Gründung und VerfassungenAktivitäten & Unterrichtsstrategien
Aktives Lernen funktioniert hier besonders gut, weil die Unterschiede zwischen BRD und DDR nicht nur theoretisch, sondern auch im konkreten Vergleich von Texten und ihrer Umsetzung greifbar werden. Schülerinnen und Schüler verstehen Systemkonkurrenz und Verfassungsrealität besser, wenn sie selbst die Lücken zwischen Anspruch und Wirklichkeit entdecken.
Lernziele
- 1Analysieren Sie die Kernartikel des Grundgesetzes und der DDR-Verfassung, um die jeweiligen Staatsziele und Grundrechte zu identifizieren.
- 2Vergleichen Sie die ideologischen Fundamente der BRD und der DDR, indem Sie die Rolle von Demokratie, Sozialismus und Rechtsstaatlichkeit in ihren Verfassungen gegenüberstellen.
- 3Bewerten Sie die Wirksamkeit der jeweiligen Verfassungen bei der Legitimierung des Alleinvertretungsanspruchs beider deutscher Staaten.
- 4Erklären Sie, wie die Erfahrungen der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus die Ausgestaltung des Grundgesetzes beeinflussten.
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Strukturierte Kontroverse: Weimarer Lehren
Schüler untersuchen spezifische Artikel des Grundgesetzes (z.B. die Rolle des Bundespräsidenten oder die 5%-Hürde) und vergleichen sie mit der Weimarer Reichsverfassung. Sie debattieren, inwiefern diese Änderungen die Stabilität der BRD sichern sollten.
Vorbereitung & Details
Welche Lehren zogen die Väter und Mütter des Grundgesetzes aus dem Scheitern von Weimar?
Moderationstipp: Geben Sie den Schülerinnen und Schülern bei der Strukturierten Kontroverse explizit die Weimarer Lehren als Diskussionsleitfaden an die Hand, damit sie gezielt nach Parallelen und Unterschieden suchen.
Setup: Gegenüberliegende Tischpaare
Materials: Positionspapiere (beide Standpunkte), Notizvorlage, Vorlage für die Konsenserklärung
Partner-Check: Verfassungsvergleich BRD vs. DDR
In Paaren analysieren die Lernenden Auszüge beider Verfassungen zu Grundrechten und Staatsaufbau. Sie markieren Gemeinsamkeiten und Unterschiede und recherchieren anschließend, wie diese Rechte in der DDR-Realität (z.B. Meinungsfreiheit) umgesetzt wurden.
Vorbereitung & Details
Inwiefern unterschied sich der demokratische Anspruch der DDR von der Realität?
Moderationstipp: Lassen Sie beim Partner-Check die Schülerinnen und Schüler die Verfassungstexte zunächst wörtlich vergleichen, bevor sie über die politische Realität diskutieren, um die Distanz zwischen Norm und Praxis zu verdeutlichen.
Setup: Gruppentische mit Platz für die Fallunterlagen
Materials: Fallstudien-Paket (3-5 Seiten), Arbeitsblatt mit Analyseraster, Präsentationsvorlage
Lernen an Stationen: Die Gründungsväter und -mütter
An Stationen lernen die Schüler Kurzbiografien von Personen wie Konrad Adenauer, Theodor Heuss, Carlo Schmid oder Elisabeth Selbert kennen. Sie erarbeiten deren Einfluss auf die Ausgestaltung der jungen Bundesrepublik.
Vorbereitung & Details
Wie legitimierten beide Staaten ihren Alleinvertretungsanspruch?
Moderationstipp: Nutzen Sie beim Stationenlernen kurze biografische Porträts der Gründungsverfassungsmacher, um den persönlichen Bezug zu den historischen Entscheidungen herzustellen.
Setup: Im Raum verteilte Tische/Stationen
Materials: Stationskarten mit Arbeitsanweisungen, Unterschiedliche Materialien je Station, Timer für die Rotation
Dieses Thema unterrichten
Erfahrene Lehrkräfte beginnen mit der Weimarer Republik, weil deren Scheitern die dringende Notwendigkeit neuer Verfassungslösungen erklärt. Vermeiden Sie es, die DDR-Verfassung von vornherein als 'unecht' abzuwerten. Stattdessen sollten Schülerinnen und Schüler selbst die Widersprüche zwischen Text und Praxis herausarbeiten, um ein kritisches Verfassungsverständnis zu entwickeln. Aktuelle Bezüge zur Bedeutung von Grundrechten und Machtkontrolle helfen, die historische Bedeutung der Verfassungen zu verdeutlichen.
