Zum Inhalt springen
Geschichte · Klasse 8 · Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg · 2. Halbjahr

Machtergreifung und Gleichschaltung

Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die Schritte zur Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur.

KMK BildungsstandardsSachkompetenzOrientierungskompetenz

Über dieses Thema

Das Thema 'Machtergreifung und Gleichschaltung' zeigt die systematischen Schritte, mit denen die Nationalsozialisten ab Januar 1933 die Weimarer Demokratie abschafften. Schülerinnen und Schüler untersuchen den Reichstagsbrand am 27. Februar 1933, die Reichstagsbrandverordnung, die Aufhebung bürgerlicher Freiheiten, das Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933 und die rasche Gleichschaltung von Ländern, Parteien, Gewerkschaften, Presse und Vereinen bis Ende 1933. Sie lernen, wie legale Verfahren missbraucht wurden, um eine totalitäre Herrschaft zu etablieren.

Dieses Thema stärkt die Sachkompetenz durch Analyse historischer Quellen und die Orientierungskompetenz, indem Schüler die Zerstörung demokratischer Institutionen bewerten und aktuelle Gefahren für Demokratien erkennen. Es passt in die Unit 'Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg' und verbindet sich mit Fragen nach Propaganda, Terror und Widerstand. Die Key Questions fordern, den Reichstagsbrand, Notverordnungen, Ermächtigungsgesetz und Gleichschaltungsprozess zu analysieren.

Aktives Lernen ist hier ideal, weil komplexe Machtprozesse durch Chronologien, Quellenarbeit in Gruppen und strukturierte Debatten konkret werden. Schüler bauen Timelines auf oder simulieren Debatten im Reichstag, was kritisches Denken fördert, emotionale Distanz schafft und langfristiges Verständnis vertieft.

Leitfragen

  1. Analysieren Sie die Bedeutung des Reichstagsbrandes und der Notverordnungen für die Machtergreifung.
  2. Erklären Sie den Prozess der Gleichschaltung von Staat und Gesellschaft.
  3. Beurteilen Sie die Rolle des Ermächtigungsgesetzes bei der Zerstörung der Demokratie.

Lernziele

  • Analysieren die kausalen Zusammenhänge zwischen dem Reichstagsbrand, der Reichstagsbrandverordnung und der Einschränkung von Grundrechten.
  • Erklären den Prozess der Gleichschaltung anhand konkreter Beispiele aus Politik, Kultur und Gesellschaft.
  • Bewerten die Bedeutung des Ermächtigungsgesetzes für die Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur.
  • Identifizieren die entscheidenden Schritte und Akteure bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten.

Bevor es losgeht

Die Weimarer Republik: Demokratie und Krisen

Warum: Grundkenntnisse über die Struktur und die politischen Herausforderungen der Weimarer Republik sind notwendig, um die Zerstörung dieser Demokratie zu verstehen.

Grundlagen des politischen Systems Deutschlands

Warum: Ein grundlegendes Verständnis von Parlamentarismus, Grundrechten und der Gewaltenteilung ist erforderlich, um deren Abschaffung nachzuvollziehen.

Schlüsselvokabular

ReichstagsbrandverordnungEine Verordnung des Reichspräsidenten, die nach dem Reichstagsbrand erlassen wurde und wesentliche Grundrechte außer Kraft setzte.
ErmächtigungsgesetzEin Gesetz, das der Regierung Hitler erlaubte, Gesetze ohne Zustimmung des Parlaments zu erlassen und somit die parlamentarische Demokratie beseitigte.
GleichschaltungDer Prozess der Unterordnung und Anpassung aller staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen unter die Kontrolle der NSDAP.
NotverordnungEine Verordnung, die in dringenden Fällen erlassen wird und oft die üblichen gesetzlichen Verfahren umgeht.
VolksgemeinschaftEin zentraler Begriff der NS-Ideologie, der eine rassisch und politisch homogene 'Gemeinschaft des Volkes' beschreibt, die über den Einzelnen gestellt wurde.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungHitler eroberte die Macht durch einen gewaltsamen Putsch.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Tatsächlich wurde er legal von Hindenburg ernannt, nutzte den Reichstagsbrand für Notverordnungen und das Ermächtigungsgesetz zur Diktatur. Gruppendiskussionen mit Timelines helfen Schülern, legale Schritte nachzuvollziehen und den schrittweisen Charakter zu erkennen.

