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Kunst · Klasse 10 · Der Mensch im Fokus: Figur und Porträt · 2. Halbjahr

Das psychologische Porträt

Darstellung von Charakter und Stimmung jenseits der reinen Ähnlichkeit.

KMK BildungsstandardsBildnerische ProduktionBildnerische Rezeption

Über dieses Thema

Ein psychologisches Portraet geht ueber die bloße physiognomische Aehnlichkeit hinaus. In der 10. Klasse lernen Schueler, wie sie durch Licht, Farbwahl, Hintergrund und Mimik den Charakter und die Stimmung einer Person visualisieren koennen. Es geht um die Frage: Wie mache ich das Unsichtbare – die Gefuehlswelt oder die Persoenlichkeit – im Bild sichtbar?

Die KMK-Standards fordern hier eine vertiefte Auseinandersetzung mit der bildnerischen Rezeption und Produktion. Die Schueler analysieren Meisterwerke der Portraetkunst und wenden die Erkenntnisse auf eigene Arbeiten an. Dabei reflektieren sie auch die Rolle des Selbstportraets als Mittel der Selbsterkundung. Dieses Thema bietet hervorragende Gelegenheiten fuer kooperative Lernformen, in denen Schueler sich gegenseitig interviewen, um Wesenszuege herauszuarbeiten, die sie dann kuenstlerisch umsetzen. Das Portraet wird so zum Dialog zwischen Innen- und Außenansicht.

Leitfragen

  1. Durch welche gestalterischen Mittel wird die Stimmung einer Person im Bild sichtbar?
  2. Welche Rolle spielt der Hintergrund für die Charakterisierung des Porträtierten?
  3. Wie unterscheidet sich ein Selbstporträt von der Darstellung einer fremden Person?

Lernziele

  • Analysieren Sie die bildnerischen Mittel (Licht, Farbe, Komposition, Mimik) in ausgewählten Porträts, um deren Beitrag zur Darstellung von Charakter und Stimmung zu erklären.
  • Vergleichen Sie die Darstellung von Selbstporträts mit Fremdporträts hinsichtlich der Intention und der sichtbaren Charakterzüge.
  • Entwerfen Sie ein eigenes psychologisches Porträt, das gezielt gestalterische Mittel einsetzt, um eine spezifische Persönlichkeitseigenschaft oder Gemütslage auszudrücken.
  • Bewerten Sie die Wirkung des Hintergrunds auf die Charakterisierung einer Porträtfigur in verschiedenen Kunstwerken.

Bevor es losgeht

Grundlagen der figürlichen Darstellung

Warum: Ein grundlegendes Verständnis für Proportionen und anatomische Korrektheit des menschlichen Körpers und Gesichts ist notwendig, um über die reine Ähnlichkeit hinausgehen zu können.

Einführung in Komposition und Bildaufbau

Warum: Die Kenntnis grundlegender Prinzipien der Bildgestaltung wie Linienführung, Raumaufteilung und Fokuspunktbildung ist essenziell, um diese bewusst für die Charakterisierung einzusetzen.

Farblehre und Wirkung von Farben

Warum: Das Wissen um die psychologische Wirkung von Farben und deren Anwendung in der Malerei ist eine wichtige Grundlage, um Stimmungen gezielt zu erzeugen.

Schlüsselvokabular

Psychologisches PorträtEine Porträtform, die über die bloße Abbildung äußerlicher Merkmale hinausgeht und versucht, die innere Verfassung, den Charakter oder die Emotionen der dargestellten Person sichtbar zu machen.
CharakterisierungDie künstlerische Darstellung von Wesenszügen, Eigenschaften und der Persönlichkeit einer Person durch gezielte Gestaltungsmittel.
StimmungDie emotionale Atmosphäre oder das Gefühl, das durch die Gestaltung eines Bildes, insbesondere durch Farbe, Licht und Komposition, hervorgerufen wird.
MimikDer Ausdruck des Gesichts, insbesondere der Augen und des Mundes, der Rückschlüsse auf die Gefühle und Gedanken der dargestellten Person zulässt.
HintergrundgestaltungDie bewusste Wahl und Ausführung des Hintergrunds in einem Porträt, um die dargestellte Person zu kontextualisieren, zu kontrastieren oder ihre Persönlichkeit zu unterstreichen.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungEin Portraet ist nur gut, wenn es wie ein Foto aussieht.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Aehnlichkeit ist nur ein Aspekt. Ein psychologisches Portraet darf deformieren oder Farben symbolisch nutzen. Durch den Vergleich von fotorealistischen Portraets mit expressionistischen Werken erkennen Schueler den Wert des emotionalen Ausdrucks.

