Skip to content
Geschichte · Klasse 8

Ideen für aktives Lernen

Der Holocaust

Aktive Methoden helfen Schülerinnen und Schülern, die Komplexität und Systematik des Holocausts zu verstehen, weil sie nicht nur Fakten lernen, sondern Ursachen und Verantwortlichkeiten durch eigenes Handeln analysieren. Durch Stationenlernen oder Paararbeit erkennen sie, wie Normalität und Bürokratie Gewalt ermöglichen, was zu nachhaltigerer Erkenntnis führt als rein theoretische Erklärungen.

KMK BildungsstandardsSachkompetenzUrteilskompetenz
20–50 Min.Partnerarbeit → Ganze Klasse4 Aktivitäten

Aktivität 01

Lernen an Stationen45 Min. · Kleingruppen

Lernen an Stationen: Phasen der Verfolgung

Richten Sie fünf Stationen ein: Nürnberger Gesetze (Gesetzestexte lesen), Reichskristallnacht (Zeitungsartikel analysieren), Ghetto-Leben (Tagebuchauszüge besprechen), Wannseekonferenz (Protokoll zusammenfassen), Vernichtungslager (Karten und Statistiken interpretieren). Gruppen rotieren alle 10 Minuten und notieren Erkenntnisse.

Analysieren Sie die Phasen der Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden.

ModerationstippStellen Sie beim Stationenlernen sicher, dass jede Station eine klare Quelle und eine konkrete Arbeitsanweisung enthält, die zur Visualisierung von Zusammenhängen auffordert.

Worauf zu achten istStellen Sie die Frage: 'Welche verschiedenen Rollen spielten Menschen während des Holocaust, und wie unterscheidet sich die Verantwortung eines SS-Offiziers von der eines Eisenbahners, der Deportationszüge fuhr?' Leiten Sie eine Diskussion, die die Bandbreite der Mittäterschaft beleuchtet.

ErinnernVerstehenAnwendenAnalysierenSelbststeuerungBeziehungsfähigkeit
Komplette Unterrichtsstunde erstellen

Aktivität 02

Fallstudienanalyse30 Min. · Partnerarbeit

Paararbeit: Täterprofile

Teilen Sie Schüler in Paare ein, weisen Sie Profile von Tätern wie Himmler oder Heydrich zu. Paare recherchieren Biografien, Motive und Rollen anhand vorgegebener Quellen, erstellen dann eine Mindmap und präsentieren sie der Klasse.

Erklären Sie die Rolle der Wannseekonferenz bei der Planung des Holocaust.

ModerationstippBei der Täterprofile-Paararbeit geben Sie den Schülern konkrete Rollenbeschreibungen und Quellen vor, damit sie nicht in Spekulationen verfallen, sondern auf Belegen aufbauen.

Worauf zu achten istBitten Sie die Schülerinnen und Schüler, auf einer Karteikarte drei Schlüsselereignisse oder Phasen des Holocaust in chronologischer Reihenfolge aufzulisten und kurz zu beschreiben, was jeweils geschah.

AnalysierenBewertenErschaffenEntscheidungsfähigkeitSelbststeuerung
Komplette Unterrichtsstunde erstellen

Aktivität 03

Fallstudienanalyse50 Min. · Ganze Klasse

Whole Class: Mittäterschaftsdebatte

Führen Sie eine strukturierte Debattenrunde durch: Teilen Sie die Klasse in Pro- und Kontra-Gruppen zur Frage 'War die gesamte deutsche Bevölkerung mittäterschaftlich?'. Jede Seite argumentiert mit Quellen, Moderator notiert Punkte, abschließende Reflexion im Plenum.

Beurteilen Sie die Verantwortung der Täter und die Frage der Mittäterschaft.

ModerationstippFühren Sie die Mittäterschaftsdebatte erst durch, nachdem alle Schülerinnen und Schüler die Täterprofile erarbeitet haben, um fundierte Beiträge zu ermöglichen.

