
Grundlagen der Persönlichkeitspsychologie
Einführung in zentrale Begriffe wie Persönlichkeit, Charakter und Temperament und die Abgrenzung der wissenschaftlichen Psychologie von der Alltagspsychologie.
Kurzfassung:Starten Sie diese Einheit mit der Frage, wie wir eigentlich wissen, 'wie jemand tickt', und decken Sie gemeinsam auf, wie sich die alltägliche Menschenkenntnis von der wissenschaftlichen Psychologie unterscheidet.
Über dieses Thema
Dieses Thema legt den Grundstein für das Verständnis der Persönlichkeitspsychologie, einem zentralen Feld der Psychologie. Für Schülerinnen und Schüler der 12. Klasse ist es entscheidend, die wissenschaftliche Herangehensweise von der allgegenwärtigen Alltagspsychologie zu unterscheiden. Der Lehrplan der gymnasialen Oberstufe in Deutschland betont die Entwicklung wissenschaftspropädeutischer Kompetenzen, wozu die kritische Reflexion von Alltagsphänomenen und die Anwendung wissenschaftlicher Gütekriterien gehören. Diese Einheit führt in die zentralen Begriffe Persönlichkeit, Charakter und Temperament ein und arbeitet deren spezifische Bedeutungen und Abgrenzungen heraus. Die Auseinandersetzung mit der Notwendigkeit einer empirisch fundierten Psychologie schult das kritische Denken und befähigt die Lernenden, populärpsychologische Aussagen, wie sie in Medien häufig vorkommen, fundiert zu hinterfragen. Das Thema bereitet somit auf die Analyse komplexerer Persönlichkeitstheorien in den folgenden Unterrichtseinheiten vor und verdeutlicht, wie die Psychologie als Wissenschaft versucht, die Komplexität des menschlichen Individuums systematisch zu erfassen und zu verstehen.
Leitfragen
- Erklären Sie den Unterschied zwischen alltagspsychologischen und wissenschaftlichen Annahmen über die Persönlichkeit.
- Vergleichen Sie die Begriffe Persönlichkeit, Charakter und Temperament.
- Analysieren Sie, warum eine wissenschaftliche Herangehensweise an die Persönlichkeit notwendig ist.
Lernziele
- Die Schülerinnen und Schüler grenzen die wissenschaftliche Psychologie von der Alltagspsychologie anhand zentraler Kriterien ab.
- Sie definieren und vergleichen die Grundbegriffe Persönlichkeit, Charakter und Temperament.
- Sie erläutern die Notwendigkeit einer empirisch-wissenschaftlichen Untersuchung der Persönlichkeit.
- Sie analysieren alltagspsychologische Aussagen kritisch im Hinblick auf ihre Wissenschaftlichkeit.
- Sie wenden die Fachterminologie korrekt auf einfache Fallbeispiele an.
Schlüsselvokabular
| Persönlichkeit | Die einzigartige und relativ überdauernde Gesamtheit von psychischen Eigenschaften und Verhaltensmustern, die eine Person charakterisieren. |
| Charakter | Bezieht sich oft auf die erworbenen, durch Werte und die Umwelt geformten Aspekte der Persönlichkeit, die häufig eine moralische Dimension beinhalten. |
| Temperament | Die angeborenen, biologisch basierten Grundzüge der Persönlichkeit, die sich früh zeigen, insbesondere in der emotionalen Reagibilität und Selbstregulation. |
| Alltagspsychologie | Ein System von subjektiven, unsystematischen und nicht wissenschaftlich überprüften Annahmen über menschliches Erleben und Verhalten, das der Orientierung im Alltag dient. |
| Wissenschaftliche Psychologie | Die empirische Wissenschaft, die menschliches Erleben und Verhalten auf der Basis überprüfbarer Theorien und systematischer Methoden beschreibt, erklärt, vorhersagt und beeinflusst. |
Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen
Häufige FehlvorstellungPersönlichkeit ist angeboren und kann sich nicht ändern.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Obwohl es eine starke genetische Komponente gibt (Temperament), ist die Persönlichkeit nicht starr. Sie entwickelt sich durch Erfahrungen, Lernprozesse und die Interaktion mit der Umwelt und kann sich über die Lebensspanne, insbesondere durch signifikante Lebensereignisse, verändern.
Häufige FehlvorstellungAlltagspsychologie ist immer falsch und nutzlos.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Alltagspsychologie ist nicht zwangsläufig falsch, sie erfüllt im täglichen Leben eine wichtige Funktion zur schnellen Orientierung. Sie ist jedoch unsystematisch, subjektiv und nicht empirisch überprüft, weshalb sie den Ansprüchen einer wissenschaftlichen Theorie nicht genügt.
