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Geschichte · Klasse 12

Ideen für aktives Lernen

Ausgrenzung und Verfolgung: Nürnberger Gesetze

Aktives Lernen hilft Schülerinnen und Schülern, die schrittweise Radikalisierung hinter den Nürnberger Gesetzen konkret zu begreifen. Durch die Arbeit mit Gesetzestexten, Alltagsberichten und Fallbeispielen wird das abstrakte Konzept der Entrechtung greifbar und die Mechanismen der Ausgrenzung nachvollziehbar.

KMK BildungsstandardsLehrplanPLUS Bayern G9: Lernbereich 12.2: Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg (Verfolgung und Völkermord)Kernlehrplan NRW GOSt: Inhaltsfeld 7: Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg (Verfolgung und Vernichtung)KMK Bildungsstandards: Inhaltsfeld 8: Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg (Verfolgung und Völkermord)
30–60 Min.Partnerarbeit → Ganze Klasse4 Aktivitäten

Aktivität 01

Lernen an Stationen50 Min. · Kleingruppen

Lernen an Stationen: Gesetze und Alltag

Richten Sie fünf Stationen ein: 1. Gesetzestexte lesen und zusammenfassen. 2. Propaganda-Plakate analysieren. 3. Zeitzeugenberichte zu Berufsverboten. 4. Arisierungsbeispiele kartieren. 5. Auswirkungen auf Familie diskutieren. Gruppen rotieren alle 10 Minuten und protokollieren Erkenntnisse.

Analysieren Sie die Inhalte und Auswirkungen der Nürnberger Gesetze.

ModerationstippLassen Sie die Schüler:innen beim Stationenlernen die Gesetze zunächst ohne Kontext lesen, um dann in Kleingruppen die Alltagsfolgen zu diskutieren und so die Distanz zum historischen Geschehen zu verringern.

Worauf zu achten istGeben Sie den Schülerinnen und Schülern eine Karte mit einem der Schlüsselbegriffe (z.B. Reichsbürgergesetz, Arisierung). Bitten Sie sie, eine kurze Definition zu formulieren und zwei konkrete Auswirkungen auf das Leben jüdischer Menschen zu nennen.

ErinnernVerstehenAnwendenAnalysierenSelbststeuerungBeziehungsfähigkeit
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Aktivität 02

Quellenrätsel30 Min. · Partnerarbeit

Paardiskussion: Normalisierungsprozesse

Teilen Sie Auszüge aus Tagebüchern und Gesetzen aus. Paare vergleichen, wie Diskriminierung im Alltag sichtbar wurde, und notieren drei Schritte der Normalisierung. Abschließende Plenumrunde teilt Ergebnisse.

Erklären Sie, wie die Diskriminierung im Alltag schrittweise normalisiert wurde.

ModerationstippSteuern Sie die Paardiskussion zu Normalisierungsprozessen durch gezielte Impulsfragen, um sicherzustellen, dass die Schüler:innen Propaganda, Bürokratie und gesellschaftliche Akzeptanz als zusammenhängende Elemente erkennen.

Worauf zu achten istLeiten Sie eine Diskussion mit der Frage: 'Wie konnte die Diskriminierung durch die Nürnberger Gesetze im Alltag der Menschen so schnell normalisiert werden?'. Fordern Sie die Schüler auf, Beispiele für Propaganda, bürokratische Umsetzung und gesellschaftliche Akzeptanz zu nennen.

AnalysierenBewertenSelbststeuerungEntscheidungsfähigkeit
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Aktivität 03

Quellenrätsel60 Min. · Kleingruppen

Gruppenprojekt: Arisierungsfallstudie

Gruppen erhalten reale Fälle von Arisierung, recherchieren Hintergründe und erstellen Infografiken zu Methoden und Opfern. Präsentationen beleuchten wirtschaftliche Dimensionen der Ausgrenzung.

Beurteilen Sie die Rolle der "Arisierung" jüdischen Eigentums im Prozess der Ausgrenzung.

ModerationstippBegrenzen Sie im Gruppenprojekt zur Arisierung die Fallstudien auf lokalisierte Beispiele, damit die Schüler:innen konkrete Mechanismen der Zwangsenteignung nachvollziehen können.