Worauf zu achten istZeigen Sie ein Bild oder ein kurzes Zitat im Zusammenhang mit der Wannseekonferenz. Fragen Sie die Schülerinnen und Schüler, was dieses Ereignis für die Durchführung des Holocaust bedeutete und welche Personen daran beteiligt waren.

AnalysierenBewertenErschaffenEntscheidungsfähigkeitSelbststeuerung
Komplette Unterrichtsstunde erstellen

Aktivität 04

Fallstudienanalyse20 Min. · Einzelarbeit

Individual: Ethik-Tagebuch

Schüler schreiben aus Sicht eines Zeitzeugen ein Tagebucheintrag zu einer Phase des Holocausts, basierend auf recherchierten Fakten. Danach teilen sie anonym in der Klasse und diskutieren moralische Aspekte.

Analysieren Sie die Phasen der Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden.

Worauf zu achten istStellen Sie die Frage: 'Welche verschiedenen Rollen spielten Menschen während des Holocaust, und wie unterscheidet sich die Verantwortung eines SS-Offiziers von der eines Eisenbahners, der Deportationszüge fuhr?' Leiten Sie eine Diskussion, die die Bandbreite der Mittäterschaft beleuchtet.

AnalysierenBewertenErschaffenEntscheidungsfähigkeitSelbststeuerung
Komplette Unterrichtsstunde erstellen

Vorlagen

Vorlagen, die zu diesen Geschichte-Aktivitäten passen

Nutzen, bearbeiten, drucken oder teilen.

Einige Hinweise zum Unterrichten dieser Einheit

Erfahrene Lehrkräfte betonen, dass die Thematik sensible Gesprächsführung erfordert, um Betroffenheit nicht zu instrumentalisieren. Vermeiden Sie vereinfachende Schuldzuweisungen, sondern lenken Sie den Fokus auf strukturelle Bedingungen und individuelle Entscheidungen. Nutzen Sie lokale Bezüge, wenn möglich, um das Thema greifbarer zu machen. Die Auseinandersetzung mit Widerstand und Zivilcourage hilft, ein differenziertes Bild zu zeichnen und Gegenbilder zur Opferrolle zu schaffen.

Erfolgreiches Lernen zeigt sich, wenn Schülerinnen und Schüler die Phasen der Verfolgung chronologisch einordnen, Verantwortungsnetzwerke identifizieren und die Bandbreite der Mittäterschaft differenziert bewerten können. Sie sollen Quellen kritisch auswerten und eigene Positionen argumentativ vertreten, ohne in Pauschalisierungen zu verfallen.


Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

  • Während der Täterprofile-Paararbeit hören Sie oft den Satz: 'Der Holocaust war nur das Werk einiger fanatischer SS-Männer und Hitlers.'

    Nutzen Sie die erstellten Profile, um gezielt nach Netzwerken zu fragen: 'Zeigen Sie in Ihrer Präsentation auf, welche Berufsgruppen oder Institutionen an der Umsetzung beteiligt waren. Wo sehen Sie Strukturen, die Mitwirkung ermöglichten?'

  • Während des Stationenlernens äußern Schülerinnen und Schüler: 'Die Wannseekonferenz war der Beginn des Holocausts.'

    Fordern Sie die Gruppen auf, ihre Zeitleisten zu vergleichen und gezielt zu markieren, welche Ereignisse vor der Konferenz lagen. Stellen Sie die Frage: 'Warum war die Konferenz ein Wendepunkt – und nicht der Anfang?'

  • In der Mittäterschaftsdebatte wird der Satz fallen: 'Juden waren passiv im Holocaust.'

    Lenken Sie die Debatte auf konkrete Beispiele, indem Sie Quellen zu Widerstand (z.B. Aufstände, Fluchtnetzwerke) einbringen und fragen: 'Welche Formen von Aktivität lassen sich aus den Materialien ableiten – und warum werden sie oft übersehen?'


In dieser Übersicht verwendete Methoden