Was Sie erwartet
Erfolgreiches Lernen zeigt sich darin, dass Schülerinnen und Schüler die historischen Zusammenhänge zwischen Weimarer Republik, NS-Zeit und den Gründungsverfassungen 1949 erklären können. Sie sollen die Unterschiede zwischen formaler Demokratie und realer Machtausübung benennen und in eigenen Worten auf den Begriff der 'Scheindemokratie' anwenden.
Diese Aktivitäten sind ein Ausgangspunkt. Die vollständige Mission ist das Erlebnis.
- Vollständiges Moderationsskript mit Lehrkraft-Dialogen
- Druckfertige Schülermaterialien, bereit für den Unterricht
- Differenzierungsstrategien für jeden Lerntyp
Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen
Häufige FehlvorstellungWährend der Partner-Check zum Verfassungsvergleich lesen einige Schülerinnen und Schüler nur die Überschriften der DDR-Verfassung und schließen daraus, dass sie keine demokratischen Rechte enthielt.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Während des Partner-Checks machen Sie darauf aufmerksam, dass die Schülerinnen und Schüler die tatsächlichen Grundrechtartikel (z.B. Artikel 1 bis 4) genau lesen und direkt mit den Grundrechten des Grundgesetzes vergleichen. Erst dann diskutieren sie, warum diese Rechte in der DDR praktisch nicht galten.
Häufige FehlvorstellungBeim Stationenlernen zu den Gründungsverfassungsmachern glauben manche, das Grundgesetz sei von Anfang an als endgültige Verfassung gedacht gewesen.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Während des Stationenlernens lenken Sie den Blick der Schülerinnen und Schüler auf den ursprünglichen Artikel 146 GG und das Wort 'Grundgesetz' im Verfassungstext selbst. Bitten Sie sie, die Provisoriums-Formulierung in der Präambel zu markieren und zu erklären.
Ideen zur Lernstandserhebung
Nach dem Partner-Check zum Verfassungsvergleich geben Sie den Schülerinnen und Schülern zwei kurze Textauszüge aus Grundgesetz und DDR-Verfassung. Sie sollen jeweils einen Satz zur Kernidee und ein Stichwort zur Staatsideologie formulieren.
Nach der Strukturierten Kontroverse leiten Sie eine Diskussion mit der Frage: 'Inwiefern war die DDR-Verfassung trotz ihres formal demokratischen Anspruchs eine 'Scheinverfassung'?' Die Schülerinnen und Schüler begründen ihre Antwort mit Verfassungstexten und Beispielen aus der politischen Praxis.
Während des Stationenlernens geben Sie jedem Schüler eine Karte mit der Frage: 'Welche Lehre aus dem Scheitern von Weimar wurde im Grundgesetz besonders berücksichtigt?' oder 'Wie legitimierte die DDR-Verfassung ihren Alleinvertretungsanspruch?' Die Schüler antworten in 2-3 Sätzen.
Erweiterungen & Unterstützung
- Fordern Sie Schülerinnen und Schüler auf, eine fiktive Rede eines DDR-Bürgers zu schreiben, in der dieser die Widersprüche der Verfassung kritisiert.
- Geben Sie Schülerinnen und Schülern mit Schwierigkeiten eine Tabelle mit vorgegebenen Verfassungspassagen und leeren Spalten für die Einordnung der politischen Realität an die Hand.
- Vertiefen Sie mit einer Quellenanalyse: Vergleichen Sie den Artikel 146 GG mit der Präambel der DDR-Verfassung, um die unterschiedlichen Vorstellungen von Einheit und Souveränität zu erarbeiten.
Schlüsselvokabular
| Grundgesetz | Die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland, die 1949 in Kraft trat und die Grundrechte sowie die Staatsstruktur festlegt. |
| DDR-Verfassung | Die Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik, die ebenfalls 1949 verabschiedet wurde und den sozialistischen Charakter des Staates betonte. |
| Alleinvertretungsanspruch | Der Anspruch eines deutschen Staates, die gesamte deutsche Nation völkerrechtlich zu vertreten, was beide Staaten nach 1949 erhoben. |
| Weimarer Verfassung | Die erste parlamentarische Demokratie in Deutschland (1919-1933), deren Scheitern als Mahnung für die Verfasser des Grundgesetzes diente. |
| SED-Herrschaft | Die politische Dominanz der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands in der DDR, die die Verfassungswirklichkeit maßgeblich prägte. |
Vorgeschlagene Methoden
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