Skip to content
Grundlagen der Persönlichkeitspsychologie
Psychologie · Klasse 12 · Persönlichkeitspsychologie · 2. Halbjahr

Grundlagen der Persönlichkeitspsychologie

Einführung in zentrale Begriffe wie Persönlichkeit, Charakter und Temperament und die Abgrenzung der wissenschaftlichen Psychologie von der Alltagspsychologie.

Kurzfassung:Starten Sie diese Einheit mit der Frage, wie wir eigentlich wissen, 'wie jemand tickt', und decken Sie gemeinsam auf, wie sich die alltägliche Menschenkenntnis von der wissenschaftlichen Psychologie unterscheidet.

KMK BildungsstandardsLehrplanPLUS Gymnasium Bayern: Psychologie - Psy 12.1 Persönlichkeit und ihre Entwicklung

Über dieses Thema

Dieses Thema legt den Grundstein für das Verständnis der Persönlichkeitspsychologie, einem zentralen Feld der Psychologie. Für Schülerinnen und Schüler der 12. Klasse ist es entscheidend, die wissenschaftliche Herangehensweise von der allgegenwärtigen Alltagspsychologie zu unterscheiden. Der Lehrplan der gymnasialen Oberstufe in Deutschland betont die Entwicklung wissenschaftspropädeutischer Kompetenzen, wozu die kritische Reflexion von Alltagsphänomenen und die Anwendung wissenschaftlicher Gütekriterien gehören. Diese Einheit führt in die zentralen Begriffe Persönlichkeit, Charakter und Temperament ein und arbeitet deren spezifische Bedeutungen und Abgrenzungen heraus. Die Auseinandersetzung mit der Notwendigkeit einer empirisch fundierten Psychologie schult das kritische Denken und befähigt die Lernenden, populärpsychologische Aussagen, wie sie in Medien häufig vorkommen, fundiert zu hinterfragen. Das Thema bereitet somit auf die Analyse komplexerer Persönlichkeitstheorien in den folgenden Unterrichtseinheiten vor und verdeutlicht, wie die Psychologie als Wissenschaft versucht, die Komplexität des menschlichen Individuums systematisch zu erfassen und zu verstehen.

Leitfragen

  1. Erklären Sie den Unterschied zwischen alltagspsychologischen und wissenschaftlichen Annahmen über die Persönlichkeit.
  2. Vergleichen Sie die Begriffe Persönlichkeit, Charakter und Temperament.
  3. Analysieren Sie, warum eine wissenschaftliche Herangehensweise an die Persönlichkeit notwendig ist.

Lernziele

  • Die Schülerinnen und Schüler grenzen die wissenschaftliche Psychologie von der Alltagspsychologie anhand zentraler Kriterien ab.
  • Sie definieren und vergleichen die Grundbegriffe Persönlichkeit, Charakter und Temperament.
  • Sie erläutern die Notwendigkeit einer empirisch-wissenschaftlichen Untersuchung der Persönlichkeit.
  • Sie analysieren alltagspsychologische Aussagen kritisch im Hinblick auf ihre Wissenschaftlichkeit.
  • Sie wenden die Fachterminologie korrekt auf einfache Fallbeispiele an.

Schlüsselvokabular

PersönlichkeitDie einzigartige und relativ überdauernde Gesamtheit von psychischen Eigenschaften und Verhaltensmustern, die eine Person charakterisieren.
CharakterBezieht sich oft auf die erworbenen, durch Werte und die Umwelt geformten Aspekte der Persönlichkeit, die häufig eine moralische Dimension beinhalten.
TemperamentDie angeborenen, biologisch basierten Grundzüge der Persönlichkeit, die sich früh zeigen, insbesondere in der emotionalen Reagibilität und Selbstregulation.
AlltagspsychologieEin System von subjektiven, unsystematischen und nicht wissenschaftlich überprüften Annahmen über menschliches Erleben und Verhalten, das der Orientierung im Alltag dient.
Wissenschaftliche PsychologieDie empirische Wissenschaft, die menschliches Erleben und Verhalten auf der Basis überprüfbarer Theorien und systematischer Methoden beschreibt, erklärt, vorhersagt und beeinflusst.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungPersönlichkeit ist angeboren und kann sich nicht ändern.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Obwohl es eine starke genetische Komponente gibt (Temperament), ist die Persönlichkeit nicht starr. Sie entwickelt sich durch Erfahrungen, Lernprozesse und die Interaktion mit der Umwelt und kann sich über die Lebensspanne, insbesondere durch signifikante Lebensereignisse, verändern.

