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Philosophie · Klasse 12 · Der Mensch und sein Wesen: Philosophische Anthropologie · 1. Halbjahr

Der Mensch als exzentrisches Wesen (Plessner)

Untersuchung der exzentrischen Positionalität des Menschen nach Helmuth Plessner und seiner Stellung in der Natur.

KMK BildungsstandardsKMK-AP-4.1KMK-AP-4.2

Über dieses Thema

Helmuth Plessners Konzept der exzentrischen Positionalität beschreibt die besondere Stellung des Menschen in der Natur. Anders als Tiere, die zentriert in ihrem Leib leben, positioniert sich der Mensch exzentrisch: Er steht neben sich selbst, seinem Körper und seiner Umwelt. Diese Distanz ermöglicht Reflexion, Kultur und Freiheit. Schüler der Klasse 12 analysieren, wie der Mensch sich zu sich selbst und seiner Umwelt verhält, und erkunden die Leiblichkeit als zentralen Ort dieser Exzentrizität.

Plessners Ansatz unterscheidet sich von Arnold Gehlens Mängelwesen-Theorie, die den Menschen als instinktarm und kulturbedürftig sieht. Bei Plessner ist der Leib nicht Mangel, sondern Basis der doppelten Exzentrizität: zur Außenwelt und zum Inneren. Die KMK-Standards AP-4.1 und AP-4.2 fordern hier differenzierte Argumentation und Perspektivenwechsel, etwa durch Vergleich der Anthropologien. Schüler lernen, philosophische Positionen kritisch zu bewerten.

Aktives Lernen passt hervorragend, weil abstrakte Konzepte durch Rollenspiele und Debatten lebendig werden. Schüler erleben Exzentrizität körperlich, debattieren Unterschiede zu Gehlen und reflektieren eigene Haltungen. So entsteht tiefe Verinnerlichung und kritisches Denken.

Leitfragen

  1. Differentiere Plessners 'exzentrische Positionalität' von Gehlens 'Mängelwesen'.
  2. Erkläre, wie der Mensch sich zu sich selbst und seiner Umwelt verhält.
  3. Analysiere die Bedeutung der Leiblichkeit für Plessners Anthropologie.

Lernziele

  • Differenziert Plessners 'exzentrische Positionalität' von Gehlens 'Mängelwesen' anhand zentraler Argumente.
  • Erklärt die Beziehung zwischen menschlicher Leiblichkeit und der Fähigkeit zur Selbstreflexion bei Plessner.
  • Analysiert, wie die exzentrische Positionalität die menschliche Stellung in der Natur und Kultur bedingt.
  • Vergleicht die anthropologischen Ansätze Plessners und Gehlens hinsichtlich ihrer Kernannahmen über das menschliche Wesen.

Bevor es losgeht

Grundlagen der Philosophischen Anthropologie

Warum: Ein grundlegendes Verständnis der Fragestellungen und Methoden der philosophischen Anthropologie ist notwendig, um Plessners spezifischen Ansatz einordnen zu können.

Der Mensch als soziales Wesen

Warum: Die Erkenntnis, dass der Mensch auch durch soziale Interaktion geprägt wird, bildet eine gute Grundlage, um die exzentrische Positionalität als Bedingung für Kultur und Gesellschaft zu verstehen.

Schlüsselvokabular

Exzentrische PositionalitätDie menschliche Fähigkeit, sich selbst und die eigene Körperlichkeit von sich aus zu distanzieren und sich dadurch zur Welt und zu sich selbst in ein Verhältnis zu setzen.
LeiblichkeitDer menschliche Körper als erfahrene, gelebte und empfindende Einheit, die sowohl Objekt als auch Subjekt der Erfahrung ist.
MängelwesenArnold Gehlens Konzept, das den Menschen als instinktarm und daher auf Kultur und Korrektur angewiesen beschreibt.
Natürliche LageDie unmittelbare, nicht-reflektierte Existenzweise eines Lebewesens in seiner Umwelt, wie sie bei Tieren angenommen wird.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungDer Mensch ist nur ein geistiges Wesen ohne Leib.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Plessner betont die Leiblichkeit als Ort der Exzentrizität. Aktive Rollenspiele helfen, da Schüler den Körper spüren und die Distanz erleben. Diskussionen klären, dass Geist und Leib untrennbar sind.

