Der Einigungsvertrag und die deutsche EinheitAktivitäten & Unterrichtsstrategien
Aktives Lernen funktioniert hier besonders gut, weil die deutsche Einheit ein komplexer Prozess mit vielen Perspektiven war. Durch Analysen, Debatten und Zeitstrahlarbeit können Schülerinnen und Schüler die rechtlichen, politischen und gesellschaftlichen Dimensionen des Einigungsvertrags selbstständig erschließen und nachvollziehen.
Lernziele
- 1Analysieren Sie die Kernbestimmungen des Einigungsvertrages hinsichtlich der Übernahme von Recht und Staatsorganisation der Bundesrepublik Deutschland.
- 2Erklären Sie die staatsrechtliche Begründung der deutschen Einheit unter Bezugnahme auf Artikel 23 und Artikel 146 des Grundgesetzes.
- 3Bewerten Sie die politischen und völkerrechtlichen Implikationen des 3. Oktober 1990 im Kontext der Zwei-plus-Vier-Verhandlungen.
- 4Vergleichen Sie die Argumente für eine Beitrittslösung (Art. 23 GG) und eine Neugründungslösung (Art. 146 GG) im Einigungsprozess.
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Quellenanalyse: Einigungsvertrag
Schüler lesen Auszüge aus dem Einigungsvertrag und markieren Schlüsselregelungen zu Wirtschaft und Recht. Sie diskutieren in Gruppen die Vor- und Nachteile des Artikels 23. Abschließend präsentieren sie ihre Erkenntnisse.
Vorbereitung & Details
Analysieren Sie die rechtlichen und politischen Aspekte des Einigungsvertrages.
Moderationstipp: Während der Quellenanalyse zum Einigungsvertrag geben Sie den Schülerinnen und Schülern konkrete Leitfragen an die Hand, die sie zur Textarbeit anregen, z.B. 'Welche Hoheitsrechte wurden übertragen, und was blieb erhalten?'
Setup: Stühle sind in zwei konzentrischen Kreisen angeordnet
Materials: Diskussionsfrage oder Impuls (projiziert), Beobachtungsbogen für den Außenkreis
Rollenspiel: Debatte Ost-West
Schüler verkörpern Politiker aus Ost und West und debattieren Artikel 23 vs. 146. Sie recherchieren Positionen und argumentieren. Der Lehrer moderiert und fasst zusammen.
Vorbereitung & Details
Erklären Sie die Debatte um Artikel 23 und Artikel 146 des Grundgesetzes.
Moderationstipp: Im Rollenspiel zur Ost-West-Debatte achten Sie darauf, dass alle Positionen gleichwertig vertreten werden können, und moderieren Sie die Diskussion mit neutralen Impulsen, um emotionale Diskussionen zu strukturieren.
Setup: Spielfläche oder entsprechend angeordnete Tische für das Szenario
Materials: Rollenkarten mit Hintergrundinfos und Zielen, Szenario-Briefing
Zeitstrahl-Challenge: Weg zur Einheit
Individuell erstellen Schüler einen Zeitstrahl mit Schlüsseldaten zum Einigungsvertrag. In der Plenumdiskussion ergänzen sie sich gegenseitig.
Vorbereitung & Details
Bewerten Sie die Bedeutung des 3. Oktober 1990 als Tag der Deutschen Einheit.
Moderationstipp: Beim Erstellen des Zeitstrahls zur deutschen Einheit fordern Sie die Schüler auf, nicht nur Daten, sondern auch kurze Erklärungen zu den Ereignissen zu notieren, um das historische Verständnis zu vertiefen.
Setup: Lange Wand oder Bodenfläche für den Zeitstrahl
Materials: Ereigniskarten mit Daten und Beschreibungen, Basis für den Zeitstrahl (Klebeband oder Papierrolle), Verbindungspfeile oder Schnüre, Impulskarten für die Debatte
Bewertung: 3. Oktober 1990
In Kleingruppen bewerten Schüler die Bedeutung des Tags der Einheit anhand von Reden und Medienberichten. Sie formulieren eine eigene Stellungnahme.
Vorbereitung & Details
Analysieren Sie die rechtlichen und politischen Aspekte des Einigungsvertrages.
Moderationstipp: Bei der Bewertung des 3. Oktober 1990 stellen Sie sicher, dass die Schülerinnen und Schüler zwischen formeller Einheit und den folgenden Herausforderungen unterscheiden können.
Setup: Stühle sind in zwei konzentrischen Kreisen angeordnet
Materials: Diskussionsfrage oder Impuls (projiziert), Beobachtungsbogen für den Außenkreis
Dieses Thema unterrichten
Erfahrene Lehrkräfte betonen, dass die deutsche Einheit nicht als einfacher 'Anschluss' der DDR an die BRD dargestellt werden darf. Stattdessen sollte der Einigungsvertrag als Vertragswerk mit Kompromissen und Kontinuitäten verstanden werden. Vermeiden Sie eine vereinfachende Darstellung der Einheit als 'selbstverständlich' – vielmehr bietet der Vertrag Anlass, über politische Entscheidungen und deren Folgen zu reflektieren. Die Debatte um Artikel 23 und 146 GG zeigt, wie wichtig es ist, verfassungsrechtliche Grundlagen mit historischen Entwicklungen zu verknüpfen.
