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Philosophie · Klasse 11

Ideen für aktives Lernen

Der Mensch als Mängelwesen nach Gehlen

Aktive Lernformate passen zu diesem Thema, weil die Frage nach der biologischen Unterlegenheit oder kulturellen Stärke des Menschen erst durch eigene Reflexion und Diskussion greifbar wird. Gehlens Theorie lebt davon, dass Schüler den scheinbaren Nachteil der Instinktarmut selbst als Chance erkennen lernen.

KMK BildungsstandardsReflexion anthropologischer GrundfragenPhilosophische Textanalyse
20–45 Min.Partnerarbeit → Ganze Klasse3 Aktivitäten

Aktivität 01

Ich-Du-Wir (Denken-Austauschen-Vorstellen): Der Mensch im Zoo

Die Schüler vergleichen in Einzelarbeit die Überlebensfähigkeiten eines Löwen mit denen eines Menschen in der Wildnis. In Paaren diskutieren sie, welche kulturellen Werkzeuge der Mensch erfunden hat, um biologische Nachteile auszugleichen, bevor die Ergebnisse im Plenum gesammelt werden.

Analysieren Sie, inwiefern Gehlens Konzept des 'Mängelwesens' die menschliche Anpassungsfähigkeit erklärt.

ModerationstippStellen Sie beim Think-Pair-Share sicher, dass die Schüler konkrete Tiere im Zoo nennen und deren Instinkte mit menschlichen Verhaltensweisen vergleichen.

Worauf zu achten istTeilen Sie die Klasse in Kleingruppen auf. Geben Sie jeder Gruppe ein Zitat von Gehlen oder Herder. Die Gruppen sollen das Zitat analysieren, seine Verbindung zur Mängelwesen-Theorie bzw. Kulturwesen-Vorstellung erläutern und eine kurze Zusammenfassung für die Klasse vorbereiten.

VerstehenAnwendenAnalysierenSelbstwahrnehmungBeziehungsfähigkeit
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Aktivität 02

Debatte45 Min. · Kleingruppen

Debatte: Mangel oder Privileg?

Zwei Gruppen bereiten Argumente vor: Eine Seite vertritt Gehlens Ansicht des schutzlosen Mängelwesens, die andere Herders Fokus auf die Befreiung durch Vernunft. In einer moderierten Debatte verteidigen sie ihre Positionen zur Frage, ob Biologie unser Schicksal ist.

Vergleichen Sie Gehlens Sichtweise mit der Vorstellung des Menschen als 'Kulturwesen' bei Herder.

ModerationstippLenken Sie die Debatte 'Mangel oder Privileg?' durch gezielte Nachfragen nach Gehlens Argumenten, nicht durch emotionale Bewertungen.

Worauf zu achten istStellen Sie den Schülern eine Tabelle mit zwei Spalten zur Verfügung: 'Biologische Merkmale des Menschen' und 'Kulturelle Kompensationen'. Bitten Sie sie, jeweils drei Beispiele einzutragen, die die Mängelwesen-Theorie stützen.

AnalysierenBewertenErschaffenSelbststeuerungEntscheidungsfähigkeit
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Aktivität 03

Forschungskreis30 Min. · Kleingruppen

Forschungskreis: Kultur als Zweite Natur

Kleingruppen untersuchen verschiedene Kulturbereiche wie Technik, Sprache oder Kleidung. Sie analysieren, welches biologische Defizit durch diese kulturelle Leistung jeweils kompensiert wird, und erstellen ein Concept-Map-Plakat.

Beurteilen Sie die Implikationen der Mängelwesen-Theorie für das moderne Verständnis von Bildung und Erziehung.

ModerationstippBei der Collaborative Investigation zu Kultur als Zweite Natur achten Sie darauf, dass die Schüler nicht nur Beispiele sammeln, sondern auch deren Funktion im Sinne Gehlens analysieren.

Worauf zu achten istBitten Sie die Schüler, auf einem Zettel zu notieren: 'Was ist für mich die wichtigste kulturelle Leistung, die den Menschen zum 'Mängelwesen' im Sinne Gehlens macht?' und 'Warum ist diese Leistung für die menschliche Anpassungsfähigkeit entscheidend?'

AnalysierenBewertenErschaffenSelbststeuerungSelbstwahrnehmung
Komplette Unterrichtsstunde erstellen

Einige Hinweise zum Unterrichten dieser Einheit

Erfahrene Lehrkräfte beginnen mit alltagsnahen Vergleichen, etwa dem Verhalten von Tieren im Zoo versus dem von Menschen in ähnlichen Situationen. Sie vermeiden es, die Theorie zu abstrakt zu vermitteln, und setzen stattdessen auf konkrete Fallbeispiele und Peer-Diskussionen. Wichtig ist, dass die Schüler selbst erkennen, wie Instinktarmut zur Grundlage für kulturelle Leistungen wird – nicht durch Vortrag, sondern durch eigenes Entdecken.

Erfolgreiches Lernen zeigt sich darin, dass die Schüler den Begriff 'Mängelwesen' nicht mehr als Abwertung, sondern als Ausgangspunkt für menschliche Freiheit und Kulturfähigkeit verstehen. Sie können zwischen biologischer Instinktausstattung und kultureller Kompensation klar unterscheiden und diese Verbindung in eigenen Worten erklären.


Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

  • Während der Think-Pair-Share-Aktivität 'Der Mensch im Zoo' beobachten Sie, dass einige Schüler den Begriff 'Mängelwesen' als generelle Unterlegenheit deuten. Lenken Sie die Diskussion gezielt auf den Unterschied zwischen biologischer Instinktausstattung und kultureller Anpassungsfähigkeit, indem Sie nach konkreten Beispielen von Tieren und Menschen fragen.

    Nach der Debatte 'Mangel oder Privileg?' achten Sie darauf, dass Schüler den Begriff 'Mangel' nicht mit 'Schwäche' gleichsetzen. Nutzen Sie Gehlens Argumentation aus der Debatte, um zu zeigen, dass Instinktarmut die Voraussetzung für kulturelle Leistungen ist.

  • Während des Rollenspiels in der Debatte 'Mangel oder Privileg?' verstehen einige Schüler 'Instinktarmut' als 'Instinktlosigkeit'. Nutzen Sie die Gelegenheit, um durch gezielte Fragen nach biologischen Antrieben – etwa Hunger, Fluchtreflex oder Brutpflege – den Unterschied zwischen automatischen Reaktionen und bewusster Handlung zu verdeutlichen.

    Bei der Collaborative Investigation 'Kultur als Zweite Natur' achten Sie darauf, dass Schüler die kulturelle Kompensation nicht als bloßen Ersatz, sondern als aktive Gestaltung verstehen. Fragen Sie nach, wie kulturelle Leistungen wie Sprache oder Technik die biologischen Mängel überwinden.


In dieser Übersicht verwendete Methoden