Häufige FehlvorstellungAlltagspsychologie ist immer falsch und nutzlos.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Alltagspsychologie ist nicht zwangsläufig falsch, sie erfüllt im täglichen Leben eine wichtige Funktion zur schnellen Orientierung. Sie ist jedoch unsystematisch, subjektiv und nicht empirisch überprüft, weshalb sie den Ansprüchen einer wissenschaftlichen Theorie nicht genügt.

Häufige FehlvorstellungCharakter und Persönlichkeit sind genau dasselbe.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Während die Begriffe im Alltag oft synonym verwendet werden, hat 'Charakter' in der Psychologie oft eine wertende, moralische Konnotation und bezieht sich auf erworbene Eigenschaften. Der Begriff 'Persönlichkeit' wird in der Wissenschaft bevorzugt, da er neutraler ist und die Gesamtheit der stabilen Verhaltens-, Denk- und Gefühlsmuster beschreibt.

Ideen für aktives Lernen

Alle Aktivitäten ansehen

Bezüge zur Lebenswelt

  • Eignungsdiagnostik bei der Personalauswahl in Unternehmen.
  • Diagnose und Therapie von Persönlichkeitsstörungen in der klinischen Psychologie.
  • Berufs- und Studienberatung zur Abstimmung von Interessen und Fähigkeiten mit beruflichen Anforderungen.
  • Erstellung von Täterprofilen in der Kriminalistik (Profiling).
  • Verbesserung des Selbstverständnisses und der zwischenmenschlichen Beziehungen im privaten Bereich.

Ideen zur Lernstandserhebung

Lernstandskontrolle

Exit-Ticket: Die Schüler fassen in drei Sätzen den wichtigsten Unterschied zwischen Alltagspsychologie und wissenschaftlicher Psychologie zusammen.

Kurze Überprüfung

Klausuraufgabe: Analyse einer kurzen Fallstudie, in der die Persönlichkeit einer fiktiven Person unter Anwendung und Abgrenzung der Begriffe Persönlichkeit, Charakter und Temperament beschrieben werden muss.

Kurze Überprüfung

Die Schüler bewerten anhand einer Checkliste, wie sicher sie die zentralen Begriffe definieren und voneinander abgrenzen können.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist eine wissenschaftliche Herangehensweise an die Persönlichkeit überhaupt notwendig?
Eine wissenschaftliche Herangehensweise ist notwendig, um objektive, verlässliche und gültige Erkenntnisse zu gewinnen. Sie schützt vor Fehlurteilen, Vorurteilen und Verallgemeinerungen, die in der Alltagspsychologie häufig sind, und ermöglicht die Entwicklung fundierter Theorien und praktischer Anwendungen, z.B. in der Therapie oder Personalauswahl.
Sind Horoskope eine Form der Persönlichkeitsbeschreibung?
Nein, Horoskope und Astrologie sind Pseudowissenschaften. Ihre Aussagen sind oft so vage und allgemein gehalten (Barnum-Effekt), dass sie auf viele Menschen zutreffen. Ihnen fehlt die empirische Grundlage und die Überprüfbarkeit, die für die wissenschaftliche Persönlichkeitspsychologie essenziell sind.
Kann man Persönlichkeit objektiv messen?
Ja, die Psychologie hat standardisierte Verfahren wie Persönlichkeitsfragebögen (z.B. basierend auf dem Big-Five-Modell) entwickelt, um Persönlichkeitsmerkmale zu erfassen. Diese Tests müssen strenge Gütekriterien (Objektivität, Reliabilität, Validität) erfüllen, um als wissenschaftlich fundiert zu gelten.
Edited by Adriana Perusin, Editor-in-Chief, Flip Education