Erfahrungsorientiertes Lernen

Erfahrungsorientiertes Lernen

Handlungsorientiertes Lernen durch Erfahrung und Reflexion

3060 min1035 Schüler:innenVariabel; z. B. Außenbereich, Labor oder außerschulische Lernorte

Auf einen Blick

Dauer

3060 min

Gruppengröße

1035 Schüler:innen

Raumgestaltung

Variabel; z. B. Außenbereich, Labor oder außerschulische Lernorte

Materialien

  • Materialien für den Versuchsaufbau/die Erfahrung
  • Reflexionsjournal mit Impulsfragen
  • Beobachtungsbogen
  • Leitfaden zur Verknüpfung mit den Lerninhalten

Bloom’sche Taxonomie

AnwendenAnalysierenEvaluieren

Kompetenzen für Soziales und Emotionales Lernen

SelbstwahrnehmungSelbstmanagementSoziales Bewusstsein

Was ist Erfahrungsorientiertes Lernen?

Erfahrungsorientiertes Lernen (Experiential Learning) ist ein ganzheitlicher pädagogischer Ansatz, bei dem Wissen durch die Transformation von Erfahrungen entsteht. Er erfordert von den Lernenden den Übergang von einer passiven Rezeption hin zu aktivem Experimentieren und Reflexion. Die Methode ist deshalb so effektiv, weil sie die Lücke zwischen Theorie und Praxis schließt und die kognitiven, emotionalen sowie physischen Ebenen anspricht, was eine tiefere Verankerung des Wissens und den Erwerb transferierbarer Kompetenzen fördert. Durch das Durchlaufen eines Zyklus aus konkreter Erfahrung und reflektierender Beobachtung entwickeln Schüler abstrakte Konzepte, die sie anschließend in neuen Situationen testen, wodurch eine kontinuierliche Spirale kognitiven Wachstums entsteht. Diese Methodik verändert die Rolle der Lehrkraft weg vom reinen Wissensvermittler hin zum Lernbegleiter (Facilitator), der sicherstellt, dass das Lernen eine reale Relevanz behält. Die Forschung zeigt durchweg, dass Schüler, die Konzepte auf authentische Probleme anwenden, ausgeprägtere Denkstrukturen höherer Ordnung und eine stärkere intrinsische Motivation entwickeln. Im Gegensatz zum auswendig gelernten Wissen priorisiert das erfahrungsorientierte Lernen den Lernprozess gegenüber der bloßen Anhäufung von Fakten, was es besonders effektiv für die Entwicklung von Schlüsselkompetenzen des 21. Jahrhunderts wie kritisches Denken, Kollaboration und Anpassungsfähigkeit macht.

Ideal für

Abstrakte Konzepte greifbar machenHerstellung von Bezügen zur LebensweltEinbindung kinästhetischer LerntypenEntwicklung reflexiver Praktiken

Anwendungszeitpunkt

Altersstufen

Kl. 1–2Kl. 3–5Kl. 6–8Kl. 9–12

Eignung nach Fach

MathematikDeutschNaturwissenschaftenGeschichte/SozialkundeSoziales und Emotionales LernenKunst

Durchführung von Erfahrungsorientiertes Lernen

1

Eine konkrete Erfahrung gestalten

Entwerfen Sie eine praxisorientierte Aktivität, eine Simulation oder eine Aufgabe im Feld, die auf Ihre Lernziele abgestimmt ist und die Schüler zwingt, direkt mit dem Kernkonzept zu interagieren.

2

Die Aktivität moderieren

Starten Sie die Erfahrung und agieren Sie dabei als Coach oder Beobachter. Widerstehen Sie dem Drang, Lösungen vorzugeben oder einzugreifen, sofern nicht die Sicherheit gefährdet ist oder die Gruppe völlig den Faden verliert.

3

Reflektierende Beobachtung anleiten

Führen Sie eine Nachbesprechung durch, in der Sie offene Fragen stellen. Die Schüler sollen beschreiben, was sie während der Erfahrung gesehen, gefühlt und getan haben.

