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Geschichte · Klasse 9

Ideen für aktives Lernen

Umgang mit belasteten Denkmalen

Aktive Lernformen sind hier besonders wirksam, weil Schüler konkrete Denkmäler ihrer Umgebung untersuchen und so historische Narrative mit lokaler Identität verbinden. Durch Debatten und Rollenspiele erleben sie, wie Erinnerungskultur aktiv gestaltet wird und warum Neutralität im öffentlichen Raum nicht möglich ist.

KMK BildungsstandardsKMK-OrientierungskompetenzKMK-Urteilskompetenz
30–60 Min.Partnerarbeit → Ganze Klasse4 Aktivitäten

Aktivität 01

Bürgerversammlung45 Min. · Kleingruppen

Forschungsstationen: Lokale Denkmäler

Richten Sie Stationen ein: Station 1 Recherche zu kolonialen Straßennamen vor Ort oder online, Station 2 NS-belastete Monumente analysieren, Station 3 Pro- und Contra-Argumente sammeln. Gruppen rotieren, notieren Funde und bereiten eine Präsentation vor.

Sollten Denkmale, die heute als problematisch gelten, entfernt oder kontextualisiert werden?

ModerationstippBei den Forschungsstationen sorgen Sie für eine klare Aufgabenstellung pro Denkmal, damit Schüler nicht nur Fakten sammeln, sondern auch die Auswahl der Informationen hinterfragen.

Worauf zu achten istTeilen Sie die Klasse in zwei Gruppen: Befürworter der Entfernung und Befürworter der Kontextualisierung. Geben Sie jeder Gruppe 10 Minuten Zeit, um ihre Hauptargumente zu sammeln. Lassen Sie dann eine moderierte Debatte stattfinden, bei der die Schüler ihre Positionen verteidigen und auf Gegenargumente eingehen.

AnwendenAnalysierenBewertenErschaffenEntscheidungsfähigkeitSozialbewusstsein
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Aktivität 02

Debatte50 Min. · Ganze Klasse

Debatte: Entfernen oder Kontextualisieren?

Teilen Sie die Klasse in Für- und Gegen-Gruppen. Jede Gruppe bereitet drei Argumente vor, dann debattieren Sprecher im Fischkasten-Format: 1 Minute pro Runde, Zuhörer notieren Stärken. Abschließende Abstimmung.

Wer entscheidet darüber, was im öffentlichen Raum erinnert wird?

ModerationstippIn der Fischkasten-Debatte achten Sie darauf, dass sowohl Pro- als auch Kontra-Argumente gleich viel Raum erhalten, um eine ausgewogene Diskussion zu ermöglichen.

Worauf zu achten istBitten Sie die Schüler, auf einer Karteikarte eine kurze Stellungnahme zu verfassen: 'Welches Kriterium ist für mich am wichtigsten bei der Entscheidung über ein belastetes Denkmal: die historische Authentizität, die heutige gesellschaftliche Akzeptanz oder die pädagogische Vermittlung? Begründen Sie Ihre Wahl in zwei Sätzen.'

AnalysierenBewertenErschaffenSelbststeuerungEntscheidungsfähigkeit
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Aktivität 03

Rollenspiel60 Min. · Kleingruppen

Rollenspiel: Denkmalgremium

Schüler verkörpern Rollen wie Historiker, Aktivisten, Politiker, Anwohner. Sie beraten über ein reales Denkmal, sammeln Infos, diskutieren und fassen eine Empfehlung zusammen. Debriefing reflektiert Entscheidungsprozesse.

Wie verändert sich unsere Sicht auf die Geschichte durch neue gesellschaftliche Werte?

ModerationstippIm Rollenspiel zum Denkmalgremium geben Sie den Schülern konkrete Rollenkarten mit Interessen und Werten, damit die Positionen authentisch vertreten werden.

Worauf zu achten istStellen Sie den Schülern drei verschiedene Bilder von Denkmälern (z.B. ein Kolonialdenkmal, ein NS-Denkmal, ein neutrales Denkmal) zur Verfügung. Bitten Sie sie, zu jedem Bild kurz zu notieren, welche potenziellen Probleme oder Fragen sich damit verbinden könnten und warum.

