Das psychologische Porträt
Darstellung von Charakter und Stimmung jenseits der reinen Ähnlichkeit.
Über dieses Thema
Ein psychologisches Portraet geht ueber die bloße physiognomische Aehnlichkeit hinaus. In der 10. Klasse lernen Schueler, wie sie durch Licht, Farbwahl, Hintergrund und Mimik den Charakter und die Stimmung einer Person visualisieren koennen. Es geht um die Frage: Wie mache ich das Unsichtbare – die Gefuehlswelt oder die Persoenlichkeit – im Bild sichtbar?
Die KMK-Standards fordern hier eine vertiefte Auseinandersetzung mit der bildnerischen Rezeption und Produktion. Die Schueler analysieren Meisterwerke der Portraetkunst und wenden die Erkenntnisse auf eigene Arbeiten an. Dabei reflektieren sie auch die Rolle des Selbstportraets als Mittel der Selbsterkundung. Dieses Thema bietet hervorragende Gelegenheiten fuer kooperative Lernformen, in denen Schueler sich gegenseitig interviewen, um Wesenszuege herauszuarbeiten, die sie dann kuenstlerisch umsetzen. Das Portraet wird so zum Dialog zwischen Innen- und Außenansicht.
Leitfragen
- Durch welche gestalterischen Mittel wird die Stimmung einer Person im Bild sichtbar?
- Welche Rolle spielt der Hintergrund für die Charakterisierung des Porträtierten?
- Wie unterscheidet sich ein Selbstporträt von der Darstellung einer fremden Person?
Lernziele
- Analysieren Sie die bildnerischen Mittel (Licht, Farbe, Komposition, Mimik) in ausgewählten Porträts, um deren Beitrag zur Darstellung von Charakter und Stimmung zu erklären.
- Vergleichen Sie die Darstellung von Selbstporträts mit Fremdporträts hinsichtlich der Intention und der sichtbaren Charakterzüge.
- Entwerfen Sie ein eigenes psychologisches Porträt, das gezielt gestalterische Mittel einsetzt, um eine spezifische Persönlichkeitseigenschaft oder Gemütslage auszudrücken.
- Bewerten Sie die Wirkung des Hintergrunds auf die Charakterisierung einer Porträtfigur in verschiedenen Kunstwerken.
Bevor es losgeht
Warum: Ein grundlegendes Verständnis für Proportionen und anatomische Korrektheit des menschlichen Körpers und Gesichts ist notwendig, um über die reine Ähnlichkeit hinausgehen zu können.
Warum: Die Kenntnis grundlegender Prinzipien der Bildgestaltung wie Linienführung, Raumaufteilung und Fokuspunktbildung ist essenziell, um diese bewusst für die Charakterisierung einzusetzen.
Warum: Das Wissen um die psychologische Wirkung von Farben und deren Anwendung in der Malerei ist eine wichtige Grundlage, um Stimmungen gezielt zu erzeugen.
Schlüsselvokabular
| Psychologisches Porträt | Eine Porträtform, die über die bloße Abbildung äußerlicher Merkmale hinausgeht und versucht, die innere Verfassung, den Charakter oder die Emotionen der dargestellten Person sichtbar zu machen. |
| Charakterisierung | Die künstlerische Darstellung von Wesenszügen, Eigenschaften und der Persönlichkeit einer Person durch gezielte Gestaltungsmittel. |
| Stimmung | Die emotionale Atmosphäre oder das Gefühl, das durch die Gestaltung eines Bildes, insbesondere durch Farbe, Licht und Komposition, hervorgerufen wird. |
| Mimik | Der Ausdruck des Gesichts, insbesondere der Augen und des Mundes, der Rückschlüsse auf die Gefühle und Gedanken der dargestellten Person zulässt. |
| Hintergrundgestaltung | Die bewusste Wahl und Ausführung des Hintergrunds in einem Porträt, um die dargestellte Person zu kontextualisieren, zu kontrastieren oder ihre Persönlichkeit zu unterstreichen. |
Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen
Häufige FehlvorstellungEin Portraet ist nur gut, wenn es wie ein Foto aussieht.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Aehnlichkeit ist nur ein Aspekt. Ein psychologisches Portraet darf deformieren oder Farben symbolisch nutzen. Durch den Vergleich von fotorealistischen Portraets mit expressionistischen Werken erkennen Schueler den Wert des emotionalen Ausdrucks.
