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Geschichte · Klasse 9

Ideen für aktives Lernen

Das Deutsche Kaiserreich als Kolonialmacht

Aktive Lernformen eignen sich besonders für dieses Thema, weil Schülerinnen und Schüler komplexe Zusammenhänge zwischen wirtschaftlichen Interessen, politischen Machtstrukturen und rassistischen Ideologien selbstständig erschließen können. Durch handlungsorientierte Methoden wie Rollenspiele oder Quellenarbeit wird die emotionale und ethische Dimension der Kolonialgeschichte greifbar und nachhaltig verankert.

KMK BildungsstandardsKMK-SachkompetenzKMK-Orientierungskompetenz
30–50 Min.Partnerarbeit → Ganze Klasse4 Aktivitäten

Aktivität 01

Lernen an Stationen45 Min. · Kleingruppen

Lernen an Stationen: Koloniale Motive und Folgen

Richten Sie vier Stationen ein: 1. Motive (Wirtschaft und Prestige, Quellen lesen). 2. Vergleich mit anderen Mächten (Karten und Tabellen ausfüllen). 3. Herero-Aufstand (Zeitzeugenberichte analysieren). 4. Bewertung (Pro/Contra-Debatte skizzieren). Gruppen rotieren alle 10 Minuten und protokollieren Erkenntnisse.

Erkläre die Motive des Deutschen Reiches für den Erwerb von Kolonien.

ModerationstippBeim Stationenlernen achten Sie darauf, dass die Materialien an jeder Station klare Arbeitsaufträge und Quellenangaben enthalten, um selbstständiges Arbeiten zu fördern.

Worauf zu achten istStellen Sie die Frage: 'Welche Motive waren für das Deutsche Kaiserreich am wichtigsten, um Kolonien zu erwerben?'. Lassen Sie die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen Argumente sammeln und diese dann im Plenum vorstellen und diskutieren.

ErinnernVerstehenAnwendenAnalysierenSelbststeuerungBeziehungsfähigkeit
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Aktivität 02

Rollenspiel50 Min. · Kleingruppen

Rollenspiel: Kolonialkonferenz

Teilen Sie Rollen zu (Kaiser Wilhelm II., Kolonialpolitiker, Afrikaner-Führer). Gruppen bereiten Positionen vor, debattieren 20 Minuten über Erwerb von Kolonien. Abschließend Reflexion: Welche Motive siegten?

Analysiere die Besonderheiten der deutschen Kolonialpolitik im Vergleich zu anderen europäischen Mächten.

ModerationstippBeim Rollenspiel der Kolonialkonferenz sorgen Sie für eine klare Rollenverteilung und geben den Schülerinnen und Schülern vorab Zeit, sich in ihre Positionen einzuarbeiten.

Worauf zu achten istBitten Sie die Schülerinnen und Schüler, auf einer Karteikarte kurz zu erklären, warum der Herero- und Nama-Aufstand als Wendepunkt in der deutschen Kolonialgeschichte betrachtet werden kann. Fordern Sie sie auf, mindestens einen spezifischen Aspekt zu nennen.

AnwendenAnalysierenBewertenSozialbewusstseinSelbstwahrnehmung
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Aktivität 03

Expertenrunde30 Min. · Partnerarbeit

Quellenpaarung: Bilder und Texte

Paare erhalten Bildquellen (z.B. Kolonialausstellung) und Texte (von Trotha-Befehle), ordnen sie thematisch zu und diskutieren Besonderheiten der deutschen Politik.

Beurteile die Rolle des Herero- und Nama-Aufstands im Kontext der deutschen Kolonialgeschichte.

ModerationstippBei der Quellenpaarung von Bildern und Texten lassen Sie die Schülerinnen und Schüler zunächst die visuellen und schriftlichen Quellen separat analysieren, bevor sie die Zusammenhänge diskutieren.

