Das Ready-made: Kunst aus dem Alltag
Die Schülerinnen und Schüler deuten Alltagsgegenstände zu Kunstobjekten um und reflektieren Duchamps Konzept.
Über dieses Thema
Das Ready-made ist ein radikales Konzept, das die Kunstwelt im 20. Jahrhundert revolutionierte. In der 7. Klasse nutzen wir dieses Thema, um den Kunstbegriff der Schüler herauszufordern und zu erweitern. Es geht nicht mehr primär um das 'Machen' im handwerklichen Sinne, sondern um das 'Finden' und 'Umdeuten'. Die KMK-Standards zur Rezeption und Plastik finden hier eine ideale Anwendung, da die Schüler lernen, Alltagsgegenstände als ästhetische Objekte wahrzunehmen.
Durch die Analyse von Marcel Duchamps Werken verstehen die Lernenden, dass der Kontext (z.B. ein Museum) und die Intention des Künstlers entscheidend dafür sind, was wir als Kunst betrachten. Dieses Thema ist prädestiniert für lebhafte Diskussionen und philosophische Fragen. Wenn Schüler selbst Alltagsgegenstände auswählen und ihnen durch Titelgebung eine neue Bedeutung verleihen, erfahren sie die Macht der Idee in der zeitgenössischen Kunst.
Leitfragen
- Wann wird ein gewöhnlicher Gegenstand zur Kunst?
- Wie verändert der Kontext im Museum die Bedeutung eines Objekts?
- Welche Rolle spielt die Idee im Vergleich zum handwerklichen Können?
Lernziele
- Klassifizieren Sie Marcel Duchamps Ready-mades anhand ihrer ursprünglichen Funktion und ihres neuen künstlerischen Kontexts.
- Analysieren Sie die Rolle des Betrachters bei der Zuschreibung von Kunstwerken im Ready-made-Konzept.
- Erklären Sie, wie sich die Bedeutung eines Objekts durch seine Platzierung in einem musealen Raum verändert.
- Entwerfen Sie ein eigenes Ready-made-Konzept, indem Sie einen Alltagsgegenstand auswählen und ihm einen neuen Titel geben, der seine Bedeutung verändert.
Bevor es losgeht
Warum: Schüler müssen lernen, visuelle Elemente und deren Wirkung zu beschreiben, bevor sie die konzeptuellen Aspekte von Ready-mades erfassen können.
Warum: Ein grundlegendes Verständnis der historischen Periode hilft, die revolutionäre Natur von Duchamps Werk einzuordnen.
Schlüsselvokabular
| Ready-made | Ein von Marcel Duchamp geprägter Begriff für ein vorgefertigtes Objekt, das der Künstler auswählt und als Kunstwerk deklariert. |
| Kontextualisierung | Die Veränderung der Wahrnehmung und Bedeutung eines Objekts durch seine Platzierung in einem neuen Umfeld, wie z.B. einer Galerie oder einem Museum. |
| Intention | Die Absicht oder der Gedanke des Künstlers hinter der Auswahl und Präsentation eines Objekts als Kunstwerk. |
| Objektkunst | Eine Kunstform, bei der dreidimensionale Objekte, oft aus dem Alltag, im Mittelpunkt des Werkes stehen. |
Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen
Häufige FehlvorstellungKunst muss immer schwierig herzustellen sein.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Das Ready-made zeigt, dass die geistige Leistung – die Auswahl und Umdeutung – ebenso wertvoll sein kann wie handwerkliches Geschick. Aktive Diskussionen über den Wert von Ideen helfen, dieses moderne Kunstverständnis zu festigen.
Häufige FehlvorstellungJeder Müll ist automatisch ein Ready-made.
Was Sie stattdessen lehren sollten
Ein Ready-made benötigt eine bewusste Entscheidung und eine Präsentation durch den Künstler. Ohne diesen Kontext bleibt es ein Gebrauchsgegenstand. Das Erstellen eigener 'Ausstellungen' macht diesen feinen Unterschied deutlich.
Ideen für aktives Lernen
Alle Aktivitäten ansehenDebatte: Ist das Kunst?
Der Lehrer präsentiert verschiedene Objekte (ein signiertes Rad, einen Mülleimer, ein Gemälde). Die Schüler müssen in Teams argumentieren, warum ein Objekt Kunst ist oder nicht, basierend auf Kriterien wie Idee, Handwerk und Ort.
Planspiel: Die Museums-Kuratoren
Schüler wählen einen Gegenstand aus ihrem Schulranzen aus. Sie müssen dafür einen Sockel bauen, einen Titel finden und einen kurzen Museumstext schreiben, der erklärt, warum dieser Gegenstand nun ein Kunstwerk ist.
Ich-Du-Wir (Denken-Austauschen-Vorstellen): Kontext-Wechsel
Schüler überlegen sich einen Gegenstand und zwei völlig verschiedene Orte (z.B. Baustelle vs. Juwelier). Sie diskutieren mit dem Partner, wie sich die Wahrnehmung des Gegenstands an diesen Orten verändert.
Bezüge zur Lebenswelt
- Museen wie das Centre Pompidou in Paris oder das Museum of Modern Art in New York präsentieren regelmäßig Ready-mades und andere Formen der Objektkunst, um die Entwicklung des Kunstbegriffs zu dokumentieren.
- Zeitgenössische Künstler wie Ai Weiwei nutzen oft gefundene Objekte und Alltagsmaterialien, um soziale und politische Botschaften zu vermitteln, ähnlich wie Duchamp mit seinen Ready-mades.
- Designmuseen stellen oft auch Alltagsgegenstände aus, die aufgrund ihrer Form, Funktion oder ihres historischen Werts als Objekte mit besonderer Bedeutung betrachtet werden.
Ideen zur Lernstandserhebung
Die Schüler erhalten ein Bild eines Alltagsgegenstands (z.B. ein Stuhl, eine Gabel). Sie schreiben auf einen Zettel: 1. Wie hieß dieses Objekt ursprünglich? 2. Wie könnte es als Kunstwerk betitelt werden, um seine Bedeutung zu verändern? 3. Warum ist die Idee wichtiger als die handwerkliche Ausführung bei diesem Beispiel?
Stellen Sie den Schülern die Frage: 'Wenn ein Künstler einen einfachen Stein vom Strand auf ein Podest in einer Galerie stellt, ist das dann Kunst? Begründet eure Antwort mit Bezug auf Duchamps Konzept und die Rolle des Kontexts.'
Zeigen Sie verschiedene Bilder von Objekten. Die Schüler heben eine Karte mit 'Kunst' oder 'Keine Kunst' hoch, je nachdem, ob sie das Objekt als Ready-made interpretieren würden. Bitten Sie anschließend einige Schüler, ihre Wahl zu begründen.
Häufig gestellte Fragen
Wer hat das Ready-made erfunden?
Was ist der Unterschied zwischen Objektkunst und Ready-made?
Wie profitieren Schüler von aktivem Lernen bei diesem Thema?
Wie bewertet man ein Ready-made-Projekt?
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