AnwendenAnalysierenBewertenSozialbewusstseinSelbstwahrnehmung
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Aktivität 04

Bürgerversammlung30 Min. · Partnerarbeit

Gedankenkarussell: Perspektivenwechsel

In Kreisen sitzen Schüler gegenüber, einer argumentiert eine Position, der Partner kontert. Nach zwei Runden wechseln Positionen. Jeder notiert, was neu gelernt wurde.

Sollten Denkmale, die heute als problematisch gelten, entfernt oder kontextualisiert werden?

ModerationstippBeim Gedankenkarussell stellen Sie sicher, dass jeder Schüler mindestens eine Perspektive vorträgt, bevor er eine eigene Position entwickelt.

Worauf zu achten istTeilen Sie die Klasse in zwei Gruppen: Befürworter der Entfernung und Befürworter der Kontextualisierung. Geben Sie jeder Gruppe 10 Minuten Zeit, um ihre Hauptargumente zu sammeln. Lassen Sie dann eine moderierte Debatte stattfinden, bei der die Schüler ihre Positionen verteidigen und auf Gegenargumente eingehen.

AnwendenAnalysierenBewertenErschaffenEntscheidungsfähigkeitSozialbewusstsein
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Vorlagen

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Einige Hinweise zum Unterrichten dieser Einheit

Erfahrene Lehrer vermeiden es, die Diskussion auf moralische Urteile zu reduzieren. Stattdessen lenken sie den Fokus auf die Analyse von Machtstrukturen und Entscheidungsprozessen. Wichtig ist, dass Schüler verstehen, dass Erinnerungskultur immer im Spannungsfeld von Geschichte, Politik und Gesellschaft steht. Vermeiden Sie es, eine 'richtige' Lösung vorzugeben – stattdessen fördern Sie kritisches Denken durch gezielte Nachfragen wie 'Wessen Perspektive fehlt hier?' oder 'Welche Folgen hat diese Entscheidung für die Zukunft?'

Erfolgreiches Lernen zeigt sich darin, dass Schüler belastete Denkmäler nicht nur beschreiben, sondern deren politische Funktion einordnen und fundierte Positionen in Debatten vertreten können. Sie erkennen, dass Geschichte nicht statisch ist, sondern durch aktuelle Werte neu ausgehandelt wird.


Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

  • Während der Forschungsstationen 'Lokale Denkmäler' hören manche Schüler: 'Denkmäler sind doch einfach historische Zeugnisse, die zeigen, was wirklich passiert ist.'

    Nutzen Sie die Stationenarbeit, um Schüler konkret nachzufragen: 'Welche Informationen fehlen auf dieser Infotafel?' oder 'Wer hat entschieden, welche Ereignisse hier hervorgehoben werden?' So wird sichtbar, dass Denkmäler immer eine Auswahl treffen und Macht ausüben.

  • Während der Fischkasten-Debatte 'Entfernen oder Kontextualisieren?' argumentieren einige: 'Die Vergangenheit bleibt, egal was wir heute denken.'

    Lenken Sie die Debatte mit konkreten Fragen um: 'Wie würden Sie ein NS-Denkmal einer heutigen Schulklasse erklären?' oder 'Welche Werte unserer Gesellschaft rechtfertigen eine Entfernung?' So wird klar, dass historische Deutungen von aktuellen Normen abhängen.

  • Während des Rollenspiels 'Denkmalgremium' meinen manche Schüler: 'Wenn wir das Denkmal entfernen, ist die Geschichte einfach weg.'

    Fordern Sie die Schüler auf, Alternativen zu sammeln: 'Wie könnte ein Denkmal trotz Belastung erhalten bleiben?' oder 'Welche neuen Formen der Erinnerungskultur kennen Sie?' So erkennen sie, dass Entfernung nicht gleichbedeutend mit Vergessen ist.


In dieser Übersicht verwendete Methoden