Häufige FehlvorstellungCharakter und Persönlichkeit sind genau dasselbe.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Während die Begriffe im Alltag oft synonym verwendet werden, hat 'Charakter' in der Psychologie oft eine wertende, moralische Konnotation und bezieht sich auf erworbene Eigenschaften. Der Begriff 'Persönlichkeit' wird in der Wissenschaft bevorzugt, da er neutraler ist und die Gesamtheit der stabilen Verhaltens-, Denk- und Gefühlsmuster beschreibt.
Ideen für aktives Lernen
Alle Aktivitäten ansehen→Vier-Ecken-Methode
Mythen der Alltagspsychologie
Schülerinnen und Schüler sammeln in Kleingruppen bekannte Sprichwörter oder Alltagsweisheiten über die Persönlichkeit (z.B. 'Stille Wasser sind tief'). Anschließend bewerten sie diese anhand von wissenschaftlichen Gütekriterien wie Überprüfbarkeit, Objektivität und Generalisierbarkeit.
Vier-Ecken-Methode
Begriffs-Landkarte erstellen
In Partnerarbeit erstellen die Lernenden eine Concept-Map oder ein Venn-Diagramm, um die Beziehungen, Unterschiede und Überschneidungen der Begriffe Persönlichkeit, Charakter und Temperament visuell darzustellen. Ihre Ergebnisse stellen sie anschließend einem anderen Paar vor.
Vier-Ecken-Methode
Fallanalyse: Wissenschaftlich beschrieben
Die Schüler erhalten eine kurze, fiktive Fallbeschreibung einer Person. Ihre Aufgabe ist es, die Persönlichkeit dieser Person ausschließlich mit den neu erlernten wissenschaftlichen Begriffen zu beschreiben und dabei bewusst auf wertende oder alltagspsychologische Sprache zu verzichten.
Bezüge zur Lebenswelt
- Eignungsdiagnostik bei der Personalauswahl in Unternehmen.
- Diagnose und Therapie von Persönlichkeitsstörungen in der klinischen Psychologie.
- Berufs- und Studienberatung zur Abstimmung von Interessen und Fähigkeiten mit beruflichen Anforderungen.
- Erstellung von Täterprofilen in der Kriminalistik (Profiling).
- Verbesserung des Selbstverständnisses und der zwischenmenschlichen Beziehungen im privaten Bereich.
Ideen zur Lernstandserhebung
Exit-Ticket: Die Schüler fassen in drei Sätzen den wichtigsten Unterschied zwischen Alltagspsychologie und wissenschaftlicher Psychologie zusammen.
Klausuraufgabe: Analyse einer kurzen Fallstudie, in der die Persönlichkeit einer fiktiven Person unter Anwendung und Abgrenzung der Begriffe Persönlichkeit, Charakter und Temperament beschrieben werden muss.
Die Schüler bewerten anhand einer Checkliste, wie sicher sie die zentralen Begriffe definieren und voneinander abgrenzen können.
Häufig gestellte Fragen
Warum ist eine wissenschaftliche Herangehensweise an die Persönlichkeit überhaupt notwendig?
Sind Horoskope eine Form der Persönlichkeitsbeschreibung?
Kann man Persönlichkeit objektiv messen?
Mehr in Persönlichkeitspsychologie
Eigenschaftstheoretische Ansätze: Das Fünf-Faktoren-Modell
Untersuchung des einflussreichsten eigenschaftstheoretischen Modells, der 'Big Five': Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus.
8 methodologies
Psychodynamische Persönlichkeitstheorien
Analyse von Sigmund Freuds Strukturmodell der Persönlichkeit mit Es, Ich und Über-Ich sowie die Rolle unbewusster Konflikte und Abwehrmechanismen.
8 methodologies
Humanistische Persönlichkeitstheorien
Fokus auf Carl Rogers' personenzentrierte Theorie, die Konzepte des Selbst, der Kongruenz und der angeborenen Tendenz zur Selbstverwirklichung in den Mittelpunkt stellt.
8 methodologies
Entwicklung der Persönlichkeit: Anlage und Umwelt
Erörterung der Frage, inwieweit die Persönlichkeit durch genetische Veranlagung (Anlage) und durch Erfahrungen und Lernprozesse (Umwelt) geformt wird.
8 methodologies
Persönlichkeitsdiagnostik: Messung von Eigenschaften
Einblick in die Methoden zur Erfassung von Persönlichkeitsmerkmalen, einschließlich objektiver Tests wie Fragebögen und projektiver Verfahren.
8 methodologies