Objektkunst: Alltagsgegenstände neu sehen
Transformation von Gebrauchsgegenständen in Kunstobjekte durch Verfremdung und Neuanordnung.
Über dieses Thema
Objektkunst lädt Schüler ein, Alltagsgegenstände durch Verfremdung und Neuanordnung in Kunstobjekte zu verwandeln. Sie lernen, wie ein simpler Löffel oder eine Flasche durch Veränderung der Perspektive, Kombination mit anderen Materialien oder Kontextwechsel eine neue Bedeutung erhält. Dieses Thema aus der Einheit 'Vom Blatt in den Raum: Plastisches Gestalten' knüpft direkt an die KMK-Standards KMK-BS-BK-P-3.3 und KMK-BS-BK-R-3.1 an. Schüler analysieren Veränderungen der Objektbedeutung, gestalten eigene Werke mit neuen Funktionen oder Aussagen und beurteilen künstlerische Botschaften von Fundstücken.
Im Unterricht entsteht so ein Verständnis für plastisches Gestalten jenseits des Zweidimensionalen. Schüler entdecken, dass Kunst nicht nur Schönheit schafft, sondern auch kritisch reflektiert und Gesellschaft anspricht. Beispiele von Künstlern wie Marcel Duchamp oder Joseph Beuys machen die Techniken greifbar und regen Diskussionen über Alltag und Kunst an. Dies fördert Wahrnehmungsfähigkeit, Kreativität und Urteilsbildung.
Aktives Lernen passt hervorragend zu diesem Thema, weil Schüler durch eigenes Experimentieren mit realen Gegenständen die Verfremdung direkt erleben. Sie bauen, testen und diskutieren in Gruppen, was abstrakte Ideen konkret macht und langfristig im Gedächtnis verankert.
Leitfragen
- Analysieren Sie, wie die Verfremdung eines Alltagsgegenstandes seine Bedeutung verändert.
- Gestalten Sie ein Objekt, das eine neue Funktion oder Aussage erhält.
- Beurteilen Sie, welche Botschaft ein Künstler durch die Verwendung von Fundstücken vermitteln kann.
Lernziele
- Analysieren Sie, wie die Veränderung der Form oder des Kontexts eines Alltagsgegenstandes seine ursprüngliche Funktion und Bedeutung beeinflusst.
- Entwerfen und erstellen Sie ein eigenes Kunstobjekt aus vorgefundenen Materialien, das eine neue Aussage oder Funktion verkörpert.
- Bewerten Sie die künstlerische Absicht hinter der Verwendung von Alltagsgegenständen in den Werken von Künstlern wie Marcel Duchamp oder Joseph Beuys.
- Klassifizieren Sie verschiedene Techniken der Verfremdung und Neuanordnung von Objekten, die in der Objektkunst angewendet werden.
Bevor es losgeht
Warum: Schüler sollten bereits grundlegende Erfahrungen im Umgang mit dreidimensionalen Materialien und Formen gesammelt haben, um die Transformation von Objekten zu verstehen.
Warum: Ein grundlegendes Verständnis dafür, wie Objekte in ihrer Form und Funktion wahrgenommen und dargestellt werden, ist notwendig, um deren Verfremdung nachvollziehen zu können.
Schlüsselvokabular
| Objektkunst | Eine Kunstform, bei der reale Gegenstände oder Teile davon zu einem Kunstwerk verarbeitet werden. Oft werden dabei Alltagsgegenstände verwendet. |
| Verfremdung | Die Veränderung eines bekannten Objekts, sodass es seine ursprüngliche Funktion verliert oder eine neue, unerwartete Bedeutung erhält. Dies kann durch Formveränderung, Kontextwechsel oder Kombination geschehen. |
| Neuanordnung | Das Zusammenfügen verschiedener Objekte oder Objektteile zu einer neuen Einheit, die eine veränderte oder erweiterte Aussagekraft besitzt. |
| Ready-made | Ein von Marcel Duchamp geprägter Begriff für ein industriell gefertigtes Objekt, das vom Künstler ausgewählt und zum Kunstwerk erklärt wird, oft ohne weitere Bearbeitung. |
| Fundstück | Ein Gegenstand, der in der Umwelt gefunden und von einem Künstler für seine Arbeit verwendet wird. Dies können natürliche oder künstliche Objekte sein. |
Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen
Häufige FehlvorstellungKunst muss immer neu und teuer sein.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Viele Kunstobjekte entstehen aus Alltagsfundstücken, wie bei Ready-mades. Aktive Sammlungen und Umbauten in Gruppen zeigen Schülern, dass Kreativität im Neuen Sehen liegt. Peer-Diskussionen klären, wie Wert durch Kontext entsteht.
