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Kunst · Klasse 8 · Objekt und Skulptur: Materialität im Raum · 1. Halbjahr

Materialexperimente: Ton und Gips

Die Schülerinnen und Schüler experimentieren mit den Eigenschaften von Ton und Gips und deren Bearbeitungstechniken.

KMK BildungsstandardsBildnerische ProduktionMaterialerfahrung

Über dieses Thema

Das Verhältnis von Körper und Raum ist die Essenz der Bildhauerei. In der achten Klasse geht es darum, Skulptur nicht als isoliertes Objekt, sondern als Teil eines räumlichen Gefüges zu begreifen. Dies entspricht den KMK-Standards für Wahrnehmung und bildnerische Gestaltungsmittel. Die Schüler untersuchen, wie die Größe, das Material und die Platzierung eines Kunstwerks das Körpergefühl des Betrachters beeinflussen.

Sie lernen den Unterschied zwischen einer Statue, die man nur von vorne betrachtet, und einer Rundplastik, die zur Umgehung auffordert. Auch der Aspekt des 'negativen Raums' – also der Leere zwischen den festen Teilen einer Skulptur – wird thematisiert. Durch Übungen zur Raumwahrnehmung und das Erstellen eigener raumgreifender Objekte entwickeln die Jugendlichen ein Bewusstsein für die Wirkung von Architektur und Kunst im öffentlichen Raum. Aktive Erkundungen im Schulgebäude oder im Freien machen diese Konzepte physisch erfahrbar.

Leitfragen

  1. Vergleichen Sie die Möglichkeiten und Grenzen von Ton und Gips als plastische Materialien.
  2. Wie beeinflusst die Wahl des Materials die Ausdrucksform einer Skulptur?
  3. Entwickeln Sie eine Technik, um eine bestimmte Oberflächenstruktur mit Ton oder Gips zu erzeugen.

Lernziele

  • Vergleichen Sie die Bearbeitungstechniken von Ton und Gips hinsichtlich ihrer Eignung für verschiedene plastische Formen.
  • Analysieren Sie, wie die Materialeigenschaften von Ton und Gips die Oberflächenstruktur und Haptik einer Skulptur beeinflussen.
  • Entwickeln Sie eine eigene Technik zur Erzeugung einer spezifischen Oberflächenstruktur mit Ton oder Gips.
  • Erklären Sie, wie die Wahl des Materials die Ausdrucksform und die räumliche Wirkung einer Skulptur verändert.

Bevor es losgeht

Grundlagen der Formgebung: Kneten und Modellieren

Warum: Die Schüler müssen grundlegende motorische Fähigkeiten im Umgang mit formbaren Materialien wie Ton bereits besitzen, um die spezifischen Techniken für Gips und Ton in dieser Einheit anwenden zu können.

Einführung in die Bildhauerei: Objekt und Raum

Warum: Ein grundlegendes Verständnis davon, wie Objekte den Raum definieren und wie sie räumlich wahrgenommen werden, ist notwendig, um die Materialwahl im Kontext der Skulptur zu verstehen.

Schlüsselvokabular

PlastizitätDie Fähigkeit eines Materials, sich unter Krafteinwirkung dauerhaft verformen zu lassen, ohne zu brechen. Ton ist sehr plastisch, Gips weniger.
FormbarkeitBeschreibt, wie leicht sich ein Material formen und gestalten lässt. Ton lässt sich gut formen, Gips erfordert oft Formen oder Gießen.
OberflächenstrukturDie Beschaffenheit der Oberfläche eines Objekts, die durch die Bearbeitung oder das Material selbst entsteht. Dies kann glatt, rau, texturiert oder gemustert sein.
AbbindezeitDie Zeitspanne, die ein Material wie Gips benötigt, um von einem formbaren Zustand in einen festen, harten Zustand überzugehen.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungEine Skulptur ist nur das, was man anfassen kann.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Der Raum um die Skulptur herum gehört zum Werk dazu. Durch das Arbeiten mit Licht und Schattenwurf oder das Platzieren von Objekten in engen Nischen lernen Schüler, dass der Kontext die Skulptur erst definiert.

Häufige FehlvorstellungGröße ist egal für die Bedeutung.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Ein winziges Objekt wirkt intim, ein riesiges einschüchternd. Aktive Experimente mit Maßstabsveränderungen (z.B. ein Alltagsgegenstand riesengroß aus Pappe nachbauen) machen diesen psychologischen Effekt deutlich.

Ideen für aktives Lernen

Alle Aktivitäten ansehen

Bezüge zur Lebenswelt

  • Restauratoren verwenden Gips und Ton, um beschädigte architektonische Elemente oder historische Artefakte präzise nachzubilden und zu reparieren. Sie müssen die Materialeigenschaften genau kennen, um die Reparatur naturgetreu und haltbar zu gestalten.
  • Modedesigner und Kostümbildner nutzen Ton für die Erstellung von Prototypen und Formen für Accessoires oder aufwendige Kostümteile. Die Formbarkeit und die Möglichkeit, Details herauszuarbeiten, sind hier entscheidend.

Ideen zur Lernstandserhebung

Lernstandskontrolle

Die Schüler erhalten eine Karte mit zwei Bildern von Skulpturen, eine aus Ton, eine aus Gips. Sie sollen auf der Rückseite notieren: Welches Material vermuten sie für welche Skulptur und warum? Nennen Sie eine spezifische Bearbeitungstechnik, die für das jeweilige Material gut geeignet ist.

Kurze Überprüfung

Stellen Sie den Schülern während der praktischen Arbeit folgende Fragen: 'Welche Eigenschaft dieses Materials (Ton/Gips) nutzen Sie gerade aktiv aus?' und 'Welche Herausforderung sehen Sie bei der Bearbeitung dieses Materials für Ihre geplante Form?'

Gegenseitige Bewertung

Zwei Schüler präsentieren ihre Materialexperimente (z.B. eine erzeugte Oberflächenstruktur). Sie geben sich gegenseitig Feedback, indem sie bewerten: 'Was gefällt mir besonders gut an der Oberflächenstruktur?' und 'Welchen Tipp würde ich dem anderen geben, um die Struktur weiter zu verfeinern oder eine andere Wirkung zu erzielen?'

Häufig gestellte Fragen

Warum müssen Schüler Skulpturen umrunden?
Eine Rundplastik offenbart ihre volle Form erst in der Bewegung. Das Umrunden schult das zeitliche und räumliche Gedächtnis, da man die Ansichten im Kopf zu einem Gesamtbild zusammensetzen muss.
Wie hilft aktives Lernen beim Thema Raum?
Raum kann man nicht im Sitzen verstehen. Durch das Bauen von begehbaren Strukturen oder das Markieren von Wirkungsradien mit Kreide im Schulhof werden abstrakte Begriffe wie 'Raumspannung' körperlich spürbar und begreifbar.
Welche Künstler sind gute Beispiele für Körper im Raum?
Richard Serra für die Wirkung von Masse und Raum, Alberto Giacometti für das Verhältnis von Figur und Leere oder moderne Installationskünstler wie Olafur Eliasson.
Was ist 'negativer Raum'?
Es ist der Raum zwischen, innerhalb oder um ein Objekt herum. In der Bildhauerei ist dieser Raum genauso wichtig wie die feste Materie, da er die Form erst sichtbar macht.