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Klasse 10 Denken und Handeln: Grundlagen der Philosophie
Dieser Kurs führt Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse in die zentralen Disziplinen der Philosophie ein. Der Fokus liegt auf der kritischen Reflexion moralischer Dilemmata, der Analyse von Erkenntnisprozessen und der Untersuchung der menschlichen Existenz im digitalen Zeitalter.

01Was soll ich tun? Grundlagen der Ethik
Untersuchung der wichtigsten ethischen Positionen von der Antike bis zur Moderne zur Begründung moralischen Handelns.
Die Schülerinnen und Schüler analysieren alltägliche moralische Dilemmata und identifizieren die zugrundeliegenden Wertekonflikte.
Analyse des Nützlichkeitsprinzips nach Bentham und Mill sowie dessen Anwendung auf moderne gesellschaftliche Fragen.
Einführung in die Deontologie und die Prüfung von Handlungsmaximen auf ihre Verallgemeinerbarkeit.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen Kants zweite Formulierung des Kategorischen Imperativs und ihre Bedeutung für die Achtung der Menschenwürde.
Betrachtung der aristotelischen Mesotes-Lehre und der Frage nach dem Charakter des Handelnden.
Die Schülerinnen und Schüler wenden verschiedene ethische Theorien auf ein konkretes, aktuelles Dilemma an (z.B. Sterbehilfe, Tierethik).
Einführung in die Vertragstheorie als Begründung moralischer Prinzipien, insbesondere John Rawls' Theorie der Gerechtigkeit.
Die Schülerinnen und Schüler lernen Jürgen Habermas' Diskursethik als Verfahren zur moralischen Konsensfindung kennen.

02Was kann ich wissen? Erkenntnistheorie
Auseinandersetzung mit der Zuverlässigkeit unserer Wahrnehmung und den Quellen menschlichen Wissens.
Die Schülerinnen und Schüler definieren Wissen und unterscheiden es von Meinung und Glauben.
Untersuchung des methodischen Zweifels und der Suche nach einer unerschütterlichen Wahrheit.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen John Lockes Theorie des 'Tabula Rasa' und die Rolle der Sinneserfahrung für die Erkenntnis.
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit Leibniz' Vorstellung von angeborenen Ideen und der Rolle der Vernunft auseinander.
Einführung in Kants Versuch, Empirismus und Rationalismus zu versöhnen und die Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis zu klären.
Diskussion über die subjektive Konstruktion von Realität durch das Gehirn und soziale Prozesse.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen verschiedene philosophische Ansätze zur Definition von Wahrheit.
Auseinandersetzung mit skeptischen Positionen und der Frage, ob gesichertes Wissen überhaupt möglich ist.

03Wer bin ich? Anthropologie
Untersuchung des Wesens des Menschen im Vergleich zu Tieren und künstlichen Systemen.
Die Schülerinnen und Schüler reflektieren über verschiedene Selbstbilder des Menschen und die Frage nach seiner Einzigartigkeit.
Analyse der anthropologischen Ansätze von Gehlen und Plessner zur Sonderstellung des Menschen.
Diskussion über das Verhältnis von physischen Körperzuständen und mentalen Erlebnissen.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen monistische Positionen, die Geist und Körper als Einheit betrachten.
Untersuchung der Frage, ob der menschliche Wille frei ist oder durch Kausalität bestimmt wird.
Die Schülerinnen und Schüler reflektieren über die Konzepte von personaler Identität und Selbst.
Einführung in die existenzialistische Philosophie (z.B. Sartre) und die Betonung von Freiheit, Wahl und Verantwortung.
Reflexion über das Verhältnis des Menschen zur Technik und deren Einfluss auf seine Existenz und Fähigkeiten.

04Wie wollen wir leben? Staatsphilosophie
Reflexion über Gerechtigkeit, Macht und die Legitimation staatlicher Ordnung.
Die Schülerinnen und Schüler diskutieren die Notwendigkeit und die Funktionen staatlicher Ordnung.
Untersuchung von Hobbes' Theorie des Naturzustands als 'Krieg aller gegen alle' und der Notwendigkeit eines absoluten Souveräns.
Vergleich von Rousseaus Naturzustand und seiner Konzeption des Gesellschaftsvertrags und des Gemeinwillens.
Anwendung des Gedankenexperiments des 'Schleiers des Nichtwissens' auf moderne Gesellschaften.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen verschiedene Gerechtigkeitskonzepte und ihre Implikationen für die Verteilung von Gütern.
Diskussion über die Grenzen staatlicher Autorität und das Recht auf zivilen Ungehorsam.
Reflexion über die philosophischen Grundlagen der Demokratie und aktuelle Herausforderungen wie Populismus und Polarisierung.
Einführung in Michel Foucaults Konzepte von Macht als produktiver Kraft und ihrer Verflechtung mit Wissen und Diskurs.

