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Klasse 9 Wer bin ich und was soll ich tun? – Philosophische Orientierung in der Moderne
Dieser Kurs führt Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse in die zentralen Fragen der Ethik, Anthropologie und Erkenntnistheorie ein. Im Fokus steht die kritische Auseinandersetzung mit moralischen Dilemmata, der eigenen Identität und der Verantwortung in einer technisierten Welt.

01Freiheit und Determination: Wie frei ist mein Wille?
Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen biologischen Voraussetzungen, sozialen Prägungen und der Idee der menschlichen Willensfreiheit.
Die Schülerinnen und Schüler definieren den Begriff der Willensfreiheit und identifizieren erste intuitive Argumente für und gegen ihre Existenz.
Diskussion über die Erkenntnisse der Hirnforschung und deren Konsequenzen für unser Verständnis von Schuld und Verantwortung.
Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten die philosophischen Positionen des Determinismus und Indeterminismus und deren Argumente.
Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die Position des Kompatibilismus, der Willensfreiheit und Determinismus miteinander vereinbaren möchte.
Analyse des Einflusses von Erziehung, Umfeld und Medien auf die Entwicklung des eigenen Ichs.
Einführung in Sartres Konzept der radikalen Freiheit und die damit verbundene Verantwortung.
Die Schülerinnen und Schüler diskutieren die philosophischen Grundlagen von Verantwortung und Schuld im Kontext der Willensfreiheit.

02Utilitarismus und Pflichtethik: Wie entscheide ich richtig?
Gegenüberstellung der zwei bedeutendsten ethischen Strömungen der Neuzeit zur Lösung moralischer Konflikte.
Die Schülerinnen und Schüler definieren grundlegende ethische Begriffe und unterscheiden zwischen Moral, Ethik und Recht.
Erarbeitung des Utilitarismus nach Bentham und Mill anhand von Fallbeispielen.
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich kritisch mit den Schwächen des Utilitarismus auseinander, insbesondere im Hinblick auf Gerechtigkeit und Minderheitenschutz.
Untersuchung der Deontologie und der Bedeutung von Pflicht und gutem Willen.
Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten Kants Konzept der Menschenwürde und die Zweckformel des Kategorischen Imperativs.
Die Schülerinnen und Schüler diskutieren die Grenzen und Herausforderungen der Kantischen Ethik, insbesondere bei Pflichtenkollisionen.
Anwendung der gelernten Theorien auf moderne Problemstellungen wie Fleischkonsum oder Klimaschutz.

03Wahrheit und Schein: Was können wir wissen?
Auseinandersetzung mit skeptischen Positionen und der Frage nach der Konstruktion von Wirklichkeit.
Die Schülerinnen und Schüler definieren grundlegende Begriffe der Erkenntnistheorie und identifizieren verschiedene Quellen des Wissens.
Untersuchung optischer Täuschungen und skeptischer Argumente von Platon bis Descartes.
Gegenüberstellung der erkenntnistheoretischen Positionen des Rationalismus (Descartes) und Empirismus (Locke, Hume).
Einführung in Kants transzendentale Erkenntnistheorie als Versuch, Rationalismus und Empirismus zu verbinden.
Analyse von Fake News und Filterblasen aus erkenntnistheoretischer Sicht.
Einführung in die Logik und die Kriterien für wissenschaftliche Erkenntnis.
Die Schülerinnen und Schüler diskutieren die Herausforderungen der 'postfaktischen' Ära für das Konzept der Wahrheit und objektiven Erkenntnis.

04Gerechtigkeit und Staat: Wie wollen wir zusammenleben?
Diskussion über soziale Gerechtigkeit, Staatsmodelle und die Verteilung von Gütern.
Die Schülerinnen und Schüler definieren grundlegende Begriffe wie Gerechtigkeit, Recht und Staat und identifizieren deren Funktionen.
Einführung in die Theorien von Hobbes, Locke und Rousseau zum Naturzustand und der Begründung des Staates.
Simulation von John Rawls' Gedankenexperiment zur fairen Gesellschaftsgestaltung.
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich kritisch mit Rawls' Gerechtigkeitstheorie auseinander und diskutieren alternative Gerechtigkeitskonzepte.
Philosophische Begründungen für das Strafrecht: Von der Rache zur Resozialisierung.
Ethische Bewertung von Reichtumsverteilung und dem Recht auf Besitz.
Die Schülerinnen und Schüler diskutieren die philosophischen Grundlagen der Demokratie und aktuelle Herausforderungen wie Populismus und Polarisierung.
Diskussion über die moralische Rechtfertigung von zivilem Ungehorsam und seine Grenzen.

05Technik und Zukunft: Darf der Mensch alles, was er kann?
Ethische Herausforderungen durch neue Technologien, Künstliche Intelligenz und Bioethik.
Die Schülerinnen und Schüler definieren den Gegenstand der Technikethik und identifizieren ethische Fragen im Umgang mit neuen Technologien.
Wer haftet für Entscheidungen, die von Algorithmen getroffen werden?
Die Schülerinnen und Schüler diskutieren die ethischen Implikationen von Big Data, Überwachungstechnologien und dem Recht auf Privatsphäre.
Diskussion über Neuro-Enhancement und Gentechnik (Designer-Babys).
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit den ethischen Fragen der Genmanipulation am Menschen auseinander.
Verantwortung gegenüber künftigen Generationen und der Mitwelt.
Die Schülerinnen und Schüler reflektieren, wie technologische Entwicklungen unser Selbstverständnis und unsere Lebensweise verändern.
Diskussion über die Auswirkungen von Robotern und Automatisierung auf die Arbeitswelt und soziale Gerechtigkeit.

06Religion und Sinn: Worauf darf ich hoffen?
Religionsphilosophische Fragen nach der Existenz Gottes, dem Leid in der Welt und dem Sinn des Lebens.
Die Schülerinnen und Schüler definieren den Gegenstand der Religionsphilosophie und unterscheiden sie von Theologie und Religionswissenschaft.
Gegenüberstellung klassischer Argumente für die Existenz Gottes und moderner Kritik.
Die Frage, wie ein gütiger Gott Leid in der Welt zulassen kann.
Alternative Konzepte von Lebenssinn jenseits religiöser Dogmen.
Die Schülerinnen und Schüler reflektieren philosophische Perspektiven auf den Tod und die Frage nach einem Leben nach dem Tod.
Die Schülerinnen und Schüler diskutieren die Bedeutung von Toleranz und den Herausforderungen des Zusammenlebens verschiedener Religionen und Weltanschauungen.
Untersuchung der Bedeutung und Funktion von Ritualen und Symbolen in verschiedenen religiösen Traditionen.
Diskussion über die Herausforderungen und Chancen religiöser Vielfalt in einer säkularen Gesellschaft.