Häufige FehlvorstellungDas Gesicht ist das einzige, was zaehlt.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Koerperhaltung, Kleidung und Requisiten erzaehlen oft mehr ueber den Charakter. In Kleingruppen koennen Schueler 'Charakter-Collagen' erstellen, um zu sehen, wie verschiedene Elemente zusammenwirken.
Ideen für aktives Lernen
Alle Aktivitäten ansehenPlanspiel: Das psychologische Interview
In Paaren interviewen sich Schueler zu ihren Hobbys, Ängsten oder Traeumen. Der 'Kuenstler' macht sich Notizen zu Farben oder Symbolen, die er mit der Persoenlichkeit des Partners verbindet, bevor er mit dem Portraet beginnt.
Museumsgang: Stimmungs-Check
Schueler stellen Portraetskizzen aus, die nur durch Licht und Schatten eine bestimmte Emotion ausdruecken sollen. Die Klasse wandert umher und ordnet den Bildern Gefuehlskarten zu, um die Treffsicherheit der gestalterischen Mittel zu pruefen.
Ich-Du-Wir (Denken-Austauschen-Vorstellen): Hintergrund als Botschaft
Schueler betrachten Portraets mit unterschiedlichen Hintergruenden (leer, Landschaft, vollgestopftes Zimmer). Sie diskutieren paarweise, wie der Raum die Wahrnehmung der Person veraendert, und planen dann den Hintergrund fuer ihr eigenes Werk.
Bezüge zur Lebenswelt
- Gerichtszeichner erstellen im Gerichtssaal Skizzen von Angeklagten und Zeugen, bei denen es darum geht, nicht nur die Ähnlichkeit, sondern auch die Haltung und mögliche emotionale Zustände einzufangen, um den Prozess visuell zu dokumentieren.
- Werbefotografen gestalten Porträts von Models oder Testimonials so, dass sie bestimmte Eigenschaften wie Vertrauen, Dynamik oder Seriosität vermitteln, um die beworbene Marke oder das Produkt positiv darzustellen.
- Kriminalpsychologen nutzen Porträtdarstellungen und Beschreibungen, um Täterprofile zu erstellen, wobei sie auf subtile Hinweise in Mimik und Haltung achten, die auf Charakterzüge oder Verhaltensmuster schließen lassen.
Ideen zur Lernstandserhebung
Lassen Sie die Schüler ein kurzes Porträt einer bekannten Persönlichkeit (fiktiv oder real) skizzieren. Auf der Rückseite sollen sie drei Sätze notieren, welche gestalterischen Mittel sie gewählt haben (z.B. Lichtführung, Farbwahl, Blickrichtung) und wie diese die Charakterisierung unterstützen.
Zeigen Sie zwei Porträts derselben Person, die von unterschiedlichen Künstlern geschaffen wurden. Fragen Sie: 'Welche Unterschiede fallen Ihnen in der Darstellung von Charakter und Stimmung auf? Welche Rolle spielt dabei der jeweilige Hintergrund und die Farbpalette? Diskutieren Sie, welches Porträt Ihrer Meinung nach die Persönlichkeit der Person treffender erfasst und warum.'
Die Schüler arbeiten in Paaren und porträtieren sich gegenseitig. Nach der Fertigstellung tauschen sie die Arbeiten aus. Jeder Schüler gibt dem Partner schriftlich Feedback zu zwei Aspekten: 1. Welche zwei gestalterischen Mittel im Porträt des Partners sind Ihnen besonders aufgefallen, um dessen Charakter oder Stimmung auszudrücken? 2. Ein Vorschlag zur Verbesserung der Charakterisierung.
Häufig gestellte Fragen
Wie fange ich an, wenn ich nicht gut Gesichter zeichnen kann?
Was ist der Unterschied zwischen Portraet und Selfie?
Welche Techniken eignen sich fuer psychologische Tiefe?
Warum ist Schuelerzentrierung bei Portraets so wichtig?
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