Skip to content
Geschichte · Klasse 12

Ideen für aktives Lernen

Reichspogromnacht und Eskalation der Gewalt

Aktives Lernen ermöglicht hier einen emotionalen Zugang zu einer abstrakten historischen Zäsur. Durch die Kombination von Quellenarbeit, Perspektivwechsel und systemischer Analyse begreifen Schülerinnen und Schüler, wie Gewalt organisiert wird und warum Schweigen gefährlich ist.

KMK BildungsstandardsLehrplanPLUS Bayern G9: Lernbereich 12.2: Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg (Verfolgung und Völkermord)Kernlehrplan NRW GOSt: Inhaltsfeld 7: Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg (Verfolgung und Vernichtung)
30–50 Min.Partnerarbeit → Ganze Klasse4 Aktivitäten

Aktivität 01

Lernen an Stationen45 Min. · Kleingruppen

Lernen an Stationen: Quellen zur Pogromnacht

Richten Sie fünf Stationen ein: Zeitungsartikel, Fotos, Überlebendenberichte, NS-Propaganda und Gerichtsprotokolle. Gruppen sammeln Belege zur Staatstoleranz, notieren Fakten und präsentieren Erkenntnisse. Abschließende Plenumdiskussion verbindet Stationen.

Analysieren Sie die Ereignisse und die Rolle des Staates bei der Reichspogromnacht.

ModerationstippLassen Sie die Stationen beim Quellenlernen nicht nach Synagogen, Geschäften und Lagern trennen, sondern nach Akteuren (Täter, Mitläufer, Opfer), um die Dynamik der Gewalt sichtbar zu machen.

Worauf zu achten istDie Schülerinnen und Schüler erhalten den Auftrag, auf einer Karteikarte zwei Sätze zu formulieren: Der erste Satz soll die Rolle des Staates bei der Reichspogromnacht beschreiben. Der zweite Satz soll eine mögliche Begründung für das Schweigen der Justiz nennen.

ErinnernVerstehenAnwendenAnalysierenSelbststeuerungBeziehungsfähigkeit
Komplette Unterrichtsstunde erstellen

Aktivität 02

Rollenspiel50 Min. · Kleingruppen

Rollenspiel: Institutionelle Reaktionen

Teilen Sie Rollen aus: Kirchenvertreter, Justizbeamte, NS-Funktionäre und Juden. Gruppen simulieren eine Krisensitzung nach den Pogromen und argumentieren Positionen basierend auf historischen Quellen. Reflexion in Plenum.

Erklären Sie, warum die Kirchen und die Justiz weitgehend schwiegen.

ModerationstippBegrenzen Sie die Rollenspiele auf 15 Minuten und lassen Sie danach eine kurze Reflexionsrunde ein, in der Schülerinnen und Schüler spontan ihre empfundene Ohnmacht oder Zustimmung benennen.

Worauf zu achten istLehrkraft: 'Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Bürger im November 1938. Sie sehen die Zerstörungen und Verhaftungen. Welche inneren Konflikte könnten Sie erleben, wenn Sie sich entscheiden, nichts zu tun?' Die Schülerinnen und Schüler diskutieren mögliche innere Haltungen und äußere Zwänge.

AnwendenAnalysierenBewertenSozialbewusstseinSelbstwahrnehmung
Komplette Unterrichtsstunde erstellen

Aktivität 03

Debatte40 Min. · Ganze Klasse

Debatte: Wendepunkt oder Kontinuität?

Teilen Sie die Klasse in Pro- und Kontra-Gruppen. Jede Seite bereitet Argumente mit Quellen vor, moderiert durch Lehrer. Abstimmung und Begründung fördert Bewertungskompetenz.

Beurteilen Sie die Bedeutung der Reichspogromnacht als Wendepunkt in der Verfolgung.

ModerationstippVerlangen Sie beim Zeitstrahl nicht nur Daten, sondern analysieren Sie gemeinsam die Lücken dazwischen: Warum gerade diese Eskalationsschritte?

