Wirtschaft und Aufrüstung: Autarkie und Kriegsvorbereitung
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die Wirtschaftspolitik des NS-Regimes und die Vorbereitung auf den Krieg.
Über dieses Thema
Die Wirtschaftspolitik des NS-Regimes zielte auf Autarkie und Kriegsvorbereitung ab. Schülerinnen und Schüler analysieren, wie das scheinbare 'Wirtschaftswunder' durch massive Staatsausgaben und Schuldenaufnahme finanziert wurde. Sie untersuchen die Aufrüstung, die enge Verflechtung von Industrie und Staat sowie den Preis der Vollbeschäftigung: Lohnstopp, Zwangsarbeit und Verlust von Rechten. Primärquellen wie Reden von Schacht oder Göring und Statistiken zu Rüstungsausgaben machen die Mechanismen greifbar.
Im Kontext des Nationalsozialismus verbindet dieses Thema Ideologie mit Praxis. Es fördert das Verständnis für Kontinuitäten und Umbrüche im 20. Jahrhundert und trainiert Kompetenzen wie Quellenkritik, Kausalanalyse und ethische Urteilsbildung gemäß KMK-Standards. Schüler lernen, wie wirtschaftliche Erfolge propagandistisch überhöht wurden, während soziale Kosten ignoriert wurden.
Aktives Lernen eignet sich hervorragend, da abstrakte Zusammenhänge durch Rollenspiele, Diagrammkonstruktionen und Debatten konkret werden. Schüler konstruieren selbst Schuldenkurven oder simulieren Industrie-Verhandlungen, was Fakten verankert und kritische Reflexion anregt.
Leitfragen
- Analysieren Sie, inwiefern das "Wirtschaftswunder" der Nazis auf Pump gebaut war.
- Erklären Sie die Verflechtung von Industrie und NS-Staat bei der Aufrüstung.
- Beurteilen Sie, welchen Preis die Arbeiter für die Vollbeschäftigung zahlten.
Lernziele
- Analysieren Sie die Rolle staatlicher Ausgaben und Schulden bei der Finanzierung der NS-Wirtschaftspolitik.
- Erklären Sie die Verflechtung zwischen der deutschen Industrie und dem NS-Staat im Kontext der Rüstungsproduktion.
- Bewerten Sie die sozialen und persönlichen Kosten der Vollbeschäftigung für die deutsche Arbeiterschaft unter dem NS-Regime.
- Identifizieren Sie die propagandistischen Strategien zur Darstellung der NS-Wirtschaftserfolge.
Bevor es losgeht
Warum: Ein Verständnis der politischen und wirtschaftlichen Instabilität der Weimarer Republik ist notwendig, um die Anziehungskraft und die Versprechungen des NS-Regimes nachzuvollziehen.
Warum: Die Kenntnis der Kernideologien wie Rassenlehre, Antisemitismus und Lebensraum-Politik hilft zu verstehen, warum Autarkie und Kriegsvorbereitung zentrale Ziele waren.
Schlüsselvokabular
| Autarkie | Das Streben nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit von anderen Staaten, insbesondere durch die Förderung der heimischen Produktion und die Einschränkung von Importen. |
| Vierjahresplan | Ein von Hermann Göring 1936 initiiertes Programm zur Steigerung der Rüstungsproduktion und zur Vorbereitung Deutschlands auf den Krieg, das auf Autarkie abzielte. |
| Rüstungswirtschaft | Der Wirtschaftszweig, der sich auf die Herstellung von Waffen, Munition und militärischer Ausrüstung konzentriert, ein zentraler Bestandteil der NS-Wirtschaftspolitik. |
| Arbeitsfront (DAF) | Die nationalsozialistische Organisation, die die deutschen Arbeiter und Angestellten umfasste und zur Kontrolle, Gleichschaltung und Propaganda diente. |
| Zwangsarbeit | Die unter Androhung von Strafe oder Gewalt erzwungene Arbeit von Personen, die oft aus besetzten Gebieten oder Konzentrationslagern stammten und für die Rüstungsindustrie eingesetzt wurden. |
Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen
Häufige FehlvorstellungDas NS-Wirtschaftswunder war nachhaltig und effizient.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Tatsächlich basierte es auf Schulden und Raub, was zum Kollaps führte. Aktive Ansätze wie das Erstellen von Finanzmodellen helfen Schülern, Kausalitäten zu visualisieren und Propaganda von Realität zu trennen.
