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Geographie · Klasse 11 · Landwirtschaft und Welternährung · 2. Halbjahr

Landgrabbing: Ursachen und Folgen

Die Schülerinnen und Schüler untersuchen das Phänomen des Landgrabbings und dessen Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung in Entwicklungsländern.

KMK BildungsstandardsSTD.GE.06STD.GE.38

Über dieses Thema

Landgrabbing beschreibt den großflächigen Kauf oder Pacht von Ackerland in Entwicklungsländern durch ausländische Investoren, oft aus reichen Ländern oder Konzernen. Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse analysieren Ursachen wie die globale Nahrungsmittelkrise seit 2007, Spekulationsdränge auf Rohstoffmärkten und die Nachfrage nach Biokraftstoffen. Wichtige Akteure sind Golfstaaten, China, westliche Fonds und Agrarkonzerne, die Land für Exportpflanzen nutzen. Dieses Phänomen verbindet sich mit den KMK-Standards STD.GE.06 und STD.GE.38, die globale Abhängigkeiten und nachhaltige Entwicklung fordern.

Die Folgen für lokale Bevölkerungen sind gravierend: Kleinbauern werden vertrieben, traditionelle Landnutzung zerstört, Ernährungssicherheit bedroht und soziale Spannungen entstehen. Schüler bewerten, ob Landgrabbing moderne Formen von Neokolonialismus darstellt, indem sie Machtungleichgewichte und Menschenrechtsverletzungen prüfen. Solche Analysen schärfen das Verständnis für globale Systeme und fördern ethisches Urteilsvermögen.

Aktive Lernformen machen dieses komplexe Thema zugänglich. Rollenspiele lassen Schüler Perspektiven von Bauern, Investoren und Regierungen einnehmen, Debatten trainieren Argumentation, Fallstudien fördern Quellenkritik. Dadurch werden ferne Konflikte nah, Schüler entwickeln Empathie und lernen, faktenbasiert zu bewerten.

Leitfragen

  1. Analysieren Sie die Ursachen und Akteure des Landgrabbings in Entwicklungsländern.
  2. Erklären Sie die Folgen des Landverkaufs für die lokale Bevölkerung und deren Ernährungssicherheit.
  3. Bewerten Sie, ob Landgrabbing eine Form von Neokolonialismus darstellt.

Lernziele

  • Analysieren Sie die wirtschaftlichen und politischen Ursachen des Landgrabbings unter Berücksichtigung globaler Nachfragetrends und lokaler Rahmenbedingungen.
  • Erklären Sie die direkten und indirekten Auswirkungen von Landgrabbing auf die Ernährungssicherheit und die soziale Struktur betroffener Gemeinschaften.
  • Bewerten Sie die Rolle internationaler Akteure wie Agrarkonzerne, Investmentfonds und Regierungen bei der Entstehung und Fortführung von Landgrabbing-Prozessen.
  • Vergleichen Sie die Perspektiven verschiedener Interessengruppen wie Kleinbauern, indigene Gemeinschaften, Investoren und lokale Regierungen in Landgrabbing-Konflikten.

Bevor es losgeht

Grundlagen der Globalisierung und Weltwirtschaft

Warum: Ein Verständnis globaler Wirtschaftsbeziehungen und Abhängigkeiten ist notwendig, um die internationalen Dimensionen des Landgrabbings zu erfassen.

Nachhaltige Entwicklung und Klimawandel

Warum: Die Auswirkungen von Landgrabbing auf Umwelt und Ressourcen sind eng mit den Zielen nachhaltiger Entwicklung und den Folgen des Klimawandels verknüpft.

Schlüsselvokabular

LandgrabbingDer großflächige Erwerb oder die Pacht von Landrechten, oft in Entwicklungsländern, durch ausländische oder nationale Investoren für landwirtschaftliche oder andere wirtschaftliche Zwecke.
ErnährungssicherheitDie Situation, in der alle Menschen jederzeit physischen, sozialen und wirtschaftlichen Zugang zu ausreichender, sicher und nahrhaft ernährungsphysiologisch angemessener Nahrung haben, um ein gesundes und aktives Leben zu führen.
NeokolonialismusEine Form der indirekten Herrschaft, bei der ein wirtschaftlich und politisch mächtiges Land oder eine Gruppe von Ländern die wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit eines weniger entwickelten Landes durch wirtschaftliche Mittel beeinflusst oder kontrolliert.
KleinbauernLandwirte, die kleine Flächen bewirtschaften und oft auf Subsistenzwirtschaft oder lokale Märkte ausgerichtet sind, häufig mit begrenzten Ressourcen und technischem Wissen.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungLandgrabbing schafft immer Jobs und Entwicklung.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Viele Projekte scheitern, Arbeitsplätze sind saisonal und niedrig qualifiziert, während Eliten profitieren. Rollenspiele helfen Schülern, lokale Perspektiven zu simulieren und reale FAO-Daten zu konfrontieren, um Nuancen zu erkennen.

