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Politik · Klasse 12 · Europaeische Integration · 2. Halbjahr

Historische Entwicklung der Europäischen Integration

Die Schülerinnen und Schüler verfolgen die historische Entwicklung der Europäischen Integration von den Anfängen bis zur heutigen EU und identifizieren prägende Etappen und Motive.

KMK BildungsstandardsKMK: Sekundarstufe II - Europaeische UnionKMK: Sekundarstufe II - Systemanalyse

Über dieses Thema

Die Europäische Union ist ein politisches System sui generis, das weder Staat noch reiner Staatenbund ist. In dieser Einheit analysieren die Schülerschaft das 'Institutionelle Dreieck' aus Europäischer Kommission, Rat der EU und Europäischem Parlament. Der Fokus liegt auf dem ordentlichen Gesetzgebungsverfahren und der Frage, wie europäisches Recht nationales Recht bricht. Die KMK-Standards zur Systemanalyse fordern hier ein tiefes Verständnis der Entscheidungsprozesse.

Schüler setzen sich kritisch mit dem Vorwurf des Demokratiedefizits auseinander und untersuchen die Rolle der nationalen Parlamente. Da die EU-Gesetzgebung oft abstrakt wirkt, ist es wichtig, sie an konkreten Beispielen wie dem Digital Services Act oder Umweltrichtlinien greifbar zu machen. Simulationen von Trilog-Verhandlungen bieten den Schülern die Möglichkeit, die Dynamik zwischen supranationalen Interessen und nationalen Egoismen selbst zu erleben.

Leitfragen

  1. Analysieren Sie die Gründungsgedanken und -ziele der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und bewerten Sie deren Relevanz für die heutige EU.
  2. Erklären Sie die wichtigsten Erweiterungsrunden der EU und deren Auswirkungen auf die politische und wirtschaftliche Struktur der Union.
  3. Vergleichen Sie die ursprünglichen Integrationsmodelle mit dem heutigen Zustand der EU und differenzieren Sie die treibenden Kräfte der Integration.

Lernziele

  • Analysieren Sie die Gründungsdokumente der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und identifizieren Sie deren Kernziele.
  • Bewerten Sie die Relevanz der ursprünglichen EWG-Ziele für die heutigen Herausforderungen der Europäischen Union.
  • Erklären Sie die Hauptmotive und die politische Logik hinter den wichtigsten Erweiterungsrunden der EU.
  • Vergleichen Sie die Struktur und die Entscheidungsprozesse der frühen europäischen Gemeinschaften mit denen der heutigen EU.
  • Differenzieren Sie die treibenden Kräfte und Hindernisse der europäischen Integration im historischen Verlauf.

Bevor es losgeht

Grundlagen der Souveränität und des Nationalstaates

Warum: Das Verständnis nationaler Souveränität ist notwendig, um die Abgabe von Kompetenzen an supranationale Organe nachvollziehen zu können.

Grundzüge der Nachkriegsgeschichte Europas

Warum: Die historischen Umstände und Motive nach dem Zweiten Weltkrieg sind entscheidend für das Verständnis der Anfänge der europäischen Integration.

Schlüsselvokabular

Römische VerträgeGrundlegende Verträge, die 1957 unterzeichnet wurden und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) sowie die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom) ins Leben riefen.
ErweiterungswellenPerioden, in denen mehrere Länder gleichzeitig der Europäischen Union beigetreten sind, wie z.B. die Osterweiterung 2004.
SupranationalitätEin politisches System, in dem Mitgliedstaaten bestimmte Souveränitätsrechte an eine übergeordnete Institution abtreten, deren Entscheidungen für die Mitgliedstaaten bindend sind.
IntergouvernementalismusEin Ansatz der internationalen Beziehungen, bei dem Staaten ihre Souveränität behalten und Entscheidungen durch zwischenstaatliche Verhandlungen und Abkommen treffen.
KohäsionspolitikEU-Politik zur Verringerung der wirtschaftlichen und sozialen Unterschiede zwischen den Regionen der Union, oft durch Strukturfonds.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungDie EU-Kommission ist die alleinige Regierung Europas.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Die Kommission hat das Initiativrecht, aber Rat und Parlament müssen den Gesetzen zustimmen. Das Rollenspiel im Trilog hilft, die Gewaltenteilung in der EU zu verstehen.

Häufige FehlvorstellungDas Europäische Parlament hat keine echte Macht.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Seit dem Vertrag von Lissabon ist das Parlament in fast allen Bereichen gleichberechtigter Gesetzgeber. Die Untersuchung von Gesetzgebungsprozessen zeigt den Schülern den tatsächlichen Einfluss der Abgeordneten.

Ideen für aktives Lernen

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Bezüge zur Lebenswelt

  • Die Arbeit von Beamten im Auswärtigen Amt, die die Beitrittsverhandlungen für potenzielle neue EU-Mitglieder wie die Westbalkanstaaten betreuen, basiert auf dem Verständnis historischer Erweiterungsprozesse.
  • Unternehmen, die im europäischen Binnenmarkt tätig sind, profitieren direkt von der Überwindung von Handelshemmnissen, einem Kernziel der EWG, das durch die heutige EU fortgeführt wird.
  • Die Debatten über die Zukunft der EU, insbesondere im Hinblick auf eine Vertiefung der Integration oder eine stärkere Betonung nationaler Souveränität, spiegeln die Spannung zwischen supranationalen und intergouvernementalen Ansätzen wider.

Ideen zur Lernstandserhebung

Lernstandskontrolle

Geben Sie den Schülerinnen und Schülern eine Karte mit dem Namen einer historischen europäischen Institution (z.B. Montanunion, EWG). Sie sollen eine kurze Erklärung schreiben, welches Problem diese Institution zu lösen versuchte und wie sie zur heutigen EU beitrug.

Diskussionsfrage

Stellen Sie die Frage: 'Welche der ursprünglichen Gründungsziele der EWG sind heute noch am relevantesten und warum?' Lassen Sie die Schülerinnen und Schüler ihre Antworten mit historischen Beispielen begründen.

Kurze Überprüfung

Erstellen Sie eine Zeitleiste mit wichtigen Daten der europäischen Integration (z.B. Römische Verträge, Beitritt Großbritanniens, Einführung des Euro). Bitten Sie die Schülerinnen und Schüler, jeweils eine kurze Notiz zur Bedeutung jedes Ereignisses für die Entwicklung der EU zu verfassen.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet das Subsidiaritätsprinzip?
Aufgaben sollen nur dann auf EU-Ebene geregelt werden, wenn sie dort effektiver gelöst werden können als auf nationaler oder regionaler Ebene.
Wer sitzt im Europäischen Rat?
Dort treffen sich die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten, um die allgemeinen politischen Zielvorstellungen der EU festzulegen.
Wie wird man EU-Kommissar?
Jeder Mitgliedsstaat schlägt eine Person vor, die dann vom Präsidenten der Kommission ausgewählt und vom EU-Parlament bestätigt werden muss.
Wie können Simulationen helfen, die EU-Bürokratie zu verstehen?
Indem Schüler den Weg eines Gesetzes selbst nachspielen, erkennen sie, dass die 'Bürokratie' oft ein notwendiger Prozess des Interessenausgleichs zwischen 27 Staaten ist. Das baut Vorurteile ab und fördert das Systemverständnis.

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