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Philosophie · Klasse 12

Ideen für aktives Lernen

Naturzustand und Gesellschaftsvertrag: Hobbes

Aktive Lernformen eignen sich besonders für diesen Stoff, weil Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit ein abstraktes Gedankenexperiment ist, das Schüler durch Handeln und Rollenübernahme erst wirklich begreifen können. Gerade das hypothetische Szenario des 'Schleiers des Nichtwissens' erfordert eine emotionale und intellektuelle Auseinandersetzung, die durch Simulationen und Diskussionen vertieft wird.

KMK BildungsstandardsNRW Kernlehrplan Philosophie Sek II, Inhaltsfeld 5: Gemeinschaft als Prinzip staatsphilosophischer LegitimationKMK EPA Philosophie, Problembereich: Rechts- und Staatsphilosophie
30–90 Min.Partnerarbeit → Ganze Klasse3 Aktivitäten

Aktivität 01

Planspiel90 Min. · Kleingruppen

Planspiel: Hinter dem Schleier des Nichtwissens

Schüler müssen in Gruppen ein Steuersystem oder Schulsystem entwerfen. Erst nach der Einigung wird per Los entschieden, welche soziale Rolle (z.B. Alleinerziehend, Millionär, Student) sie in diesem System einnehmen. Sie reflektieren dann die Fairness ihres Entwurfs.

Erkläre Hobbes' Konzept des Naturzustands und seine anthropologischen Annahmen.

ModerationstippLegen Sie während der Simulation 'Hinter dem Schleier des Nichtwissens' klare Zeitlimits fest, damit die Schüler sich auf die hypothetischen Entscheidungen konzentrieren und nicht in Spekulationen verlieren.

Worauf zu achten istDie Schüler erhalten die Aufgabe, auf einer Karteikarte zwei Sätze zu schreiben: 1. Beschreiben Sie kurz Hobbes' Hauptangst im Naturzustand. 2. Nennen Sie einen Grund, warum Hobbes die Macht des Staates für absolut hält.

AnwendenAnalysierenBewertenErschaffenSozialbewusstseinEntscheidungsfähigkeit
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Aktivität 02

Ich-Du-Wir (Denken-Austauschen-Vorstellen): Ist Ungleichheit gerecht?

Schüler überlegen einzeln, ob hohe Gehälter für Chirurgen oder Fußballer gerechtfertigt sind. Sie diskutieren paarweise, ob diese Ungleichheit laut Rawls' Differenzprinzip zulässig wäre, weil sie der Gesellschaft insgesamt nützt.

Analysiere die Rolle des Gesellschaftsvertrags bei der Überwindung des Naturzustands.

ModerationstippBeim 'Think-Pair-Share' zu Ungleichheit achten Sie darauf, dass die Paare bewusst unterschiedliche Perspektiven einnehmen, um die Diskussion zu bereichern.

Worauf zu achten istLehrerfrage: 'Stellen Sie sich vor, Sie müssten heute einen Gesellschaftsvertrag nach Hobbes' Vorstellungen schließen. Welche drei Rechte würden Sie auf keinen Fall an den Staat abgeben wollen und warum? Diskutieren Sie Ihre Entscheidungen in Kleingruppen.'

VerstehenAnwendenAnalysierenSelbstwahrnehmungBeziehungsfähigkeit
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Aktivität 03

Forschungskreis60 Min. · Kleingruppen

Forschungskreis: Rawls vs. Realität

Gruppen untersuchen aktuelle politische Maßnahmen (z.B. Bürgergeld, Erbschaftssteuer) und bewerten sie aus der Perspektive eines Rawlsianers. Sie präsentieren ihre Ergebnisse in Form eines Kurz-Statements für eine fiktive Talkshow.

Beurteile die Legitimation eines absolutistischen Staates bei Hobbes.

ModerationstippBei der 'Collaborative Investigation' Rawls vs. Realität leiten Sie die Schüler an, konkrete Beispiele aus der Politik zu finden, die Rawls’ Ideen widerspiegeln oder herausfordern.

Worauf zu achten istDie Lehrkraft präsentiert drei kurze Zitate (eines zum Naturzustand, eines zum Gesellschaftsvertrag, eines zur Staatsgewalt) und bittet die Schüler, diese Hobbes zuzuordnen und jeweils einen Satz zur Begründung zu formulieren.

AnalysierenBewertenErschaffenSelbststeuerungSelbstwahrnehmung
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Einige Hinweise zum Unterrichten dieser Einheit

Erfahrene Lehrer setzen Rawls’ Theorie nicht als trockene Philosophie durch, sondern als Werkzeug, um Schüler für Gerechtigkeitsfragen zu sensibilisieren. Sie vermeiden es, Rawls’ Konzepte isoliert zu behandeln, und verknüpfen sie stattdessen mit aktuellen politischen Debatten, etwa zur Verteilung von Chancen oder zur Steuerpolitik. Ein häufiger Fehler ist es, den 'Schleier des Nichtwissens' als einfache Gleichheitsforderung misszuverstehen – hier hilft es, den Unterschied zwischen formaler Fairness und inhaltlicher Gerechtigkeit immer wieder zu thematisieren.

Erfolgreiches Lernen zeigt sich darin, dass die Schüler Rawls’ Argumente nicht nur wiedergeben, sondern in konkreten Situationen anwenden und kritisch hinterfragen können. Sie sollen erkennen, dass Gerechtigkeit nicht einfach Gleichheit bedeutet, sondern faire Bedingungen für alle – auch unter Ungleichheit. Ihre Argumentationen werden präziser und beziehen theoretische Konzepte auf reale politische Debatten.


Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

  • Während der Simulation 'Hinter dem Schleier des Nichtwissens' hören Sie möglicherweise Schüler, die sagen: 'Dann müssten alle gleich viel bekommen!'.

    Lenken Sie die Klasse dazu zurück auf die Arbeitsmaterialien: Zeigen Sie noch einmal Rawls’ Unterscheidung zwischen formaler Chancengleichheit und inhaltlicher Ergebnisgerechtigkeit. Fordern Sie die Schüler auf, ihre Entscheidung zu begründen – z.B. mit: 'Warum könnte Ungleichheit sinnvoll sein, wenn sie den Schwächsten nutzt?'.

  • Während der Diskussion 'Ist Ungleichheit gerecht?' könnte der Einwand kommen: 'Der Schleier ist doch nur eine theoretische Spielerei ohne praktischen Nutzen!'.

    Nutzen Sie die Methode 'Think-Pair-Share': Bitten Sie die Schüler, in ihren Paaren konkrete politische Entscheidungen zu benennen, die ohne diese hypothetische Perspektive schwer zu rechtfertigen wären – z.B. Mindestlohn oder Erbschaftssteuer.


In dieser Übersicht verwendete Methoden