Häufige FehlvorstellungNur China und Golfstaaten grabben Land.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Westliche Pensionsfonds und EU-Konzerne sind ebenso aktiv. Recherche in Gruppen mit interaktiven Karten offenbart die Vielfalt der Akteure und vermeidet Vereinfachungen.

Häufige FehlvorstellungLokale Bevölkerung profitiert von Mieteinnahmen.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Staaten kassieren oft, Bauern erhalten nichts; Korruption verschärft das. Debatten fördern Quellenprüfung und zeigen, wie Ungleichheit aktiv erfahrbar wird.

Ideen für aktives Lernen

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Bezüge zur Lebenswelt

  • Die Nachfrage nach Palmöl für Lebensmittel und Biokraftstoffe hat in Ländern wie Indonesien und Malaysia zu großflächigen Landkäufen durch internationale Konzerne geführt, was oft zur Verdrängung indigener Gemeinschaften und zur Zerstörung von Regenwald führt.
  • Golfstaaten investieren massiv in Ackerland in Ländern wie Äthiopien oder Sudan, um ihre eigene Nahrungsmittelversorgung zu sichern. Dies hat direkte Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung, die oft von diesem Land abhängig ist und verdrängt wird.

Ideen zur Lernstandserhebung

Diskussionsfrage

Teilen Sie die Klasse in Kleingruppen auf und geben Sie jeder Gruppe eine kurze Fallstudie zu einem spezifischen Landgrabbing-Fall. Bitten Sie die Gruppen, die Hauptursachen, die beteiligten Akteure und die wichtigsten Folgen für die lokale Bevölkerung zu identifizieren und diese anschließend im Plenum zu diskutieren.

Lernstandskontrolle

Bitten Sie die Schülerinnen und Schüler, auf einer Karteikarte zwei Hauptursachen für Landgrabbing und zwei gravierende Folgen für die betroffene lokale Bevölkerung zu notieren. Fordern Sie sie auf, eine der Folgen mit einem konkreten Beispiel aus der heutigen Welt zu verknüpfen.

Kurze Überprüfung

Stellen Sie den Schülerinnen und Schülern eine Reihe von Aussagen zum Thema Landgrabbing vor (z.B. 'Landgrabbing dient primär der lokalen Bevölkerung', 'Investoren handeln immer im Sinne der Ernährungssicherheit'). Lassen Sie die Schülerinnen und Schüler mit Daumen hoch/runter oder mit farbigen Karten (grün=stimme zu, rot=lehne ab) ihre Zustimmung oder Ablehnung signalisieren und begründen Sie kurz einige ihrer Entscheidungen.

Häufig gestellte Fragen

Was sind die Hauptursachen von Landgrabbing?
Ursachen liegen in der Nahrungskrise 2007/08, steigenden Rohstoffpreisen und Biokraftstoff-Nachfrage. Investoren spekulieren auf Land als sichere Anlage, während Herkunftsländer Energieimporte sichern wollen. Schüler analysieren Berichte von Oxfam oder FAO, um globale Verknüpfungen zu verstehen. Dies erklärt, warum Afrika und Südostasien betroffen sind.
Welche Folgen hat Landgrabbing für die Ernährungssicherheit?
Lokale Bauern verlieren Zugang zu Land, Anbauflächen werden für Export umgewandelt, Preise steigen. Folge: Hungersnöte und Abhängigkeit von Importen. Studien zeigen, dass in Madagaskar oder Sudan ganze Regionen entvölkert wurden. Bewertung hilft, nachhaltige Alternativen zu diskutieren.
Stellt Landgrabbing eine Form von Neokolonialismus dar?
Viele sehen Parallelen: Reiche Nationen kontrollieren Ressourcen armer Länder ohne faire Beteiligung. Unterschiede zu Kolonialismus liegen in legalen Verträgen, doch Machtasymmetrien persistieren. Schüler wägen Pro-Argumente wie Technologietransfer gegen Kritik an Ausbeutung ab.
Wie unterstützt aktives Lernen beim Thema Landgrabbing?
Aktive Methoden wie Rollenspiele und Debatten machen abstrakte Machtverhältnisse erlebbar. Schüler übernehmen Rollen, prüfen Quellen und argumentieren, was Empathie und Kritikfähigkeit stärkt. Fallstudien in Gruppen fördern Kooperation und tieferes Verständnis globaler Ungleichheiten, im Gegensatz zu Frontalunterricht.