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Philosophie · Klasse 11

Ideen für aktives Lernen

Herder: Mensch als Kultur- und Sprachwesen

Aktives Lernen eignet sich besonders gut für dieses Thema, weil die Schüler die abstrakten Konzepte von Körper, Geist und Sprache durch konkrete Experimente und Diskussionen greifbar machen können. Gerade bei der Gegenüberstellung von Dualismus und Physikalismus hilft es den Lernenden, ihre eigenen Vorstellungen zu hinterfragen und durch direkte Konfrontation mit Gegenargumenten zu vertiefen.

KMK BildungsstandardsReflexion anthropologischer GrundfragenPhilosophische Textanalyse
20–60 Min.Partnerarbeit → Ganze Klasse3 Aktivitäten

Aktivität 01

Gruppenpuzzle25 Min. · Kleingruppen

Gedankenexperiment: Marys Zimmer

Die Schüler diskutieren das Szenario einer Wissenschaftlerin, die alles über Farben weiß, aber nie eine gesehen hat. In Kleingruppen debattieren sie, ob Mary etwas Neues lernt, wenn sie zum ersten Mal Rot sieht, um das Problem der Qualia zu verstehen.

Erklären Sie, wie Herder die menschliche Sprachfähigkeit als entscheidendes Merkmal der Kulturbildung betrachtet.

ModerationstippFordern Sie die Schüler während des Stationenlernens auf, bei jedem Textausschnitt eine konkrete Frage an die Tafel zu schreiben, die sie an die Gruppe weitergeben, um die Diskussion anzuregen.

Worauf zu achten istStellen Sie den Schülern folgende Frage: 'Inwiefern unterscheidet sich die menschliche Entwicklung von der anderer Lebewesen, wenn man Herders Idee des Kulturwesens und Gehlens Konzept des Mängelwesens betrachtet? Nennen Sie mindestens zwei konkrete Beispiele.' Bitten Sie die Schüler, ihre Antworten im Plenum zu diskutieren.

VerstehenAnalysierenBewertenBeziehungsfähigkeitSelbststeuerung
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Aktivität 02

Lernen an Stationen60 Min. · Kleingruppen

Lernen an Stationen: Neurophilosophie vs. Dualismus

An verschiedenen Stationen analysieren Schüler Texte von Descartes, Libet und modernen Hirnforschern. Sie ordnen Argumente auf einer Skala zwischen Monismus und Dualismus ein und begründen ihre Wahl gegenüber ihren Mitschülern.

Differentiieren Sie Herders 'Kulturwesen' von Gehlens 'Mängelwesen' hinsichtlich der menschlichen Natur.

ModerationstippBeobachten Sie beim Think-Pair-Share, ob die Schüler beim Austausch in Partnerarbeit tatsächlich die Argumente des anderen aufgreifen oder nur ihre eigenen wiederholen – das ist ein Indikator für echte Reflexion.

Worauf zu achten istGeben Sie den Schülern ein kurzes Zitat von Herder zur Sprache und Kultur. Bitten Sie sie, in ein bis zwei Sätzen zu erklären, wie dieses Zitat Herders Hauptthese über den Menschen als Sprach- und Kulturwesen illustriert.

ErinnernVerstehenAnwendenAnalysierenSelbststeuerungBeziehungsfähigkeit
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Aktivität 03

Ich-Du-Wir (Denken-Austauschen-Vorstellen): Das Teleporter-Dilemma

Schüler überlegen einzeln, ob sie ein Original oder eine Kopie wären, wenn ihre Atome an einen anderen Ort gebeamt würden. In Paaren prüfen sie, ob ihre Identität an der Materie oder an einem unstofflichen Geist hängt.

Beurteilen Sie die Bedeutung von Sprache für die Entwicklung des menschlichen Denkens und der Gesellschaft.

ModerationstippAchten Sie beim Gedankenexperiment zu Marys Zimmer darauf, dass die Schüler nicht nur die Lösung wiedergeben, sondern auch erklären, warum der Physikalismus diese Schlussfolgerung stützt.

Worauf zu achten istLassen Sie die Schüler auf einer Karteikarte notieren: 1. Ein Merkmal, das Herder dem Menschen als Kulturwesen zuschreibt. 2. Eine Auswirkung, die Sprache auf die menschliche Gesellschaft hat. 3. Eine Frage, die sich aus der Gegenüberstellung von Herder und Gehlen ergibt.

VerstehenAnwendenAnalysierenSelbstwahrnehmungBeziehungsfähigkeit
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Einige Hinweise zum Unterrichten dieser Einheit

Erfahrene Lehrkräfte setzen hier auf eine Balance zwischen Theorie und Praxis: Zuerst wird das Thema durch klare Definitionen und Zitate eingeführt, dann aber sofort durch Experimente und Diskussionen vertieft. Wichtig ist, dass die Schüler eigene Positionen entwickeln und diese gegen andere Argumente verteidigen müssen. Vermeiden Sie es, zu schnell zu bewerten – stattdessen sollten Sie die Schüler anregen, ihre Gedanken zu strukturieren und zu hinterfragen. Die Forschung zeigt, dass philosophische Themen besonders wirksam sind, wenn sie mit persönlichen Erfahrungen oder aktuellen Bezügen verknüpft werden.

Erfolgreiches Lernen zeigt sich darin, dass die Schüler die Unterschiede zwischen Descartes‘ Dualismus, Herders Kulturtheorie und modernen neurophilosophischen Ansätzen klar benennen und in eigenen Worten erklären können. Zudem sollen sie in der Lage sein, Alltagsvorstellungen von philosophischen Fachbegriffen zu trennen und argumentativ zu diskutieren.


Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

  • Während des Stationenlernens zu Neurophilosophie vs. Dualismus hören Sie vielleicht, dass Schüler den Begriff 'Dualismus' mit einer einfachen Meinungsverschiedenheit verwechseln.

    Nutzen Sie die Begriffskarten aus der Stationenarbeit, um gemeinsam mit den Schülern die Definitionen von res cogitans und res extensa zu wiederholen und anhand konkreter Beispiele aus Descartes‘ Texten zu verdeutlichen.

  • Während der Diskussion im philosophischen Café könnte geäußert werden, dass die Neurowissenschaften die Existenz einer Seele wissenschaftlich widerlegt hätten.

    Lenken Sie die Aufmerksamkeit auf die Arbeitsanweisung des Cafés, in der zwischen empirischen Daten und philosophischen Schlussfolgerungen unterschieden werden muss, und lassen Sie die Schüler die Argumente mit den Materialien aus der Neurophilosophie-Station abgleichen.


In dieser Übersicht verwendete Methoden