Häufige FehlvorstellungDie Gleichschaltung betraf nur politische Parteien.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Sie umfasste Staat, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Kirche vollständig. Aktive Quellenanalysen in Stationen zeigen Schülern die Breite durch konkrete Beispiele, fördern Systemdenken und widerlegen Vereinfachungen.

Häufige FehlvorstellungDie Bevölkerung unterstützte die Machtergreifung einhellig.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Viele waren passiv oder eingeschüchtert, Opposition wurde ausgeschaltet. Rollenspiele und Debatten machen Schülern klar, wie Terror und Propaganda wirkten, stärken empathisches Verständnis.

Ideen für aktives Lernen

Alle Aktivitäten ansehen

Bezüge zur Lebenswelt

  • Historiker im Deutschen Historischen Museum in Berlin analysieren und präsentieren die Originaldokumente zur Machtergreifung, um die historischen Abläufe für die Öffentlichkeit nachvollziehbar zu machen.
  • Journalisten und Medienwissenschaftler untersuchen heute die Mechanismen der Propaganda und Zensur während der NS-Zeit, um Parallelen zu aktuellen Entwicklungen in autoritären Regimen zu erkennen und zu kritisieren.
  • Juristen und Verfassungsrechtler setzen sich mit dem Ermächtigungsgesetz auseinander, um die Gefahren des Missbrauchs von Gesetzgebungskompetenzen für die Stabilität moderner Demokratien zu verstehen.

Ideen zur Lernstandserhebung

Lernstandskontrolle

Die Schülerinnen und Schüler erhalten eine Karte mit einem der folgenden Begriffe: 'Reichstagsbrand', 'Reichstagsbrandverordnung', 'Ermächtigungsgesetz'. Sie sollen in zwei Sätzen erklären, wie dieser Begriff zur Machtergreifung der Nationalsozialisten beigetragen hat.

Diskussionsfrage

Lehrerfrage: 'Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Abgeordneter im Reichstag im März 1933. Welche Argumente würden Sie für oder gegen das Ermächtigungsgesetz vorbringen, und warum?' Die Schülerinnen und Schüler diskutieren in Kleingruppen und präsentieren ihre wichtigsten Argumente.

Kurze Überprüfung

Erstellen Sie eine Liste von 5-7 Maßnahmen (z.B. Verbot von Zeitungen, Auflösung von Gewerkschaften, Erlass von Notverordnungen). Die Schülerinnen und Schüler ordnen jeder Maßnahme zu, ob sie zur 'Machtergreifung' oder zur 'Gleichschaltung' gehört und begründen kurz ihre Wahl.

Häufig gestellte Fragen

Was war der Reichstagsbrand und seine Bedeutung?
Der Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 wurde von den Nationalsozialisten propagandistisch als kommunistischer Anschlag dargestellt. Er führte zur Reichstagsbrandverordnung, die Grundrechte wie Versammlungs- und Pressefreiheit aufhob. Dies ebnete den Weg für Verhaftungen von Oppositionellen und die Machtergreifung. Schüler analysieren Quellen, um Manipulation zu erkennen (ca. 65 Wörter).
Wie funktionierte die Gleichschaltung?
Die Gleichschaltung synchronisierte ab April 1933 alle Bereiche mit der NSDAP-Linie: Länderregierungen wurden ersetzt, Parteien aufgelöst, Gewerkschaften zerschlagen, Vereine 'aryanisiert'. Zwang und Propaganda sorgten für Konformität. Schüler erstellen Mindmaps, um den umfassenden Prozess zu verstehen und demokratische Prinzipien zu schätzen (ca. 70 Wörter).
Welche Rolle spielte das Ermächtigungsgesetz?
Das Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933 erlaubte der Regierung, ohne Reichstag zu regieren und Verfassungsänderungen vorzunehmen. Unter Druck und ohne SPD-Stimmen verabschiedet, zerstörte es die Demokratie endgültig. Aktive Simulationen der Debatte verdeutlichen Schülern den Missbrauch legaler Mittel (ca. 60 Wörter).
Wie unterstützt aktives Lernen das Verständnis der Machtergreifung?
Aktives Lernen macht abstrakte Prozesse greifbar: Durch Stationenlernen analysieren Schüler Quellen eigenständig, Timelines visualisieren Schritte, Debatten fördern Argumentation. Das schult Sach- und Orientierungskompetenz, schafft emotionale Distanz zu NS-Verbrechen und stärkt Demokratiebewusstsein. Kooperative Formate wie Gruppenrotationen sorgen für tiefe Verarbeitung und Diskussion von Key Questions (ca. 75 Wörter).

Planungsvorlagen für Geschichte