Abstraktion der Form in der Plastik
Reduktion natürlicher Vorbilder auf ihre wesentlichen plastischen Grundelemente.
Über dieses Thema
Ready-mades und Assemblagen revolutionierten das Kunstverständnis des 20. Jahrhunderts und fordern auch heute noch die Sehgewohnheiten der Schüler heraus. In diesem Thema geht es um die Umdeutung von Alltagsgegenständen durch Neukombination und Kontextverschiebung. Dies deckt die KMK-Standards für bildnerische Verfahren und Bildrezeption ab, indem es die Frage stellt: Was macht ein Objekt zur Kunst?
Schüler lernen, dass der künstlerische Wert nicht nur im handwerklichen Können, sondern in der Idee und der Auswahl liegen kann. Sie untersuchen Werke von Marcel Duchamp oder Louise Nevelson und experimentieren selbst mit Fundstücken. Dabei entwickeln sie ein Gespür für Materialästhetik und die erzählerische Kraft von Dingen. Das Thema fördert das kreative Umdenken und die Fähigkeit, gewohnte Objekte in völlig neuen Zusammenhängen zu sehen. Aktive Suchprozesse und das physische Kombinieren von Objekten stehen hier im Mittelpunkt.
Leitfragen
- Wann ist ein Objekt noch als solches erkennbar?
- Wie wirken organische Formen im Gegensatz zu geometrischen Körpern?
- Welche haptischen Reize lösen unterschiedliche Oberflächen aus?
Lernziele
- Klassifizieren Sie verschiedene natürliche Objekte nach ihren grundlegenden plastischen Elementen (z.B. Kugel, Zylinder, Würfel).
- Analysieren Sie die Reduktion eines natürlichen Vorbilds auf seine wesentlichen Formen in ausgewählten Plastiken.
- Erklären Sie den Unterschied in der Wirkung zwischen organischen und geometrischen Formen in der Abstraktion.
- Entwerfen Sie ein eigenes abstraktes Objekt, das auf einem natürlichen Vorbild basiert und dessen wesentliche plastische Grundelemente hervorhebt.
Bevor es losgeht
Warum: Schüler müssen grundlegende geometrische Körper wie Würfel, Kugel und Zylinder kennen, um deren Reduktion und Kombination in der Abstraktion zu verstehen.
Warum: Ein grundlegendes Verständnis für die Beobachtung und zeichnerische Wiedergabe natürlicher Formen ist notwendig, um die Abstraktion davon nachvollziehen zu können.
Schlüsselvokabular
| Abstraktion | Die Vereinfachung und Reduktion von Formen, bei der unwesentliche Details weggelassen werden, um das Wesentliche hervorzuheben. |
| Plastische Grundelemente | Die fundamentalen geometrischen Körper (wie Kugel, Würfel, Zylinder, Kegel), aus denen komplexere Formen aufgebaut werden können. |
| Organische Form | Eine Form, die an natürliche, oft unregelmäßige und fließende Strukturen erinnert, wie Pflanzen oder Tiere. |
| Geometrische Form | Eine Form, die auf klaren mathematischen Regeln und Linien basiert, wie ein Kreis, Quadrat oder Dreieck. |
| Reduktion | Der Prozess des Verkleinerns oder Vereinfachens, bei dem etwas auf seine Kernbestandteile zurückgeführt wird. |
Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen
Häufige FehlvorstellungDas ist keine Kunst, das kann ich auch.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Schüler verwechseln oft die Ausführung mit der Idee. Die Diskussion sollte darauf gelenkt werden, dass der Künstler der Erste war, der den Gegenstand in diesen Kontext gesetzt hat. Aktives Kuratieren hilft, die geistige Leistung dahinter zu verstehen.
Häufige FehlvorstellungReady-mades müssen immer lustig oder provokant sein.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Sie können auch rein ästhetisch oder melancholisch wirken. Durch das Experimentieren mit monochromen Assemblagen (alles in einer Farbe anstreichen) lernen Schüler die formale Kraft dieser Kunstform kennen.
Ideen für aktives Lernen
Alle Aktivitäten ansehenForschungskreis: Das Müll-Museum
Schüler sammeln 'wertlose' Gegenstände auf dem Schulhof oder zu Hause. In Kleingruppen kuratieren sie daraus eine kleine Ausstellung und müssen durch Titelgebung und Platzierung den Wert der Objekte künstlich steigern.
Planspiel: Die Duchamp-Jury
Einige Schüler präsentieren ein Ready-made, während andere als 'konservative Kunstjury' von 1917 agieren. Sie debattieren darüber, ob das Objekt (z.B. ein alter Schuh) in einer Galerie stehen darf oder nicht.
Ich-Du-Wir (Denken-Austauschen-Vorstellen): Objekt-Fusion
Jeder Schüler hat zwei völlig unterschiedliche Gegenstände. In Paaren überlegen sie, wie man diese so verbinden kann, dass eine neue, surreale Funktion oder Geschichte entsteht. Sie skizzieren die Assemblage vor der Umsetzung.
Bezüge zur Lebenswelt
- Architekten reduzieren komplexe Gebäudeentwürfe auf klare geometrische Formen, um ihre Struktur und Funktion zu kommunizieren, wie beispielsweise bei der Elbphilharmonie in Hamburg, die auf kubischen und wellenförmigen Grundformen basiert.
- Industriedesigner vereinfachen Alltagsgegenstände wie Möbel oder Werkzeuge zu ergonomischen und ästhetisch ansprechenden Formen, die auf wesentlichen plastischen Elementen beruhen, um ihre Benutzerfreundlichkeit und Produktion zu optimieren.
Ideen zur Lernstandserhebung
Legen Sie den Schülerinnen und Schülern Bilder von drei Objekten vor: ein realistisches Tier, eine stark stilisierte Tierfigur und ein rein geometrisches Objekt. Bitten Sie sie, auf einem Blatt Papier zu notieren, welche plastischen Grundelemente sie in jedem Objekt erkennen und wie stark die Abstraktion jeweils ist.
Stellen Sie die Frage: 'Wann ist ein Objekt noch als solches erkennbar, wenn seine Form stark abstrahiert ist?' Leiten Sie eine Klassendiskussion, in der die Schüler ihre Meinungen austauschen und Beispiele aus Kunst oder Alltag anführen, um ihre Argumente zu stützen.
Bitten Sie die Schüler, auf einem Zettel ein natürliches Objekt (z.B. ein Blatt, ein Stein) zu skizzieren und dann daneben eine stark reduzierte, abstrakte Darstellung dieses Objekts zu zeichnen, die nur die wesentlichen plastischen Grundelemente zeigt.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Ready-made und Assemblage?
Wie kann man Schüler für diese abstrakte Kunstform begeistern?
Welche Rolle spielt der Titel bei diesen Werken?
Ist das Thema nachhaltig?
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