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Zwei Staaten, eine Nation: BRD und DDR · 1. Halbjahr

Gründung und Verfassungen

Gegenüberstellung von Grundgesetz und DDR-Verfassung sowie der jeweiligen Staatsideologien.

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Leitfragen

  1. Welche Lehren zogen die Väter und Mütter des Grundgesetzes aus dem Scheitern von Weimar?
  2. Inwiefern unterschied sich der demokratische Anspruch der DDR von der Realität?
  3. Wie legitimierten beide Staaten ihren Alleinvertretungsanspruch?

KMK Bildungsstandards

SachkompetenzUrteilskompetenz
Klasse: Klasse 10
Fach: Vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Gegenwart: Brüche und Kontinuitäten
Einheit: Zwei Staaten, eine Nation: BRD und DDR
Zeitraum: 1. Halbjahr

Über dieses Thema

Die Gründung der beiden deutschen Staaten im Jahr 1949 markiert den Beginn einer jahrzehntelangen Systemkonkurrenz. Der Vergleich zwischen dem Grundgesetz der BRD und der Verfassung der DDR offenbart tiefgreifende Unterschiede im Demokratieverständnis und in der Staatsideologie. Während das Grundgesetz als bewusste Antwort auf das Scheitern von Weimar und die NS-Diktatur konzipiert wurde, war die DDR-Verfassung formal demokratisch, in der Realität jedoch dem Machtanspruch der SED untergeordnet.

Für Schüler ist es wichtig zu verstehen, dass beide Staaten für sich beanspruchten, das 'bessere' Deutschland zu sein. Die Analyse der Verfassungstexte schult die Sachkompetenz und das Verständnis für rechtsstaatliche Prinzipien. Es geht darum, den Unterschied zwischen Verfassungsanspruch und Verfassungswirklichkeit kritisch zu hinterfragen.

Dieses Thema profitiert enorm von vergleichenden Methoden, bei denen Schüler die Strukturen beider Staaten gegenüberstellen und die Auswirkungen auf den Alltag der Bürger diskutieren.

Lernziele

  • Analysieren Sie die Kernartikel des Grundgesetzes und der DDR-Verfassung, um die jeweiligen Staatsziele und Grundrechte zu identifizieren.
  • Vergleichen Sie die ideologischen Fundamente der BRD und der DDR, indem Sie die Rolle von Demokratie, Sozialismus und Rechtsstaatlichkeit in ihren Verfassungen gegenüberstellen.
  • Bewerten Sie die Wirksamkeit der jeweiligen Verfassungen bei der Legitimierung des Alleinvertretungsanspruchs beider deutscher Staaten.
  • Erklären Sie, wie die Erfahrungen der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus die Ausgestaltung des Grundgesetzes beeinflussten.

Bevor es losgeht

Das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Besatzungszonen

Warum: Grundlegendes Verständnis der Nachkriegssituation ist notwendig, um die Entstehung zweier deutscher Staaten und die Notwendigkeit neuer Verfassungen zu begreifen.

Grundlagen der Demokratie und des Rechtsstaats

Warum: Schüler benötigen ein Basiswissen über demokratische Prinzipien und rechtsstaatliche Institutionen, um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Verfassungen analysieren zu können.

Schlüsselvokabular

GrundgesetzDie Verfassung der Bundesrepublik Deutschland, die 1949 in Kraft trat und die Grundrechte sowie die Staatsstruktur festlegt.
DDR-VerfassungDie Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik, die ebenfalls 1949 verabschiedet wurde und den sozialistischen Charakter des Staates betonte.
AlleinvertretungsanspruchDer Anspruch eines deutschen Staates, die gesamte deutsche Nation völkerrechtlich zu vertreten, was beide Staaten nach 1949 erhoben.
Weimarer VerfassungDie erste parlamentarische Demokratie in Deutschland (1919-1933), deren Scheitern als Mahnung für die Verfasser des Grundgesetzes diente.
SED-HerrschaftDie politische Dominanz der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands in der DDR, die die Verfassungswirklichkeit maßgeblich prägte.

Ideen für aktives Lernen

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Bezüge zur Lebenswelt

Juristen, die sich mit Verfassungsrecht beschäftigen, analysieren noch heute die historischen Dokumente des Grundgesetzes und der DDR-Verfassung, um die Entwicklung des deutschen Rechtssystems zu verstehen und aktuelle Debatten zu führen.

