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Geschichte · Klasse 9

Ideen für aktives Lernen

Der Vernichtungskrieg im Osten

Aktives Lernen funktioniert hier besonders gut, weil die Thematik der schrittweisen Entrechtung und Ermordung nicht nur auf Faktenwissen, sondern auf das Verstehen von Mechanismen und der Mitwirkung von Personen angewiesen ist. Durch konkrete Analysen, Debatten und biografisches Lernen wird die abstrakte Dimension des Zivilisationsbruchs für die Schüler greifbar und emotional nachvollziehbar, ohne in vereinfachende Schuldzuweisungen zu verfallen.

KMK BildungsstandardsKMK-SachkompetenzKMK-Methodenkompetenz
45–90 Min.Partnerarbeit → Ganze Klasse3 Aktivitäten

Aktivität 01

Fallstudienanalyse60 Min. · Kleingruppen

Fallstudienanalyse: Das Protokoll der Wannsee-Konferenz

Schüler lesen Auszüge aus dem Protokoll und markieren die euphemistische Sprache (z.B. 'Evakuierung'). Sie diskutieren in Kleingruppen, wie die Bürokratie den Mord zu einem 'Verwaltungsvorgang' degradierte.

Inwiefern unterschied sich der Krieg im Osten von einer herkömmlichen militärischen Auseinandersetzung?

ModerationstippFordern Sie die Schüler während der Analyse des Wannsee-Protokolls auf, nicht nur den Text zu paraphrasieren, sondern die Sprache und Formulierungen systematisch auf ihre Funktion zu untersuchen.

Worauf zu achten istDie Schüler erhalten eine Karteikarte mit zwei Begriffen: 'Westfeldzug' und 'Ostfeldzug'. Sie sollen für jeden Begriff eine Eigenschaft notieren, die den Krieg dort als 'herkömmlich' oder 'andersartig' kennzeichnet, und eine kurze Begründung hinzufügen.

AnalysierenBewertenErschaffenEntscheidungsfähigkeitSelbststeuerung
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Aktivität 02

Concept-Mapping90 Min. · Einzelarbeit

Biografisches Lernen: Lebenswege verfolgen

Jeder Schüler erhält eine Kurzbiografie eines Opfers oder Überlebenden. Sie recherchieren den Weg von der Heimatstadt bis ins Lager und erstellen eine 'Erinnerungskarte', die sie im Plenum vorstellen.

Welche Rolle spielte die Wehrmacht bei den Kriegsverbrechen in den besetzten Gebieten?

ModerationstippWählen Sie für das biografische Lernen gezielt Lebenswege aus, die sowohl Täter- als auch Opferperspektiven abdecken, um die Komplexität der historischen Ereignisse zu verdeutlichen.

Worauf zu achten istLehrerfrage: 'Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Soldat der Wehrmacht im Jahr 1942. Sie erhalten den Befehl, an einer 'Bandenbekämpfungsaktion' teilzunehmen. Welche Informationen über die Natur dieses Krieges im Osten würden Sie bereits haben, und welche Fragen würden Sie sich stellen?'

VerstehenAnalysierenErschaffenSelbstwahrnehmungSelbststeuerung
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Aktivität 03

Debatte45 Min. · Ganze Klasse

Debatte: Wissen und Verantwortung

Schüler untersuchen Quellen darüber, was die deutsche Bevölkerung wissen konnte (z.B. Berichte über Deportationen). Sie debattieren über die Grenze zwischen Nichtwissen, Wegsehen und Mitwissen.

Wie wurde der Hungerplan als Waffe gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt?

ModerationstippGeben Sie in der strukturierten Debatte klare Zeitlimits und Rollen vor, um eine sachliche Auseinandersetzung zu fördern und emotionale Überforderung zu vermeiden.

Worauf zu achten istDie Schüler erhalten eine kurze Liste von Aussagen über den Krieg im Osten (z.B. 'Der Hungerplan diente der Versorgung der deutschen Bevölkerung', 'Partisanenbekämpfung war eine reine Militäroperation'). Sie sollen jede Aussage als 'wahr' oder 'falsch' einstufen und bei 'falsch' eine kurze Korrektur formulieren.

AnalysierenBewertenErschaffenSelbststeuerungEntscheidungsfähigkeit
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Einige Hinweise zum Unterrichten dieser Einheit

Erfahrene Lehrkräfte betonen die Bedeutung einer sensiblen Balance zwischen historischer Präzision und emotionaler Betroffenheit. Vermeiden Sie eine pauschale Schuldzuweisung an 'die Deutschen', sondern lenken Sie den Fokus auf die Systematik des NS-Regimes und die verschiedenen Möglichkeiten des Handelns oder Unterlassens. Nutzen Sie quellenbasierte Zugänge, um Abstraktes konkret zu machen, und achten Sie darauf, dass die Schüler den Unterschied zwischen Wissen und Handeln reflektieren. Die Auseinandersetzung mit der Wannsee-Konferenz zeigt besonders gut, wie Bürokratie und Sprache zur Normalisierung des Unfassbaren beitrugen – ein zentraler Lernpunkt.

Erfolgreiches Lernen zeigt sich darin, dass die Schüler die Radikalisierung der NS-Politik von der Entrechtung bis zur industriellen Vernichtung nachvollziehen können. Sie sollen die Rolle der Bürokratie erkennen, individuelle Schicksale einordnen und Verantwortungsfragen reflektieren – sowohl historisch als auch für die Gegenwart.


Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

  • Während der Analyse des Wannsee-Protokolls hören einige Schüler die Aussage: 'Der Holocaust fand im Geheimen statt und niemand in Deutschland wusste etwas davon.'

    Fordern Sie die Schüler auf, im Protokoll nach Hinweisen auf öffentliche Bekanntheit zu suchen, z.B. die Erwähnung von 'Evakuierungen' oder 'Umsiedlungen', und vergleichen Sie diese mit zeitgenössischen Zeitungsberichten oder Tagebüchern, die das Verschwinden jüdischer Nachbarn dokumentieren.

  • Während des Strukturvergleichs der Lagertypen wird die Aussage laut: 'Die Vernichtungslager waren dasselbe wie die frühen Konzentrationslager.'

    Lassen Sie die Schüler die Unterschiede in Zweck, Aufbau und Opfern in einer Tabelle gegenüberstellen und auf Basis der Lagertypen (z.B. Dachau vs. Auschwitz-Birkenau) die Radikalisierung der NS-Politik herausarbeiten.


In dieser Übersicht verwendete Methoden