Häufige FehlvorstellungDas Gesicht ist das einzige, was zaehlt.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Koerperhaltung, Kleidung und Requisiten erzaehlen oft mehr ueber den Charakter. In Kleingruppen koennen Schueler 'Charakter-Collagen' erstellen, um zu sehen, wie verschiedene Elemente zusammenwirken.

Ideen für aktives Lernen

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Bezüge zur Lebenswelt

  • Gerichtszeichner erstellen im Gerichtssaal Skizzen von Angeklagten und Zeugen, bei denen es darum geht, nicht nur die Ähnlichkeit, sondern auch die Haltung und mögliche emotionale Zustände einzufangen, um den Prozess visuell zu dokumentieren.
  • Werbefotografen gestalten Porträts von Models oder Testimonials so, dass sie bestimmte Eigenschaften wie Vertrauen, Dynamik oder Seriosität vermitteln, um die beworbene Marke oder das Produkt positiv darzustellen.
  • Kriminalpsychologen nutzen Porträtdarstellungen und Beschreibungen, um Täterprofile zu erstellen, wobei sie auf subtile Hinweise in Mimik und Haltung achten, die auf Charakterzüge oder Verhaltensmuster schließen lassen.

Ideen zur Lernstandserhebung

Lernstandskontrolle

Lassen Sie die Schüler ein kurzes Porträt einer bekannten Persönlichkeit (fiktiv oder real) skizzieren. Auf der Rückseite sollen sie drei Sätze notieren, welche gestalterischen Mittel sie gewählt haben (z.B. Lichtführung, Farbwahl, Blickrichtung) und wie diese die Charakterisierung unterstützen.

Diskussionsfrage

Zeigen Sie zwei Porträts derselben Person, die von unterschiedlichen Künstlern geschaffen wurden. Fragen Sie: 'Welche Unterschiede fallen Ihnen in der Darstellung von Charakter und Stimmung auf? Welche Rolle spielt dabei der jeweilige Hintergrund und die Farbpalette? Diskutieren Sie, welches Porträt Ihrer Meinung nach die Persönlichkeit der Person treffender erfasst und warum.'

Gegenseitige Bewertung

Die Schüler arbeiten in Paaren und porträtieren sich gegenseitig. Nach der Fertigstellung tauschen sie die Arbeiten aus. Jeder Schüler gibt dem Partner schriftlich Feedback zu zwei Aspekten: 1. Welche zwei gestalterischen Mittel im Porträt des Partners sind Ihnen besonders aufgefallen, um dessen Charakter oder Stimmung auszudrücken? 2. Ein Vorschlag zur Verbesserung der Charakterisierung.

Häufig gestellte Fragen

Wie fange ich an, wenn ich nicht gut Gesichter zeichnen kann?
Konzentrieren Sie sich auf die Bildkomposition und die Farbwahl. Ein Portraet kann auch im Profil oder von hinten wirkungsvoll sein. Nutzen Sie die 'Drei-Viertel-Ansicht', da sie oft einfacher zu zeichnen ist als die Frontalansicht.
Was ist der Unterschied zwischen Portraet und Selfie?
Ein Selfie ist oft eine schnelle Selbstdarstellung fuer einen Moment. Ein psychologisches Portraet erfordert Reflexion und eine bewusste Entscheidung ueber jedes gestalterische Detail, um eine dauerhafte Aussage ueber das Wesen zu treffen.
Welche Techniken eignen sich fuer psychologische Tiefe?
Starke Hell-Dunkel-Kontraste (Chiaroscuro) erzeugen Dramatik. Lasierende Maltechniken koennen Vielschichtigkeit ausdruecken, waehrend ein grober, pastoser Farbauftrag Energie und Unruhe vermittelt.
Warum ist Schuelerzentrierung bei Portraets so wichtig?
Psychologie ist individuell. Wenn Schueler ihre eigenen Themen und die ihrer Mitschueler einbringen, entsteht eine tiefere Verbindung zum Werk. Durch kooperative Methoden lernen sie zudem Empathie und die Faehigkeit, nonverbale Signale bei anderen wahrzunehmen und kuenstlerisch zu uebersetzen.
Das psychologische Porträt | Unterrichtsentwurf für Klasse 10 Kunst | Flip Education