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Politik · Klasse 7

Ideen für aktives Lernen

Recht und Moral: Ein philosophischer Einstieg

Aktive Lernformen eignen sich besonders, weil Schüler in diesem Alter erste abstrakte moralische Fragen an Gesetze stellen. Durch konkrete Fallbeispiele und Rollenübungen entwickeln sie ein Gespür für die Spannung zwischen Legalität und Legitimität, das sie sonst nur schwer greifen könnten.

KMK BildungsstandardsKMK: Sekundarstufe I - Politische UrteilskompetenzKMK: Sekundarstufe I - Analysekompetenz
25–45 Min.Partnerarbeit → Ganze Klasse3 Aktivitäten

Aktivität 01

Ich-Du-Wir (Denken-Austauschen-Vorstellen): Das Insel-Gesetz

Schüler stellen sich vor, sie strandet auf einer einsamen Insel. Jeder entwirft drei Grundregeln für die neue Gesellschaft. In Paaren müssen sie entscheiden, welche Regel 'gerecht' ist und welche nur 'praktisch', bevor sie die Ergebnisse der Klasse präsentieren.

Beurteilen Sie, ob ein Gesetz automatisch gerecht ist, nur weil es demokratisch beschlossen wurde.

ModerationstippBeim Think-Pair-Share zum Insel-Gesetz achten Sie darauf, dass die Schüler ihre Argumente nicht nur auf das Gesetz, sondern auch auf moralische Prinzipien stützen.

Worauf zu achten istStellen Sie die Frage: 'Stellen Sie sich vor, ein Gesetz schreibt vor, dass alle Süßigkeiten ab 18 Uhr verboten sind. Ist dieses Gesetz gerecht, nur weil es von der Regierung beschlossen wurde? Begründet eure Antwort.' Sammeln Sie die Argumente der Schüler und diskutieren Sie sie im Plenum.

VerstehenAnwendenAnalysierenSelbstwahrnehmungBeziehungsfähigkeit
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Aktivität 02

Debatte45 Min. · Ganze Klasse

Debatte: Ziviler Ungehorsam

Anhand eines Beispiels (z.B. Klimaproteste oder historische Beispiele) debattieren die Schüler, ob man Gesetze brechen darf, wenn man sie für zutiefst ungerecht hält. Sie müssen dabei zwischen legalem Handeln und legitimem Handeln unterscheiden.

Prognostizieren Sie, was passieren würde, wenn jeder nur nach seinem eigenen Gerechtigkeitsempfinden handelt.

ModerationstippBei der Debatte zu zivilem Ungehorsam geben Sie jedem Schüler eine klare Sprechzeit und achten darauf, dass sie zwischen persönlicher Moral und gesellschaftlicher Verantwortung unterscheiden.

Worauf zu achten istGeben Sie jedem Schüler eine Karte mit einem kurzen Szenario (z.B. 'Ein Freund gibt dir heimlich eine Tafel Schokolade, obwohl das Gesetz Süßigkeiten nach 18 Uhr verbietet.'). Bitten Sie die Schüler, auf der Karte zu notieren, ob die Handlung des Freundes moralisch richtig oder falsch ist und warum, basierend auf Gesetz und/oder Gerechtigkeitsempfinden.

AnalysierenBewertenErschaffenSelbststeuerungEntscheidungsfähigkeit
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Aktivität 03

Fallstudienanalyse40 Min. · Kleingruppen

Fallstudienanalyse: Das Mauerschützen-Urteil

In Kleingruppen analysieren die Schüler die Frage, ob Soldaten bestraft werden dürfen, die nach damaligem DDR-Recht gehandelt haben, aber gegen universelle Menschenrechte verstießen. Sie erarbeiten Argumente für beide Seiten.

Diskutieren Sie, wann ziviler Ungehorsam gegenüber ungerechten Gesetzen moralisch vertretbar ist.

ModerationstippBei der Fallstudie zum Mauerschützen-Urteil lenken Sie die Diskussion gezielt auf die Frage, ob Gesetze immer gerecht sein müssen, selbst wenn sie formal korrekt zustande kamen.

Worauf zu achten istTeilen Sie die Klasse in Kleingruppen auf und geben Sie jeder Gruppe eine Liste mit verschiedenen Handlungen (z.B. 'Rot über die Ampel gehen, um einen Krankenwagen durchzulassen', 'Steuern hinterziehen', 'Eine Petition unterschreiben'). Bitten Sie die Gruppen, jede Handlung entweder dem 'Gesetz' oder dem 'Gerechtigkeitsempfinden' zuzuordnen und ihre Entscheidung kurz zu begründen.

AnalysierenBewertenErschaffenEntscheidungsfähigkeitSelbststeuerung
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Vorlagen

Vorlagen, die zu diesen Politik-Aktivitäten passen

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Einige Hinweise zum Unterrichten dieser Einheit

Erfahrene Lehrkräfte beginnen mit alltagsnahen Beispielen, um die Abstraktion zu reduzieren. Sie vermeiden es, moralische Urteile vorzugeben, sondern fordern die Schüler auf, eigene Begründungen zu entwickeln. Wichtig ist, historische Fälle einzubinden, um zu zeigen, dass Gesetze nicht automatisch gerecht sind.

Erfolgreiches Lernen zeigt sich, wenn Schüler zwischen formellen Gesetzen und moralischen Prinzipien unterscheiden können. Sie nutzen philosophische Argumente zur Begründung und erkennen, dass Gerechtigkeit nicht immer mit Gleichheit identisch ist.


Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

  • Während der Think-Pair-Share-Aktivität zum Insel-Gesetz beobachten Sie, dass Schüler Gesetze automatisch als moralisch gut bewerten.

    Nutzen Sie die Phase des Pairings, um gezielt nachzufragen: 'Würdet ihr das Gesetz auch dann akzeptieren, wenn es dazu führt, dass einige Schüler keine Süßigkeiten mehr bekommen? Warum oder warum nicht?'

  • Im Anschluss an die Debatte zu zivilem Ungehorsam herrscht die Meinung vor, dass moralisch richtiges Handeln immer legal sein muss.

    Führen Sie in der Debatte ein konkretes Beispiel an: 'Stellen Sie sich vor, jemand bricht ein Gesetz, um Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Ist das moralisch richtig, auch wenn es illegal ist?' und lassen Sie die Schüler ihre Positionen überprüfen.


In dieser Übersicht verwendete Methoden