Machtergreifung und GleichschaltungAktivitäten & Unterrichtsstrategien
Aktives Lernen hilft hier, weil die NS-Machtergreifung oft als abstrakter Prozess wahrgenommen wird. Durch das Anfassen von Quellen, das Bauen einer Timeline und das Rollenspiel wird die systematische Zerstörung der Demokratie für Schülerinnen und Schüler greifbar und nachvollziehbar.
Lernziele
- 1Analysieren Sie die kausalen Zusammenhänge zwischen dem Reichstagsbrand, den Notverordnungen und der Aushöhlung der Grundrechte.
- 2Erklären Sie die schrittweisen Mechanismen der Gleichschaltung in ausgewählten gesellschaftlichen Bereichen (z.B. Presse, Gewerkschaften).
- 3Bewerten Sie die juristische und politische Bedeutung des Ermächtigungsgesetzes für die Errichtung der NS-Diktatur.
- 4Identifizieren Sie die wichtigsten Instrumente und Akteure der nationalsozialistischen Machtkonsolidierung.
Möchten Sie einen vollständigen Unterrichtsentwurf mit diesen Lernzielen? Mission erstellen →
Quellenstationen: Machtergreifungsschritte
Richten Sie fünf Stationen ein: Reichstagsbrand, Notverordnung, Ermächtigungsgesetz, Parteiverbot, KZ-Gründung. Gruppen analysieren Primärquellen, notieren Mechanismen und präsentieren Erkenntnisse. Abschlussrunde diskutiert den roten Faden.
Vorbereitung & Details
Analysieren Sie die Bedeutung des Reichstagsbrandes und der Notverordnungen für die Machtkonsolidierung.
Moderationstipp: Bei den Quellenstationen darauf achten, dass die Schülerinnen und Schüler die Dokumente nicht isoliert betrachten, sondern die Sprache der Verordnungen mit der Realität von Gewalt und Einschüchterung verknüpfen.
Setup: Gruppentische mit Platz für die Fallunterlagen
Materials: Fallstudien-Paket (3-5 Seiten), Arbeitsblatt mit Analyseraster, Präsentationsvorlage
Timeline-Bau: Gleichschaltung
Gruppen erhalten Karten mit Ereignissen aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Sie sortieren chronologisch, verknüpfen mit Gesetzen und visualisieren auf einer großen Zeitleiste. Plenum ergänzt und bewertet.
Vorbereitung & Details
Erklären Sie die Mechanismen der Gleichschaltung in Politik, Wirtschaft und Kultur.
Moderationstipp: Beim Timeline-Bau die Schülergruppen gezielt auffordern, nicht nur Daten, sondern auch die Folgen der Gleichschaltung in Politik, Wirtschaft und Kultur zu verknüpfen.
Setup: Gruppentische mit Platz für die Fallunterlagen
Materials: Fallstudien-Paket (3-5 Seiten), Arbeitsblatt mit Analyseraster, Präsentationsvorlage
Rollenspiel: Reichstagssitzung
Schüler übernehmen Rollen von Abgeordneten, Nazis und Opposition. Sie debattieren das Ermächtigungsgesetz unter historischen Bedingungen, inklusive SA-Einschüchterung. Reflexion: Wie fiel die Abstimmung?
Vorbereitung & Details
Bewerten Sie die Rolle des Ermächtigungsgesetzes für die Zerstörung der Demokratie.
Moderationstipp: Im Rollenspiel die Dynamik der Reichstagssitzung durch gezielte Fragen lenken, die auf die Angst der Abgeordneten und die Manipulation durch die NS-Führung abzielen.
Setup: Spielfläche oder entsprechend angeordnete Tische für das Szenario
Materials: Rollenkarten mit Hintergrundinfos und Zielen, Szenario-Briefing
Karten-Sortierung: Mechanismen
Verteilen Sie Karten mit Maßnahmen und Bereichen (z. B. 'Gewerkschaftsauflösung' zu 'Wirtschaft'). Paare ordnen, begründen und erweitern mit Beispielen. Gemeinsame Mindmap als Auswertung.
Vorbereitung & Details
Analysieren Sie die Bedeutung des Reichstagsbrandes und der Notverordnungen für die Machtkonsolidierung.
Moderationstipp: Bei der Karten-Sortierung darauf achten, dass die Schülerinnen und Schüler die Mechanismen der Gleichschaltung nicht nur als Liste, sondern als System verstehen, das gezielt Kontrolle ausübt.