Häufige FehlvorstellungDie Aufrüstung profitierte allen Arbeitern gleich.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Vollbeschäftigung ging mit Lohnkontrolle und Zwangsarbeit einher. Rollenspiele machen den Preis für Individuen spürbar und fördern empathische Analyse.
Häufige FehlvorstellungAutarkie war ein voller Erfolg.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Der Vierjahresplan scheiterte an Rohstoffmangel. Quellenkarussells ermöglichen Vergleich von Plan und Wirklichkeit, stärken Quellenkompetenz.
Ideen für aktives Lernen
Alle Aktivitäten ansehenQuellenkarussell: Wirtschaftsdaten analysieren
Richten Sie Stationen mit Grafiken zu Arbeitslosigkeit, Rüstungsausgaben und Schulden ein. Gruppen rotieren alle 10 Minuten, notieren Trends und Ursachen. Abschließend teilen sie Erkenntnisse im Plenum.
Rollenspiel: Industrie und NS-Staat
Teilen Sie Rollen wie Krupp-Vertreter, Göring und Gewerkschafter aus. Gruppen verhandeln über Aufrüstungsaufträge und simulieren Konsequenzen. Debriefing diskutiert reale Verflechtungen.
Diagrammerstellung: Autarkie-Bilanz
Schüler sammeln Daten zu Importen, Vierjahresplan und Ersatzstoffen. In Paaren erstellen sie Balkendiagramme und bewerten Erfolge. Präsentationen klären Misserfolge.
Debatte: Preis der Vollbeschäftigung
Teilen Sie die Klasse in Für- und Gegenpositionen. Jede Seite bereitet Argumente mit Quellen vor. Moderierte Debatte endet mit Abstimmung und Reflexion.
Bezüge zur Lebenswelt
- Die IG Farben, ein mächtiges Industriekonsortium, spielte eine Schlüsselrolle bei der Produktion von synthetischem Benzin und Gummi, um die Autarkiebestrebungen des NS-Regimes zu unterstützen und die Kriegsmaschinerie am Laufen zu halten.
- Die Volkswagenwerk GmbH wurde während des NS-Regimes gegründet, um ein 'Volksauto' zu produzieren, wurde aber primär zur Herstellung von Militärfahrzeugen und Rüstungsgütern umfunktioniert, was die Verflechtung von ziviler Produktion und Kriegsvorbereitung zeigt.
- Die Reichsbahn war entscheidend für den Transport von Rohstoffen und Rüstungsgütern sowie für die Deportation von Zwangsarbeitern und Häftlingen, was ihre zentrale Bedeutung für die Kriegswirtschaft unterstreicht.
Ideen zur Lernstandserhebung
Die Schüler erhalten eine Karteikarte mit den Begriffen 'Autarkie', 'Rüstungswirtschaft' oder 'Zwangsarbeit'. Sie sollen eine kurze Definition in eigenen Worten schreiben und ein Beispiel nennen, wie dieser Begriff mit der NS-Wirtschaftspolitik verbunden war.
Stellen Sie die Frage: 'Inwiefern war das scheinbare 'Wirtschaftswunder' der Nazis eine Mogelpackung?' Lassen Sie die Schüler Argumente sammeln, die sowohl die Schaffung von Arbeitsplätzen als auch die zugrundeliegenden Schulden und sozialen Kosten beleuchten.
Zeigen Sie eine einfache Grafik oder Statistik zu den Rüstungsausgaben zwischen 1933 und 1939. Bitten Sie die Schüler, zwei Beobachtungen zu formulieren und eine mögliche Schlussfolgerung über die Prioritäten der NS-Wirtschaftspolitik zu ziehen.
Häufig gestellte Fragen
Wie baute das NS-Regime das Wirtschaftswunder auf Pump?
Welche Rolle spielte die Industrie bei der Aufrüstung?
Welchen Preis zahlten Arbeiter für Vollbeschäftigung?
Wie fördert aktives Lernen das Verständnis von NS-Wirtschaftspolitik?
Planungsvorlagen für Geschichte
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