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Philosophie · Klasse 12

Ideen für aktives Lernen

Rationalismus: Descartes und die Vernunft

Aktives Lernen zeigt hier, dass Wissen kein festes Abbild ist, sondern durch eigene Denkprozesse entsteht. Die drei Aktivitäten ermöglichen es den Schülern, durch eigenes Handeln zu erleben, wie das Gehirn Realität konstruiert und warum Viabilität wichtiger ist als absolute Wahrheit.

KMK BildungsstandardsNRW Kernlehrplan Philosophie Sek II, Inhaltsfeld 6: Prinzipien und Reichweite menschlicher ErkenntnisKMK EPA Philosophie, Problembereich: Erkenntnistheorie
30–60 Min.Partnerarbeit → Ganze Klasse3 Aktivitäten

Aktivität 01

Forschungskreis60 Min. · Kleingruppen

Forschungskreis: Die Brille der Wahrnehmung

Schüler analysieren in Gruppen verschiedene Medienberichte zum gleichen Thema. Sie identifizieren 'Frames' und Konstruktionen der Wirklichkeit und präsentieren, wie unterschiedliche 'Wahrheiten' entstehen.

Erkläre Descartes' methodischen Zweifel und seine Suche nach einem unbezweifelbaren Fundament des Wissens.

ModerationstippWährend der 'Brille der Wahrnehmung' achten Sie darauf, dass die Schüler konkrete Beispiele nennen, wie ihre persönlichen Filter ihre Realitätskonstruktion beeinflussen.

Worauf zu achten istDie Schüler erhalten die Aufgabe, auf einem Zettel kurz zu erklären, warum Descartes überhaupt zweifeln musste und welches das erste unbezweifelbare Ergebnis seines Zweifels war. Sie sollen dabei die Begriffe 'methodischer Zweifel' und 'Cogito ergo sum' verwenden.

AnalysierenBewertenErschaffenSelbststeuerungSelbstwahrnehmung
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Aktivität 02

Ich-Du-Wir (Denken-Austauschen-Vorstellen): Was ist 'viabel'?

Schüler überlegen sich Beispiele für Wissen, das zwar nicht 'wahr' sein muss, aber im Alltag funktioniert (z.B. die Vorstellung, die Sonne gehe auf). Sie diskutieren paarweise den Unterschied zwischen Wahrheit und Nützlichkeit.

Analysiere die Bedeutung des 'Cogito ergo sum' für den Rationalismus.

ModerationstippBeim Think-Pair-Share zu 'viabel' steuern Sie die Diskussion so, dass die Schüler zwischen 'subjektiv passend' und 'objektiv gültig' unterscheiden lernen.

Worauf zu achten istStellen Sie folgende Frage in den Raum: 'Können wir uns heute noch auf 'klare und deutliche Ideen' verlassen, um Wissen zu begründen, oder ist die Sinneserfahrung unersetzlich?' Lassen Sie die Schüler ihre Antworten mit Bezug auf Descartes' Ideen begründen.

VerstehenAnwendenAnalysierenSelbstwahrnehmungBeziehungsfähigkeit
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Aktivität 03

Planspiel45 Min. · Ganze Klasse

Planspiel: Das Kommunikationsspiel

Ein Schüler beschreibt ein komplexes Bild, die anderen zeichnen es, ohne Rückfragen stellen zu dürfen. Das Ergebnis verdeutlicht, wie Informationen im Kopf des Empfängers neu konstruiert werden und wie Missverständnisse systemisch bedingt sind.

Beurteile die Rolle angeborener Ideen in der rationalistischen Erkenntnistheorie.

ModerationstippIm Kommunikationsspiel vermeiden Sie Hinweise auf 'richtige' oder 'falsche' Konstruktionen, sondern fragen nach der Funktionalität der geteilten Modelle.

Worauf zu achten istGeben Sie den Schülern eine Liste mit verschiedenen Ideen (z.B. 'Die Sonne geht im Osten auf', 'Ich habe Hunger', '2+2=4', 'Gerechtigkeit'). Bitten Sie sie, zu entscheiden, welche davon nach Descartes als 'angeborene Idee' gelten könnten und welche 'erworben' wären, und kurz zu begründen.

AnwendenAnalysierenBewertenErschaffenSozialbewusstseinEntscheidungsfähigkeit
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Einige Hinweise zum Unterrichten dieser Einheit

Unterscheiden Sie klar zwischen Descartes' rationalistischem Ansatz und dem radikalen Konstruktivismus. Nutzen Sie Descartes als Einstieg, um den Zweifel als Methode zu verstehen, dann kontrastieren Sie dies mit Glasersfelds Viabilitätskonzept. Vermeiden Sie es, die Schüler in eine relativistische Haltung zu drängen, sondern betonen Sie die praktische Nützlichkeit von Konstruktionen. Forschung zeigt, dass Schüler diese Abstraktion besser verstehen, wenn sie sie erst in konkreten Beispielen anwenden, bevor sie sie abstrahieren.

Erfolgreiches Lernen zeigt sich darin, dass die Schüler zwischen Descartes' methodischem Zweifel und dem radikalen Konstruktivismus unterscheiden können. Sie nutzen die Begriffe 'Viabilität', 'Wahrnehmungsfilter' und 'Cogito ergo sum' aktiv in Diskussionen und Texten.


Vorsicht vor diesen Fehlvorstellungen

  • Während der Collaborative Investigation 'Die Brille der Wahrnehmung' könnte ein Schüler behaupten: 'Jeder hat seine eigene Realität, also ist alles egal.'

    Greifen Sie dies auf, indem Sie die Schüler auffordern, in ihren Gruppen zu überprüfen, welche ihrer Wahrnehmungen in der Realität handlungsfähig sind, z.B. durch Experimente mit optischen Täuschungen oder gemeinsamen Aufgabenlösungen.

  • Im Think-Pair-Share 'Was ist viabel?' könnte ein Schüler sagen: 'Es gibt keine Welt da draußen, wir erfinden alles.'

    Nutzen Sie die vorbereiteten Fragen zum 'blinden Fleck' im Sehsinn, um zu zeigen, dass das Gehirn zwar konstruiert, aber auf eine funktionierende Umwelt angewiesen ist – etwa indem Sie Schüler beschreiben lassen, wie ihr 'blinder Fleck' durch Augenbewegungen ausgeglichen wird.


In dieser Übersicht verwendete Methoden