Setup: Gruppentische mit Platz für die Fallunterlagen
Materials: Fallstudien-Paket (3-5 Seiten), Arbeitsblatt mit Analyseraster, Präsentationsvorlage
Dieses Thema unterrichten
Erfahrene Lehrkräfte setzen hier auf eine Kombination aus Quellenarbeit und handlungsorientierten Methoden, um die NS-Diktatur nicht nur zu erklären, sondern erlebbar zu machen. Wichtig ist, die Schülerinnen und Schüler nicht mit Fakten zu überfluten, sondern sie durch gezielte Fragen und Verknüpfungen zu eigenen Schlussfolgerungen zu führen. Vermeiden Sie es, die Ereignisse als unvermeidbar darzustellen; stattdessen sollte der Fokus auf den Entscheidungen und Handlungen der Beteiligten liegen. Aktuelle Forschung zeigt, dass Schülerinnen und Schüler besonders gut lernen, wenn sie die Mechanismen von Diktaturen in ihrem eigenen Handeln nachvollziehen können.
Was Sie erwartet
Erfolgreiches Lernen zeigt sich darin, dass die Schülerinnen und Schüler die zentralen Schritte der Machtergreifung und Gleichschaltung nicht nur benennen können, sondern auch die Zusammenhänge zwischen Ereignissen, Gesetzen und Machtkonzentration erklären. Sie erkennen die Rolle von Zwang, Manipulation und Propaganda und können dies in Diskussionen und Analysen anwenden.
Diese Aktivitäten sind ein Ausgangspunkt. Die vollständige Mission ist das Erlebnis.
- Vollständiges Moderationsskript mit Lehrkraft-Dialogen
- Druckfertige Schülermaterialien, bereit für den Unterricht
- Differenzierungsstrategien für jeden Lerntyp
Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen
Häufige FehlvorstellungWährend des Rollenspiels 'Reichstagssitzung' achten Sie darauf, dass Schülerinnen und Schüler die 43,9 Prozent der NSDAP bei den Reichstagswahlen im Januar 1933 nicht als absolute Mehrheit missverstehen.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Nutzen Sie die Ergebnisse des Rollenspiels, um zu zeigen, wie Hitler trotz Minderheitsregierung durch Koalitionsmanöver und Druck der SA an die Macht kam. Diskutieren Sie anschließend, warum die NSDAP keine absolute Mehrheit hatte und wie sie trotzdem regieren konnte.
Häufige FehlvorstellungWährend der Quellenstationen 'Machtergreifungsschritte' achten Sie darauf, dass Schülerinnen und Schüler die Gleichschaltung nicht als freiwillige Zustimmung missverstehen.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Fordern Sie die Schülerinnen und Schüler auf, in den Zeitzeugenberichten nach Hinweisen auf Zwang, Angst oder gezielte Propaganda zu suchen. Lassen Sie sie diskutieren, warum viele Menschen die Gleichschaltung trotz Widerstands hinnahmen.
Häufige FehlvorstellungWährend des Timeline-Baus 'Gleichschaltung' achten Sie darauf, dass Schülerinnen und Schüler das Ermächtigungsgesetz nicht als vorübergehende Maßnahme einordnen.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Nutzen Sie die erstellte Timeline, um zu zeigen, wie das Ermächtigungsgesetz die Verfassung dauerhaft außer Kraft setzte. Fragen Sie die Schülerinnen und Schüler, welche langfristigen Folgen dies für die Demokratie hatte.
Ideen zur Lernstandserhebung
Nach den Quellenstationen 'Machtergreifungsschritte' erhalten die Schülerinnen und Schüler eine Karte mit einem der Begriffe 'Reichstagsbrandverordnung', 'Ermächtigungsgesetz' oder 'Gleichschaltung'. Sie erklären auf der Rückseite, welche zentrale Funktion dieser Begriff für die Errichtung der NS-Diktatur hatte.
Nach dem Rollenspiel 'Reichstagssitzung' stellen Sie folgende Frage zur Diskussion: 'Inwieweit nutzten die Nationalsozialisten legale Mittel, um die Demokratie abzuschaffen?' Die Schülerinnen und Schüler sollen sich auf die im Rollenspiel und den Quellenstationen behandelten Verordnungen und Gesetze beziehen und ihre Argumente mit Beispielen untermauern.
