empathie gegenüber Betroffenen und stärken die Fähigkeit, fundierte Urteile zu fällen. Praktische Übungen helfen, Vorurteile abzubauen und demokratische Werte zu internalisieren.

Leitfragen

  1. Analysieren Sie, wie Gastarbeiter, Spätaussiedler und Geflüchtete die Gesellschaft prägen.
  2. Erklären Sie, was "Leitkultur" in einer pluralistischen Gesellschaft bedeuten kann.
  3. Beurteilen Sie die Herausforderungen für den sozialen Zusammenhalt durch Migration.

Lernziele

  • Analysieren Sie die demografischen und sozioökonomischen Auswirkungen verschiedener Migrationswellen (Gastarbeiter, Spätaussiedler, Geflüchtete) auf die deutsche Gesellschaft.
  • Bewerten Sie die unterschiedlichen Ansichten und Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Konzept der 'Leitkultur' in einer pluralistischen Gesellschaft.
  • Erklären Sie die komplexen Wechselwirkungen zwischen Migrationsprozessen und dem sozialen Zusammenhalt in Deutschland.
  • Vergleichen Sie die Integrationsstrategien und -erfolge verschiedener Migrantengruppen im historischen und gegenwärtigen Kontext Deutschlands.

Bevor es losgeht

Deutschland nach 1945: Teilung und Wiedervereinigung

Warum: Grundkenntnisse über die Nachkriegsgeschichte Deutschlands sind notwendig, um die Ankunft von Spätaussiedlern nach 1990 zu verstehen.

Soziale Ungleichheit und Gesellschaftsstrukturen

Warum: Ein Verständnis grundlegender Konzepte sozialer Ungleichheit hilft den Schülern, die Herausforderungen der Integration und des sozialen Zusammenhalts besser zu analysieren.

Schlüsselvokabular

GastarbeiterArbeitsmigranten, die hauptsächlich in den 1950er bis 1970er Jahren nach Deutschland kamen, um den Arbeitskräftemangel zu beheben.
SpätaussiedlerDeutsche Volkszugehörige und ihre Familienangehörigen aus den ehemaligen Ostblockstaaten, die nach 1990 nach Deutschland einwanderten.
GeflüchtetePersonen, die aufgrund von Verfolgung, Krieg oder anderen humanitären Krisen Schutz in einem anderen Land suchen.
LeitkulturEin Diskursbegriff, der die Frage nach gemeinsamen Werten und Normen in einer Einwanderungsgesellschaft thematisiert.
Sozialer ZusammenhaltDas Ausmaß, in dem Gesellschaften durch gemeinsame Werte, Identitäten und gegenseitiges Vertrauen verbunden sind.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungDeutschland ist traditionell kein Einwanderungsland.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Viele Schüler unterschätzen die lange Geschichte von Zuwanderung seit der Industrialisierung. Aktive Quellenanalysen in Gruppen zeigen Fakten wie die Hugenotten oder polnische Arbeiter. Diskussionen helfen, Mythen zu entkräften und Kontinuitäten zu erkennen.

Häufige FehlvorstellungIntegration liegt nur bei den Migranten.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Dieser Einseitigkeit widersprechen gegenseitige Anpassungen. Rollenspiele fördern Perspektivenwechsel und verdeutlichen Verantwortung beider Seiten. So lernen Schüler nuanciert zu argumentieren.

Häufige FehlvorstellungMigration zerstört immer den Zusammenhalt.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Erfolgreiche Beispiele wie türkischstämmige Unternehmer widerlegen das. Debatten mit Daten stärken differenziertes Denken und zeigen positive Effekte.

Ideen für aktives Lernen

Alle Aktivitäten ansehen

Bezüge zur Lebenswelt

  • Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) veröffentlicht regelmäßig Berichte und Materialien zur Migration und Integration, die als Grundlage für öffentliche Debatten und politische Entscheidungen dienen.
  • Kommunale Integrationsbeauftragte in Städten wie Berlin oder München arbeiten direkt mit Migranten und lokalen Behörden, um Integrationsmaßnahmen zu entwickeln und umzusetzen.
  • Unternehmen wie Volkswagen oder Siemens, die in den 1960er Jahren gezielt Arbeitskräfte aus dem Ausland anwarben, haben die demografische Struktur ihrer Belegschaft und die Unternehmenskultur nachhaltig verändert.

Ideen zur Lernstandserhebung

Diskussionsfrage

Teilen Sie die Klasse in Kleingruppen auf. Geben Sie jeder Gruppe eine der drei Hauptmigrantengruppen (Gastarbeiter, Spätaussiedler, Geflüchtete) und die Frage: 'Welche spezifischen Herausforderungen und Chancen brachte diese Gruppe für die deutsche Gesellschaft mit sich?' Lassen Sie die Gruppen ihre Ergebnisse präsentieren und diskutieren.

Lernstandskontrolle

Bitten Sie die Schüler, auf einem Zettel zwei Sätze zu schreiben: 1. Eine konkrete Auswirkung von Migration auf die deutsche Gesellschaft, die sie heute gelernt haben. 2. Eine Frage, die sie zum Thema 'Leitkultur' noch beschäftigt.

Kurze Überprüfung

Stellen Sie eine Liste mit Begriffen (z.B. Anwerbeabkommen, Assimilation, Pluralismus, Integration, Rückkehrgesetz) zusammen. Bitten Sie die Schüler, jeden Begriff kurz zu definieren oder in einem Beispielsatz zu verwenden, der den Bezug zum Thema Migration und Integration in Deutschland verdeutlicht.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet Leitkultur in einer pluralistischen Gesellschaft?
Leitkultur beschreibt Werte wie Demokratie, Rechtsstaat und Gleichberechtigung, die in Deutschland gelten sollen. In pluralistischen Gesellschaften bedeutet sie keine Assimilation, sondern Orientierungspunkte für Integration. Schüler diskutieren, ob sie kulturelle Vielfalt einschränkt oder stärkt, basierend auf Debatten von Bassam Tibi bis Cem Özdemir. Fördern Sie Quellenvergleiche für Tiefe.
Wie wirkt sich Migration auf den sozialen Zusammenhalt aus?
Migration bringt Herausforderungen wie Parallelgesellschaften, aber auch Bereicherung durch Vielfalt. Studien zeigen Spannungen in Schulen oder Wohnvierteln, doch gemeinsame Projekte bauen Brücken. Lassen Sie Schüler lokale Beispiele recherchieren und bewerten, um Faktoren wie Bildung und Sprache zu priorisieren.
Wie fördere ich aktives Lernen zu Migration und Integration?
Nutzen Sie Rollenspiele und Debatten, um Schüler in Perspektiven von Migranten und Einheimischen eintauchen zu lassen. Gruppenanalysen aktueller Statistiken vom BAMF machen Daten lebendig. Solche Methoden bauen Empathie auf, reduzieren Vorurteile und verbessern Argumentationsfähigkeiten. Kombinieren Sie mit Reflexionsrunden für nachhaltiges Lernen.
Welche Rolle spielten Gastarbeiter in Deutschland?
Ab 1955 wurden Millionen Türken, Italiener und andere angeworben, um den Wirtschaftswunder-Mangel zu decken. Viele blieben, prägten Städte und Kultur. Heute sind ihre Nachkommen integriert, doch anfängliche Diskriminierung bleibt Lehre. Lassen Sie Zeitzeugenvideos analysieren, um persönliche Geschichten zu beleuchten.

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