Worauf zu achten istGeben Sie den Schülerinnen und Schülern kurze Textauszüge, die unterschiedliche Perspektiven auf die deutsche Kolonialpolitik darstellen (z.B. eine Petition aus einer Kolonie, einen Auszug aus einer Reichstagsrede). Lassen Sie sie die Hauptaussage jedes Textes in einem Satz zusammenfassen.

VerstehenAnwendenAnalysierenBewertenSelbststeuerungBeziehungsfähigkeit
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Aktivität 04

Expertenrunde35 Min. · Partnerarbeit

Kartenarbeit: Deutsche Kolonien

Individuell oder in Paaren Kolonialkarte Deutschlands zeichnen, Flächen mit anderen Mächten vergleichen und Motive notieren. Gemeinsame Präsentation der Ergebnisse.

Erkläre die Motive des Deutschen Reiches für den Erwerb von Kolonien.

ModerationstippBei der Kartenarbeit zu den deutschen Kolonien achten Sie darauf, dass die Schülerinnen und Schüler neben der räumlichen auch die zeitliche Dimension (Erwerb der Kolonien) erfassen.

Worauf zu achten istStellen Sie die Frage: 'Welche Motive waren für das Deutsche Kaiserreich am wichtigsten, um Kolonien zu erwerben?'. Lassen Sie die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen Argumente sammeln und diese dann im Plenum vorstellen und diskutieren.

VerstehenAnwendenAnalysierenBewertenSelbststeuerungBeziehungsfähigkeit
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Vorlagen

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Einige Hinweise zum Unterrichten dieser Einheit

Erfahrene Lehrkräfte setzen bei diesem Thema auf eine Balance zwischen sachlicher Analyse und emotionaler Auseinandersetzung. Wichtig ist, die Schülerinnen und Schüler nicht mit moralischer Bewertung zu überfordern, sondern sie durch strukturierte Methoden wie Quellenarbeit oder Rollenspiele zu einer eigenen, fundierten Position zu führen. Vermeiden Sie es, die Kolonialgeschichte einzig als dunkles Kapitel zu behandeln; vielmehr sollten die Schülerinnen und Schüler die Mechanismen von Macht und Ausbeutung verstehen. Aktuelle Bezüge, etwa zu postkolonialen Debatten, können das Thema zusätzlich veranschaulichen, sollten aber nicht im Vordergrund stehen.

Erfolgreiches Lernen zeigt sich darin, dass Schülerinnen und Schüler die unterschiedlichen Motive der Kolonialpolitik benennen und deren historische Folgen einordnen können. Sie analysieren Quellen kritisch, diskutieren kontroverse Perspektiven sachlich und erkennen die Bedeutung des Herero- und Nama-Aufstands als Wendepunkt der deutschen Geschichte.


Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

  • Während des Stationenlernens zu kolonialen Motiven und Folgen äußern einige Schülerinnen und Schüler die Annahme, Deutschland hätte ein riesiges Kolonialreich besessen.

    Nutzen Sie die Kartenarbeit aus der Stationenlern-Phase, um den Schülerinnen und Schülern durch den direkten Vergleich der Kolonialgebiete Deutschlands mit denen Großbritanniens oder Frankreichs die tatsächlichen Flächenverhältnisse und Zeitpunkte des Erwerbs vor Augen zu führen.

  • Während des Rollenspiels zur Kolonialkonferenz vertreten einige Schülerinnen und Schüler die Meinung, der Kolonialismus sei rein wirtschaftlich motiviert gewesen.

    Fordern Sie die Schülerinnen und Schüler auf, in ihren Rollen auch Prestige- und rassistische Überlegenheitsargumente einzubringen, und lassen Sie sie im Anschluss diskutieren, wie diese Motive in der Realität auftraten.

  • Während der Quellenpaarung zu Bildern und Texten zum Herero- und Nama-Aufstand wird der Aufstand von einigen als lokaler Zwischenfall ohne größere Bedeutung abgetan.

    Lenken Sie die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler auf den systematischen Charakter der Gewalt durch die Analyse der Bilder und Texte, insbesondere durch den Vergleich mit dem Vernichtungsbefehl von General von Trotha.


In dieser Übersicht verwendete Methoden