Während der Karten-Sortierung 'Mechanismen' erstellen Sie eine kurze Liste von Aussagen zur Machtergreifung und Gleichschaltung (z.B. 'Die Reichstagsbrandverordnung wurde vom Reichstag verabschiedet.'). Die Schülerinnen und Schüler markieren jede Aussage als 'wahr' oder 'falsch' und korrigieren die falschen Aussagen kurz.
Erweiterungen & Unterstützung
- Fordern Sie schnelle Schülerinnen und Schüler auf, eine fiktive Rede eines NS-Gegners zu verfassen, die die Gefahren der Gleichschaltung thematisiert.
- Geben Sie Schülerinnen und Schülern, die Schwierigkeiten haben, eine Mindmap erstellen zu lassen, die die Akteure, Ereignisse und Folgen der Machtergreifung strukturiert.
- Vertiefen Sie mit einer Gruppenarbeit, die die Rolle der Propaganda in der Gleichschaltung untersucht, z.B. durch Analyse von NS-Propagandaplakaten aus der Zeit.
Schlüsselvokabular
| Reichstagsbrandverordnung | Eine Notverordnung des Reichspräsidenten vom 28. Februar 1933, die wesentliche Grundrechte außer Kraft setzte und als Grundlage für Verfolgungen diente. |
| Ermächtigungsgesetz | Ein Gesetz vom 24. März 1933, das der Reichsregierung erlaubte, Gesetze ohne Zustimmung des Parlaments zu erlassen und somit die parlamentarische Demokratie faktisch beendete. |
| Gleichschaltung | Der Prozess der Anpassung und Unterordnung aller staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen unter die Ideologie und Kontrolle der Nationalsozialisten ab 1933. |
| Notverordnungen | Gesetzlich nicht vorgesehene Verordnungen, die in Ausnahmesituationen erlassen wurden, um die Regierungsarbeit zu beschleunigen und die parlamentarische Kontrolle zu umgehen. |
| Reichskulturkammer | Eine von den Nationalsozialisten 1933 gegründete Organisation zur Kontrolle und ideologischen Ausrichtung von Kulturschaffenden in Deutschland. |
Vorgeschlagene Methoden
Planungsvorlagen für Brüche und Kontinuitäten: Deutschland und die Welt im 20. Jahrhundert
GeWi
Eine Vorlage für Gesellschaftswissenschaften, die auf Quellenanalyse und historischem Denken basiert. Sie umfasst dokumentenbasierte Aufgaben, Diskussionen und den Wechsel der Perspektiven.
EinheitenplanerGesellschaftswissenschaftliche Einheit
Planen Sie eine Einheit für Gesellschaftswissenschaften, die auf Quellenstudium, historischem Denken und politischer Urteilsbildung beruht. Lernende analysieren Belege und entwickeln begründete Positionen zu historischen und aktuellen Fragen.
BewertungsrasterGeWi Bewertungsraster
Erstellen Sie ein Raster für quellenbasierte Aufgaben, historische Argumentationen, Referate oder Diskussionen, das historisches Denken, Quellenarbeit und Multiperspektivität bewertet.
Mehr in Nationalsozialismus: Ideologie, Herrschaft und Vernichtung
NS-Ideologie: Rassismus und Antisemitismus
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die zentralen Elemente der NS-Ideologie, insbesondere den rassistischen Antisemitismus und das Konzept der 'Volksgemeinschaft'.
3 methodologies
Propaganda und Masseninszenierung im NS-Staat
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die Methoden der NS-Propaganda und die Inszenierung von Massenveranstaltungen zur Mobilisierung und Kontrolle der Bevölkerung.
3 methodologies
Terror und Überwachung: Gestapo, SS und Justiz
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die Instrumente der Herrschaftssicherung, wie Gestapo, SS und die Rolle der Justiz im NS-Staat.
3 methodologies
Widerstand im Nationalsozialismus
Die Schülerinnen und Schüler analysieren verschiedene Formen des Widerstands gegen das NS-Regime, von individuellen Akten bis zu organisierten Gruppen.
3 methodologies
Jugend im NS-Staat: Anpassung und Opposition
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die Rolle der Jugend im Nationalsozialismus, von der Indoktrination in der Hitlerjugend bis zu Formen des Widerstands.
3 methodologies
Bereit, Machtergreifung und Gleichschaltung zu unterrichten?
Erstellen Sie eine vollständige Mission mit allem, was Sie brauchen
Mission erstellen