Häufige FehlvorstellungVerfremdung bedeutet nur Bemalen.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Verfremdung umfasst Neuanordnung, Kontext und Perspektive. Hands-on-Stationen lassen Schüler verschiedene Techniken ausprobieren und entdecken, dass Bedeutung durch Kombination entsteht. Das reduziert Oberflächenverständnis.
Häufige FehlvorstellungObjekte behalten immer ihre ursprüngliche Funktion.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Durch Verfremdung verschiebt sich die Bedeutung vollständig. Schüler testen in Pärchen neue Funktionen und diskutieren, was hilft, starre Vorstellungen aufzubrechen und flexible Wahrnehmung zu fördern.
Ideen für aktives Lernen
Alle Aktivitäten ansehenStationenrotation: Verfremdungsstationen
Richten Sie vier Stationen ein: Verfremdung durch Farbe (Sprühfarbe auf Flaschen), Neuanordnung (Stöcke zu Skulpturen binden), Kontextwechsel (Geschirr als Tierfigur) und Kombination (Altreifen mit Stoffen). Gruppen rotieren alle 10 Minuten und notieren Beobachtungen. Abschließend präsentieren sie ein Objekt.
Pärchenarbeit: Objekt-Tausch
Paare wählen je ein Alltagsobjekt aus, tauschen es und verändern das fremde Stück durch Verfremdung. Sie besprechen, wie die Bedeutung sich ändert, und fotografieren vor/nach. Gemeinsam entsteht eine kurze Erklärung zur neuen Aussage.
Gruppenprojekt: Fundstücke-Assemblage
Gruppen sammeln Fundstücke vom Schulhof, ordnen sie neu an und bauen eine Skulptur mit Botschaft (z.B. Umweltschutz). Sie planen, konstruieren mit Kleber oder Draht und halten den Prozess in einem Protokoll fest. Präsentation mit Begründung der Intention.
Individuell: Skizze zu Objekt
Jeder Schüler skizziert ein Alltagsobjekt, plant Verfremdung und realisiert es mit Haushaltsmaterialien. Reflexion: Wie verändert sich die Funktion? Werke werden in der Klasse ausgestellt und besprochen.
Bezüge zur Lebenswelt
- Designer für Möbel oder Mode verwenden oft Fundstücke oder recycelte Materialien, um einzigartige Produkte zu schaffen. Sie ordnen bekannte Elemente neu an, um innovative Designs mit einer neuen Ästhetik oder Funktion zu entwickeln.
- Künstler, die mit Installationen arbeiten, wie z.B. in Museen oder öffentlichen Räumen, verwandeln oft alltägliche Objekte in raumgreifende Skulpturen. Sie nutzen Verfremdung, um die Wahrnehmung des Betrachters für die Umgebung und die Objekte selbst zu verändern.
- Werbedesigner und Marketingexperten nutzen die psychologische Wirkung von Objekten. Durch die Neuanordnung und den Kontextwechsel können sie die Wahrnehmung eines Produkts verändern und eine bestimmte Botschaft oder Emotion beim Konsumenten hervorrufen.
Ideen zur Lernstandserhebung
Lassen Sie die Schüler ein Foto eines Alltagsgegenstandes (z.B. eine Gabel) auf einen Zettel kleben. Bitten Sie sie, zwei Sätze zu schreiben, wie sie diesen Gegenstand verfremden könnten, um ihm eine neue Bedeutung zu geben, und welche Technik sie dafür nutzen würden.
Zeigen Sie den Schülern ein Bild von Marcel Duchamps 'Fountain'. Stellen Sie die Frage: 'Warum könnte der Künstler dieses Objekt als Kunstwerk bezeichnet haben, obwohl es ein industriell gefertigter Gebrauchsgegenstand ist?' Sammeln Sie die Antworten und diskutieren Sie die Rolle des Kontexts und der künstlerischen Entscheidung.
Geben Sie den Schülern eine Liste mit Begriffen (z.B. Verfremdung, Neuanordnung, Ready-made, Fundstück). Bitten Sie sie, zu jedem Begriff ein kurzes Beispiel aus ihrer Vorstellung oder aus bekannten Kunstwerken zu nennen, um ihr Verständnis zu überprüfen.
Häufig gestellte Fragen
Wie erkläre ich Verfremdung einfachen Kindern?
Welche Materialien eignen sich für Objektkunst?
Wie verbinde ich das mit KMK-Standards?
Wie hilft aktives Lernen beim Verständnis von Objektkunst?
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