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Sprache und politische Kommunikation · 1. Halbjahr

Sprache und Macht

Reflexion über den Zusammenhang von Sprache, Denken und gesellschaftlicher Realität.

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Leitfragen

  1. Inwieweit bestimmt Sprache unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit?
  2. Wie funktioniert Euphemismus als Werkzeug der politischen Verschleierung?
  3. Welchen Einfluss hat geschlechtergerechte Sprache auf gesellschaftliche Strukturen?

KMK Bildungsstandards

KMK: Sekundarstufe II - Sprachliche VielfaltKMK: Sekundarstufe II - Reflexion über Sprache
Klasse: Klasse 11
Fach: Sprache, Literatur und Medien im Wandel: Deutsch in der Einführungsphase
Einheit: Sprache und politische Kommunikation
Zeitraum: 1. Halbjahr

Über dieses Thema

Das Thema Sprache und Macht untersucht die tiefgreifende Verbindung zwischen unserem Sprachgebrauch und gesellschaftlichen Machtstrukturen. Schülerinnen und Schüler reflektieren, wie durch Sprache Realität nicht nur abgebildet, sondern aktiv konstruiert wird. Dabei stehen Konzepte wie Framing, Euphemismen und die Wirkung von geschlechtergerechter Sprache im Mittelpunkt. Es geht darum, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wie Worte Inklusion oder Exklusion bewirken können.

Im Rahmen der KMK-Bildungsstandards zur Sprachreflexion lernen die Lernenden, Sprache als ein Instrument des Handelns zu begreifen. Sie untersuchen, wie politische und soziale Gruppen Sprache nutzen, um Deutungshoheit zu erlangen. Dieser Lernbereich ist besonders prädestiniert für diskursive Formate, da die Bewertung von Sprache oft von persönlichen und gesellschaftlichen Werten abhängt. Durch strukturierte Debatten und gemeinsame Analysen von Medientexten entwickeln die Schüler eine kritische Sprachbewusstheit, die für eine Teilhabe an der demokratischen Gesellschaft unerlässlich ist.

Lernziele

  • Analysieren Sie die Funktion von Euphemismen in politischen Reden zur Verschleierung von Sachverhalten.
  • Bewerten Sie den Einfluss von gendergerechter Sprache auf die Konstruktion sozialer Realitäten und die Wahrnehmung von Geschlechterrollen.
  • Erklären Sie, wie Framing-Techniken die öffentliche Meinung zu gesellschaftlichen Themen beeinflussen.
  • Vergleichen Sie die sprachlichen Strategien verschiedener politischer Akteure zur Mobilisierung oder Demobilisierung von Wählergruppen.
  • Entwerfen Sie alternative Formulierungen für politisch aufgeladene Begriffe, um eine neutralere Diskussionsgrundlage zu schaffen.

Bevor es losgeht

Grundlagen der Argumentation und Rhetorik

Warum: Ein Verständnis grundlegender rhetorischer Mittel ist notwendig, um die Funktion von Sprache in Machtkontexten analysieren zu können.

Medienkompetenz und Textanalyse

Warum: Die Fähigkeit, Texte kritisch zu erschließen und ihre Intentionen zu erkennen, ist eine Basis für die Analyse sprachlicher Machtmechanismen.

Schlüsselvokabular

EuphemismusEin beschönigender Ausdruck, der dazu dient, unangenehme oder bedrohliche Sachverhalte zu verschleiern oder zu verharmlosen.
FramingDie Rahmung eines Sachverhalts durch Sprache, die bestimmt, wie dieser wahrgenommen und interpretiert wird, oft mit dem Ziel, eine bestimmte Deutung durchzusetzen.
Gendergerechte SpracheSprachliche Mittel, die darauf abzielen, die Sichtbarkeit und Gleichstellung aller Geschlechter zu fördern und diskriminierende Formulierungen zu vermeiden.
DeutungshoheitDie Kontrolle über die Interpretation und Bewertung von Ereignissen oder Sachverhalten in der Öffentlichkeit, oft durch gezielten Sprachgebrauch angestrebt.
Rhetorische StrategieGezielter Einsatz sprachlicher Mittel und Techniken in der Kommunikation, um Überzeugungsarbeit zu leisten, Emotionen zu wecken oder eine bestimmte Wirkung zu erzielen.

Ideen für aktives Lernen

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Bezüge zur Lebenswelt

Journalistinnen und Journalisten in Nachrichtenredaktionen wie der Tagesschau analysieren täglich die Sprache politischer Akteure und nutzen Framing-Analysen, um die öffentliche Debatte über Themen wie Migration oder Klimawandel zu verstehen und zu vermitteln.