Häufige FehlvorstellungExzentrizität bedeutet Loslösung von der Natur.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Exzentrizität ist positional, nicht entfremdet. Gruppenarbeiten zu Vergleichen mit Gehlen zeigen die natürliche Basis. Praktische Übungen machen die Balance greifbar.

Häufige FehlvorstellungPlessner und Gehlen sagen dasselbe über den Menschen.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Plessner sieht Exzentrizität als Stärke, Gehlen Mangel. Debatten in Runden differenzieren dies klar. Schüler lernen durch Argumentation die Nuancen.

Ideen für aktives Lernen

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Bezüge zur Lebenswelt

  • Theaterpädagogen nutzen das Konzept der Rollenübernahme, um die Fähigkeit des Menschen zur Distanzierung vom eigenen Ich zu verdeutlichen und Empathie zu fördern.
  • Künstler, wie beispielsweise Performance-Künstler, erforschen in ihren Werken die Grenzen und Möglichkeiten der Leiblichkeit und der Selbstwahrnehmung, die aus der exzentrischen Positionalität erwachsen.
  • Therapeuten in der körperorientierten Psychotherapie arbeiten mit Klienten daran, die Verbindung zwischen Leibempfindungen und psychischen Zuständen zu verstehen, was Plessners Betonung der Leiblichkeit als Basis der Selbstreflexion aufgreift.

Ideen zur Lernstandserhebung

Diskussionsfrage

Stellen Sie die Frage: 'Inwiefern unterscheidet sich die menschliche Erfahrung von der eines Tieres, wenn man Plessners Konzept der exzentrischen Positionalität betrachtet? Geben Sie ein konkretes Beispiel.' Lassen Sie die Schüler ihre Antworten im Plenum diskutieren.

Kurze Überprüfung

Bitten Sie die Schüler, auf einem Blatt Papier zwei Spalten zu erstellen: 'Merkmale des Mängelwesens (Gehlen)' und 'Merkmale der exzentrischen Positionalität (Plessner)'. Geben Sie ihnen 5 Minuten Zeit, die wichtigsten Unterschiede zu notieren. Sammeln Sie die Blätter zur Überprüfung ein.

Lernstandskontrolle

Auf einer Karteikarte sollen die Schüler die Bedeutung der Leiblichkeit für Plessners Anthropologie in einem Satz zusammenfassen und einen Bezug zu einer eigenen Erfahrung herstellen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Plessners exzentrische Positionalität?
Exzentrische Positionalität bedeutet, dass der Mensch nicht zentriert in seinem Leib lebt wie Tiere, sondern sich selbst und seine Umwelt aus der Distanz betrachtet. Der Leib wird zum Ort einer doppelten Exzentrizität: zur Außenwelt und zum Inneren. Dies ermöglicht Reflexion, Kultur und Freiheit. In der Klasse 12 eignet es sich, um philosophische Anthropologie zu vertiefen (ca. 65 Wörter).
Unterschied zwischen Plessner und Gehlen?
Plessner beschreibt den Menschen als exzentrisch positioniert durch Leiblichkeit, was Freiheit schafft. Gehlen sieht ein Mängelwesen, instinktarm und kulturabhängig. Der Schlüssel: Plessner betont positive Distanz, Gehlen Kompensation von Defiziten. Vergleichsübungen machen dies für Schüler evident und fördern differenziertes Denken (ca. 70 Wörter).
Warum ist Leiblichkeit bei Plessner wichtig?
Leiblichkeit ist die Basis der Exzentrizität: Der Körper erlaubt dem Menschen, neben sich zu stehen. Ohne Leib keine Reflexion. Schüler analysieren dies an Alltagsbeispielen wie Lachen oder Scham. Es kontrastiert rein geistige Anthropologien und verbindet Philosophie mit Erfahrung (ca. 55 Wörter).
Wie hilft aktives Lernen bei Plessners Anthropologie?
Aktives Lernen macht abstrakte Positionen erlebbar: Rollenspiele lassen Schüler Exzentrizität körperlich spüren, Debatten differenzieren zu Gehlen, Spiegelübungen fördern Selbstreflexion. Solche Methoden verbinden Theorie mit Praxis, steigern Motivation und entwickeln argumentatives Denken. Schüler internalisieren Konzepte nachhaltig, wie KMK-Standards fordern (ca. 60 Wörter).