4

Abstrakte Begriffsbildung begleiten

Helfen Sie den Schülern, ihre Beobachtungen mit formalen Theorien oder akademischen Konzepten zu verknüpfen, um das „Warum“ hinter den bemerkten Mustern zu identifizieren.

5

Aktives Experimentieren planen

Geben Sie eine neue, leicht abgewandelte Aufgabe vor, bei der die Schüler die soeben entwickelten Theorien anwenden müssen, um ein neues Problem zu lösen.

6

Bewertung durch Leistungserbringung

Beurteilen Sie den Lernfortschritt basierend auf der Fähigkeit, Konzepte auf die neue Situation zu übertragen, sowie auf der Tiefe der reflexiven Erkenntnisse, anstatt einen Multiple-Choice-Test einzusetzen.

Forschungsergebnisse

Kolb, A. Y., Kolb, D. A.

2005 · Academy of Management Learning & Education, 4(2), 193-212

Die Studie validiert den vierstufigen Zyklus des erfahrungsorientierten Lernens und betont, dass die Schaffung von „Lernräumen“ für Reflexion entscheidend ist, um Erfahrungen in Wissen höherer Ordnung zu transformieren.

Girvan, C., Conneely, C., Tangney, B.

2016 · Computers & Education, 91, 129-149

Forscher fanden heraus, dass ein strukturierter erfahrungsorientierter Rahmen das Engagement der Schüler und den Erwerb von Kompetenzen des 21. Jahrhunderts im Vergleich zu traditionellen Instruktionsmethoden signifikant verbessert.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Definition von erfahrungsorientiertem Lernen in der Bildung?
Erfahrungsorientiertes Lernen ist der Prozess des Lernens durch die Reflexion des eigenen Handelns. Es wird definiert als Wissen, das durch die Transformation von Erfahrung entsteht. Schüler durchlaufen dabei einen Zyklus aus Erleben, Reflektieren, Denken und Handeln. Dieser Ansatz priorisiert die direkte Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand gegenüber passiver Instruktion.
Welches sind die vier Phasen des Lernzyklus nach Kolb?
Der Zyklus besteht aus der konkreten Erfahrung, der reflektierenden Beobachtung, der abstrakten Begriffsbildung und dem aktiven Experimentieren. Schüler nehmen zuerst an einer Aktivität teil, blicken dann darauf zurück, um Muster oder Probleme zu identifizieren, nutzen diese Erkenntnisse zur Theoriebildung und testen diese Theorien schließlich in einem neuen, praktischen Kontext.
Wie setze ich erfahrungsorientiertes Lernen in meinem Unterricht um?
Beginnen Sie mit der Gestaltung einer authentischen Aufgabe oder Simulation, die von den Schülern verlangt, Lehrplaninhalte auf ein reales Problem anzuwenden. Begleiten Sie die Erfahrung ohne zu starke Anleitung und planen Sie anschließend feste Zeiten für Reflexionsgespräche oder Lerntagebücher ein. Fordern Sie die Schüler schließlich auf, ihre Erkenntnisse auf ein anderes, verwandtes Szenario zu übertragen.
Welche Vorteile bietet erfahrungsorientiertes Lernen für Schüler?
Diese Methodik erhöht die langfristige Behaltensquote und das Engagement, da abstrakte Konzepte greifbar und relevant werden. Sie fördert kritisches Denken und Problemlösekompetenz, da Schüler mit realen Komplexitäten und Fehlern umgehen müssen. Zudem stärkt sie soziale und emotionale Kompetenzen wie Empathie und Teamfähigkeit durch gemeinsame Gruppenerfahrungen.
Ist erfahrungsorientiertes Lernen dasselbe wie „Hands-on“-Lernen?
Nein, erfahrungsorientiertes Lernen geht über rein praktisches Handeln hinaus, da es zwingend eine Phase der kognitiven Reflexion und Konzeptualisierung erfordert. Während „Hands-on“-Lernen lediglich körperliche Aktivität beinhaltet, stellt erfahrungsorientiertes Lernen sicher, dass diese Aktivität durch bewusste Analyse zu neuen mentalen Modellen führt. Ohne Reflexion und Abstraktion bleibt eine praktische Tätigkeit bloßes „Tun“ ohne echten Lernzuwachs.

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