Worauf zu achten istDie Lehrkraft präsentiert ein kurzes Zitat eines Augenzeugen oder einen Ausschnitt aus einer NS-Verordnung zur Reichspogromnacht. Die Schülerinnen und Schüler notieren in Stichpunkten, welche Aspekte der Gewalt oder der staatlichen Organisation darin deutlich werden.

AnalysierenBewertenErschaffenSelbststeuerungEntscheidungsfähigkeit
Komplette Unterrichtsstunde erstellen

Aktivität 04

Zeitstrahl-Challenge30 Min. · Einzelarbeit

Zeitstrahl-Challenge: Eskalation der Gewalt

Individuen recherchieren Ereignisse von 1933 bis 1941, platzieren sie auf einem gemeinsamen Zeitstrahl. Gruppen ergänzen Ursachen und Folgen, diskutieren in Plenum.

Analysieren Sie die Ereignisse und die Rolle des Staates bei der Reichspogromnacht.

Worauf zu achten istDie Schülerinnen und Schüler erhalten den Auftrag, auf einer Karteikarte zwei Sätze zu formulieren: Der erste Satz soll die Rolle des Staates bei der Reichspogromnacht beschreiben. Der zweite Satz soll eine mögliche Begründung für das Schweigen der Justiz nennen.

ErinnernVerstehenAnalysierenSelbststeuerungBeziehungsfähigkeit
Komplette Unterrichtsstunde erstellen

Vorlagen

Vorlagen, die zu diesen Geschichte-Aktivitäten passen

Nutzen, bearbeiten, drucken oder teilen.

Einige Hinweise zum Unterrichten dieser Einheit

Geben Sie den Schülerinnen und Schülern immer wieder kleine Momente der Verarbeitung. Zeigen Sie etwa nach der Quellenarbeit ein Foto einer zerstörten Synagoge, ohne es zu kommentieren. Lassen Sie die Bilder wirken, bevor Sie den nächsten Schritt einleiten. Vermeiden Sie es, die Komplexität der Ereignisse durch vereinfachende Moralurteile zu reduzieren. Die Geschichte der Reichspogromnacht ist auch eine Geschichte des Wegsehens – das müssen die Schülerinnen und Schüler selbst begreifen.

Erfolgreiches Lernen zeigt sich daran, dass die Schülerinnen und Schüler die staatliche Steuerung der Gewalt erkennen, institutionelle Reaktionen kritisch hinterfragen und die Reichspogromnacht als Teil einer längeren Eskalationskette einordnen können.


Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

  • Während des Stationenlernens zu Quellen zur Pogromnacht wird oft angenommen, die Gewalt sei spontan entstanden.

    Während des Stationenlernens zu Quellen zur Pogromnacht achten Sie darauf, dass die Schülerinnen und Schüler Befehle von Goebbels und Göring mit Augenzeugenberichten vergleichen und so die staatliche Steuerung erkennen. Fragen Sie gezielt nach Formulierungen wie 'auf Anordnung' oder 'nach Anweisung' in den Quellen.

  • Während des Rollenspiels zu institutionellen Reaktionen wird manchmal angenommen, Kirchen und Justiz hätten aktiv protestiert.

    Während des Rollenspiels zu institutionellen Reaktionen lassen Sie die Schülerinnen und Schüler in der Rolle der Kirchenvertreter oder Richter ihre eigenen Motive (Angst, Konformität, Opportunismus) reflektieren und durch Peer-Feedback alternative Handlungsmöglichkeiten entwickeln.

  • Während der Erstellung des Zeitstrahls zur Eskalation der Gewalt wird die Reichspogromnacht als isoliertes Ereignis betrachtet.

    Während der Erstellung des Zeitstrahls zur Eskalation der Gewalt fordern Sie die Schülerinnen und Schüler auf, Verbindungen zu späteren Schritten im Holocaust herzustellen. Fragen Sie etwa: 'Welche Rolle spielte diese Nacht für die 'Endlösung'?' und lassen Sie sie Lücken im Zeitstrahl begründen.


In dieser Übersicht verwendete Methoden