Was Sie erwartet
Erfolgreiches Lernen zeigt sich darin, dass die Schülerinnen und Schüler die zentralen Inhalte des Einigungsvertrags benennen können, die Kontroverse um Artikel 23 und 146 GG sachlich diskutieren und die Bedeutung des 3. Oktober 1990 als symbolischen wie rechtlichen Meilenstein einordnen.
Diese Aktivitäten sind ein Ausgangspunkt. Die vollständige Mission ist das Erlebnis.
- Vollständiges Moderationsskript mit Lehrkraft-Dialogen
- Druckfertige Schülermaterialien, bereit für den Unterricht
- Differenzierungsstrategien für jeden Lerntyp
Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen
Häufige FehlvorstellungWährend der Quellenanalyse zum Einigungsvertrag achten Sie darauf, dass die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass der Vertrag keine einfache 'Auflösung' der DDR vorsah, sondern einen Beitritt der fünf neuen Länder zur BRD mit vertraglichen Regelungen.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Nutzen Sie die Quellenarbeit, um gemeinsam mit den Schülern zu erarbeiten, welche konkreten Regelungen im Vertrag stehen, z.B. zur Übernahme des Rechtssystems oder zur Treuhandanstalt, und wie diese die Kontinuität sicherten.
Häufige FehlvorstellungWährend der Debatte um Artikel 23 und 146 GG im Rollenspiel weisen Sie darauf hin, dass einige Schüler die Auffassung vertreten, Artikel 146 GG sei die einzige demokratische Option gewesen.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Fordern Sie die Schüler auf, die Vor- und Nachteile beider Artikel zu vergleichen und mit Argumenten aus dem Einigungsvertrag zu begründen, warum Artikel 23 politisch priorisiert wurde.
Häufige FehlvorstellungWährend der Bewertung des 3. Oktober 1990 als Tag der Deutschen Einheit halten Sie fest, dass manche Schüler die Meinung vertreten, die Einheit sei an diesem Tag vollständig und ohne weitere Herausforderungen realisiert worden.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Nutzen Sie die Reflexion über den 3. Oktober, um gemeinsam mit den Schülern zu diskutieren, welche wirtschaftlichen und sozialen Probleme erst nach der formellen Einheit auftraten und wie der Einigungsvertrag darauf reagierte.
Ideen zur Lernstandserhebung
Nach dem Rollenspiel zur Ost-West-Debatte fordern Sie die Schüler auf, in Kleingruppen zu diskutieren, ob die deutsche Einheit primär eine 'Übernahme' der DDR durch die BRD oder eine 'Neugründung' war, und ihre Position mit Verweisen auf Artikel 23 und 146 GG sowie den Einigungsvertrag zu begründen.
Nach der Bewertung des 3. Oktober 1990 bitten Sie die Schüler, auf einer Karteikarte zwei wesentliche Unterschiede zwischen der Anwendung von Artikel 23 und Artikel 146 GG für die deutsche Einheit zu notieren und den 3. Oktober 1990 kurz als 'Tag der Deutschen Einheit' zu charakterisieren.
Während der Quellenanalyse zum Einigungsvertrag geben Sie den Schülern kurze Auszüge aus dem Vertrag und bitten sie, die Kernfunktion jedes Auszugs in einem Satz zu beschreiben, z.B. 'Übernahme des Rechtssystems', 'Regelungen zur Treuhand' oder 'Garantie der Rechtskontinuität'.
Erweiterungen & Unterstützung
- Fordern Sie schnelle Schüler auf, ein fiktives Interview mit einem Ost- oder Westdeutschen am Tag der Einheit zu verfassen, das die Erwartungen und Befürchtungen der Zeit widerspiegelt.
- Für Schüler mit Schwierigkeiten bereiten Sie eine vorbereitete Tabelle vor, in der sie zentrale Begriffe wie 'Hoheitsrechte', 'Treuhand' oder 'Rechtskontinuität' mit einfachen Erklärungen und Beispielen aus dem Vertrag füllen können.
- Vertiefen Sie mit einer Analyse von kurzen Zeitungsartikeln aus dem Herbst 1990, die zeigen, wie die Einheit in Ost und West wahrgenommen wurde.
Schlüsselvokabular
| Einigungsvertrag | Ein völkerrechtlicher Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik, der die Modalitäten der deutschen Wiedervereinigung regelte. |
| Artikel 23 Grundgesetz (alte Fassung) | Dieser Artikel ermöglichte den Beitritt weiterer Länder zur Bundesrepublik Deutschland und wurde als rechtliche Grundlage für den Beitritt der DDR-Länder herangezogen. |
| Artikel 146 Grundgesetz | Dieser Artikel sieht vor, dass das Grundgesetz seine Gültigkeit verliert an dem Tag, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist; er wurde als Alternative zur Beitrittslösung diskutiert. |
| Hoheitsrechte | Die staatliche Souveränität, die die Befugnis zur Ausübung von Staatsgewalt innerhalb eines bestimmten Territoriums umfasst und im Einigungsvertrag auf die Bundesrepublik übertragen wurde. |
| Zwei-plus-Vier-Vertrag | Ein völkerrechtlicher Vertrag zwischen den beiden deutschen Staaten und den vier Siegermächten des Zweiten Weltkriegs, der die äußeren Aspekte der deutschen Einheit regelte. |
Vorgeschlagene Methoden
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