Lobbyistinnen und Lobbyisten in Berlin verwenden gezielt Euphemismen und persuasive Sprache, um Gesetzesvorhaben im Sinne ihrer Auftraggeber zu beeinflussen und die öffentliche Wahrnehmung von Industrien zu steuern.

Die Entwicklung und Anwendung von gendergerechter Sprache in Unternehmen und öffentlichen Institutionen, wie z.B. die Nutzung von Doppelformen oder Binnen-I, spiegelt den gesellschaftlichen Wandel und die Auseinandersetzung mit Gleichstellung wider.

Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

Häufige FehlvorstellungSprache ist nur ein neutrales Werkzeug zur Informationsübertragung.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Sprache ist immer wertend. Jede Wortwahl schließt andere Perspektiven aus. Durch den Vergleich von Berichten über denselben Vorfall in unterschiedlichen Medien erkennen Schüler, dass es keine völlig 'objektive' Sprache gibt.

Häufige FehlvorstellungSprachliche Veränderungen (wie Gendern) können das Denken nicht beeinflussen.

Was Sie stattdessen lehren sollten

Die kognitive Linguistik zeigt, dass Sprache unsere Wahrnehmungskategorien prägt. Durch kleine Experimente (z.B. Assoziationstests zu Berufsbezeichnungen) erfahren Schüler selbst, wie stark sprachliche Formen ihre inneren Bilder steuern.

Ideen zur Lernstandserhebung

Diskussionsfrage

Teilen Sie die Klasse in Kleingruppen auf und geben Sie jeder Gruppe einen kurzen Textauszug aus einer politischen Rede oder einem Zeitungsartikel. Die Aufgabe lautet: Identifiziert mindestens zwei Beispiele für Framing oder Euphemismen und diskutiert, welche Wirkung diese auf die Leserschaft haben könnten. Präsentiert eure Ergebnisse im Plenum.

Lernstandskontrolle

Jede Schülerin und jeder Schüler erhält eine Karte mit der Frage: 'Nennen Sie ein Beispiel für geschlechtergerechte Sprache, das Sie im Alltag gehört oder gelesen haben, und erklären Sie kurz, warum es verwendet wird.' Sammeln Sie die Karten am Ende der Stunde ein.

Kurze Überprüfung

Stellen Sie die Frage: 'Was ist der Unterschied zwischen einer neutralen Beschreibung und einer Framing-Technik?' Bitten Sie die Lernenden, ihre Antwort kurz auf einem Notizzettel zu notieren und abzugeben. Überprüfen Sie die Antworten auf grundlegendes Verständnis.

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Häufig gestellte Fragen

Was versteht man unter 'Framing' in der Sprache?
Framing bedeutet, dass Informationen in einen bestimmten Deutungsrahmen eingebettet werden. Durch die Wahl bestimmter Begriffe werden bestimmte Assoziationen geweckt und andere ausgeblendet. Ein Beispiel ist der Begriff 'Steuererleichterung' (positiv besetzt) im Gegensatz zu 'Abbau staatlicher Leistungen' (eher negativ), obwohl derselbe Sachverhalt gemeint sein kann.
Warum ist die Auseinandersetzung mit NS-Sprache im Unterricht wichtig?
Die Analyse der Sprache im Nationalsozialismus zeigt drastisch, wie Sprache zur Entmenschlichung und Manipulation eingesetzt werden kann. Dies schult die Wachsamkeit gegenüber aktuellen antidemokratischen Tendenzen. Es ist ein wesentlicher Teil der historischen Verantwortung im deutschen Lehrplan, diese Mechanismen aufzudecken.
Wie hängen Sprache und soziale Ausgrenzung zusammen?
Sprache kann Barrieren schaffen, etwa durch Fachsprache, Soziolekte oder abwertende Bezeichnungen für Minderheiten. Wer die dominante Sprache nicht beherrscht oder durch sie herabgesetzt wird, hat erschwerten Zugang zu gesellschaftlicher Macht. Die Reflexion darüber fördert die Empathie und die sprachliche Sensibilität der Schüler.
Welche Vorteile bieten schülerzentrierte Diskussionen bei diesem Thema?
Themen wie Gendersprache oder politische Korrektheit sind oft emotional besetzt. In strukturierten Diskussionen lernen Schüler, ihre Meinung sachlich zu begründen und andere Perspektiven auszuhalten. Aktives Lernen ermöglicht es ihnen, die Macht von Worten im geschützten Raum selbst zu erproben, was zu einer reflektierteren eigenen Ausdrucksweise führt als rein theoretische Belehrungen.