05Logik und Argumentation: Klar denken
Vermittlung von Werkzeugen zur Analyse von Argumenten und zur Vermeidung von Denkfehlern.
Die Schülerinnen und Schüler lernen die Grundstruktur von Argumenten kennen und unterscheiden Prämissen von Konklusionen.
Einführung in die Struktur von logischen Schlüssen und die Prüfung von Validität.
Die Schülerinnen und Schüler unterscheiden zwischen induktiven und deduktiven Argumentationsformen.
Identifikation von logischen Fehlschlüssen und manipulativen Techniken in öffentlichen Debatten.
Die Schülerinnen und Schüler üben die Analyse von Argumentationsstrukturen in philosophischen Texten und Medienbeiträgen.
Anwendung logischer und argumentativer Fähigkeiten zur kritischen Bewertung von Informationen in digitalen Medien.

06Zukunftsethik: Technik und Umwelt
Ethische Herausforderungen durch technologischen Fortschritt und ökologische Krisen.
Die Schülerinnen und Schüler lernen die Bedeutung der angewandten Ethik für aktuelle gesellschaftliche Probleme kennen.
Diskussion über die moralische Handlungsfähigkeit von Algorithmen und autonomen Systemen.
Die Schülerinnen und Schüler diskutieren die ethischen Implikationen der Verbesserung menschlicher Fähigkeiten durch Technologie.
Untersuchung des Imperativs von Hans Jonas und der Rechte künftiger Generationen.
Die Schülerinnen und Schüler diskutieren verschiedene Positionen zur moralischen Berücksichtigung von Tieren.
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit den ethischen Dimensionen des Klimawandels und globaler Gerechtigkeit auseinander.
Ethische Fragen im Zusammenhang mit Gentechnik, Reproduktionsmedizin und dem Beginn menschlichen Lebens.
Diskussion über die ethischen Prinzipien in der Medizin, insbesondere Patientenautonomie und ärztliche Fürsorgepflicht.

07Medienphilosophie: Digitale Existenz
Reflexion über die Auswirkungen digitaler Medien auf Identität, Kommunikation und Gesellschaft.
Die Schülerinnen und Schüler reflektieren über die Rolle von Medien in der menschlichen Wahrnehmung und Kommunikation.
Diskussion über die Konstruktion und Präsentation von Identität in sozialen Medien und virtuellen Welten.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die Herausforderungen der Wahrheitsfindung in einer von Desinformation geprägten Medienlandschaft.
Diskussion über den Wert der Privatsphäre im digitalen Zeitalter und die ethischen Aspekte der Massenüberwachung.
Die Schülerinnen und Schüler entwickeln ethische Richtlinien für den Umgang mit digitalen Technologien und im Online-Verhalten.
Untersuchung der Phänomene von Filterblasen und Echokammern in sozialen Medien und deren Auswirkungen auf die Meinungsbildung.

08Ästhetik und Kunstphilosophie
Untersuchung der Natur von Schönheit, Kunst und ästhetischem Urteil.
Die Schülerinnen und Schüler reflektieren über verschiedene Konzepte von Schönheit und ästhetischer Erfahrung.
Diskussion über die verschiedenen Funktionen von Kunst (z.B. Ausdruck, Erkenntnis, Kritik, Unterhaltung).
Einführung in Kants Theorie des ästhetischen Urteils und die Unterscheidung von 'Geschmack' und 'Interesse'.
Diskussion über die Grenzen der Kunstfreiheit und die moralische Verantwortung von Künstlern.
Die Schülerinnen und Schüler reflektieren über neue Kunstformen und ästhetische Herausforderungen durch digitale Medien.
Einführung in das Konzept des Erhabenen (z.B. bei Kant) und seine Bedeutung für die ästhetische Erfahrung von Größe und Macht.

09Wissenschaftstheorie: Was ist gute Wissenschaft?
Grundlagen der Wissenschaftstheorie, Kriterien wissenschaftlicher Erkenntnis und Abgrenzung von Pseudowissenschaft.
Die Schülerinnen und Schüler reflektieren über die Natur der Wissenschaft und ihre Abgrenzung von anderen Wissensformen.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die Rolle von induktiven und deduktiven Methoden in der wissenschaftlichen Forschung.
Einführung in Karl Poppers Falsifikationismus als Kriterium der Abgrenzung von Wissenschaft und Pseudowissenschaft.
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit Thomas Kuhns Theorie der Paradigmenwechsel in der Wissenschaft auseinander.
Diskussion über die Rolle von Werten in der Wissenschaft und die Frage nach der Objektivität wissenschaftlicher Forschung.
Einführung in die Hermeneutik als Methode des Verstehens und Interpretierens in den Geisteswissenschaften.

10Religionsphilosophie: Glaube und Vernunft
Auseinandersetzung mit philosophischen Argumenten für und gegen die Existenz Gottes und die Rolle des Glaubens.
Die Schülerinnen und Schüler reflektieren über die philosophischen Fragen, die sich aus Religion und Glaube ergeben.
Untersuchung klassischer philosophischer Argumente für die Existenz Gottes.
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit philosophischen Einwänden gegen die Gottesbeweise auseinander.
Diskussion über die Vereinbarkeit der Existenz eines allmächtigen, allgütigen Gottes mit dem Leid in der Welt.
Die Schülerinnen und Schüler reflektieren über das Verhältnis von religiösem Glauben und wissenschaftlichem Wissen.
Untersuchung der philosophischen Bedeutung religiöser Erfahrungen und mystischer Traditionen.