Worauf zu achten istLegen Sie eine kurze, vereinfachte Fassung eines Paragraphen aus den Nürnberger Gesetzen vor. Fragen Sie: 'Welche Gruppe von Menschen wird hier direkt betroffen sein und welche Rechte werden ihnen entzogen?'.

AnalysierenBewertenSelbststeuerungEntscheidungsfähigkeit
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Aktivität 04

Quellenrätsel45 Min. · Ganze Klasse

Klassenrunde: Ethikdebatte

Lesen Sie Passagen aus Gesetzen vor. Die Klasse debattiert in zwei Blöcken: Befürworter- und Kritikerperspektive der NS-Zeit. Moderator notiert Argumente für Reflexion.

Analysieren Sie die Inhalte und Auswirkungen der Nürnberger Gesetze.

Worauf zu achten istGeben Sie den Schülerinnen und Schülern eine Karte mit einem der Schlüsselbegriffe (z.B. Reichsbürgergesetz, Arisierung). Bitten Sie sie, eine kurze Definition zu formulieren und zwei konkrete Auswirkungen auf das Leben jüdischer Menschen zu nennen.

AnalysierenBewertenSelbststeuerungEntscheidungsfähigkeit
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Vorlagen

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Einige Hinweise zum Unterrichten dieser Einheit

Erfahrene Lehrkräfte wissen, dass die Nürnberger Gesetze nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Kombinieren Sie Gesetzestexte mit autobiografischen Berichten und lokalhistorischen Quellen, um die schrittweise Entrechtung sichtbar zu machen. Vermeiden Sie eine lineare Darstellung der Ereignisse, sondern zeigen Sie durch Quellenarbeit, wie Diskriminierung normalisiert wurde. Wichtig ist, den Fokus nicht nur auf die Opfer, sondern auch auf die Täter:innen und Mitläufer:innen zu legen, um Handlungsspielräume und Verantwortung zu thematisieren.

Erfolgreiches Lernen zeigt sich darin, dass Schülerinnen und Schüler die Nürnberger Gesetze nicht nur benennen, sondern ihre Auswirkungen auf den Alltag jüdischer Mitbürger:innen analysieren und die Normalisierung von Diskriminierung durch bürokratische und propagandistische Mittel erklären können. Sie erkennen die graduellen Schritte der Entrechtung und die Verantwortung von Staat und Gesellschaft.


Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

  • Während der Aktivität Stationenlernen: Gesetze und Alltag beobachten Sie die Schüler:innen dabei, wie sie die Gesetze zunächst isoliert lesen und dann in Kleingruppen die konkreten Auswirkungen auf den Alltag diskutieren.

    Fordern Sie die Gruppen auf, gezielt nach Passagen in den Gesetzestexten zu suchen, die Berufsverbote oder Namensänderungen anordnen, und diese mit historischen Berichten wie Tagebucheinträgen oder Zeitungsartikeln zu verknüpfen. So erkennen sie die direkte Verbindung zwischen Gesetz und Realität.

  • Während der Paardiskussion: Normalisierungsprozesse wird oft angenommen, die Ausgrenzung sei über Nacht geschehen.

    Nutzen Sie die Diskussion, um die Schüler:innen eine gemeinsame Zeitlinie der Gesetze und Maßnahmen erstellen zu lassen. Fordern Sie sie auf, konkrete Beispiele aus den Stationenarbeiten einzubauen, um die schrittweise Radikalisierung zu verdeutlichen.

  • Während des Gruppenprojekts: Arisierungsfallstudie entsteht der Eindruck, Arisierung sei ein freiwilliger Prozess gewesen.

    Lassen Sie die Gruppen gezielt nach Quellen suchen, die Zwangsversteigerungen oder Druck durch staatliche Stellen belegen. Fordern Sie sie auf, die Mechanismen der Enteignung in einer kurzen Präsentation zusammenzufassen und dabei die Rolle von Banken oder lokalen Behörden zu thematisieren.


In dieser Übersicht verwendete Methoden