Historiker in Archiven wie dem Bundesarchiv in Koblenz oder dem Stasi-Unterlagen-Archiv in Berlin nutzen die Verfassungstexte als Primärquellen, um die politische und gesellschaftliche Realität der BRD und DDR zu rekonstruieren und zu vergleichen.

Politikwissenschaftler untersuchen die Gründungsdokumente, um die unterschiedlichen Legitimationsstrategien von Staaten zu analysieren, was für das Verständnis internationaler Beziehungen und moderner Staatlichkeit relevant ist.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungDie DDR-Verfassung enthielt keine demokratischen Rechte.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Formal enthielt sie viele Grundrechte, die jedoch durch den Führungsanspruch der SED und die Praxis der Staatssicherheit ausgehebelt wurden. Ein Vergleich von Text und Realität hilft Schülern, den Begriff der 'Scheindemokratie' zu verstehen.

Häufige FehlvorstellungDas Grundgesetz war von Anfang an als endgültige Verfassung geplant.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Es war explizit als Provisorium gedacht, um die Einheit nicht zu gefährden, was sich im Namen 'Grundgesetz' und im ursprünglichen Artikel 146 widerspiegelt. Durch Quellenarbeit erkennen Schüler den provisorischen Charakter der Staatsgründung.

Ideen zur Lernstandserhebung

Kurze Überprüfung

Stellen Sie den Schülern zwei kurze Textauszüge zur Verfügung, einen aus dem Grundgesetz und einen aus der DDR-Verfassung. Bitten Sie sie, jeweils einen Satz zu formulieren, der die Kernidee des Auszugs zusammenfasst, und ein Stichwort zu nennen, das die Staatsideologie widerspiegelt.

Diskussionsfrage

Leiten Sie eine Diskussion mit der Frage: 'Inwiefern war die DDR-Verfassung trotz ihres formal demokratischen Anspruchs eine 'Scheinverfassung' im Vergleich zum Grundgesetz?' Fordern Sie die Schüler auf, konkrete Beispiele aus den Verfassungstexten und dem Wissen über die politische Praxis zu nennen.

Lernstandskontrolle

Geben Sie jedem Schüler eine Karte mit einer der folgenden Fragen: 'Welche Lehre aus dem Scheitern von Weimar wurde im Grundgesetz besonders berücksichtigt?' oder 'Wie versuchte die DDR-Verfassung, ihren Alleinvertretungsanspruch zu legitimieren?' Die Schüler schreiben eine kurze Antwort (2-3 Sätze).

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Häufig gestellte Fragen

Warum heißt das Grundgesetz nicht Verfassung?
Die Schöpfer des Grundgesetzes wählten diesen Namen bewusst, um den provisorischen Charakter des Staates zu betonen. Man wollte keine endgültige Verfassung für einen Teilstaat schaffen, sondern die Tür für eine spätere Wiedervereinigung aller Deutschen offen halten.
Was war der Alleinvertretungsanspruch?
Die Bundesrepublik behauptete unter der Hallstein-Doktrin lange Zeit, der einzige rechtmäßige deutsche Staat zu sein, da nur ihre Regierung auf freien Wahlen beruhte. Dies führte dazu, dass sie diplomatische Beziehungen zu Staaten abbrach, die die DDR anerkannten.
Welche Rolle spielten Frauen bei der Entstehung des Grundgesetzes?
Im Parlamentarischen Rat gab es nur vier Frauen, die 'Mütter des Grundgesetzes'. Besonders Elisabeth Selbert kämpfte gegen große Widerstände für die Aufnahme des Satzes 'Männer und Frauen sind gleichberechtigt' in Artikel 3, was die Rechtsstellung von Frauen in Deutschland revolutionierte.
Wie lässt sich das Thema Verfassungsvergleich aktiv gestalten?
Anstatt nur Texte zu lesen, können Schüler fiktive Gerichtsfälle lösen. Sie prüfen, wie ein Fall (z.B. eine regimekritische Äußerung) nach dem Grundgesetz und nach der DDR-Praxis entschieden worden wäre. Das macht die Unterschiede in der Rechtssicherheit unmittelbar erfahrbar.